Mittwoch, 26. Januar 2022

"Morgen schreib ich dir ein Happy End" - Tash Skilton

 Knaur Verlag, 2021

14,90 Euro


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Worum  geht´s?

Miles ist nicht nur im Herzen, sondern auch im wahren Leben gebürtiger New Yorker und ein waschechter Romantiker. Zoey hingegen liebt den entspannten Westcoast-Lifestyle ihrer alten Heimat, ist komplett gegen ihren Willen in New York gelandet und glaubt nicht an die Liebe.
Als sich Miles und Zoey das erste Mal in einem kleinen New Yorker Café begegnen, können sie sich daher auf den Tod nicht ausstehen. Eines haben sie allerdings gemeinsam: Sie sind beide Dating-Experten für hoffnungsvolle Singles und wurden bei ihrem nächsten Auftrag auf dasselbe Pärchen angesetzt. Ohne zu wissen, wer der andere ist, treffen sich Miles und Zoey online. Und plötzlich lernen sie äußerst attraktive Seiten aneinander kennen ... Aber ob diese auch im echten Leben Bestand haben?


Meine Meinung:

Ich liebe den Film "Email für dich", ganz ehrlich. Ich mag die Story, ich mag die Darsteller in dieser Konstellation, die Atmosphäre, ich mag die Grundidee dahinter: zwei Personen schreiben sich zunehmend verliebt unbekannterweise Nachrichten, finden sich im echten Leben aus Gründen aber eher ziemlich unausstehlich. Als ich die Inhaltsangabe zu "Morgen schreib ich dir ein Happy End" las, erinnerte mich das direkt an den Inhalt von "Email für dich" und meine Neugier war geweckt. Würde sich hier vielleicht eine ebenso charmante und niedliche Story verbergen?

Nun, nein. Den Zahn kann und muss ich gleich mal zu Beginn jedem ziehen, der vielleicht ebenso darauf gehofft hat. Die Story von Miles und Zoey ist anders und längst nicht so nett. Ich glaube, das größte Problem, das "Morgen schreib ich dir ein Happy End" hat, ist, dass hier einfach alles unfassbar oberflächlich ist. Oder vielleicht auch nur unfassbar oberflächlich für mich, keine Ahnung. Aber sowohl die Figuren Miles und Zoey sind so ohne Tiefen und Charakter, wie auch ihr Job und Leben - und das, was ihnen passiert. Vielleicht ist es eher eine Grundsatzfrage, die man unserer heutigen Gesellschaft stellen muss, als den Autorinnen (Tash Skilton ist ein Pseudonym für zwei Autorinnen). Denn wenn Menschen heutzutage wirklich ihr Geld damit verdienen, anderen Leuten, die online chatten/schreiben und dadurch jemanden kennenlernen wollen, die Texte vorzuschreiben, ihnen die Worte in den Mund zu legen oder gar gleich das Schreiben, Reagieren und Posten selber für besagte flirtwillige Menschen übernehmen - dann finde ich das echt unsäglich traurig für die Menschheit an sich. Das mag hochtrabend klingen, aber es ist so. Hier ist ja nichts echt. Keine ausgetauschten Worte, keine spontanen Äußerungen, keine netten Flirtereien - nichts kommt mal einfach so aus jemandem heraus und wirkt dadurch natürlich, sondern alles kommt von einer Art Ghostwriter, von jemand völlig Außenstehenden, der munter Beziehungen der anderen knüpft. 

Miles und Zoey haben nun genau diese Jobs, sollen zwei Personen inkognito miteinander "matchen" (verkuppeln sagt man heute wohl nicht mehr), schreiben sich also munter Nachrichten hin und her. Finden sich in Form ihrer unbekannten Online-Alter Egos selber zunehmend toll, denn es passiert bei diesem Job-Modell natürlich das, was man vermuten würde: unweigerlich lässt man einen Teil seiner eigenen Persönlichkeit in diese Nachrichten und Chats einfließen, die man ja eigentlich im Namen einer anderen Person schreibt. Im realen Leben finden sich Miles und Zoey aber eigentlich ziemlich blöd wegen diverser Vorurteile und Missverständnisse. Die Dinge nehmen also ihren Lauf und mittlerweile hat das Ganze leider wirklich gar nichts mehr mit "Email für dich" zu tun. 

