Montag, 27. März 2023

Getestet: Die Buchklopfen-Box von Hugendubel

Eigentlich bin ich kein allzu großer Freund von sogenannten Buchboxen - Überraschungs-Boxen und Kisten mit einem zuvor meist unbekannten Buch und einer Menge mal mehr, mal weniger dazu passenden Goodies. Diese kann man bestellen, teilweise im Abo, teilweise auch nur einmalig, und bekommt sie bequem nach Hause geliefert. Und kann sich dann überraschen lassen. Owlcrate, Fairyloot, das deutsche Pendant Schmökerbox ... - und wie sie nicht alle heißen.

Wie gesagt, eigentlich bin ich davon gar kein so großer Freund. Ich habe bisher 2x eine Schmökerbox bestellt und beide Male auch nur deshalb, weil ich mir anhand der Vorabtipps und Hinweise auf die Verlage zusammenreimen konnte, welches Buch mich in der Box erwarten würde - Bücher, die ich mir eh gekauft hätte. Dann halt mal die Schmökerbox probieren, dachte ich mir dann. Beide Male war ich so lala zufrieden, manche der "Goodies" waren ok, für viele hatte ich aber auch schlicht keine Verwendung. Und das befürchte ich bei den meisten solcher Boxen, für die online kräftig Werbung gemacht wird. 

Manche kaufen sich solche Boxen ja regelmäßig, haben Abos laufen, die ihnen jeden Monat solche Merchandise-Artikel ins Haus liefern. Tassen, Schüsseln, Kerzen, Dosen, Papiere, Anhänger, Schlüssel, Schmuck, Figuren, Bilder, Poster und Sticker und was nicht noch alles. Und ich frage mich immer, was die Leute damit eigentlich machen...? Ich habe heute noch die eine Dose unnütz bei mir im Regal stehen, die ich in der einen Schmökerbox dabei hatte, ich habe bis heute irgendwie keine Verwendung dafür finden können.  

Ich habe mich vor einigen Wochen dennoch erneut online überzeugen lassen, eine solche Box auszuprobieren. Hugendubel hat sogenannte "Leseglück"-Boxen, die neu erschienene Buchüberraschungen liefern, einmalig oder als Abo. Relativ neu ist die sogenannte "Buchklopfen" - Box, die den Schwerpunkt auf - man kann es sich denken - Romantik legt. Und ich habe mich breitschlagen lassen. Ich habe mir gedacht, "Komm, mal wieder so ein richtiger Schmachtroman, irgendwas romantisches, als Überraschung, ist ja eine Neuerscheinung, kennst du also nicht." Ich habe die Buchklopfen-Box Februar einmalig bestellt, also nicht im Abo. 

Zum Glück. Klingt fies, ist aber so. Von der Buchklopfen-Box war ich leider überhaupt nicht überzeugt. Der Karton machte äußerlich noch einen sehr netten Eindruck. Den Karton könnte ich glatt behalten und was hübsches reinpacken, dachte ich mir noch so. Dann ging ich ans Aufreißen und stellte schnell fest, dass Hugendubel offensichtlich einen Superkleber benutzt, der verdammt gut klebt. Im Sinne von: keine Chance, diesen Karton so aufzureißen, dass er keinen Schaden nimmt. Wie man auf dem Foto sehen kann, war der Karton schnell so demoliert und so hässlich aufgerissen, dass ich jetzt wohl doch keine so rechte Verwendung mehr dafür haben werde. Erster Minuspunkt.

Dann ging´s an Auspacken. Ich habe mit dem Buch angefangen, hielt kurz darauf "Vor uns die Dämmerung" von B. Celeste in der Hand, was mir zunächst nichts sagte. Aber schon das Lesen der Buchrückseite führte dazu, dass ich direkt keine Lust mehr auf das Buch hatte. "Die Booktok Sensation aus den USA", aha, hm. Ich finde, auf Booktok werden ja ne Menge Bücher gehypt, die es in meinen Augen nicht verdient haben. Da bin ich schon mal per se skeptisch. Irgendwo auf einem Flyer oder im Buch (ich weiß es jetzt gar nicht mehr) las ich dann den Zusatz "Books that made me cry", was zu noch mehr Abneigung bei mir führte. Die Inhaltsangabe gelesen, Dinge wie "tote Schwester, Krankheit, Verlust" erspäht und mir nur gedacht "Och nö". Dieser plumpe Wortlaut "Ihr Stiefbruder Kaiden ist wütend, abweisend und so unglaublich gutaussehend" gab mir dann den Rest. Echt, wenn schon auf dem Buchrücken alles wieder so platt und oberflächlich klingt, das herausstechendste Merkmal des tollen Stiefbruders ist, dass er gut aussieht - dann mag ich sowas irgendwie gar nicht mehr lesen. Über den gutaussehenden Stiefbruder hätte ich vermutlich noch hinweg sehen können. Aber ich habe keine Lust auf traurige Bücher, in denen es vorrangig um Krankheit und Tod und Verlust geht. Zumindest, wenn ich das schon von Beginn an weiß und sich die Handlung nur darum drehen wird. 

