Mittwoch, 27. Mai 2020

"Hollywood im Weltall - Waren wir wirklich auf dem Mond?" - Thomas Eversberg

Verlag Springer Spektrum, 2012
14,95 Euro


Worum geht´s?
‚Hollywood im Weltall‘ handelt von den Landungen der Amerikaner auf dem Mond - und von den seit vierzig Jahren bestehenden Zweifeln vieler Menschen, ob diese Landungen wirklich stattgefunden haben. Eversberg setzt sich mit den bekanntesten Lügen, Verschwörungstheorien und Bedrohungen auseinander und analysiert diese in vierfarbigen Detailaufnahmen und mit vielen vom Buch aus abrufbaren Filmsequenzen. Dabei geht er sowohl auf die ältesten gut bekannten, aber auch die aktuellsten Zweifel an der Mondlandung ein - und bietet Lesern aller Altersstufen so einen spannenden Krimi aus Physik, Politik und Geschichte.


Meine Meinung:
Für mich war immer klar, dass Menschen auf dem Mond gelandet waren und sich dort umgeschaut haben. Das war für mich eine Tatsache, die ich nicht hinterfragt hätte. Bis - ja, bis ich vor ein paar Jahren abends im TV eine Reportage sah, die sich mit der Frage beschäftigte, ob wirklich Menschen auf dem Mond waren, oder ob es sich dabei nur um einen großen Schwindel handelte. Das fand ich schräg, aber zugleich sehr interessant, und so habe ich mir die Sendung angeguckt. Es wurden dort diverse Dinge angesprochen und Fotos und Videoaufnahmen gezeigt, die die Mondlandung von 1969 hinterfragten und in Zweifel zogen. Mit - ich muss es so sagen, wie es mir damals erschien - tatsächlich sehr schlagkräftigen Argumenten. 
Da ging es um solche Fragen: Warum weht auf Fotos/Videos von der Mondlandung offenbar ein Wind - den gibt es doch auf dem Mond gar nicht?! Warum verlaufen Schatten auf Fotos nicht parallel, wenn doch nur die Sonne als einzige Lichtquelle da ist?! Warum - und dieses Argument ist mir seit damals tatsächlich als eindrücklichstes im Kopf geblieben - werden sogenannte Marker (kleine schwarze Raster-Kreuze auf dem Fotopapier zur Orientierung) auf den Fotos von Gegenständen/Personen auf dem Mond überdeckt, obwohl doch die Objekte sich eigentlich unter den Markern befinden müssten?! Hat da jemand etwa schon in den 60ern ge-fotoshopt?!
Diese Sendung öffnete mir damals die Augen für einen Umstand, der mir vorher nie bewusst gewesen war: Es gibt Menschen (und nicht wenige), die davon überzeugt sind, dass die Mondlandung ein Fake war und noch nie jemand wirklich auf dem Mond gelandet ist. Die bisher existierenden Fotos und Aufnahmen seien demnach in Studios auf der Erde entstanden.
Und was soll ich sagen: Diese Reportage hat genau das geschafft, was sie beabsichtigt hat - sie hat mich ein bisschen verunsichert. Nicht wirklich stark, ich bin eigentlich weiterhin der Meinung, dass tatsächlich schon mal jemand auf dem Mond gelandet ist. Aber trotzdem habe ich seit dieser TV-Sendung so eine klitzekleine zweifelnde Stimme im Hinterkopf. Mir sind da manche der genannten Argumente einfach bis heute nicht aus dem Kopf gegangen.

