Arena Verlag, beide 2020 erschienen
jeweils 19,00 Euro
Worum geht´s in Teil 1?
Sie nennen sich Runner und spielen vor laufender Kamera das gefährlichste Spiel der Welt. Im Grenzbereich zwischen Gesetz und Kriminalität treten einhundert Jugendliche an, um sich in einem Kampf um Rätsel, Schätze und verborgene Orte zu messen und zu inszenieren... Tim ist einer von ihnen. Ein Runner aus Leidenschaft, bereit über Grenzen zu gehen. Als er eines Tages einen Brief von GlobalGames erhält, zögert er keine Sekunde, die Challenge anzunehmen. Sieben Caches wurden an sieben Orten versteckt. 100 Jugendliche jagen ihnen nach. Einer gegen den anderen. Doch Tim merkt bald, dass er es nicht alleine schaffen kann. In der faszinierenden Annika, genannt Sakura, findet er eine Verbündete. Doch kann er ihr wirklich trauen? Oder rennt am Ende doch jeder für sich allein?
Meine Meinung:
Ich war noch nie Geocachen, finde die Idee dahinter aber äußerst spannend. Ich meine - wer würde nicht gern mal einen Schatz finden?! Thomas Thiemeyer bedient sich des Prinzips Geocachen in seiner neuen Jugendbuchreihe "World Runner" und weitet dieses aber noch um einiges aus. In Teil 1 "Die Jäger" begleitet man ein paar deutsche Jugendliche, die als "Runner" an einer Art Riesen-Schnitzeljagd teilnehmen, quer durch Deutschland zu verschiedenen Orten reisen und dort Rätsel lösen, um Punkte und Anerkennung zu bekommen. Am Ende winkt ein großer Preis. Worin genau dieser Preis besteht, verrate ich an dieser Stelle für alle interessierten Leser nicht. Jedoch, dass es im zweiten Teil um einiges größer daher geht. Jetzt wird es international, die Schnitzeljagd weitet sich auf den ganzen Globus aus und es nehmen 48 verschiedene Teams von "Runnern" aus 48 verschiedenen Staaten teil. Am Ende kann nur ein Team gewinnen.
Das Konzept, das sich Herr Thiemeyer ausgedacht hat, hat mich angesprochen und neugierig gemacht. Auch wenn ich rein altersmäßig nicht mehr zur Zielgruppe der Bücher gehöre, hatte ich großen Spaß daran, Tim, Annika und Co. auf ihrer deutschlandweiten Reise zu begleiten und Rätsel zu lösen. Man erfährt dabei einiges über Geschichte und Herkunft von Stationen, Sehenswürdigkeiten und besonderen Orten in Deutschland. Das hat mir gut gefallen. Und spannend war´s obendrein, was letztlich dafür gesorgt hat, dass ich gern direkt Teil 2 ("Die Gejagten") weiterlesen wollte.
Während das Konzept im "kleinen Rahmen", also bei der Suche innerhalb Deutschlands (Teil 1 "Die Jäger") noch funktioniert und irgendwie ganz spannend zu lesen ist, haut in meinen Augen im zweiten Teil der Reihe jedoch einiges nicht mehr so richtig hin. Angefangen bei den plakativen, klischeebeladenen Figuren, die ihre Rolle schon in Teil 1 zugeschrieben bekommen haben und auch in der Fortsetzung leider kein bisschen davon abrücken dürfen. So bleibt Tim der coole und hübsche Liebling der Massen, Annika die toughe Alleskönnerin und -wisserin und Jeremy hat leider dauerhaft die Rolle des arroganten Idioten abbekommen und muss daher die komplette Story über der dumme Kotzbrocken bleiben. Da ist wenig Raum für Überraschungen und Entwicklungen, die doch aber so gut in das Konzept reingepasst hätten.
