Fischer KJB Verlag, 2020
18,00 Euro
Worum geht´s?
Für Elaine ist es der wichtigste Tag ihres Lebens: In Neu London findet das spektakuläre Vortexrennen statt, und sie ist eine der Auserwählten. Hunderte Jugendliche jagen bei dem Wettkampf um den Globus – doch nicht zu Fuß. Sie springen in die Energiewirbel, die die Welt vor Jahrzehnten beinahe zerstört haben. Der Sprung in einen Vortex ist lebensgefährlich, doch gelingt er, bringt er einen wie ein geheimes Portal in Sekunden von einem Ort zum anderen. Elaine will das Rennen um jeden Preis gewinnen. Doch mitten im Vortex erwacht eine Macht in ihr, die die Welt erneut erschüttern könnte. Und der Einzige, der Elaine nun zur Seite stehen kann, ist ein Junge, der nichts mit ihr zu tun haben will...
Alle Bände der »Vortex«-Trilogie:
Band 1: Der Tag, an dem die Welt zerriss
Band 2: Das Mädchen, das die Zeit durchbrach
Band 3: Die Liebe, die den Anfang brachte
Meine Meinung:
ACHTUNG - Wird vermutlich Spoiler enthalten!
Ich gehöre nicht mehr zur Zielgruppe dieser Buchreihe, das ist mir schon klar. Die liegt sicher irgendwo so bei 15/16/17 und ich bin ... nun ja, doch schon etwas älter. Aber ich mag Bücher, gerade auch Jugendbücher, wenn man sie noch lesen kann und GUT finden kann, selbst wenn man schon älter ist. "Vortex" ist eine Buchreihe, die mir schon zig mal in den Sozialen Medien begegnet ist und die irgendwie alle toll finden. Nicht nur die Rezensionen sprechen für sich, auch die 5-Sterne-Bewertungen - aber alles geschenkt, auf sowas geb ich gar nicht mal soo viel. Wenn ich allerdings sehe und lese, dass andere BloggerInnen, von denen ich weiß, dass sie in meinem Alter sind, diese Buchreihe feiern und GANZ TOLL finden - naja, dann werde ich halt hellhörig und denk mir, ok, vielleicht auch was für mich.
Also hab ich mir "Vortex", den ersten Teil zugelegt. Und ja, ich finde, die Grundidee, die die Autorin Anna Benning hier verarbeitet, ist auch gar nicht mal so uninteressant und bietet durchaus Möglichkeiten für eine Story, auch eine mehrteilige. Warum es wieder mal eine dreiteilige sein muss - keine Ahnung. Zugleich bin ich da schon direkt bei meinem ersten Kritikpunkt: Ich weiß nicht, inwiefern und wie sehr die Autorin in den beiden Nachfolgebänden noch auf weitere Erklärungen eingeht, aber zumindest für den ersten Teil sind mir einfach schon mal zu wenige enthalten. Diese ganzen Vortexe, die plötzlich vor 70 Jahren auf der Erde auftraten und dann einfach ... DA waren und seitdem wie verschwurbelte Riesen-Wirbelspiral-Stürme über die Erde wandern und dabei die Möglichkeit bieten, durch sie hindurch zu wandern und an ganz anderen Ecken der Erde wieder rauszukommen. Äh... ja. Aber warum? Irgendwie hat mir das als Erklärung bzw. als "Welten-Entwurf", wie man so schön sagt, gefehlt. Ich finde, da hätte die Autorin einfach mal mehr erklärend liefern können, auch wenn es noch so schräg gewesen wäre. Mir persönlich war da zu wenig als Hintergrundinfo. Auch die Frage, warum denn alle Städte noch so heißen wie immer, trotz aller Verwüstungen und Schäden, die damals aufgetreten sind, aber einzig London heißt nun offenbar Neu-London. Aber noch viel wichtiger: Wo kamen die Vortexe denn her? Wieso halten die sich seit 70 Jahren? Haben da nicht mal irgendwelche Wissenschaftler kluge Theorien abgeliefert (Klimawandel, Sonneneruptionen, Marsschwingungen whatever)?! Kann ich mir gar nicht vorstellen, aber das wird so gar nicht angesprochen im Buch. Wie gesagt, vielleicht ja in den Folgebänden, aber hier war mir das zunächst zu wenig.
Und dann verbaut sich Frau Benning in meinen Augen auch irgendwie selber den "Catcher", also diesen Effekt, dass man unweigerlich Lust auf die Fortsetzung kriegt und am liebsten direkt weiterlesen will. Denn Band 1 endet zwar nicht komplett abgeschlossen, nein, das nicht. Es ist schon klar, dass es noch irgendwie weitergehen muss in der Story von Elaine und Bale und Co. Aber an sich endet die Handlung aus Band 1 erstmal relativ in sich abgeschlossen, am Ende steht ein fast "happy" End und einen Cliffhanger oder irgendwie sowas gibt es schon gleich gar nicht. Konsequenz: Ich hab nach dem Zuklappen NICHT direkt Lust, Teil 2 weiterzulesen. Tatsächlich habe ich in der Mitte des Buches noch überlegt, ob ich mir vorausschauend nicht vielleicht gleich die Fortsetzung bestellen sollte, habe es dann aber doch gelassen, weil mir eine leise Stimme zuraunte, ich solle doch lieber erst mal das Ende abwarten. Zum Glück habe ich das getan, denn meine Motivation, diese Buchreihe weiterzulesen, ist nach dem Beenden des ersten Teils erstmal wieder fast auf Null zurückgegangen.
