Ich habe viele ungelesene Bücher. Sehr viele. Ich habe keine Ahnung, wie viele genau, denn ich habe mir nie die Mühe gemacht, sie zu zählen - und heute befinde ich mich damit in einer Größenordnung, in der ich einfach keine Lust habe, all diese Bücher zu zählen. Ich würde mal behaupten, mein Stapel ungelesener Bücher umfasst einen dreistelligen Betrag und ich bin ganz ehrlich - ich weiß nicht, ob die erste Ziffer dieser dreistelligen Zahl wirklich noch eine 1 ist.
Aber so ist das nun mal bei mir. Bücher gab es in meinem Leben schon immer viele und ganz besonders seit dem Blog-Start häufen sich die Bücher und werden mehr und mehr. Gestört hat mich das eigentlich nie, Platz war irgendwie immer da; mal mehr, mal weniger. Ab und an sortiere ich auch mal Bücher aus, wenn ich weiß, ich möchte sie nicht mehr haben. Und dann entstehen ja auch wieder ein paar kleine Lücken in den Regalen. Erst seit Kurzem musste ich mich mit der neuen, zugegeben unbequemen Situation befassen, dass ich keine Bücher mehr in den Regalen unterbekommen konnte und anfangen musste, sie auf dem Boden zu stapeln. Keine Sorge, es nimmt noch keine Messie-Ausmaße an und ich werde es auch nie so weit kommen lassen.
Man kann also sagen: ich liebe Bücher und bin froh, sie um mich zu haben. Aber manchmal... Manchmal hasse ich es geradezu, so viele Bücher zu haben. So viele ungelesene. Denn viele ungelesene Bücher bedeuten zwangsläufig die Qual der Wahl, wenn es darum geht, sich für das nächste Buch zu entscheiden, das man liest.
Am Sonntag hatte ich wieder so eine Episode. Voller Elan und Begeisterung hab ich mich vor meine Bücherregale postiert und habe den Blick über die Regalbretter schweifen lassen, auf der Suche nach dem nächsten Buch, das mir zuwinken oder sich irgendwie als meine nächste Lektüre bemerkbar machen würde. Nur ... leider passierte das nicht. Ich schaute und schaute und ... schaute - und nach und nach verschwand mein Lächeln aus dem Gesicht. Denn mir winkte kein Buch zu. Es räusperte sich auch keins oder sprang spontan heraus in meine Hände. Vielmehr sah ich mich einmal mehr diesen riesigen Menge an Büchern gegenüber und es passierte das, was eigentlich immer passiert, wenn ich unentschlossen und ohne wirkliches Bauchgefühl an die Auswahl eines neuen Buches gehe:
Ich kann mich nicht entscheiden.
Denn da ist einfach zuviel Auswahl. Mal zieht es mein Auge in Richtung neues Buch, das ich erst letzte Woche erhalten habe. Dann wieder wandert mein Blick nach oben aufs Regalbrett, wo seit gut 4 Jahren "Das Haus zur besonderen Verwendung" auf mich wartet. Im nächsten Moment fällt mir "Liebe mit zwei Unbekannten" ins Auge, was ich ja eigentlich schon längst mal gelesen haben wollte. Und dann denke ich mir, ach nö, könnte auch mal wieder was Abenteuer-und Action-mäßiges sein. Vielleicht eins der Taschenbücher da unten in der Ecke? Oder ... ach ja, "Vango" wollte ich auch nochmal lesen. Dann fällt mir ein, dass ich fürs Lese-Bingo dieses Jahres noch die ein oder andere Kategorie offen hab - also vielleicht eins, was da passen würde? Dann wandert mein Blick erneut über die Regalbretter und bei nahezu jedem ungelesenen Buch bleibt er eine Nanosekunde hängen und mir schießt durch den Kopf, warum ich dieses Buch eigentlich habe und irgendwann mal lesen wollte. Mittlerweile ist das Lächeln komplett aus meinem Gesicht gewischt, weil ich zunehmend in schlechtere Laune abdrifte. Ich kann mich einfach nicht entscheiden! So viele Bücher und ich kann mir nur denken "Himmelherrgott, wann soll ich die eigentlich alle lesen?! Das schaff ich ja nie!" Und dann fange ich - aus Verzweiflung - an, abzuwägen: Welches Buch wäre jetzt gerade wirklich genau richtig und wichtig? Welches kann eigentlich noch gut eine Weile ungelesen warten, auch wenn es schon 5 Jahre dort steht? Und wonach zum Geier ist mir eigentlich wirklich?
Ende letzten Jahres habe ich mir ein Glas ins Regal gestellt und mit Zetteln gefüllt, auf denen Titel einiger Bücher stehen, die ich noch nicht gelesen habe. So nach dem Motto "To be read jar", was ich auf manchen Blogs gesehen habe. Meine Idee war, dass ich mir einfach einen Zettel ziehe, wenn ich mich mal wieder nicht für ein Buch entscheiden kann. (Ich hab das Problem oft.) Wer möchte mal raten, wie oft ich in diesem Jahr in dieses Glas gegriffen habe? Na? Genau, null mal. Ich hab´s nicht mal geöffnet. Denn tief in meinem Inneren weiß ich, dass ich letztlich mit der Wahl eines gezogenen (und daher doch nicht freiwillig ausgesuchten) Buches nicht zufrieden und glücklich wäre. War also eine Null-Nummer.
Was mach ich also? Denn ich kann ja beim besten Willen nicht ne Stunde vor den Regalen stehen und nur die Bücher anglotzen, das ist ja schade um die vergebene Lesezeit. Ich schnappe mir also eine Handvoll Bücher, und zwar jene, die sozusagen "dringend" in meinem Kopf sind. Auf die ich also wirklich gerade Lust habe, sie zu lesen, oder von denen ich mir denke, das könnte eine Geschichte genau nach meinem Geschmack sein, wie ich sie jetzt gern lesen wollen würde. Das sind dann oftmals so 5-7 Bücher. Und in die lese ich dann rein. Die ersten paar Seiten oder die ersten 2 Kapitel oder so. Und das Buch, das mir dann spontan am meisten gefällt und zusagt anhand dieser ersten paar Seiten, das wird es dann.
Ein schweres Unterfangen. Und so zeit- und nervenraubend. Und vor allem geht dabei oftmals meine gute Laune flöten. Denn ich fang noch gut an, freu mich auf ein neues Buch; aber weil ich mich dann partout für keins entscheiden kann, wird jedes Mal so eine Aktion da draus. Deswegen sind so viele ungelesene Bücher Segen und Fluch zugleich, finde ich. Man muss nie Angst haben, dass einem mal der Lesestoff ausgeht, denn man hat wahrlich genug in der Hinterhand. Außerdem mag ich - prinzipiell!!!! hehe - den Gedanken, ein bisschen Auswahl zu haben und nicht zwischen einem und keinem entscheiden zu müssen. Trotzdem ist es einfach nervig, wenn es einem so wie regelmäßig mir geht und man sich einfach nicht entscheiden kann. Weil man nicht weiß, was man vielleicht in anderen Büchern verpasst, während man seins gerade liest. Und ob andere nicht vielleicht viel besser sind.
Was lerne ich daraus? Nichts. Absolut nichts. Ich habe heute ein Paket von Arvelle bekommen mit ganzen 9 neuen Büchern. Als müsste ich es nicht besser wissen...
Wie seht ihr das? Geht´s euch genauso? Oder habt ihr einen schön kleinen übersichtlichen Stapel an ungelesenen Büchern und wisst immer recht schnell, was euer nächstes Buch wird?












