Freitag, 19. Juli 2019

"Tage in Cape May" - Chip Cheek

Blessing Verlag, 2019
22,00 Euro


Handlung:

September 1957: Henry und Effie fahren für die Flitterwochen nach Cape May, ein Ferienort an der Ostküste. Doch das Städtchen ist verlassen, die Saison ist zu Ende. Die beiden jungen Leute aus Georgia fühlen sich fremd, isoliert und in ihrer Schüchternheit gefangen. Gerade als sie beschließen, den Urlaub zu verkürzen, treffen sie zufällig auf Clara, eine Ferienbekanntschaft Effies aus Kindertagen, die eine glamouröse Gruppe von New Yorkern um sich versammelt. Darunter Max, ein reicher Playboy und ihr Liebhaber, und dessen unnahbare und rätselhafte Schwester Alma.

Der verlassene Ort wird zu ihrem Spielplatz, und während sie in leer stehende Ferienhäuser einsteigen, Segeln gehen, nackt unter dem Sternenhimmel herumwandern, sich lieben und sich betrinken, geraten Henry und Effie in eine Situation, die den Rest ihres Lebens prägen wird.




Meine Meinung:
Effie und Henry kommen gerade von der Highschool, haben frisch geheiratet und verbringen ihre Flitterwochen in Cape May, einem Badeort, den Effie noch von früher kennt. Dort ist nicht viel los, die Sommersaison ist schon vorbei, und beide müssen sich eingestehen, dass sie sich trotz der gerade erst entdeckten intimen Beziehung, die sie nun offiziell ausleben dürfen, irgendwie ein bisschen langweilen. Beide wollen gerade früher wieder abreisen, als sie auf alte Bekannte von Effie treffen, mit denen sie damals als 8-jährige ihre Sommer in Cape May verbracht hatte. Schnell liegt eine amourös-leidenschaftlich aufgeladene Stimmung in der Luft, die die junge Ehe von Henry und Effie schnell auf die Probe stellt. 

"Tage in Cape May" ist ein sehr ruhiges, gemächliches Buch - man spürt förmlich den Eindruck dieser trägen, nach-sommerlichen Tage der späten 50er Jahre in dem kleinen verschlafenen Ort Cape May, in dem einfach nichts los ist - oder zumindest viel zu wenig, sodass die Geschehnisse eben derart ihren Lauf nehmen, wie sie das tun. Das ist letztlich auch das, was mir gut gefallen hat am Buch und mich ein bisschen versöhnt hat mit der Geschichte an sich: die Stimmung, die Autor Cheek hier einfängt und auf Papier bringt, ist gut getroffen und beschrieben. Man fühlt sich beim Lesen tatsächlich ein wenig so, wie man es sich von damals aus den Nachkriegsjahren der 50er in einem kleinen verschlafenen amerikanischen Badeort vorstellt. 
Aber Effie und Henry blieben mir beide zu fremd, zu wenig persönlich, als dass ich mit ihnen hätte "mitleiden" können. Die Handlung ist zudem letztlich schnell erzählt und auch die Motive sind überschaubar. Es geht um (mitunter ziemlich ausschweifend und zugleich plump erzählte) Leidenschaft, intime Verwicklungen, Ehebruch - und das alles vor dem Hintergrund der prüden 50er Jahre, in denen all diese Themen noch so viel mehr verpöhnt und unmöglich waren, als sie es heute sind. Insofern wagt sich Chip Cheek mit den Moral- und Anstandsvorstellungen von damals an ein ungewohntes Thema heran, erfindet das Rad jedoch nicht neu und bringt nichts, das einem im Kopf bleibt. Bei mir wuchs von Seite zu Seite die Frage, warum eigentlich. Warum schreibt er über dieses Thema? Warum schreibt er diese Geschichte? Was ist die Botschaft? Gerade die letzten Seiten haben mich noch unzufriedener zurückgelassen, weil sie, was die Beziehung zwischen Henry und Effie betrifft, zwar der Realität entsprechen würden, aber gerade deswegen zugleich einen faden und äußerst langweiligen Beigeschmack nach der ganzen Erzählung vorher hinterlassen. Bei mir hat es bei diesem Buch nicht "Klick" gemacht.

Donnerstag, 11. Juli 2019

Das #dickebüchercamp bei Instagram

Das Sommerloch greift um sich. Hab ich zumindest das Gefühl. Ich merke es bei mir selbst beim Lesen: irgendwie kann mich gerade kein Buch so richtig begeistern und "flashen". Ich habe sooo viele angefangene Bücher bei mir herumliegen, weil ich in alle mal reinlese, reinschnuppere - und dann aber nach wenigen Seiten einfach keine richtige Lust habe, weiterzulesen. Man könnte argumentieren, dass ich also offenbar einfach noch nicht das richtige Buch für meine aktuelle Stimmung gefunden habe. Aber der Stapel mit begonnenen Bücher wächst nahezu täglich.

