Dienstag, 23. April 2019

Blitzlicht & Buchgeplauder

Hallo ihr Lieben!
Ist schon eine Weile her, dass ich hier auf dem Blog einfach mal drauf los geschrieben habe, was mich so beschäftigt - zuletzt gab es nur ein paar Rezensionen, die teilweise schon längst überfällig waren. Ich freue mich dennoch, wenn ich anhand der Besucherzahlen sehe, dass trotz der Stille und der aktuellen Eintönigkeit auf dem Blog immer wieder mal ein paar von euch hier auf der Seite landen und die Beiträge lesen. 

Woran liegt´s, dass hier in der letzten Zeit so wenig los war? Kann ich euch gar nicht genau sagen, denn streng genommen habe ich momentan sogar recht viel freie Zeit übrig, die ich prinzipiell auch für den Blog verwenden könnte. Zumindest manchmal. Meistens fehlt mir aber die Lust und der Antrieb, mich vor den Laptop zu setzen und Rezensionen zu gelesenen Büchern oder irgendetwas anderes buchiges zu schreiben. Tatsächlich habe ich meistens gar keine Lust, mich vor den Laptop zu setzen. Wahrscheinlich ist das mein Unterbewusstsein, das gegen die Tastenhauerei rebelliert, weil ich in den letzten Monaten gefühlt schon viel zu viel Zeit vor dem Bildschirm verbracht habe. 
Denn - man glaube es kaum -, aber ich habe tatsächlich meine Doktorarbeit beendet und vor einigen Wochen an der Universität abgegeben. Ich hatte dieses nervige Lebens- und Alltags- Anhängsel namens Dissertation SO SATT, dass ich am Ende nur noch stupide geschrieben und geschrieben habe, das ganze dann im Eilverfahren gedruckt und letztlich einfach nur noch abgegeben habe. Jetzt ist sie weg, wird gerade begutachtet und es liegt nicht mehr in meiner Hand. Natürlich steht mir irgendwann noch diese schreckliche mündliche Verteidigung bevor, aber die verdränge ich momentan noch erfolgreich aus meinen Gedanken. Irgendwie war das ein ziemlich befreiender Moment, als ich diese 3 gedruckten Exemplare tatsächlich abgegeben habe. Damit ist ein Kapitel, das mich schon so lange begleitet hat, fast abgeschlossen. Komisch.

Auch sonst ging es bei mir in den letzten Wochen eher um berufliche als um private Dinge. Ich habe nach einigem Hadern eine - für mich ganz und gar untypische - Entscheidung getroffen und meinen letzten Job gekündigt. Verschiedene Gründe haben dazu geführt. Und jetzt? Jetzt bin ich erstmal ziemlich planlos und weiß gar nicht so recht, wie und wohin es weitergeht. Auch das ist für mich völlig untypisch und deswegen auch ungewohnt. 

Ich habe Paris besucht, zum ersten Mal in meinem Leben. Es war schön, laut, voll, sonnig, trubelig, aufregend, informativ, abwechslungsreich, beeindruckend. Nur wenige Tage danach hat die Notre-Dame gebrannt und mir hat so das Herz geblutet, als ich die Bilder im TV gesehen habe. Das ist eine solche Tragödie. Keine 3 Wochen davor bin ich noch durch diese Kathedrale gelaufen, habe die Buntglasfenster bewundert und mir ehrfürchtig gedacht, dass diese Kirche schon fast 900 Jahre steht. Und jetzt - nicht mehr. Nicht mehr wie vorher. Traurig.


Aber zum Abschluss noch was schönes. Heute ist Welttag des Buches! Ein Anlass, sich ein Buch zu schnappen und für ein paar Stunden die Welt da draußen zu vergessen. Ich hoffe, ihr macht es genau so! Ich habe in der letzten Zeit recht viel gelesen, gutes und weniger gutes, aber (wie oben schon beschrieben), ob ich dazu Rezensionen verfassen werde, kann ich nicht sagen. Das von mir lang ersehnte "Das Verschwinden der Stephanie Mailer" von Joel Dicker gehört zu den guten Büchern, auch wenn es hier und da schon ein paar Dinge gab, die mich gestört haben. Herr Dicker kommt im Mai nach Hamburg für eine Lesung - ich bin natürlich mit am Start! (Muss sein, da meinerseits seit Erscheinen seines Buches "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" ein ziemliches Fangirl-Dasein besteht... :D ) Ein interessantes Gedankenspiel zum Thema Datenschutz und Schutz der Privatsphäre in Zeiten der Digitalisierung bietet "Der Würfel" von Bijan Moini. Ansonsten habe ich mich zuletzt noch einmal komplett durch die "Lockwood & Co."- Reihe von Jonathan Stroud gelesen (ich LIEBE die Buchreihe!) und bin jetzt im letzten Band angekommen. Nebenbei lese ich noch "Der Duft des Waldes" von Hélène Gestern.