Manch einer mag mich deshalb engstirnig und voreingenommen nennen, dass ich mir doch nicht nur das Gute in Geschichten rauspicken kann. Doch. Kann ich. Ich verschließe meine Augen nicht vor dem Leid der Welt und der Menschen, wenn ich solche Bücher nicht lesen will. Ich habe jeden Tag mit kranken und belasteten Menschen zu tun, meine Arbeit besteht aus solchen Inhalten. Also nehme ich mir die Freiheit und die Möglichkeit, in meinem Hobby (Lesen) konsequent Abstand davon nehmen zu wollen. Dazu gehört, dass ich solche Bücher nicht lese. Ich war sogar so frech (ich mach das sonst nie), die letzten Seiten dieses Buches zu lesen, was all meine Befürchtungen und Vorurteile absolut bestätigte, sodass ich auch richtig guten Gewissens sagen konnte "Das lese ich nicht". 

Blöd gelaufen für mich mit dem Buch. Pech gehabt, vielleicht wäre die nächste Box inhaltlich eher meins. Die nächste Box werde ich aber nicht bestellen, weil mich leider auch oben schon erwähnte Goodies in dieser Buchklopfen-Box absolut nicht vom Hocker gerissen haben und ich befürchten muss, dass das in jeder Box so läuft. Am ehesten erfreute mich noch ein Lippenpflegestift, den ich nämlich eh benutze - muss ich mir den also nicht selbst nachkaufen. Ok war auch noch die (vegane) Haselnussschokolade. Der Rest darin war in meinen Augen echt Blödsinn, den keiner braucht. Eine Mischung zum Anrühren für Zimt-Kakao (uuuuuaaaahhhh, nein danke), zum Anrühren außerdem 4 kleine Beutelchen mit Pulver für Instant-Getränke wie Eistee oder Vanille. Alle "Zuckerfrei", wie groß drauf steht, dafür aber mit Süßungsmitteln versehen, was für mich nicht wirklich eine Alternative ist, weil´s genauso ungesund ist und meistens unerträglich süß schmeckt. Für sowas habe ich echt keinerlei Verwendung. Und ein kleines Bändchen mit Buch-Anhänger, dessen Zweck ich allerdings nicht ableiten konnte - ist es ein Armband? Ein Lesezeichen-Band? Ein....keine Ahnung was?


Fazit: Ich bin enttäuscht, muss ich gestehen. Vor allem vor dem Hintergrund, dass ich 30 Euro für die Box bezahlt habe, das Buch selbst aber nur 14,99 Euro gekostet hat. Ein paar Euro extra für die ganze (durchaus liebevoll gemachte, wenn auch am Ende demolierte) Verpackung ist für mich preislich voll ok, aber diese Extras machen für mich letztlich nicht die Differenz von 15 Euro aus. Von der Buchklopfen-Box werde ich wohl Abstand nehmen. Schade. Das bestätigt mich aber einmal mehr darin, dass diese Buchboxen nichts für mich sind. Lieber kauf ich mir die Bücher so direkt, wenn ich sie sehe. 





Freitag, 3. März 2023

Freitagsgedanken: Zwischen Vermeer und Prüfung

Guten Morgen, oder - naja, Vormittag wohl eher...

Ich verbringe aktuell viel Zeit am Laptop, aber nicht, um Rezensionen oder Posts zu schreiben, was ich selbst etwas bedauere. Aktuell könnte ich nämlich gut und gern mal zwei, drei Beiträge vorbereiten, auch mal wieder eine Buchrezension schreiben. Aber meistens sitze ich tatsächlich eher aus Pflichtbewusstsein und schlechtem Gewissen am Laptop und kreuze Multiple Choice Fragen oder beantworte freie Textfragen in einer E-Learning Plattform, die Fragen zur Psychotherapie-Prüfung enthält. Eine ganze Menge Fragen. Zu allen möglichen Themenbereichen, zu denen man in den Abschlussprüfungen geprüft werden könnte. Und da die erste dieser Prüfungen in nicht mal mehr 2 Wochen sein wird (aahhhhhh!!!), heißt das für mich: Viele Altfragen und Altklausuren durchgehen und beantworten.

