Dienstag, 27. Juni 2023

"Morgen, morgen und wieder morgen" - Gabrielle Zevin

eichborn Verlag, 2023

25,00 Euro



Worum geht´s?

Mitte der 90er-Jahre in Massachusetts: An einer U-Bahn-Station trifft Sadie, hochbegabte Informatikstudentin und angehende Designerin von Computerspielen, ihren früheren Super-Mario-Partner Sam wieder. Die beiden beginnen, gemeinsam an einem Spiel zu arbeiten, und schnell zeigt sich, dass sie nicht nur auf freundschaftlicher, sondern auch auf kreativer Ebene ein gutes Team sind. Doch als ihr erstes gemeinsames Computerspiel zum Hit wird, brechen sich Rivalitäten Bahn, die ihre Verbundenheit zu bedrohen scheinen.

Ein Jahrzehnte umspannender Roman über Popkultur und Kreativität, Wagnis und Scheitern, über Verlust und über die Magie der Freundschaft.


Meine Meinung

Wenn John Green über dieses Buch tatsächlich gesagt hat "Eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe", dann tut er mir eigentlich ein bisschen Leid, denn dann hat er scheinbar noch nicht so viel gutes in seinem Leben gelesen. Was nicht heißen soll, dass "Morgen, morgen und wieder morgen" schlecht wäre oder ein "nicht gutes Buch". Nein, es ist ok. Es ist in meinen Augen aber den ganzen Hype nicht wert, der seit Monaten darum gemacht wird. Ich zumindest habe der Geschichte offenbar nicht so viel bedeutendes und augenöffnendes entnehmen können, dass es mich nachhaltig beeindruckt hätte.

Die Story um Sam und Sadie ist ganz nett zu lesen, mir persönlich aber leider viel zu langatmig. Ich habe schon nach etwa 50 Seiten nicht mehr so richtig Lust zum Weiterlesen gehabt, habe dann entsprechend auch andere Bücher dazwischen geschoben und mich schnell dabei erwischt, wie ich Seiten in "Morgen, morgen und wieder morgen" überblätterte. Teils bin ich in der Geschichte mal eben 30-40 Seiten vorgesprungen und hatte absolut kein Problem, an späterer Stelle wieder einzusteigen. Und das, obwohl die Story auf mehreren Zeitebenen geschrieben ist und diese Sprünge im Erzählen mitunter auch recht wahllos geschehen. Die wesentlichen Eckpunkte der Geschichte habe ich mitbekommen: die Freundschaft, der Neid, die Missgunst, das Vermissen, das Nicht-ohne-Einander-Sein-Können zwischen Sadie und Sam. Gar nicht mal so auf eine gezwungene romantische Art, und das rechne ich Gabrielle Zevin in dem Kontext hoch an, in dem es weniger um die Liebe, sondern eher um die berufliche Entfaltung und Verwirklichung von Träumen geht. 

Richtig auf die Kosten kommen sicher diejenigen, die hier auch jede Menge der erwähnten Spiele kennen und vielleicht selbst gespielt haben. Ich bin keine typische Gamerin, eher eine "Wohlfühl-Spielerin in fremden Welten", weshalb ich Sadies Vorliebe für ein Spiel wie "Harvest Moon" in der Tat gut nachvollziehen konnte. Ansonsten kannte ich viele der genannten Spiele nicht, auf die sich hier bezogen wird, aber das war letztlich auch ok.

Das ganze Buch war ok - aber in meinen Augen eben nicht mehr. Bei mir hat es wenig Eindruck hinterlassen und ich bezweifle, dass ich mich in ein paar Wochen oder Monaten an wesentliche Inhalte der Story noch werde erinnern können. Insofern kann ich persönlich John Green mit seinem Ausspruch nicht zustimmen.


Sonntag, 11. Juni 2023

"The Unhoneymooners" - Christina Lauren

everlove Verlag, 2023

15,00 Euro




Worum geht´s?