Als ich dann vor einiger Zeit dieses Buch hier sah, habe ich direkt zugeschlagen. Ich war neugierig, was jemand, der sich mit dem Thema besser auskennt als die Laien, die wir nun mal sind, dazu zu sagen hätte. Thomas Eversberg bemüht sich auch sehr, wissenschaftlich fundiert an die ganzen Argumente heranzugehen und sie zu widerlegen. Vielleicht bemüht er sich auch ein bisschen zu sehr, muss ich sagen. Ich weiß, das ist schräg, das so zu sagen; immerhin ist es sein Job und seine Aufgabe in diesem Buch, den genannten Kritiker-Argumenten zu begegnen. Aber in meinen Augen macht es sich Herr Eversberg mit seiner Herangehensweise des "Ockhams Rasiermesser" doch ein bisschen einfach. Dieses wissenschaftlich sehr oft genutzte Prinzip besagt, dass unter mehreren Thesen jene die richtige sei, die die wenigsten Annahmen braucht, um sie zu bestätigen. Das bedeutet simpel gesagt: das, was am einfachsten zu beweisen ist, ist allen anderen Annahmen vorzuziehen.
Klar, in der Wissenschaft ist diese Annahme wichtig. Ohne diese würde man sich vermutlich halb dusselig forschen. Ich hatte in meinem Studium und auch später im Berufsleben viel Statistik; ich habe eine Ahnung davon, was es heißt, sich auf Wahrscheinlichkeiten und Signifikanzen verlassen zu müssen. Nichts anderes macht Eversberg in seinem Buch. Er zeigt für jeden genannten Mondlandungs-Gegner-Punkt stets den einfachsten Weg auf, um das Kritiker-Argument logisch und wissenschaftlich zu widerlegen. Das ist anfangs ganz nett zu verfolgen, zunehmend wird man als Leser aber ein bisschen gelangweilt. Es ist eben wirklich der einfachste Weg, den man gehen kann, und mit dem man den trotzdem weiter bestehenden Diskussionen aus dem Weg gehen kann. Als hartnäckiger Gegner könnte man natürlich trotzdem ständig weiter behaupten, dass der einfachste Weg (= das einfachste Argument) nicht immer der richtige sein muss.
Und Herr Eversberg macht letztlich auch nichts anderes als "widerlegen". Klar, das ist sein Job in diesem Buch. Und er kann es eben auch, weil er nun mal das Wissen dazu hat, um zu zeigen, dass manche Annahmen von Laien wirklich Blödsinn sind. Aber mal ehrlich: Ab und zu hätte ich mir irgendwie mehr Unsicherheit auf seiner Seite gewünscht. Einfach mal eine Anmerkung, dass dieses oder jenes Kritiker-Argument echt ´ne harte Nuss ist und man sich wirklich dazu hinreißen lassen könnte, zu vermuten, dass...

Aber nein. Dieses sachlich-wissenschaftlich belehrende Auseinanderpflücken und Heranziehen des einfachsten Erklärungswegs zieht sich durchs ganze Buch. Ein einziges Mal kommt er ins Wackeln und das ist, als er selbst zugeben muss, wie unglücklich und unglaublich es ist, dass alle Original-Aufnahmen von der Mondlandung 1969 bei der NASA offenbar unauffindbar verschwunden sind und niemand mehr weiß, wo sie sind. (Das muss man sich mal vorstellen! Wenn man wollte, dann wäre das ja schon DAS Verschwörungskriterium schlechthin!!)

Was mir letztlich im Buch auch nicht so gut gefallen hat, ist die Aufmachung von Text und Abbildungen. Herr Eversberg lobt die allgemeine wissenschaftliche Herangehensweise über den grünen Klee, befolgt dabei aber eine der wesentlichsten Vorgaben des wissenschaftlichen Arbeitens und Schreibens selbst nicht. Im Buch befinden sich diverse Fotografien, bunt und schwarz-weiß, von verschiedenen Mondlandungen und Funden, Apparaten etc. Allerdings stehen diese Fotos immer losgelöst vom Text. Im Text wird nie Bezug genommen auf das Bild durch einen Querverweis o.ä., was dazu führt, dass mir oftmals überhaupt nicht klar war, was man auf den Bildern eigentlich sehen soll. Ob das überhaupt etwas zu tun hat mit dem Text, ob das Foto sein Argument jetzt stützen oder widerlegen soll - manchmal wusste ich gar nicht, was mir ein Bild eigentlich sagen sollte. Das war schon schade und hat sich letztlich ins eher negative Gesamtbild eingefügt.

Insofern war ich nach dem Lesen des Buches (und zuletzt nur noch Querlesen, ich geb´s zu, weil es immer nach demselben Schema ablief) einfach ein bisschen enttäuscht. Nicht darüber, dass einem von Herrn Eversberg der Zahn gezogen wird, es hätte wirklich keine Mondlandung gegeben. Nein, einfach, weil dieses "Entzaubern", das darin mitschwingt, leider ziemlich langweilig und monoton passiert.



