Ich wollte eben mit dem Satz starten "2019 war nicht mein Jahr", aber dann fiel mir ein, dass ich schon meinen Rückblick von 2018 mit diesem Satz begonnen habe. Hm.
Naja, insofern war 2019 dann doch schon besser als 2018 (denn das war ein echt mieses Jahr rückblickend). Und ich will hier auch gar nicht auf hohem Niveau rumjammern, denn eigentlich geht´s mir ganz gut mit dem, was ich bin und was ich habe. Aber irgendwas ist ja immer, das kennt man ja. Ich hätte mir für 2019 einiges mehr gewünscht, was leider nicht passiert oder eingetreten ist. Mehr Chancen, mehr Möglichkeiten, und irgendwie auch mehr Glücksmomente - das hätte ich gern gehabt.
Aber 2019 hatte auch durchaus schöne und wichtige Momente für mich und die möchte ich natürlich auch nicht vergessen oder kleinreden. Ich bin beispielsweise im März nach Paris gefahren, zum ersten Mal. Ich hab das ganze Jahr über mit lieben Menschen zu tun gehabt, was nicht gerade unwichtig ist. Ich bin beruflich über meinen Schatten gesprungen, habe einen Job gekündigt, der mir jeden Tag Bauchschmerzen verursacht hat, und habe mich stattdessen in eine Aufgabe begeben, die mich Überwindung gekostet hat, aber letztlich endlich mal begonnen werden musste. (Von wegen Prokrastination und so...) Außerdem habe ich endlich meine Dissertation abschließen und diese im August verteidigen können, sodass ich jetzt (schon ein bisschen stolz) auch überall Frau Doktor in meine Adresszeile schreiben könnte (was ich aber meistens nicht tue).
Für 2020 habe ich bisher gar keine großen Pläne oder Ziele, bis auf eine Reise auf die Kanalinseln, aber auch dafür ist noch kein endgültiger Termin gefunden. Ein paar (richtig tolle!) Konzerttermine stehen an und auch schon der ein oder andere Städtetrip. Ich mache mir sonst keine Vorsätze, weil ich das nur frustrierend finde. Stattdessen nehme ich das Jahr eher so, wie es kommt.
Und wie sah 2019 lesetechnisch aus? Ich habe 78 Bücher gelesen; ein Wert, den ich mit lachendem und weinenden Auge betrachte. Sicher, 78 sind nicht wenig, aber 78 reichen eben auch lange nicht an meine "Bestzeiten" heran, als ich es irgendwie geschafft habe, gut 100 bis 115 Bücher im Jahr zu lesen. Klar, das ist kein Wettbewerb, auch nicht gegen mich selbst. Komisch ist es halt trotzdem, zumal ich 2019 eigentlich so viel Zeit zum Lesen hatte wie lange nicht. Aber egal. Am Ende ist es völlig egal, denn ich hatte übers Jahr verteilt trotzdem nie das Gefühl, irgendwann zu wenig gelesen oder zu wenig Zeit zum Lesen gehabt zu haben. Und da bin ich schon dankbar für.
Hier mal ein kurzer Rückblick:
- Die meisten Lacher -
... gab es beim Re-Read von "Lügen, die von Herzen kommen" von Kerstin Gier. Wenn ich mal so ein richtiges Wohlfühlbuch lesen will, greife ich zu ihren Büchern, selbst wenn ich die schon 3 oder 4x gelesen habe.
- Das schönste Pärchen -
Das sind dann wohl Sophia und Josh aus
"Zusammen sind wir unendlich" von Melissa Keil. Das war soo eine schöne, niedliche und romantische Geschichte, mit herrlichen Sprüchen, die ich mir alle markiert habe. Hier bin ich beim Lesen echt voll auf meine Kosten gekommen - eins meiner Jahreshighlights!
- Das beste Abenteuer -
... habe ich gehabt, als ich nach Jahren Anfang 2019 die "Arkadien"-Reihe von Kai Meyer nochmal gelesen habe. Ich fand sie genau so spannend wie damals, als ich die Bücher das erste Mal gelesen habe, und dass, obwohl ich so ganz im Groben noch wusste, was passiert. Aber ich hatte natürlich auch schon ganze viele Details vergessen! :)
Ansonsten war
"Die goldenen Wölfe" von Roshani Chokshi auch ein herrliches Abenteuer.
- Der gemeinste Cliffhanger -
... war bei "Strange the Dreamer" zu finden. Ich habe den Nachfolgeband "Muse of Nightmares" schon parat liegen und könnte also direkt weiterlesen, aber es drängeln sich erstmal andere Bücher vor. Trotzdem war das ein Ende, das Eindruck hinterlassen hat.
- Die meisten Tränen -
Die gab es wohl am ehesten bei
"Der Duft des Waldes" von Hélène Gestern. Das dürfte auch das einzige Buch sein, bei dem mir tatsächlich mal die Tränen kamen. Dieses Buch hat mich sehr bewegt und gedanklich viel mit mir gemacht. Ich hatte wochenlang vor, einen kleinen Leseeindruck zu schreiben und habe es dann doch immer wieder sein lassen. Aber das Buch könnte durchaus mehr Werbung bekommen. Eine unglaublich gut recherchierte, eindrücklich geschriebene, mitunter ausschweifende, aber nie langweilige Geschichte über den 1. Weltkrieg, die Kriegsfotografie von damals und die Bahnen, die sich bis ins Heute ziehen. Es ist ein Roman, aber mit vielen realen und authentischen Bezügen. Manches ging mir wirklich sehr zu Herzen, deshalb die Tränen.