Olive Torres ist der Pechvogel der Familie: Von unerklärlichen Missgeschicken verfolgt scheint ihr Leben geradezu absurd verhext. Ganz anders als das Leben ihrer Zwillingsschwester, die sogar ihre gesamte Hochzeit durch Gewinnspiele und perfekt getimte Rabattcoupons finanzieren konnte. Aber Olive gönnt ihrer Schwester das ganze Glück, und sie freut sich auf die Hochzeit. Es gibt allerdings jemanden, der ihr die Vorfreude verdirbt: ihr Erzfeind, Ethan Thomas, der Trauzeuge ihres zukünftigen Schwagers. 

Doch dann bekommt die gesamte Hochzeitsgesellschaft eine Lebensmittelvergiftung. Nur Olive und Ethan bleiben verschont. Plötzlich sind sie die Einzigen, die die nicht verschiebbare Hochzeitsreise nach Hawaii antreten können, und Olive will verdammt sein, wenn Ethan das Paradies allein genießen darf! Sie einigen sich auf einen vorübergehenden Waffenstillstand und fliegen gemeinsam nach Maui. Der Haken: Vor Ort müssen sie so tun, als seien sie ein verliebtes Paar in den Flitterwochen. Doch zu ihrer Überraschung stellen sie bald fest, dass es gar nicht so schwer ist, so zu tun, als ob...


Meine Meinung:

"The Unhoneymooners" habe ich an einem (nämlich diesen) Wochenende runtergelesen. Das war gerade genau das, was ich zum Lesen gebraucht habe: lustig, romantisch, ein bisschen böse und schadenfroh, ein bisschen Sommer- und Urlaubsfeeling, ein bisschen herzhaft lachen. Noch dazu ist das ganze herrlich und ehrlich geschrieben; ich glaube, das hat mich am meisten begeistert: dass es nicht übertrieben und unecht daherkommt, sondern eine wirklich rundum nette Geschichte ist, die mitfiebern lässt - auch wenn man sich anhand des Genres natürlich irgendwie denken kann, wie es ausgeht. Aber ich bin schon lange nicht mehr so gut unterhalten worden wie bei den "Unhoneymooners". 

Ich habe an mancher Stelle herzhaft lachen müssen. Ich fand Olive, die Hauptfigur, sehr sympathisch mit ihren Ecken, Kanten (oder eher Kurven) und kleinen Macken. Auch Ethan, ihr Gegenpart, hat mir gefallen: lange verhasst, aber trotzdem irgendwie ein netter Kerl, wie Olive während ihres unfreiwilligen Beisammenseins im Urlaub feststellen muss. Die Funken, die sich zwischen beiden entwickeln, wurden wunderbar und authentisch von den beiden Autorinnen (ja, es sind zwei) dargestellt, deshalb wollte ich einfach immer weiter und weiter lesen. Die ganzen Kapitel, die im Urlaub auf Maui spielen, sind einfach herrlich. Wunderbare Dialoge mit Sticheleien und zunehmenden Flirts, aber auch die Gedankengänge von Olive fand ich stets passend. Dazu Beschreibungen von Partnermassagen, unliebsamen Dinnergästen, Schnorcheltouren und und und. Die Fake-Flitterwochen nehmen zwei Drittel des Buches ein, durch die man so durchfliegt. Das letzte Drittel spielt dann wieder daheim bei beiden, zurück im Alltag sozusagen, und da gab´s für mich ein paar kleine Schwächen. Viele Dialoge um wenig Inhalt, einige Missverständnisse, auch ein bisschen viel Drama. Die Story hört eben nicht einfach nach dem Maui-Urlaub auf. Das für mich etwas schwächere letzte Buchdrittel macht den Gesamteindruck aber nicht kaputt, insgesamt hat mir "The Unhoneymooners" wirklich gut gefallen und bleibt mir als herausstechendes positives Beispiel im Genre "Rom-Com", wie man heute so schön sagt, in Erinnerung.

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