Montag, 11. März 2019

"The Belles: Schönheit regiert" - Dhonielle Clayton

Thienemann-Esslinger Verlag (Planet!), 2019
19,00 Euro


Handlung:
Die Welt von Orléans wird von Hässlichkeit bestimmt, und nur die Belles können den Menschen Schönheit verleihen. Camelia ist eine Belle – schön, begehrt, mit magischen Fähigkeiten. Am Königshof will sie allen zeigen, dass sie die Beste ist. Doch hinter den schillernden Palastmauern lauern dunkle Geheimnisse. Camelia erkennt, dass ihre Fähigkeiten viel stärker und gefährlicher sind, als sie es je für möglich gehalten hätte. Sie sind eine Waffe, die sich andere zunutze machen wollen. Daher muss sie sich entscheiden: Soll sie die Tradition der Belles bewahren oder ihr eigenes Leben riskieren, um ihre Welt für immer zu verändern? Das Schicksal der Belles und von Orléans liegt mit einem Mal in ihren Händen …



Meine Meinung:
Ein Autor kann ja schreiben, was er möchte. Genügend Themen gibt es auf der Welt - und darüber hinaus. Immerhin sind Lesergeschmäcker bekanntlich verschieden und irgendwie findet wohl jeder Leser über kurz oder lang etwas, was ihm gefällt. Trotzdem ereilt mich bisweilen der Gedanke, dass manche Geschichten vielleicht auch einfach nicht hätten geschrieben werden müssen. "The Belles" ist in meinen Augen eine solche Geschichte, - eine Geschichte, die die Welt nicht wirklich braucht.
Als ungefragtes Rezensionsexemplar eingetroffen, hatte dieses Buch zugegeben auch keinen einfachen Stand bei mir. Kurz gesagt, geht es um eine handvoll ausgewählter junger Damen (alle 16 Jahre alt), die die Gabe und Fähigkeit besitzen, andere Menschen schön zu machen. Sie heißen einfallsreicherweise "The Belles". "Glücklicherweise" leben diese in einer grauen, simpel gehaltenen und von einer schrecklich dummen und arroganten Königsfamilie regierten Welt als Untertanen, und werden schon mit nichtssagender grauer Haut und roten Augen geboren. Damit besteht natürlich reichlich Bedarf an Schönheit, für die man aber teuer bezahlen muss. Leider ist diese neu erworbene Schönheit - wie realitätsnah! - vergänglich und so halten die Veränderungen (Haarverlängerungen, Hautfärbungen, weißere Zähne, längere Beine und und und) mitunter nur ein paar Wochen. Man liest die Geschichte aus der Sicht von Camelia, einer der "Belles", die als Schönheitsgeberin zum Spielball der regierenden Mächte wird. 
Ich empfinde die Geschichte definitiv (nur) für jüngeres Lesepublikum gedacht (ab 13 aufwärts), was vielleicht erklärt, warum ich mit dieser Geschichte rund um die Schönheit nicht warm geworden bin. Die ganze Darstellung der Welt der "Belles" und ihrer - plump gesagt - hässlichen Untertanen war mir zu plakativ und zu simpel gehalten. Diese Unterscheidung zwischen Schwarz und Weiß, Gut und Böse springt mir hier einfach zu sehr ins Auge. Auch die Handlungsstränge und Motive der Figuren sind mir zu vorhersehbar. Zugleich verliert sich die Autorin für meinen Geschmack viel zu häufig in blumigen Beschreibungen; sie schreibt so Metaphern-reich, dass mir beim Lesen fast ganz schwindelig wird, weil ich überhaupt nicht mehr verstehe, was sie mir eigentlich sagen möchte. Das verstärkt noch den Eindruck einer zuckersüßen, klebrig-rosa Geschichte, die irgendwie aus einem Kleinmädchentraum entsprungen zu sein scheint. Und so ganz falsch liege ich mit dieser Idee gar nicht, denn im Nachwort erzählt die Autorin, dass sie die Romanidee bereits mit 12 hatte, als ihr erstmalig klar wurde, wie oberflächlich manche Menschen sind, wenn es um Schönheit geht.
Natürlich steckt in dieser Geschichte und damit in dem Anliegen der Autorin auch ein Funken Wahrheit, die den mitunter kranken Schönheitsidealen und -vorstellungen der heutigen Welt einen Spiegel vorhalten möchte. Und die unkonventionelle Idee, jene Moral "Wahre Schönheit kommt von innen" auf diese Weise darzustellen, ist sicher lobenswert. Jüngere Leserinnen mögen an dieser Geschichte und der Fortsetzung (es wird wohl eine geben, denn es endet ziemlich offen!) ihren Lesespaß haben. Etwas abgeklärtere Leser*innen werden hier wohl weniger auf ihre Kosten kommen. 


