Thienemann-Esslinger Verlag (Planet!), 2019
19,00 Euro
Handlung:
Die Welt von Orléans wird von Hässlichkeit bestimmt, und nur die Belles können den Menschen Schönheit verleihen. Camelia ist eine Belle – schön, begehrt, mit magischen Fähigkeiten. Am Königshof will sie allen zeigen, dass sie die Beste ist. Doch hinter den schillernden Palastmauern lauern dunkle Geheimnisse. Camelia erkennt, dass ihre Fähigkeiten viel stärker und gefährlicher sind, als sie es je für möglich gehalten hätte. Sie sind eine Waffe, die sich andere zunutze machen wollen. Daher muss sie sich entscheiden: Soll sie die Tradition der Belles bewahren oder ihr eigenes Leben riskieren, um ihre Welt für immer zu verändern? Das Schicksal der Belles und von Orléans liegt mit einem Mal in ihren Händen …
Meine Meinung:
Ein Autor kann ja schreiben, was er möchte. Genügend Themen gibt es auf der Welt - und darüber hinaus. Immerhin sind Lesergeschmäcker bekanntlich verschieden und irgendwie findet wohl jeder Leser über kurz oder lang etwas, was ihm gefällt. Trotzdem ereilt mich bisweilen der Gedanke, dass manche Geschichten vielleicht auch einfach nicht hätten geschrieben werden müssen. "The Belles" ist in meinen Augen eine solche Geschichte, - eine Geschichte, die die Welt nicht wirklich braucht.
Als ungefragtes Rezensionsexemplar eingetroffen, hatte dieses Buch zugegeben auch keinen einfachen Stand bei mir. Kurz gesagt, geht es um eine handvoll ausgewählter junger Damen (alle 16 Jahre alt), die die Gabe und Fähigkeit besitzen, andere Menschen schön zu machen. Sie heißen einfallsreicherweise "The Belles". "Glücklicherweise" leben diese in einer grauen, simpel gehaltenen und von einer schrecklich dummen und arroganten Königsfamilie regierten Welt als Untertanen, und werden schon mit nichtssagender grauer Haut und roten Augen geboren. Damit besteht natürlich reichlich Bedarf an Schönheit, für die man aber teuer bezahlen muss. Leider ist diese neu erworbene Schönheit - wie realitätsnah! - vergänglich und so halten die Veränderungen (Haarverlängerungen, Hautfärbungen, weißere Zähne, längere Beine und und und) mitunter nur ein paar Wochen. Man liest die Geschichte aus der Sicht von Camelia, einer der "Belles", die als Schönheitsgeberin zum Spielball der regierenden Mächte wird.
Ich empfinde die Geschichte definitiv (nur) für jüngeres Lesepublikum gedacht (ab 13 aufwärts), was vielleicht erklärt, warum ich mit dieser Geschichte rund um die Schönheit nicht warm geworden bin. Die ganze Darstellung der Welt der "Belles" und ihrer - plump gesagt - hässlichen Untertanen war mir zu plakativ und zu simpel gehalten. Diese Unterscheidung zwischen Schwarz und Weiß, Gut und Böse springt mir hier einfach zu sehr ins Auge. Auch die Handlungsstränge und Motive der Figuren sind mir zu vorhersehbar. Zugleich verliert sich die Autorin für meinen Geschmack viel zu häufig in blumigen Beschreibungen; sie schreibt so Metaphern-reich, dass mir beim Lesen fast ganz schwindelig wird, weil ich überhaupt nicht mehr verstehe, was sie mir eigentlich sagen möchte. Das verstärkt noch den Eindruck einer zuckersüßen, klebrig-rosa Geschichte, die irgendwie aus einem Kleinmädchentraum entsprungen zu sein scheint. Und so ganz falsch liege ich mit dieser Idee gar nicht, denn im Nachwort erzählt die Autorin, dass sie die Romanidee bereits mit 12 hatte, als ihr erstmalig klar wurde, wie oberflächlich manche Menschen sind, wenn es um Schönheit geht.
Natürlich steckt in dieser Geschichte und damit in dem Anliegen der Autorin auch ein Funken Wahrheit, die den mitunter kranken Schönheitsidealen und -vorstellungen der heutigen Welt einen Spiegel vorhalten möchte. Und die unkonventionelle Idee, jene Moral "Wahre Schönheit kommt von innen" auf diese Weise darzustellen, ist sicher lobenswert. Jüngere Leserinnen mögen an dieser Geschichte und der Fortsetzung (es wird wohl eine geben, denn es endet ziemlich offen!) ihren Lesespaß haben. Etwas abgeklärtere Leser*innen werden hier wohl weniger auf ihre Kosten kommen.



