Ok, 2020, das war ja wohl mal nix. Dieses Jahresfazit werden viele in diesen Tagen treffen, da bin ich nicht alleine. So ein verkorkstes und sinnloses Jahr hatten wir ja schon lange nicht mehr, wenn denn überhaupt schon einmal. Da nehme ich mich nicht aus; zugleich möchte ich an dieser Stelle aber auch nicht nur rumjammern über dieses vergangene Jahr - denn das haben wir doch alle eh schon im Laufe der letzten Monate mehrfach getan.
Dass alles ausgefallen ist, worauf ich mich eigentlich gefreut hatte (Reisen, Ausflüge, Konzerte, Besuche bei Freunden, Besuche in Museen oder in Ausstellungen etc.). Dass das ganze Jahr bei mir einfach nicht viel passiert ist, sondern in vielerlei Hinsicht fast nur Stillstand herrschte. Dass 2020 auch beruflich nicht mein Jahr war und ich meine diesbezüglichen Ziele und Vorhaben nicht im Ansatz geschafft habe. Dass 2020 einfach ein Kackjahr war.
Weiß ich ja alles. Brauche ich an dieser Stelle nicht wirklich vertiefen und auch euch damit nicht in den Ohren liegen.
Ob 2021 alles besser wird? Pff, keine Ahnung. Sieht ja erstmal nicht so aus, aber man kann ja dennoch von den ganzen folgenden Monaten einfach mal das Beste hoffen. Vorsätze mache ich mir keine, habe ich ja noch nie so richtig; trotzdem versuche ich, 2021 einfach erstmal positiv zu nehmen und vielleicht das ein oder andere kleine Vorhaben in die Tat umzusetzen.
Jetzt aber erstmal ein Rückblick auf dieses vermaledeite Jahr 2020. Lesetechnisch war das ein recht unaufgeregtes, unspektakuläres Jahr für mich, was sich schon daran zeigt, dass ich mit Blick auf meine gelesenen Bücher nicht mal eine handvoll Lesehighlights benennen könnte. Ich kriege nicht mal 5 zusammen, was ich schon bedenklich finde. Dazu mehr weiter unten. Gelesen habe ich 83 Bücher, was ... okay ist. Zumindest mehr als im Jahr davor; zugleich hat 2020 dank diverser Lockdowns, Shutdowns, Kontaktverboten, Quarantänen etc. ja eigentlich soviel Zeit zum Lesen geboten wie schon lange kein Jahr mehr. Und dann hätten es natürlich schon ein paar Bücher mehr noch sein können.
Aber wie ich schon angedeutet habe, war ich 2020 mit meinen gelesenen Büchern, bis auf einige Ausnahmen, irgendwie nie so richtig zufrieden. Ich habe in diesem Jahr wenig Mitreißendes, Bewegendes oder Berührendes gelesen; wenig, das mir lange im Kopf bleiben wird. Ich habe viele verschiedene Bücher probiert, hatte mitunter (worüber ich ja hier auf dem Blog auch ganz gern mal gejammert habe) 4 oder 5 Bücher gleichzeitig angelesen und begonnen, ohne in eins davon richtig eintauchen zu können - und eintauchen zu wollen. Tatsächlich fiel es mir 2020 unglaublich schwer, mich auf neue Bücher einzulassen. Mich in neue Geschichten begeben zu wollen und neue Abenteuer oder Erzählungen zu entdecken. Ich bin irgendwie lieber beim "Alten" geblieben und habe daher in den vergangenen 12 Monaten recht viele Bücher gelesen, die ich schon kannte. Re-Reads waren angesagt bei mir, darunter die komplette "Lockwood & Co." Reihe, 2 "Harry Potter" Bücher, Bücher von Kerstin Gier, Nikola Hotel, Nora Roberts. Wohlfühlbücher sozusagen. Vielleicht hatte ich bei dieser komischen Corona-Situation einfach keine rechte Lust, mich auf Neues einzulassen (und enttäuscht zu werden), sondern habe bekanntes, bewährtes bevorzugt.
- Challenges -
Einige neue Bücher gab es natürlich trotzdem. Ich bin sogar auch immer mal über meinen gewöhnlichen Lese-Horizont geklettert und habe dank der Sachbuch-Challenge von Konstanze mehrere Sachbücher gelesen, wenn auch vorwiegend in der ersten Jahreshälfte. Die Aufgabe war es, 8 Sachbücher zu lesen, was ich tatsächlich auch gemacht habe (ein ziemlicher Erfolg für mich, die Sachbücher sonst zwar immer sehr interessant findet, sie meistens aber nicht liest), auch wenn ich für drei davon ein Leseeindruck schuldig bleibe (habe einfach keine Lust mehr, mich jetzt noch dran zu setzen...). Trotzdem: das lief ziemlich gut, ich habe tolle Bücher gelesen und viel erfahren und gelernt. Hat sich absolut gelohnt.