- Viel Wirbel um nichts -
Mehr erhofft und mehr erwartet hatte ich vor allem von zwei Büchern in diesem Jahr, nämlich "Niemalswelt" von Marisha Pessl und "The crown´s game" von Evelyn Skye. Beide Bücher wurden in den sozialen Medien ziemlich gehypt und beworben, sodass ich natürlich neugierig geworden bin. Beide haben mich letztlich aber enttäuscht, weil sie inhaltlich nicht wirklich das gehalten haben, was ich dachte. Bei "Niemalswelt" waren mir am Ende außerdem einfach noch zuviele Fragen offen, allen voran das große "Warum das Ganze?!".
- Am meisten gelernt -
... habe ich, wie oben schon erwähnt, bei "Der Duft des Waldes" (viel historisches!), aber auch bei "Der Blumensammler" von David Whitehouse (viel biologisch-pflanzliches). Beides echt gute Romane.
- Die größte Überraschung -

Die größe Überraschung gab es für mich dann tatsächlich erst im Dezember, als ich mir zur Einstimmung auf die Advents- und Weihnachtszeit dieses Buch aus meinem Regal geangelt habe:
"Auf den ersten Blick" von Stephanie Perkins als Herausgeberin. Dieses Buch stand schon eine ganze Weile dort auf meinem Regalbrett, aber irgendwie war mir selbst zu Weihnachten nie danach. Was wohl auch daran liegt, dass ich kein großer Freund von Kurzgeschichten bin, sondern lieber richtige Romane mit durchgängiger Handlung mag. In diesem Buch hier sind nun aber 12 Kurzgeschichten versammelt über die Weihnachtszeit. Alle von mehr oder weniger bekannten Autoren aus dem Bereich der Jugend- und Young Adult-Literatur, zumindest kamen mir bis auf 1 oder 2 Namen alle bekannt vor. Und diese Geschichten kamen genau zur richtigen Zeit für mich! Die Geschichten haben alle irgendwie mit Weihnachten oder Silvester zu tun und geben einem daher genau das richtige Gefühl zur Jahreszeit. Alle sind irgendwie romantisch gehalten, mal mehr, mal weniger, es geht halt um die Liebe; und wirklich alle haben einen ganz besonderen Reiz an sich, der mich richtiggehend mitgerissen hat. Ich habe die Geschichten abends vorm Schlafengehen gelesen, manchmal eine komplette Geschichte, manchmal nur einige Seiten. Und ich habe mich jeden Abend erneut gefreut, ins Bett zu kommen und weiterlesen zu können. Eine super Überraschung und genau das richtige Buch zur Weihnachtszeit!
- Das schönste Cover -
Nun, offenbar stehe ich ziemlich auf glitzernde, leuchtende und schimmernde Cover, habe ich im Laufe des Jahres festgestellt. Da wird die Elster in mir einfach wach ;) Daher gibt´s für 2019 diese beiden hier:
- Enttäuschungen 2019 -
Da muss ich leider ein paar nennen, die mich wirklich enttäuscht haben und/oder einfach überhaupt nicht das gehalten haben, was ich erwartet und erhofft hatte. Dazu gehört der zweite Teil der "Cat & Cole" Reihe von Emily Suvada, was ich total schade finde, weil ich den ersten Teil so genial und super ausgedacht fand! Aber diese Fortsetzung, die fand ich nicht nur inhaltlich blöd, sondern die hat mich auch vollends verwirrt und mit zu vielen Fragen zurück gelassen. Ob ich da Teil 3 noch lesen werde, weiß ich nicht.
Nennen muss ich hier auch "Die Gescannten" von Robert M. Sonntag, ebenfalls eine Fortsetzung von "Die Scanner" - ein Buch, das mir damals beim Erscheinen ziemlich gut gefallen hat. Die Fortsetzung ist dagegen aber eher sehr lahm geworden. "Die einzig wahre Liebe" von Carlos del Amor war ein preisreduzierter Spontankauf, der sich aber selbst für das reduzierte Geld nicht gelohnt hat. Die Idee des Buches fand ich ganz nett: ein Mann findet im Treppenhaus den Generalschlüssel für alle Wohnungen seines Hauses und nutzt einfach mal die Gelegenheit, um bei allen Nachbarn reinzuschnüffeln. Aber dieses Buch war leider total langweilig und konstruiert. Schade drum.
Schließlich muss ich noch eine absolute Nullnummer nennen, nämlich "Dich schickt der Himmel" von Sophie Kinsella. Die Hauptfigur Fixie (schon der Name!) hat mich so fuchsteufelswild gemacht mit ihrer Art, ihrem Zurückstecken und Sich-alles-Gefallen-lassen - zum wahnsinnig werden! Ich habe selten von sooo einer nervig unmöglichen Hauptfigur gelesen, das hat mir die ganze (leider auch sehr vorhersehbare) Story vermiest.
- Highlights 2019 -
Dazu gehören, wie weiter oben schon genannt, "Zusammen sind wir unendlich" von Melissa Keil, "Auf den ersten Blick" von Stephanie Perkins (Hrsg.) und "Der Duft des Waldes" von Hélène Gestern, sowie "Das geheime Turmzimmer" von Laura Andersen und "Die goldenen Wölfe" von Roshani Chokshi.
Wie sieht´s bei euch aus? Welche Tops und Flops im Lesebereich hattet ihr denn 2019?