Thienemann Esslinger Verlagsgruppe, 2018
14,99 Euro
Handlung:
Hast du dich schon mal gewundert, warum es Regeln gibt, die scheinbar nur für Mädchen gelten? Willst du gerne mehr über Bodyshaming, Selfcare und Gleichberechtigung erfahren? Findest du Mädchen und Frauen, die ihr eigenes Ding durchziehen, spannend? Dann bist du hier genau richtig!
Mit Kurzporträts von historischen und aktuellen Vorbildern, Checklisten und Anleitungen (Wie erkenne ich alltäglichen Sexismus? Wie kann ich dem Konsum-Wahnsinn entkommen?) und Einblicke in die Welt der Jungen.
Meine Meinung:
Ich denke, ich muss vorab sagen, dass ich dieses Buch als ungefragtes Rezensionsexemplar bekommen habe - denn von allein hätte ich mir solch ein Buch vermutlich nie zum Lesen genommen. Das wird auch daran liegen, dass ich mit meinen "Ü30" nicht mehr zur Zielgruppe der Leser gehöre, die hiermit angesprochen werden sollen. Das also als Info vorab, dass ich sicherlich nicht die optimalste Leserin für dieses Buch bin.
Aber vielleicht sollte das auch wiederum total egal sein. Denn ob nun 13 oder über 30 - das Mädchen/ Frausein mag einen ja dennoch so oder so beschäftigen. Mich aber ehrlich gesagt nicht so sehr. Ich bin für Gleichberechtigung und finde auch Emanzipation wichtig. Gleichzeitig habe ich nie Bevormundung oder Rückstufungen aufgrund meines Geschlechts erlebt. Da mag ich Glück gehabt haben, richtig. Und das mag auch der Grund dafür sein, dass ich solche Emanzipations- und Feminismus-Diskussionen zuweilen als zu gewollt, zu kleinlich und zu belehrend empfinde. Ich bin auch kein Freund von allzu plakativen Feminismus-Bekundungen, mit denen man die Geschlechterkluft meiner Ansicht nach meistens noch verstärkt. Denn wenn ich - wie hier in diesem Buch - immer wieder Formulierungen wie "Schülerinnenzeitung", "Staatsbürgerinnenrechte" oder "Freundinnenschaft" lese, dann verdrehe ich unweigerlich die Augen und denke mir, wie blöd das irgendwie klingt.
Und da habe ich auch gleich den nächsten Punkt, der mir an "How to be a girl" nicht gefallen hat. Das Buch möchte gern für Gleichberechtigung und Emanzipation der jungen Frauen sein, und bedient dabei aber das Hauptklischee der Rollenverteilung gleich selbst. Denn warum sonst ist dieses Buch in rosa-metallic Farben gehalten (=DIE Mädchenfarbe schlechthin)? Warum befinden sich zwar einige schematische Kopf-Abbildungen von bekannten oder bemerkenswerten Frauen darauf, aber beispielsweise Vertreterinnen des asiatischen oder afrikanischen Raums werden völlig außen vor gelassen? Ist das nicht schon ein weiteres großes Klischee?!
Ich kann mir vorstellen, dass junge Mädchen, die frisch in die Pubertät kommen und sich tatsächlich erstmalig im Leben mit Geschlechterunterschieden konfrontiert sehen, aus diesem Buch inhaltlich etwas mitnehmen. Denn Julia Korbik spricht einige wichtige Themen an und versucht sich auch, anhand von historischen Daten und Statistiken zunächst an die harten Fakten zu halten. Das kann durchaus zur Meinungsbildung beitragen. Das Buch gibt in dieser Hinsicht auch gute Denkanstöße, über Rechte und Pflichten und Privilegien, die mit dem einen oder anderen Geschlecht einhergehen mögen. Mir haben auch die Vorstellungen von bekannten und auch nicht so bekannten Frauen gefallen, die auf den unterschiedlichsten Bereichen erfolgreich oder zumindest aufgefallen sind. Manche davon kannte ich selbst nicht und fand die Vorstellungen daher recht interessant.
In meinen Augen sollte man "How to be a girl" jedoch nicht für sehr viel mehr als diese kleine Informationssammlung verwenden. Manche Inhalte, Tipps der Autorin oder auch diese ständigen unterschwelligen Feminismus-Formulierungen sind für mich einfach zuviel und nicht nachvollziehbar.
Ich komme z.B. nicht umhin, immer wieder den Gedanken zu haben, dass die Autorin unbedingt möchte, dass Mädchen sich auflehnen und etwas an ihrer Lage und gesellschaftlichen Rolle ändern - aber völlig egal, ob sie das eigentlich wollen oder nicht. Was ist mit Mädchen, denen es geht, wie es mir als Mädchen ging? Bei denen alles in Ordnung ist, die nicht bevormundet oder in irgendwelche Geschlechterschubladen gesteckt werden? Die absolut zufrieden damit sind, ein Mädchen zu sein und sich auch so zu benehmen - und sich so benehmen zu DÜRFEN? Wenn ich mich in solch ein Mädchen hineinversetze und das Buch aus deren Sicht lese, bekomme ich das Gefühl, Frau Korbik möchte mir sagen, dass das nicht ok ist. Dass ich dennoch unbedingt etwas ändern muss. Immer wieder sind Sätze zu finden wie "Um dich gegen soziale Normen auflehnen oder sie verändern zu können, musst du sie erst einmal erkennen." oder "Veränderung fängt bei dir selbst an". Ich finde, das setzt junge Mädchen ganz schön unter Druck und lenkt sie zugleich in eine ganz klare feministische Richtung - was man als 13-jährige doch aber noch gar nicht überblicken und auch die Folgen noch nicht abschätzen kann. Ebenso solche Beiträge wie "Checkliste: Wie du Sexismus im Alltag erkennst", bei der man tatsächlich abkreuzen kann, ob einem etwas bekannt vorkommt (was ist denn, wenn dort ein Punkt NICHT aufgelistet ist und sich ein Mädchen dennoch belästigt fühlt?? Zählt das dann nicht?), oder - mein Highlight - "DIY: Eine Protestaktion organisieren". Ich meine.. Im Ernst? Hier werden Mädchen echt dazu aufgerufen und angeleitet, sich gegen Regeln zu stellen und zu protestieren.
Kurzum: Den Umgang mit manchen Themen oder auch dieses gewollte "in die Feminismus-Richtung drücken wollen" finde ich schwierig und das hat mir auch nicht gefallen. Vielleicht liegt das daran, dass ich eben doch schon ein paar Jahre älter bin und das mit anderen Augen sehe.