Ich habe 2020 auch 3 Lieblingsbücher anderer Personen gelesen, was ich als wirklich erfrischende und nette Leseaktion empfunden habe. Diese kleine Aktion habe ich selbst ins Leben gerufen, wenn man so sagen möchte, und es haben sich drei weitere Personen gefunden, die eine kleine Liste ihrer Lieblingsbücher zur Verfügung gestellt haben. Ich selbst hatte mir fest vorgenommen, von jeder der drei Listen wenigstens ein Buch zu lesen, also ein Lieblingsbuch der drei Personen. Das hat ziemlich gut geklappt. Ich habe mir von der Liste von Skye "Fahrenheit 451" von Ray Bradbury ausgesucht, ein Klassiker, den ich eh schon länger mal lesen wollte. Hat mir gut gefallen, vor allem, wie realistisch bezüglich der Zukunftsvisionen und -gedanken dieses Buch von 1953 letztlich schon war. Von Twineetys Liste habe ich "Vier Farben der Magie" von V.E. Schwab ausgesucht, weil es mich irgendwie neugierig gemacht hat und ich schon lange nur gutes über diese Buchreihe höre, auch wenn ich ja nicht so der typische Fantasy-Leser bin. Was soll ich sagen, nach dem ersten Band war ich süchtig und so "geflasht", dass ich wissen wollte, wie es weitergeht. Glücklicherweise ist die Reihe ja schon eine Weile draußen, sodass ich direkt die Teile 2 und 3 weiterlesen konnte. Und von Neyashas Lieblingsbüchern habe ich "Amy on the Summerroad" von Morgan Matson gelesen, was mir auch gut gefallen hat. Für mich hat es ein wenig gedauert, bis die Story in die Gänge kam, aber dann hat sie schon ihre schönen und emotionsvollen Momente gehabt.
Von der Aktion #20für2020, bei der ich mir schon Anfang des Jahres 20 ungelesene Bücher ausgesucht habe, die ich über das Jahr hinweg lesen wollte, habe ich 9,5 Bücher gelesen; eins liegt noch angefangen hier herum. Dieser Endstand ist ... okay, schon mal deutlich besser als letztes Jahr, aber natürlich noch ausbaufähig. Vielleicht klappt es ja dieses Jahr, da mache ich bei #21für2021 wieder mit.
Zum Lesebingo schreibe ich die Tage noch einen kleinen extra Post.
Und sonst?
- Die meisten Lacher -
Tatsächlich gab es bei mir 2020 wenige Bücher, die mich so richtig zum Lachen gebracht habe. Definitiv dazu gehört hat aber das ebook "In meinem Kopf klangs irgendwie besser" von Nina Kenwood, das mich echt herrlich unterhalten und amüsiert hat. Ich fand den Humor und die Beobachtungsgabe von Hauptfigur Natalie einfach köstlich.
- Das schönste Pärchen -
Das sind Kell & Lila aus der "Weltenwanderer"-Reihe von V.E. Schwab und Ivy & Asher aus "It was always you" von Nikola Hotel.
- Das fieseste Ende -
Ich muss sagen, mir hat das Ende der "Spiegelreisenden"-Buchreihe von Christelle Dabos nicht so richtig gefallen. Es ist jetzt nicht "fies", wie die Kategorie erfordert, höchstens in der Hinsicht, dass ich als Leserin schon recht eindeutig ein netteres, ja - irgendwie "Happy End" halt erwartet und mir gewünscht hätte. Ich verrate an dieser Stelle natürlich nichts, aber irgendwie hat mich das Ende enttäuscht, dafür dass ich mich durch die 4 Bände durchgekämpft habe.
Ähnlich unzufrieden bin ich mit dem Ende der "My dear Sherlock"-Reihe von Heather Petty, die die Geschichte um Sherlock und Moriarty ins London der heutigen Zeit versetzt und jene Jahre beschreibt, in der die beiden sich noch gut verstehen - bevor sie irgendwann zu Feinden werden. Hier ist zwar viel nach künstlerischer Ader ausgedacht und umgeschrieben, so ist Moriarty z.B. ein Mädchen, aber trotzdem stimmen die meisten Grundmotive der bekannten Sherlock-Erzählung überein. (Nur Watson spielt absolut keine Rolle.) Und gerade weil das so ist, kann man sich als Leser natürlich irgendwie insgeheim schon denken, dass die Buchreihe mit einem großen Knall enden wird, und eben nicht mit einem "Happy End". Dass Heather Petty das dann aber auch wirklich so durchzieht, finde ich gleichermaßen stark und frustrierend.- Das beste Abenteuer -
... habe ich in der "Weltenwanderer"-Trilogie von V.E. Schwab gelesen. Gut fand ich auch das Abenteuer des ersten Teils der "World Runner" von Thomas Thiemeyer und "Bermuda" von Thomas Finn.
- Der gemeinste Cliffhanger -
Naja, das ist streng genommen kein Cliffhanger, denn darunter verstehe ich eigentlich, dass die Story nach diesem plötzlichen Ende noch weitergeht. Das tut sie bei "Alle Farben weiß" von Christa Ludwig nicht. Aber genau das hat mich eben so fuchsig gemacht: Die Geschichte von Selina endet einfach im Nichts. Plötzlich ist vorbei, der Text endet, ich drehe die Seite um, sehe, dass da nichts mehr kommt und denke mir so "Häää?!". Äußerst unzufriedenstellend, muss ich schon sagen. Hier hätte ich mir irgendwie noch mehr gewünscht.