Freitag, 15. Mai 2020

Freitagsgedanken: Von Geburtstagsüberraschungen und gepuzzelten Hunden

Oje - schon wieder eine Woche vorbei. Momentan ist irgendwie viel los und ich schaffe manches nicht, das ich mir eigentlich vorgenommen habe. Zu kurz kommt gerade auf jeden Fall das Lesen, das stört mich auch sehr. Aber auch diesen Beitrag hier z.B. wollte ich schon vor einigen Tagen schreiben, aber dann ist immer etwas dazwischen gekommen (oder ich hatte keine Lust auf Laptop-Schreiben). 

Ende April hatte ich Geburtstag und ich habe u.a. Bücher geschenkt bekommen. Wunderbare Bücher!! Einen Teil davon hatte ich mir tatsächlich gewünscht, andere haben mich aber wirklich sehr überraschen können. 
Gewünscht habe ich mir beispielsweise
- "Effi liest" von Anna Moretti, weil es für den Delia-Literaturpreis nominiert war und mich daher neugierig gemacht hat;
- "Die Anatomie des Teufels" von Jordi Llobregat, weil es ein bisschen wie mein Lieblingsbuch "Der Schatten des Windes" sein soll;
- "Das Lächeln einer Sommernacht" von Luca Ammirati, weil es wunderschön romantisch klingt; und
- "Die unglaubliche Flucht des Uriah Heep" von H.G. Parry, weil mich die Neuerscheinung aus dem April ziemlich neugierig gemacht hat.

Von meinen Schwestern habe ich darüber hinaus noch den ersten "Reckless"-Teil von Cornelia Funke in der Taschenbuchausgabe bekommen. Nachdem ich meiner Schwester gegenüber neulich erklärt habe, warum ich die Veränderungen im Buch so blöd finde (wie ich HIER geschrieben habe), dachte sie sich wahrscheinlich, bevor ich mich weiter aufrege, sollte ich es lieber einfach lesen... :D
Und meine Mutter... Meine Mutter liest genauso gern wie ich und hat deswegen ein Ohr für spontan geäußerte Buchwünsche und Buchüberlegungen. Ihr habe ich ja schon die völlig unerwartet geschenkten Teile 2 und 3 der "Spiegelreisenden"-Reihe von Christelle Dabos zu Weihnachten zu verdanken. Neulich fragte ich sie mal, ob sie eigentlich noch von früher ein Buch von Ernest Hemingway besitzt, weil ich selbst noch nie etwas von ihm gelesen habe. Sie verneinte zwar und meinte, sie hätte auch nie etwas von ihm gelesen. Zum Geburtstag bekam ich dann aber plötzlich und unerwartet "Der alte Mann und das Meer" geschenkt. Und damit nicht genug: Sie sah sich auch gleich in der Pflicht, mir "Die drei Musketiere" von Dumas zu schenken (nicht mit auf dem Foto), das ich ebenfalls noch nie gelesen habe. Es sei eins ihrer Lieblingsbücher in der Jugendzeit gewesen, wie sie nicht müde wird mir zu erzählen, also müsse ich das in ihren Augen auch endlich mal lesen.


Die größte Überraschung kam dann aber tatsächlich noch von meinem Bruder. Er (der selber nicht eine einzige Buchseite im ganzen Jahr liest!!) hat mir doch tatsächlich eine englisch-sprachige Erstausgabe (!!) von "A Prayer for Owen Meany" von John Irving geschenkt - einem meiner Herzens- und Lieblingsbücher überhaupt! Ich hab fast geheult, denn damit nicht genug: Diese Erstausgabe ist auch noch von John Irving selbst signiert!!!!!!
*kreisch*

Oh Gott, ich hab mich so gefreut. Das Buch ist in eine Schutzfolie eingehüllt, die ich natürlich auch drum lasse (deswegen aber auch das Blitzlicht auf dem Foto - man kann das Gürteltier drauf kaum sehen :D), aber ich habe das Buch schon mehrfach gehätschelt und getäschtelt. Dieses Buch bedeutet mir wirklich unglaublich viel. Das hat mich beim Lesen damals sehr verändert, meine Lebens- und Sichtweisen. Ich habe es gelesen, als ich 15 oder 16 war und danach war mir erst wirklich klar, was Literatur, was Bücher eigentlich mit einem machen können. Dieses Buch werde ich immer als unglaublich großen Schatz in meinem Kopf und Herzen behalten. Und dann schenkt mein Bruder mir ausgerechnet dieses Buch als signierte Erstausgabe. Mein Bruder, also echt, immer für eine Überraschung gut...


