Montag, 13. Mai 2019

"Der Verrat" - Ellen Sandberg

Penguin Verlag, 2018
15,00 Euro


Handlung:

Als Nane nach zwanzig Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen wird, hat sich vieles verändert. Nicht aber die Schuld, die weiter auf ihr lastet. Nicht die Erinnerung an die Nacht, die ihr Leben zerstörte und schon gar nicht das Verhältnis zu ihrer Schwester Pia.

Pia hat es gut getroffen. Die erfolgreiche Restaurateurin lebt mit ihrem Mann auf einem idyllischen Weingut an der Saar. Da lässt es sich gut verdrängen, auf welch zerbrechlichem Fundament ihr Glück gebaut ist. Doch dann tritt ihre Schwester Nane wieder in ihr Leben und Pia ahnt: Es ist Zeit für die Wahrheit. Und damit Zeit für Rache – oder Vergebung.



Meine Meinung:
Viele Leser schwärmen vom Vorgängerbuch "Die Vergessenen" von Ellen Sandberg, welches ich jedoch gar nicht kenne. Ich habe "Der Verrat" daher ganz ohne Erwartungen gelesen. Auf gewisse Weise ist "Der Verrat" ein Krimi, jedoch ein ungewöhnlicher, der an vielen Stellen eher an eine Darstellung einer verkorksten Familiengeschichte erinnert. Denn in erster Linie geht es um drei Schwestern, von denen eine (Nane) 20 Jahre für einen Mord im Gefängnis saß - dem Mord am Sohn des späteren Ehemanns ihrer Schwester Pia. Pia hat keinen Kontakt zu Nane, sie kann ihrer Schwester nicht verzeihen. Als Nane dann entlassen wird, bahnen sich jedoch zunehmend Zweifel an, ob die Straftat wirklich so abgelaufen ist, wie es damals schien.
Ellen Sandberg versteht es, den Spannungsbogen kontinuierlich aufzubauen und zu verstärken, dennoch gab es für mein Empfinden hier und da einige Längen im Erzählfluss. Die Figuren machen es einem nicht so leicht, sie zu mögen, zugegeben. Gerade Hauptfigur Pia empfand ich gar nicht als Sympathieträgerin, und die anderen beiden Schwestern kommen auch etwas zu kurz, finde ich. Dennoch werden die Charaktere mit ihren zunächst gut unter Verschluss gehaltenen Mängeln und Fehlern im Verlauf immer klarer dargestellt, was mit den gut gewählten Zeitsprüngen aus der heutigen Zeit in die Zeit des Verbrechens vor 20 Jahren noch zusätzlich für Neugier auf den Ausgang des Buches sorgt. Die Lösung des Falles ist dann eine Überraschung, die den gewünschten Aha-Effekt erzielt, den man sich dann von einem guten Krimi erhofft - auch wenn "Der Verrat" erst gar nicht wirklich wie ein Krimi wirken mag.

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