Sonntag, 10. März 2019

"Babel" - Jan de Leeuw

Verlag Freies Geistesleben, 2018
22,00 Euro


Handlung:
Alice Babel ist das reichste Mädchen der Erde. Von allem Luxus umgeben, aber isoliert und nach einem Terroranschlag gelähmt, lebt sie im obersten Stockwerk des weltweit höchsten Gebäudes und blickt auf den riesigen Stadtdschungel tief unter ihr, in dem die Menschen wie Ameisen herumwuseln. Da taucht plötzlich die undurchschaubare gleichaltrige Naomi bei ihr auf und bringt neues Leben mit sich – aber auch neue Gefahren … Können sich die beiden in einer rätselhaften Welt von silbernen Schlangen, Tarotkarten, verlorenen Existenzen und religiösen Fanatikern nahekommen?


Meine Meinung:
Was fällt euch ein, wenn ihr den Begriff "Babel" hört? Die meisten werden wohl sagen: "Der Turmbau!"
Um einen Turm geht es tatsächlich auch im gleichnamigen Buch von Jan de Leeuw, nur dass dieser Turm hier nach seinem Besitzer und Erbauer benannt ist, nämlich Abraham Babel. Dieser Herr Babel ist unfassbar reich und einflussreich. Jeder schaut zu ihm auf, und das im wahrsten Sinne des Wortes, da er in den obersten Stockwerken seines mehrere Hundert Meter hohen Turms wohnt, der die ganze Stadt überragt. Neben ihm gibt es noch eine Enkeltochter, Alice; beide haben als einzige einen Anschlag überlebt. Alice hat noch heute darunter zu leiden und lebt an einen Rollstuhl gefesselt recht einsam und allein ein unbedeutendes Leben im Turm. Bis - ja, bis eines Tages Naomi auftaucht, eigentlich eine Arbeiterin in Babels Turm, die nach einiger Zeit jedoch als direkte Betreuerin für Alice angestellt wird. Beide freunden sich schnell an - und das Schicksal nimmt seinen Lauf.
Ich war nach dem Lesen der Inhaltsangabe neugierig auf "Babel", konnte mir nicht so recht vorstellen, welche Art von Geschichte mich hier wohl erwarten würde. Wenn ich aber ehrlich sein soll, kann ich dies auch jetzt nach dem Lesen nicht wirklich beantworten. "Babel" ist zwar gefühlt futuristisch angelegt in vielen Punkten und Vorstellungen bezüglich der Gesellschaft, ist dabei jedoch explizit kein Science-Fiction oder Zukunftsroman. Hinzu kommt, dass sich im Laufe der Geschichte immer mehr inhaltliche Punkte herausarbeiten, die im Jetzt und Heute so aktuell sind wie nie. Dazu gehören Terrorismus, Fanatismus, Glaubensfragen, Machtansprüche. Während sich der Hauptteil des Buches jedoch mit der zarten und nachvollziehbaren Freundschaft zwischen Alice und Naomi beschäftigt, werden diese Themen erst zum Ende des Buches wirklich relevant. Diese Verteilung fand ich merkwürdig und unausgewogen. Zu lange ziehen sich die freundschaftlichen Entwicklungen und Verwicklungen zwischen den beiden Mädchen, ohne recht ins Rollen zu kommen. Gefühlt hätte das Buch für mein Empfinden auch kürzer sein können, ohne dabei an Tiefe oder Handlung zu verlieren. Immer wieder gibt es zudem kapitelweise erzählerische Ausflüge und Hintergrundberichte, die nett zu lesen waren, die ich aber zugleich als ausbremsend für die fortschreitende Handlung empfand.
Plötzlich ist dann die Geschichte vorbei; sie endet mit einem Knall, der - zugegeben - überraschend kommt. Verwicklungen lösen sich auf, ein wesentlicher Dreh- und Angelpunkt, der Alice und Naomi unwissentlich miteinander verbindet, klärt sich. Zugleich bleiben bei mir offene Fragen im Kopf. Ein Ende, das mich irgendwie unzufrieden zurücklässt.
Ein wirkliches Fazit zu treffen, fällt mir hier schwer. "Babel" ist durchaus lesenswert, schon alleine wegen der aktuellen Thematik. Allerdings sollte man Zeit und Geduld mitbringen, um diese Seiten auf sich wirken zu lassen. Und man sollte damit rechnen, dass "Babel" einem nicht unbedingt das liefert, was man anhand der Inhaltsangabe erwartet - nämlich keine rätselhafte Welt voller Mystik und Rätseln, und auch kein harmloses Jugendbuch, das die Entwicklung einer Freundschaft thematisiert.

Ein herzliches Dankeschön an den Verlag Freies Geistesleben!

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