Knaur Verlag, 2021
14,90 Euro
Worum geht´s?
Meine Meinung:
Ich liebe den Film "Email für dich", ganz ehrlich. Ich mag die Story, ich mag die Darsteller in dieser Konstellation, die Atmosphäre, ich mag die Grundidee dahinter: zwei Personen schreiben sich zunehmend verliebt unbekannterweise Nachrichten, finden sich im echten Leben aus Gründen aber eher ziemlich unausstehlich. Als ich die Inhaltsangabe zu "Morgen schreib ich dir ein Happy End" las, erinnerte mich das direkt an den Inhalt von "Email für dich" und meine Neugier war geweckt. Würde sich hier vielleicht eine ebenso charmante und niedliche Story verbergen?
Nun, nein. Den Zahn kann und muss ich gleich mal zu Beginn jedem ziehen, der vielleicht ebenso darauf gehofft hat. Die Story von Miles und Zoey ist anders und längst nicht so nett. Ich glaube, das größte Problem, das "Morgen schreib ich dir ein Happy End" hat, ist, dass hier einfach alles unfassbar oberflächlich ist. Oder vielleicht auch nur unfassbar oberflächlich für mich, keine Ahnung. Aber sowohl die Figuren Miles und Zoey sind so ohne Tiefen und Charakter, wie auch ihr Job und Leben - und das, was ihnen passiert. Vielleicht ist es eher eine Grundsatzfrage, die man unserer heutigen Gesellschaft stellen muss, als den Autorinnen (Tash Skilton ist ein Pseudonym für zwei Autorinnen). Denn wenn Menschen heutzutage wirklich ihr Geld damit verdienen, anderen Leuten, die online chatten/schreiben und dadurch jemanden kennenlernen wollen, die Texte vorzuschreiben, ihnen die Worte in den Mund zu legen oder gar gleich das Schreiben, Reagieren und Posten selber für besagte flirtwillige Menschen übernehmen - dann finde ich das echt unsäglich traurig für die Menschheit an sich. Das mag hochtrabend klingen, aber es ist so. Hier ist ja nichts echt. Keine ausgetauschten Worte, keine spontanen Äußerungen, keine netten Flirtereien - nichts kommt mal einfach so aus jemandem heraus und wirkt dadurch natürlich, sondern alles kommt von einer Art Ghostwriter, von jemand völlig Außenstehenden, der munter Beziehungen der anderen knüpft.
Miles und Zoey haben nun genau diese Jobs, sollen zwei Personen inkognito miteinander "matchen" (verkuppeln sagt man heute wohl nicht mehr), schreiben sich also munter Nachrichten hin und her. Finden sich in Form ihrer unbekannten Online-Alter Egos selber zunehmend toll, denn es passiert bei diesem Job-Modell natürlich das, was man vermuten würde: unweigerlich lässt man einen Teil seiner eigenen Persönlichkeit in diese Nachrichten und Chats einfließen, die man ja eigentlich im Namen einer anderen Person schreibt. Im realen Leben finden sich Miles und Zoey aber eigentlich ziemlich blöd wegen diverser Vorurteile und Missverständnisse. Die Dinge nehmen also ihren Lauf und mittlerweile hat das Ganze leider wirklich gar nichts mehr mit "Email für dich" zu tun.
So ganz überraschend ist das Ende der Story dann natürlich nicht; ist ja klar, stört mich bei diesem Genre aber auch überhaupt nicht. Was die Autorinnen aber vorher noch für Storyplots und -twists einbauen, welche weiteren (wirklich dummen) Missverständnisse da am Ende noch eine Rolle spielen, das war mir dann aber doch auch zuviel. Wirklich nicht gut fand ich auch, dass Drogenkonsum hier sehr verherrlicht und normalisiert wird (und ich bin kein Spießer), gewissermaßen als Geheimrezept dargestellt wird, damit man gut durch den Tag kommt. Das war mir dann wirklich zu schräg.
Irgendwie wirkte die Story für mich am Ende jedenfalls nicht rund und so nett ich die Anfänge zwischen Miles und Zoey auch fand, habe ich leider an keiner einzigen Stelle irgendwelche Funken zwischen ihnen bemerkt. "Morgen schreib ich dir ein Happy End" ist eine Story, die mir leider nicht lange im Kopf bleiben wird, weil mich so wenig daran begeistert hat.
Dankeschön an Netgalley und den Knaur Verlag!