Ja, das waren meine buchigen Geburtstagsgeschenke. Ich hab irgendwie nur tolle Sachen geschenkt bekommen, aber an den Büchern wollte ich euch noch Teil haben lassen. Es gab auch Puzzles (ja, in Mehrzahl ;) ), und in den letzten Tagen habe ich mich wieder an eins gesetzt. Auf dem Foto kann man leider nicht annähernd alle Kleinigkeiten und Details erkennen, aber es ist ein herrliches Motiv, ganz ehrlich:




Am Wochenende möchte ich gern lesen, vielleicht sogar endlich mal eins meiner diversen begonnenen Bücher beenden, das wär schon schön. Ich müsste allerdings auch mal wieder ein paar Rezensionen und Leseeindrücke schreiben. Vielleicht stelle ich euch in den nächsten Tagen auch einfach erstmal die Bücher vor, die ich gerade alle angefangen habe.

Macht euch ein schönes Wochenende!

Sonntag, 3. Mai 2020

Neuerscheinungen im Mai

Neuer Monat, neue Bücher, neue Lesepläne. Ich zeige euch heute die Bücher, die im Mai neu erscheinen und die mich besonders neugierig gemacht haben. 
Allerdings werde ich es bei diesen Mai-Büchern bis auf eine Ausnahme (denn die ist schon bestellt) wohl erstmal beim "neugierig sein" belassen und mich nicht gleich ins Kaufen stürzen. Bei mir sind gerade in den letzten Tagen viele neue Bücher eingezogen. Ich hatte Geburtstag und habe wunderbare (und wunderbar viele) Bücher geschenkt bekommen, die zeige ich euch mal noch in den nächsten Tagen. Außerdem habe ich noch drei offene Buchbestellungen aus den letzten Wochen (upps...) und gerade eben musste ich mir leider ein weiteres Taschenbuch bestellen (Teil 3 der "Evolution"-Reihe von Thomas Thiemeyer: mal ehrlich, so mittendrin warten und nicht weiterlesen ist schon doof, also muss dieser letzte Teil nun auch noch her). 
Im Mai werde ich mich also erst einmal zurückhalten und mir diese Bücher hier zunächst aus der Ferne anschauen. Und vielleicht auch erstmal auf ein paar Rezensionen warten.