Weil Frau Benning mir aber auch keinen Grund zum weiter-Mitfiebern liefert. Wie schon gesagt, Cliffhanger oder lose, atemraubende Aspekte, die ein "Ich will weiterlesen!" fördern, gibt es am Ende von Teil 1 schon mal nicht. Dann macht sie aber auch noch den Fehler, dass sie die Liebesstory des Buches nicht nur schon einführt, sondern sogar gleich gewissermaßen in vollem Ausmaß darlegt (ja, ich spoilere jetzt hier mal ganz fies, NATÜRLICH geht´s um Elaine und Bale)! Die beiden kriegen sich, wow, das war ja jetzt ... hm, irgendwie gar nicht überraschend. Und dann gibt´s ja auch gar keine Plottwists, gar keine Hürden oder schlimme Geheimnisse mehr, die den beiden noch im Weg stehen würden... Heißt also, die beiden haben sich am Ende von Band 1 schon gesucht und gefunden. Ok, wo ist dann jetzt der Reiz, weiterzulesen? Irgendwie macht doch gerade so eine Jugendstory aus, dass es da ein bisschen Hin und Her gibt, erstmal unsägliche Qualen und Flirtereien und Missverständnisse und am besten verschwindet auch noch irgendwer, der dann gerettet werden muss. Oder seh ich das falsch? Klar, vielleicht kommt das in den Bänden 2 und 3 noch, kann ja sein. Dann hätte ich doch aber trotzdem nicht schon in Band 1 das ganze Pulver verschossen und die Beteiligten (17- und 18-Jährige btw) da schon das große L-Wort sagen lassen - denn mal ehrlich, wie öde ist das, wenn ich schon zum Ende von Band 1 lese, wie die beiden sich gekriegt haben? Da liegt doch letztlich auch der Reiz einer BuchREIHE drin, dass es eben nicht so leicht geht, sondern man als LeserIn erstmal ordentlich mitfiebern und mitleiden muss. So Liebeskummer-mäßig. (Selbst mit über 30 geht das noch sehr gut!)
Das verstehe ich also echt nicht, warum Frau Benning hier schon alle Fäden zusammenlaufen lässt, was die Lovestory ihrer Helden betrifft. Dazu kommt, dass ich Hauptfigur Elaine nicht besonders mochte, was ja auch schon immer schlecht ist für den Leser. Elaine ist mir einfach viel zu wenig blickig, zu impulsiv, sie handelt vorschnell ohne nachzudenken, und noch dazu handelt sie oftmals so dumm und unnötig, dass ich echt nicht anders konnte, als die Augen zu verdrehen. Echt mal, so eine Heldin muss man auch erstmal hinkriegen, die irgendwie völlig unbedacht handelt und dadurch immer nur Chaos und Durcheinander stiftet. Es wirkt halt irgendwie nicht so clever, wenn Elaine 10 Minuten lang gesagt bekommt, sie soll untertauchen und sich verstecken und sich BLOß nicht zeigen - und Elaine dann keine 5 Minuten später auf einen überfüllten Platz rennt und rumschreit und damit - oh, Überraschung! - alle Blicke auf sich zieht. Naja, das soll wohl beherzt und sympathisch wirken, ich fand es nervig. Überhaupt wirft sie ihre Maximen und Überzeugungen recht schnell über den Haufen und hinterfragt nicht viel. Was sie 17 Jahre lang eingebläut bekommen und gelernt hat, ist ohne jegliche Erklärung nach 2 Tagen unter der Grunder-Gemeinschaft inmitten von Wald und Bäumen vergessen. Sie wechselt sehr schnell die Seiten, und auch da hat es sich die Autorin in meinen Augen zu leicht gemacht, ist zu schnell in ein typisches Schwarz-Weiß-/Gut-Böse-Denken geswitcht. Das zeigt sich irgendwie auch daran, dass die Charaktere der (Neben-)Figuren so stereotyp vorhersehbar geraten sind: die dumme und zickige Mia, die nur stänkert; oder der anbetungswürdige und vom Ehrgeiz zerfressene Holden, der doch nur von seinem Vater gesehen werden will und dafür über Leichen geht. Für mich war manches hier leider zu plakativ und manches hat einfach nicht gepasst.
Wie gesagt, es kann sein, dass sich das alles in den beiden Nachfolgebänden noch ändert und vertieft wird und völlig unerwartete Wendungen und Charakteränderungen aller Beteiligten auftreten. Dass es auch viel mehr Erklärungen zu den Vortexen und der Story-Welt an sich gibt. Aber am Ende von Band 1 habe ich aktuell nicht genügend Lust und Interesse an der Story, um direkt weiterlesen zu wollen. Vielleicht läuft mir Band 2 irgendwann mal im Preis reduziert über den Weg. Vielleicht greife ich dann spontan zu. Aber momentan...nicht.



