Goldmann Verlag, 2019
10,00 Euro
Fixie führt den Tante-Emma-Laden ihrer chaotischen Familie in London. Für mehr hat sie eigentlich keine Zeit – außer für Ryan, den besten Freund ihres Bruders, zu schwärmen. Als sie den Laptop eines Fremden vor einer einstürzenden Decke rettet, ist das ihre Chance, Ryan nahezukommen. Denn der Jungunternehmer Sebastian besteht darauf, Fixie einen Gefallen für ihre gute Tat zu schulden. Und so bittet sie ihn kurzerhand, den arbeitslosen Ryan einzustellen. Die Bitte stellt sich jedoch als fatal heraus, denn in Sebs Unternehmen zeigt Ryan sein wahres Gesicht. Und so ist es plötzlich Fixie, die dem charismatischen Sebastian einen Gefallen schuldet ...
Meine Meinung:
Sophie Kinsella ist mittlerweile ja so etwas wie eine Institution im Bereich der romantischen und kurzweiligen "Frauen-Romane" (abfällig gern auch mal "Chick-Lit" genannt), aber tatsächlich ist "Dich schickt der Himmel" erst das zweite Buch, das ich von ihr überhaupt lese. Und während ich damals in der Story über ihre ungeschlagene Heldin Becky Bloomwood ("Die Schnäppchenjägerin") sehr gut mitgehen, mitlachen und mitfühlen konnte und gerade die Heldin erfrischend anders und ehrlich empfand, hat dies bei diesem Buch hier leider kaum funktioniert. Schuld daran ist Hauptfigur Fixie, die mich nicht nur Nerven, sondern auch viel Geduld gekostet hat - ich könnte glatt das Wortspiel bringen, dass ich nach dem Lesen des Buches irgendwie "fix(ie) und fertig" war.
Ich habe beim Lesen selten eine "Heldin" vor mir gehabt, die mich so unglaublich frustriert und ungeduldig macht. Die ich so gern an den Schultern schütteln oder der ich sogar mal einen kleinen Klaps ins Gesicht geben und schreien möchte "Fixie, jetzt reiß dich doch mal zusammen und SAG endlich, was du wirklich denkst!!" Fixie ist eigentlich nicht auf den Mund gefallen, auch nicht übermäßig schüchtern oder dergleichen. Aber sie ist ein unglaublicher Drückeberger und Gutmensch, der sich alles gefallen lässt und nie den Mund aufmacht, wenn ihr etwas gegen den Strich geht. Die nie sagt, wenn andere sie verletzen oder über ihren Kopf hinweg entscheiden, die sich ausnutzen lässt. Und das mag in solch einem Roman ja mal lustig sein, mal nachvollziehbar, mal das Zünglein an der Waage für die nachfolgenden Handlungen - aber nicht auf Dauer. Sie lässt sich von ihren Geschwistern über den Mund fahren, lässt sich bevormunden und einfach ausbooten, weil sie es in den wichtigen Momenten nicht schafft, sich zu wehren. Und das hat mich bald kirre gemacht, da man gerade im Zusammenspiel mit Sebastian, den sie über ungewöhnliche Zustände kennenlernt, sieht, dass Fixie eigentlich ganz anders ist: selbstbewusst, interessiert, selbstbestimmt. Hier erlebt man, dass Fixie auch ganz anders kann als immer nur zu kuschen. Warum also dieses übertriebene Duckmäusertum? Das wird letztlich bis zum Schluss auch nicht ausreichend geklärt.
Klar, mit Ausnahme ihrer Mutter ist Fixies Familie auch echt ekelhaft und unerträglich, jeder ist egozentrisch und verletzend den anderen gegenüber. Und alle müssen ein Familienunternehmen führen, was logischerweise immer wieder zu Reibereien führt. Aber für meinen Geschmack hat Frau Kinsella ihre Fixie hier einen Tick zu lang und zu oft das arme kleine Cinderella-Mäuschen spielen lassen, als dass ich das noch als amüsant empfunden hätte. Denn die Wendung, dieser Aha-Moment, der plötzlich bei allen Beteiligten am Ende einsetzt, geschieht mir dann auch ein bisschen zu unerwartet und zu endgültig. Auf einmal ist alles wieder in Butter und alle ekligen Charaktereigenschaften der anderen sind wie weggeblasen.
Die Idee für die Geschichte um Fixie Farr und ihre Familie ist eigentlich eine ganz nette, aber mich hat insbesondere die Hauptfigur Fixie - ja, ich muss es so sagen - wahnsinnig gemacht. Daher konnte auch die Handlung als solche nicht so bei mir punkten, wie sie es mit einer anderen Heldin vielleicht gekonnt hätte.
Dankeschön an den Goldmann Verlag!