***Die Links bringen euch zur Inhaltsangabe***

Bereits bestellt habe ich "Der Tunnel" von Chris McGeorge, das herrlich fies und geheimnisvoll klingt. Sechs Personen fahren mit dem Boot in einen Tunnel, aber nur Einer kommt wieder raus - und kann sich an nichts erinnern. Ich bin gespannt!
Über "One of us is next" habe ich euch hier schon etwas berichtet. Ich werde vermutlich wirklich erst noch einmal den ersten Teil lesen, bevor ich mich dieser Fortsetzung widme.
Anne Freytag schreibt toll. Ich mag ihren Schreibstil wirklich sehr, sie trifft manchmal arg ins Schwarze mit dem, was sie schreibt. Bei ihrem letzten Buch "Mein Leben basiert auf einer wahren Geschichte" habe ich daher ziemlich viel markiert. Auf ihr neues Buch "Das Gegenteil von Hasen", in dem sich private ungesagte Gedanken einer Schülerin viral im Internet verbreiten, ohne dass sie eine Ahnung hat, wer dies getan haben könnte, bin ich daher auch neugierig. Klingt im ersten Moment sehr gesellschaftskritisch, ich bin gespannt, was Frau Freytag draus macht.
"Der Nachtzirkus" von Erin Morgenstern war vor ein paar Jahren ein ziemlicher Renner, den ich zwar mitbekommen habe, gelesen habe ich das Buch aber dennoch erst Anfang dieses Jahres. Nun erscheint ihr nächstes Buch auf Deutsch, "Das sternenlose Meer", das ähnlich träumerisch klingt. Ich habe bisher von einigen gemischten Meinungen und Reaktionen darauf gehört; vermutlich waren die Erwartungen an das neue Buch nach ihrem Debüt-Knaller wohl doch etwas sehr hoch. Ich werde mir wohl selbst eine Meinung bilden und freue mich auf das Buch.
Petra Hülsmann hat schöne Romane geschrieben, aber auch welche, die mir nicht so gefallen haben. Ist immer so eine Sache. Jetzt erscheint ihr neues Buch "Morgen mach ich bessere Fehler", das nach skurrilem Roadtrip mit romantischen Untertönen klingt - also schon irgendwie nett in meinen Ohren. Mal sehen, wie es so in der Masse ankommt bei anderen Lesern.
Besonders gespannt bin ich auf "Das Antiquariat der Träume", in dem der Hauptfigur nach einem traumatischen Erlebnis die Figuren aus Büchern real erscheinen. Klingt nicht so neu, die Idee; allein im letzten Monat habe ich euch zwei neue Bücher vorgestellt, in denen es auch darum geht, dass Figuren aus Büchern zum Leben erweckt werden bzw. aus ihren Seiten herauskommen (HIER). Trotzdem klingt die Inhaltsangabe hierfür so melancholisch-geheimnisvoll und nach einer echten Schmöker-Geschichte, dass ich gut glaube, dass mir das gefallen könnte.
"Die Geschichtensammlerin" klingt historisch-politisch, spielt 1989 im kommunistischen Rumänien, und ich könnte mir vorstellen, dass es mitunter ganz schön starker Tobak zu lesen ist. Aber bisher haben mir wirklich alle Bücher aus dem Wunderraum Verlag gefallen, daher bin ich mir sehr sicher, dass es bei diesem Buch hier nicht anders sein wird.
Zu guter Letzt ist noch "Cursed" dazu gekommen, in dem es um eine neuartige Version der Artus Legende geht. Ganz ehrlich, ich habe mich mit Artus und seinen Taten nie beschäftigt, mein Wissen dazu ist höchst marginal, also ist es vielleicht auch gar nicht die beste Idee, sich für ein Buch zu begeistern, das die eigentliche Sage hier so ... naja, halt anders aufbereitet. Aber "Cursed" klingt cool, hat schwarz-weiße Illustrationen und da ich kein Netflix habe und daher auch nicht in den Genuss der Verfilmung dazu kommen werde, habe ich ein Auge auf dieses Buch geworfen. 

Ist etwas für euch dabei? Ist mir vielleicht eine supertolle Neuerscheinung entgangen? Immer her damit!


Mittwoch, 29. April 2020

"Das legt sich wieder" - Steffi von Wolff

Droemer Knaur Verlag, 2020
9,99 Euro



Handlung:
Die 44-jährige Betty, Anwalts-Empfangsdame und zweifache Mutter, ist hin- und hergerissen zwischen ihrer Jugendliebe und ihrem (zu?) perfekt funktionierenden Familien-Leben. Susannas Ehemann entpuppt sich als A...loch und reicht die Scheidung ein, durch die Susanna von heute auf morgen vor dem Nichts steht. Caroline kann seit einiger Zeit einfach nicht mehr aufhören, Dinge zu kaufen, die sie sich überhaupt nicht leisten kann, und ihr Mann weiß nichts von dem wachsenden Schuldenberg … Die drei besten Freundinnen aus Schultagen stecken in einer handfesten Krise und brauchen dringend eine Auszeit! Zum Glück besitzt Susanna ein Segelboot. Und so machen sie einen Segeltörn von Hamburg bis zur Bretagne, bei dem die Freundinnen jede Menge Ideen haben, wie sie ihr Leben wieder in den Griff kriegen – und jede Menge Spaß, auch wenn es manchmal kracht!