- Die meisten Tränen -
Hier muss ich eine Unterscheidung treffen. Wirklich weinen musste ich in diesem Jahr glücklicherweise bei keinem Buch. Also zumindest nicht so richtig. Ein kleines bisschen sind die Augen feucht geworden bei "Amy on the Summerroad" von Morgan Matson, weil das zum Ende hin doch ganz schön tiefsinnig und traurig wird.
Wirklich fassungslos und völlig durch den Wind sitzen gelassen hat mich aber auch das Buch "Das Earhart Mysterium" von Klaus L. Schulte, das ich als Sachbuch gelesen habe. Ich habe bei dem Buch nicht wirklich weinen müssen, aber mich hat die Mischung aus sachlichen Infos zum Verschwinden Amelia Earharts, kombiniert mit dem Versuch des Autors, ihre vermutlich letzten Stunden "belletristisch" in Form einer Geschichte darzustellen, ziemlich mitgenommen und noch Tage nach dem Lesen gedanklich völlig beschäftigt. Auch in der Art, dass mich die Tragweite dieses Verschwindens irgendwie unglaublich mitgenommen hat.
- Viel Wirbel um nichts -
Hmmm. Ich mochte "Die Wahrheit über das Lügen" von Benedict Wells sehr, diese Kurzgeschichtensammlung, die er als letztes herausgebracht hatte. Auch live fand ich ihn unglaublich sympathisch und nett, als ich ihn bei einer Lesung erlebt habe. Sein größter Erfolg ist wohl "Vom Ende der Einsamkeit", von dem irgendwie gefühlt die ganze Leser-Welt redet. Und schwärmt. Also habe ich das natürlich auch lesen wollen und das in den letzten Monaten auch getan. Und irgendwie... tja, ist bei mir der Funke nicht übergesprungen. Ich fand die Geschichte ganz nett, so "kann man mal lesen"-mäßig, aber was alle an diesem Buch so verzückt und begeistert - das blieb mir irgendwie schleierhaft. Hat mich nicht besonders beeindruckt und wir mir auch nicht wirklich im Kopf bleiben.- Am meisten gelernt -
In diesem Jahr habe ich lesend ´ne ganze Menge gelernt und erfahren, weil ich neben all den Büchern, die ich ohnehin lese, ja ganz bewusst auch zu Sachbüchern gegriffen habe. Besonders viel an tollen Infos und Details, die mir zuvor völlig unbekannt waren, habe ich dabei aus "Der Taschenatlas der abgelegenen Inseln" mitgenommen.
- Die größte Überraschung -
Da gab´s eigentlich keine. Richtig umhauen konnte mich kein Buch, schon gar nicht, wenn ich es vorher nicht erwartet hätte. Dennoch muss ich positiv das neueste Buch "Ein Wort, um dich zu retten" von Guillaume Musso erwähnen. Mit Herrn Musso habe ich so meine Probleme und verbinde eine Hassliebe zu seinen Büchern, wie ich ja HIER schon mal erzählt habe. Dieses Jahr habe ich mich mal wieder an sein neuestes Buch ran gewagt und war davon sehr positiv überrascht.
- Enttäuschungen 2020 -
Glücklicherweise gab es 2020 eigentlich kein einziges Buch, das ich so richtig richtig schlecht fand. Gab nur ein oder zwei, die mich doch etwas enttäuscht haben. Hier muss ich "Gelebte Zeit" von Bettina Belitz nennen, das mich echt total gelangweilt und frustriert hat, ebenso wie "Das legt sich wieder" von Steffi von Wolff, ein schrecklicher Vertreter der sogenannten "Chicklit"-Bücher. Auch "Ich, Eleanor Oliphant" von Gail Honeyman konnte ich nicht viel abgewinnen und "Babylon" von Thomas Thiemeyer hat mich zum Ende hin ziemlich enttäuscht.- Highlights 2020 -
Wie schon angedeutet, gibt es da gar nicht so viele in diesem Jahr. Ich habe viele Bücher gelesen, die ich so mittelmäßig eingestuft habe, nicht schlecht, aber auch nicht so gut, dass sie mir lange im Kopf bleiben werden oder gar etwas mit mir gemacht hätten. Wirklich richtig super gut gefallen haben mir aber folgende Bücher: "Was man von hier aus sehen kann" von Mariana Leky, "Neuschnee" von Lucy Fowley sowie die "Weltenwanderer"-Reihe von V.E. Schwab, die man aber wohl auch als Eins zählen könnte. Insofern: keine Handvoll.
Wie war euer Lesejahr 2020? Habt ihr Highlights entdeckt, die ihr empfehlen könnt?






