Was also tun? Sich neue Ziele setzen, vielleicht. Ein bisschen Ansporn gibt möglicherweise die folgende Aktion:
Marina alias die @nordbreze hat auf Instagram erneut ihr #dickebüchercamp ausgerufen. Ziel ist es, im Juli und August vor allem dicke Bücher mit mehr als 500 Seiten zu lesen. Im letzten Jahr hatte ich nur so am Rande mitgemacht, weil ich ohnehin gerade "Schlüssel 17" von Marc Raabe gelesen hatte (bei dem übrigens im August dir Fortsetzung erscheint - yeiiihhhh!!). Dieses Jahr gehe ich vorbereiteter an die Sache heran und habe mir ein paar Bücher aus den Regalen geschnappt, die 500 Seiten und mehr vorweisen können. Ob ich tatsächlich alle lesen werde (haha, haahaa hahahaha) oder ob ich auch hier mein "Ich lese nur mal ein paar Seiten an"-Problem weiter ausleben werde - keine Ahnung. Bisher habe ich "Weißer Tod" von Robert Galbraith angefangen, das gewohnt gut und schmökerig geschrieben ist. Aber irgendwie ist mir gerade noch nach was anderem. Heute schnuppere ich vielleicht mal noch in "Strange the dreamer" hinein. Das Buch erscheint im September auf Deutsch und eigentlich wollte ich die Geschichte auf Englisch gern vorher gelesen haben, bevor es - wie immer bei gehypten Büchern - dann wieder eine Flut von Beiträgen auf allen Kanälen gibt, die einem unweigerlich zuviel verraten und irgendwie die Lust aufs Buch nehmen, weil es überall präsent ist. Also mal sehen, wie mich die neue Reihe von Laini Taylor vereinnahmen kann.

Macht ihr auch mit beim #dickebüchercamp?

Dienstag, 9. Juli 2019

Fünf Fragen am Fünften - Juli

Ok, ok, ich weiß schon: Heute ist schon der 9.7. und damit nicht mehr der Fünfte des Monats. Ich mache bei der Aktion #fünffragenamfünften trotzdem mit, denn laut Luziapimpinella dürfen wir das bis Ende des Monats. Ich habe die Aktion zuletzt auf einigen Blogs und bei Instagram gesehen und bin neugierig geworden. Es gilt, an jedem 5. des Monats 5 persönliche Fragen zu beantworten. Somit gibt es mal wieder was abseits der Bücher auf dem Blog zu lesen. Wer macht noch mit?


1. Bestellst du im Restaurant immer das Gleiche?
Nein. Zum einen kommt es ja darauf an, in welchem Restaurant man sitzt und was überhaupt angeboten wird. Und dann entscheide ich gern nach Laune und Geschmack, wonach mir gerade ist. Aber, ich geb´s zu, ich bestelle trotzdem oftmals mit dem Hintergedanken, dass ich mir nicht gerade etwas aussuchen sollte, was ich zuhause problemlos selbst kochen könnte. Soll ja schon was besonderes sein, wenn man mal essen geht... :)

2. Genierst du dich dafür, dass du bestimmte TV-Formate schaust?
Nein. Ich gehöre zu den Menschen, die tatsächlich (bisher) ohne jeglichen Streaming-Dienst zurecht gekommen sind; ich hab von all den Serien, die bei Sky und Netflix und was-weiß-ich laufen, keine Ahnung. Wenn, dann schaue ich "ganz normal" TV, was halt gerade bei den üblichen Sendern so läuft. Aber da ist eigentlich nichts dabei, wofür ich mich schämen müsste. Auch wenn ich einen Hang zu kitschigen Filmen mit Happy End-Garantie habe, was andere vielleicht nie gucken würden...

3. Wann hast du zuletzt deine Frisur geändert?
Schon ziemlich lange nicht mehr. Ich lasse meine Haare ohne großes Brimborium wachsen, bis es mir zuviel wird, dann werden einige Zentimeter abgeschnitten. Ich hätte total gern mal Pony, befürchte aber, dass mir das bei meiner Kopfform leider überhaupt nicht steht, daher habe ich das noch nie in die Tat umgesetzt. Ohnehin bin ich kein großer Friseur-Gänger. Früher zu Schul- und Studiumzeiten hatte ich immer Strähnchen in den Haaren, bis mir dieses ständige Rauswachsen und Nachfärben-Müssen so auf den Keks gegangen ist, dass ich mir die Haare einmalig dunkler getönt habe, um die Strähnchen zu überdecken. Das war´s dann mit den Strähnchen - und mit dem Haarefärben.