Meine Meinung:
Steffi von Wolff ist mir als Autorin von "Frauen-Romanen" durchaus ein Begriff, allerdings habe ich von ihr noch nie etwas gelesen. Das hat sich mit "Das legt sich wieder" zwar nun geändert, leider hat mich die Geschichte jedoch nicht wirklich von sich überzeugen können.
Es geht um Susanna, Caroline und Betty, drei langjährige Freundinnen, die alle mit verschiedenen Problemchen und Katastrophen des mittleren Alters zu kämpfen haben. Die weibliche Midlife Crisis sozusagen. Die drei beschließen, einen Segeltörn nach Frankreich zu unternehmen, um den Kopf mal wieder frei zu kriegen und sich vielleicht auch Rat und Tat der Busenfreundinnen bezüglich diverser Dilemma einzuholen.
So weit so gut. Die Ausgangsidee fand ich wirklich nett. Der Grundgedanke, dass so lange Freundschaften trotz räumlicher Distanzen überstehen können, und dass langjährige Freundinnen einfach immer für einen da sind und Unterstützung bieten, selbst zu wirklich schwierigen und holprigen Zeiten, macht Mut und ist gerade in der heutigen Zeit der schnell- und kurzlebigen Online-Bekanntschaften sicher doppelt soviel wert. Insofern war ich zu Beginn sehr aufgeschlossen und neugierig, was sich abspielen würde. Jede der drei Freundinnen bekommt ihre eigene Erzählperspektive, jede hat ihre sympathischen, aber eben auch ihre unbequemen Ecken und Seiten. Vor allem aber hat jede ihre sprichwörtlichen Leichen im Keller, das wird schnell klar. 
Leider hat mich die Geschichte von Anfang an aber wenig unterhalten und von sich einnehmen können. Die Ausführungen über die Lebensstile der drei am Anfang wirkten für mich noch ein bisschen dröge und altbacken, das änderte sich im Verlauf dann aber glücklicherweise. Als die drei erstmal aufeinander treffen und in See stechen, wird es zwischen ihnen lockerer und direkter, die ganze Erzählung nimmt mehr Fahrt auf. 
Gleichzeitig habe ich mir bei manchen Dialogen aber von Beginn an fast an den Kopf gefasst - so bieder und gestelzt-trocken unterhält sich doch niemand...?! Schon gar nicht drei Frauen, die sich so lange kennen und wirklich schon jeden Mist der anderen miterlebt hat. Die Dialoge waren für mich also teilweise echt holpig.
Das wär aber irgendwie alles noch ok gewesen. Was mir jedoch wirklich nicht gefallen hat in dieser Geschichte ist die völlig unglaubwürdige Ansammlung von Klischees, die Seite für Seite passieren. Egal, was man sich vorstellen mag an Irrungen und Wirrungen, Skandalen und Unmöglichkeiten in einem Roman - hier in diesem Buch begegnen sie einem irgendwie alle. Wenn man glaubt, schräger und vorhersehbarer geht es nicht, schreibt Frau Wolff noch eins drauf. Egal ob Scheidung, Untreue, Rachegelüste, Mordanbahnungen, Affären, schnelle Nummern auf hoher See, Geldprobleme, Raub, Männertausch, missratene Kinder und/oder Ehemänner - ein übertriebener Aspekt nach dem anderen gibt sich die Klinke in die Hand. Es gibt hier wahrlich nichts, was es nicht gibt - aber ziemlich viel von Dingen, die man schon einer Romanfigur alleine nicht zumuten möchte, geschweige denn gleich dreien auf einmal. 
Vor allem wird auch alles so schnell abgehakt und verziehen und - ach Schwamm drüber, weiter geht´s, im nächsten Kapitel wird die nächste Klischee-Leiche ausgepackt. Und das war mir dann tatsächlich doch zuviel. Wäre das ein Film im Abendprogramm gewesen, hätte ich ihn sicher nach 15 Minuten wegen völliger Unglaubwürdigkeit abgestellt, tut mir Leid. Ich finde es ok, wenn es in Romanen locker und auch mal übertrieben zugeht, wenn man das alles mit einem Augenzwinkern lesen sollte (immerhin ist es Fiktion), aber wenn an dieser Geschichte wegen sooo vielen bemühten Klischees und Vorhersehbarkeiten einfach nichts mehr passt und glaubwürdig ist - dann ist das mit Sicherheit kein Buch, das ich gern empfehlen kann.


Ein herzliches Dankeschön an den Droemer Knaur Verlag!


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