So ganz überraschend ist das Ende der Story dann natürlich nicht; ist ja klar, stört mich bei diesem Genre aber auch überhaupt nicht. Was die Autorinnen aber vorher noch für Storyplots und -twists einbauen, welche weiteren (wirklich dummen) Missverständnisse da am Ende noch eine Rolle spielen, das war mir dann aber doch auch zuviel. Wirklich nicht gut fand ich auch, dass Drogenkonsum hier sehr verherrlicht und normalisiert wird (und ich bin kein Spießer), gewissermaßen als Geheimrezept dargestellt wird, damit man gut durch den Tag kommt. Das war mir dann wirklich zu schräg.

Irgendwie wirkte die Story für mich am Ende jedenfalls nicht rund und so nett ich die Anfänge zwischen Miles und Zoey auch fand, habe ich leider an keiner einzigen Stelle irgendwelche Funken zwischen ihnen bemerkt. "Morgen schreib ich dir ein Happy End" ist eine Story, die mir leider nicht lange im Kopf bleiben wird, weil mich so wenig daran begeistert hat.


Dankeschön an Netgalley und den Knaur Verlag!

Dienstag, 25. Januar 2022

"Hitze" - Raven Leilani

Atlantik Verlag, 2021

22,00 Euro



Worum geht´s?

Die dreiundzwanzigjährige Edie lebt in Bushwick, Brooklyn, und hält sich nach ihrem abgebrochenen Kunststudium finanziell mit einem Assistenzjob in einem Verlag und emotional mit wechselnden Liebschaften über Wasser. Dann beginnt sie eine Affäre mit Eric, einem weißen Mann, der in einer offenen Ehe lebt und fast doppelt so alt ist wie sie. Während sich Edie mit Erics Ehefrau und vor allem mit der Adoptivtochter des Paares, Akila, einem Schwarzen Mädchen, anfreundet, verschieben sich alle Perspektiven. Edie scheint die einzige andere Schwarze Person zu sein, die Akila kennt, und die Beziehung zwischen den beiden wird bald wichtiger als alles andere. Auf einmal muss Edie sich mit ihrer eigenen Einsamkeit und dem schon immer in ihrem Leben gewesenen Rassismus und Sexismus neu auseinandersetzen.  



Meine Meinung:

Der Hype, der um dieses Buch online gemacht wurde von Verlag, Lesern, sozialen Medien und Co., erschließt sich mir nicht. Vorher schon nicht und jetzt nach dem Lesen auch nicht. Was man bei "Hitze" geliefert bekommt, ist eine platte und langweilige Story, die vorhersehbar ist und unweigerlich zum Augenrollen einlädt. Der erste Teil beschreibt nur immer wieder diverse erotische Aufeinandertreffen von Edie, völlig ziellos und nichtssagend, die zugleich unnötig derb und vulgär geschildert sind. Keine Ahnung, warum das der Autorin so wichtig war. Darüber hinaus ist diese platte Story dann aber auch noch schlecht geschrieben. Die Sätze der Autorin sind unsäglich lang, verschachtelt, beinhalten nur monotone, nüchterne Aussagen. Insgesamt kommt hier wenig Emotion oder Leben auf den Seiten auf, und das, obwohl das Buch doch so sehr mit großen Schlagworten wie "Rassismus, Affären, Sexualität, Armut" für sich wirbt. Da hätte man doch etwas erwarten können. Das bietet das Buch in meinen Augen aber nicht. Ich fand bereits die ersten Seiten langweilig, Edie unerträglich jammerig und dumm, mir erschloss sich der Sinn der Story null. Nach etwa einem Drittel des ohnehin nur kurzen Buches habe ich dann angefangen quer zu lesen, habe die wesentlichen Aspekte dennoch irgendwie mitbekommen und das Buch am Ende mit dem Gedanken "Was für ein nichtssagender Blödsinn" zugeklappt. Für mich einmal mehr der Beweis, dass man nicht jedem Hype glauben sollte.


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