4. Wann hast du zum letzten Mal einen Sonnenaufgang beobachtet?
Oh. Ich befürchte: noch nie so richtig bewusst. Meistens liege ich da noch im Bett (zu Sommerzeiten), oder ich bin schon am Arbeiten oder noch auf dem Weg dahin (zu Winterzeiten), da sehe ich dann aufgrund von Gebäuden und zugebauten Straßen nix von dem Sonnenaufgang. So ein richtig echter Sonnenaufgang gilt ja auch eigentlich nur draußen in der Natur - entweder irgendwo am Meer oder auf freiem Feld (ich denke da so an diesen magischen "Mr Darcy-Moment" bei "Stolz und Vorurteil", als er so zielstrebig über die Wiesen wandert und dann angeleuchtet wird vom Sonnenaufgang - hach ja... Soviel übrigens zum Thema "kitschige Filme mit Happy End-Garantie.) Also: nein, das ist schon seeehr lange her, dass ich bewusst einen Sonnenaufgang wahrgenommen hätte, muss ich sagen.

5. Welches Kunstwerk hat dich stark beeindruckt?
Für die Frage bzw. Antwort habe ich gerade ziemlich lange nachdenken müssen. Ich mag Kunst sehr gern, gehe bei Städtetrips gern in Museen oder in Ausstellungen, wenn es mich inhaltlich anspricht. Wenn es nicht Psychologie geworden wäre, dann hätte ich damals nach dem Abi wohl Kunstgeschichte studiert (aber die ganzen Stimmen "Was willst du damit denn mal werden?! Wo willst du denn damit arbeiten?!" waren letztlich doch ein bisschen zu laut, um sie zu ignorieren). 
Ich kann tatsächlich auch gar keinen bestimmten Kunst- Stil oder eine Epoche ausmachen, die mir besonders gefällt, auch wenn ich mit moderner Kunst erfahrungsgemäß wenig anfangen kann. (Vor allem mit solchen komischen Installationen, die niemand versteht.) Eher ist es so, dass ich spontan aus dem Bauch heraus feststelle, ob mir ein Bild oder eine Skulptur gefällt, wenn ich sie sehe. So mag ich es beispielsweise, wenn Bilder irgendetwas unperfektes an sich haben, oder etwas, das meinen Blick anzieht, und es mir deswegen im Kopf bleibt. Oft kann ich gar nicht erklären, was es ist. Ich mag Bilder, auf denen etwas los ist. Aber ich mag z.B. auch die Bilder von Edward Hopper sehr, auf denen meistens nichts los ist, die aber alle wirken, als würde gleich etwas mit einem großen Knall passieren. Ziemlich beeindruckt hat mich außerdem schon vor vielen vielen Jahren der "David" von Michelangelo, den ich, obwohl ich schon in Florenz war, bis heute leider noch nie "in echt" gesehen habe - ein Vorhaben, das ich unbedingt noch angehen muss! Umgekehrt stand ich im April dieses Jahres im Louvre in Paris vor der "Mona Lisa" und war angesichts der Menschenmassen und der Gleichgültigkeit, die zugleich durch den Saal waberte, ziemlich enttäuscht. Denn den Leuten geht es heute leider gar nicht mehr darum, sich tatsächlich diese geheimnisvolle Frau auf dem Bild anzusehen, innezuhalten und zu überlegen, warum sie wohl so versonnen lächelt, sondern nur darum, mit den bestmöglichen Filtern massentaugliche Instagram-Selfies mit sich vor der "Mona Lisa" zu produzieren. Ich fand diesen Saal, den man dort extra für dieses eine kleine Gemälde eingerichtet hat, schrecklich. Beeindruckt hat mich dieses Spektakel daher leider überhaupt nicht. 
Kurz: es gibt nicht "das eine" Kunstwerk, das mich beeindruckt hat, sondern viele. Und oftmals sind es eher die unbekannten, die nicht in den Reiseführern stehen. Beeindruckt stand ich beispielsweise vor diesem Bild, als ich es im April in Paris gesehen habe:

François-Auguste Biard: Magdalena Bay. Vue prise de la presqu'île des Tombeaux, au nord du Spitzberg. Effet d'aurore boréale (Quelle: Hier)

Bis zum nächsten Fünften des Monats! :)


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