Momentan fühle ich mich ganz gut vorbereitet, wobei mir manche Themengebiete doch echt schwerer fallen. Da ich keine Medizinerin bin, stolpere ich stets ein wenig über solche Fragen, welches Medikament denn welche Nebenwirkungen mit sich bringt. Mein Kopf (eher: meine Seele) weigert sich auch beharrlich, sich die typischen psychoanalytischen Inhalte einzuprägen und z.B. ohne Probleme darlegen zu können, worin der Unterschied zwischen Verdrängung und Widerstand ist. In meinen Augen läuft´s am Ende aufs selbe hinaus. Aber ich merke an solchen Stellen eh immer wieder, dass ich im Herzen halt doch Verhaltenstherapeutin bin und NICHT Psychoanalytikerin. Dieser ganze verschwurbelte Theoriekram mit Freuds Unbewusstem, Über-Ich und Es, Projektion und Übertragung und projektive Identifizierung (what?!?) - das ist mir echt zu weit weg von der Wirklichkeit. Ich weiß, das geht für Laien hier gerade sehr ins Detail, lest einfach drüber, aber es ist nun mal das, was mich gerade sehr inhaltlich beschäftigt - ich muss das halt können. Meine eigenen Abwehrmechanismen laufen allerdings auf Hochtouren, wenn ich mich damit beschäftigen muss. Ich bin halt wirklich eher die Verhaltenstherapeutin und kann mit den psychoanalytischen Inhalten nichts anfangen. (Für die, die gerade nichts verstehen, vielleicht diese Info: In Deutschland gibt es mittlerweile drei zugelassene Psychotherapie-Richtlinienverfahren, nach denen Patienten behandelt werden dürfen: Verhaltenstherapie (c´est moi), Psychoanalytische Verfahren und ganz neu die Systemische Therapie.) Für die Prüfungen muss ich mich in allen Verfahren auskennen.


Wahrscheinlich auch, weil ich eigentlich gerade soviel lernen müsste, neige ich natürlich sehr zum Prokrastinieren. Ich deute das für mich allerdings gern um und sage mir, es ist Entspannung, die ich beim Lernen auch dringend nötig habe, wenn ich mittendrin auch einfach mal ein Stündchen lese. Und das tue ich dann halt auch. Ich habe mich in den letzten Wochen ja noch einmal durch die "Raven Boys" Reihe von Maggie Stiefvater gelesen, weil ich richtig Lust drauf hatte. Mittlerweile bin ich im vierten und letzten Teil angekommen. Nebenbei schmökere ich rein in "Der Kuss der Lüge" von Mary E. Pearson, "Eine Billion Dollar" von Andreas Eschbach und "Florentia" von Noah Martin. Bis vor kurzem habe ich den dritten und letzten Teil der "Inheritance Games" von Jennifer Lynn Barnes gelesen - und muss gestehen, ich bin froh, dass ich durch bin. Hierzu schreibe ich vielleicht wirklich die Tage mal noch einen kurzen Leseeindruck. Ich war gespannt, wie es ausgeht, ja, daher habe ich letztlich alle drei Bände gelesen, aber eigentlich sind mir so ziemlich alle Figuren in den Büchern nur noch auf den Keks gegangen...



Mitte Februar war ich außerdem in Amsterdam und habe mir Kultur und Kunst gegönnt. Vielleicht habt ihr mitbekommen, dass dort im Rijksmuseum von Februar bis Juni eine Ausstellung zum Gesamtwerk von Vermeer, dem niederländischen Maler im 17. Jahrhundert, stattfindet. Es sind nur 37 Werke von ihm überhaupt bekannt und existent, und diese aktuelle Ausstellung hat es geschafft, immerhin 28 dieser Bilder zusammenzutragen und auszustellen. Mittlerweile ist die Ausstellung komplett ausgebucht, für jeden Tag zu jedem möglichen Timeslot - eigentlich echt schräg. Meine Schwester und ich hatten richtig Glück, weil wir Tickets bekommen haben und uns die Ausstellung (und danach noch das restliche Rijksmuseum) angucken konnten. Ich war ziemlich hin und weg, mir haben die Bilder gut gefallen, weil sie wirklich so realistisch wirkten. Auge in Auge mit dem "Mädchen mit dem Perlenohrgehänge" von 1665, das ist schon beeindruckend. Mein Favorit ist allerdings "Briefleserin am offenen Fenster" von 1657, weil in dieser so einfachen Szene dennoch soviele Emotionen enthalten sind, die man spüren kann, wenn man die Briefleserin eine Weile anschaut.

Im Van Gogh Museum waren wir auch - ich bin mit meiner Kunstliebe also voll auf meine Kosten gekommen bei diesem Trip. Sowohl Vermeer als auch Van Gogh sind ja beide sehr jung gestorben und Van Gogh ist noch dazu eine so tragische Gestalt in der Kunstwelt. Gedanklich hat mich das, was ich da alles gesehen und gelesen und gehört habe, einige Tage sehr beschäftigt. Ich habe mir auch aus den Museumsshops reichlich Biografien, Karten und Übersichten mitgenommen - ich brauche jetzt halt nur die Zeit, das alles zu lesen, um den Eindruck noch etwas nachwirken lassen zu können :)


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