Dann kommen so Kleinigkeiten hinzu, die im Großen und Ganzen nicht ausschlaggebend sind, die mir beim Lesen aber doch irgendwie gegen den Strich gingen und mich gestört haben. So kenne ich z.B. keinen 16-/17-Jährigen, der heute noch Worte wie "Unfug" oder "Göre" benutzt. Hier fehlt mir in den Dialogen tatsächlich ein bisschen Authentizität bezogen auf die aktuelle Jugend, um glaubhafter zu wirken. Die Rätsel im Teil 2 fand ich durchweg sehr spannend und interessant, die Auflösung jedoch nicht. Vielleicht liegt es an mir (wahrscheinlich!), aber ich habe mindestens 2x die Begründung der Rätsellösungen echt nicht verstanden. Da fehlte mir eine ausführliche Erklärung und ein "Klick" in meinem Kopf, das die Jugendlichen im Buch angeblich aber sofort hatten und direkt weitermachen konnten...
Dann die große Frage, warum eigentlich sechs Spieler, also "Runner", pro Land ausgewählt wurden. Warum so eine große Anzahl? Warum nicht nur 3 oder 4? Nicht nur, dass das organisatorisch und auch finanziell viel glaubwürdiger gewirkt hätte, es hätte obendrein dafür gesorgt, dass Mitspieler und Figuren in der Erzählung nicht zu kurz kommen und eben nicht nur wie lästiges Beiwerk zum eigentlich agierenden Team wirken. Denn genau das passiert hier im zweiten Teil. Die Macher und Entscheider sind Tim, Annika und Jeremy. Warum Vanessa und Darius hier überhaupt zwingend noch mit im Team sein mussten - keine Ahnung, geliefert und beigetragen haben sie nichts. Auch Malte kommt hier viel zu kurz und kriegt obendrein eine undankbare Rolle ab. Ebenso die erwachsenen Gegenspieler, Shenmi und Mortimer, die so plakativ gestaltet sind, dass mir das Lesen manchmal fast ein genervtes Seufzen entlockt hat.
Mir ist schon klar, dass die Bücher für jüngere Leser gedacht sind. Und diese jüngeren Leser natürlich andere Ansprüche an so eine Unterhaltung haben als ich. Trotzdem hat sich Herr Thiemeyer mit diesem zweiten Teil in meinen Augen keinen richtigen Gefallen getan. Die eigentliche Handlung gerät viel zu kurz, hätte viel mehr ausgestaltet werden können. Alleine die Ortsbeschreibungen sind stets so kurz und oberflächlich gehalten, dass zumindest ich mir keine gute Vorstellung machen konnte. Man bekommt zudem den Eindruck, das Herumreisen und Lösen von Rätseln wäre ein Klacks für Jugendliche, wenn sie nur genügend Geld zur Verfügung haben. Vielleicht hätte man aus Teil 2 lieber einen Teil 2 und einen Teil 3 machen sollen, um der ganzen Action und dem Hin und Her gerechter zu werden und auch zu einem "glaubwürdigeren" Ende zu verhelfen. Tatsächlich hätte Herr Thiemeyer seinen Contest ja auch mal dazu nutzen können, kleineren, weniger populären Ländern zumindest auf dem Papier mehr Erfolg zu gönnen. Im Wettbewerb begegnet man nur den "üblichen Verdächtigen", den ohnehin erfolgreichen Staaten unserer Erde: USA, Russland, China, Kanada usw. Warum hätte es denn nicht auch mal ein anderes "Überraschungs-Land" in die engere Auswahl für den Sieg schaffen können?
Solche Sachen habe ich mich beim Lesen des zweiten Teils gefragt, was dazu führte, dass ich Teil 2 der Reihe als nicht so überzeugend wie Teil 1 empfinde. Da wäre deutlich mehr drin gewesen und ich hätte hier eine Ausweitung auf einen dritten Teil tatsächlich mal sehr befürwortet, um den Figuren, aber auch der Handlung und dem Contest an sich genügend Spielraum und Glaubwürdigkeit zu verleihen.