Und jetzt: Zeit zum Lesen!

Donnerstag, 18. April 2019

"Mindblind" - Lari Don

Verlag Freies Geistesleben, 2019
18,00 Euro



Handlung:

›Mindblind‹, das sind aus Sicht der Familie Bain alle, die nur auf ihren Verstand angewiesen sind. Sie selbst nämlich können Gedanken lesen – und Gefühle. Allen voran Ciaran Bain. Aber dieses Talent hat seinen Preis für ihn und fatale Folgen für andere.
Deshalb ist jetzt Lucy Shaw auf dem Plan, die Genugtuung fordert für ihre tote Schwester. Sie musste sterben wegen eines Geheimnisses, das Ciarans Familie für immer begraben wollte. Nur zusammen können diese so ungleichen Verbündeten das tödliche Geheimnis aufdecken. Aber wohin sie auch fliehen, sie sind nirgends sicher, nicht mal in ihrem eigenen Kopf.



Meine Meinung:
Hand aufs Herz: Wer hat sich nicht schon einmal gewünscht, die Gedanken seines Gegenübers lesen zu können? Wenigstens für wenige Minuten mal zu wissen, was in den Köpfen anderer Menschen vor sich geht?
Also ich zähle mich definitiv zu diesen Personen. Ich würde die Fähigkeit des Gedankenlesens beileibe nicht immer haben wollen - denn seien wir ehrlich: man muss auch nicht ALLES wissen, was anderen im Kopf herum geht -, aber gelegentlich hätte dies doch durchaus seine Vorteile. 
Ciaran, die Hauptfigur im Buch "Mindblind" besitzt diese Fähigkeit von Geburt an. Jedoch kann er diese nicht nach Belieben an- und ausschalten, sondern muss mit dem fragwürdigen Los leben, immerzu und in jeder (un)möglichen Situation alle Gedanken und Emotionen seiner Mitmenschen zu empfangen und selbst zu spüren. Er stammt aus einer ganzen Familie von Gedankenlesern, und während diese "Kunst" früher vielleicht noch dazu taugte, sich Zirkus- und Karnevalsmäßig etwas Geld zu verdienen, leben Ciaran und seine Familie heutzutage weitaus gefährlicher. Um jeden Preis muss diese Fähigkeit geheim gehalten werden, damit die Bains nicht wie Versuchskaninchen in irgendwelchen Labors landen.
Dies hat aber zur Folge, dass Ciarans Familie vor so manchen Straftaten nicht zurückschreckt. Und auch Ciaran selbst bleibt davon nicht verschont: er muss mit dem Gedanken leben, den Tod eines Mädchens verschuldet zu haben, das zuviel über ihn wusste. Deren Schwester Lucy versucht, genau dies aufzudecken, während Ciaran alles mögliche tut, um seine Identität geheim zu halten. Auf diese Weise müssen beide unfreiwillig zusammenarbeiten - wenn sie, immerzu verfolgt von Ciarans Familie, am Leben bleiben wollen. 
Lari Don hat hier ein wirklich gutes Buch geschrieben. Dank der unterschwelligen präsenten Spannung, dem rasanten Tempo, kurzweiligen Dialogen und durch gekonnt eingebaute Cliffhanger fliegt man durch die Seiten dieser Verfolgungsjagd, die die beiden quer durch Großbritannien bis nach Edinburgh führt. Die Geschichte ist abwechselnd aus Ciarans und Lucys Perspektive geschrieben, und man kann nicht anders, als Sympathien und Verständnis für beide zu entwickeln. Letztlich schafft die Autorin es auch, die beiden Seiten der Medaille aufzuzeigen, wenn es um das Gedankenlesen geht - so eindrucksvoll und vorteilhaft dieses Können vielleicht auch sein mag, es kann schnell in eine Belastung umschlagen. Das hat mir hier wirklich gut gefallen und ich habe "Mindblind" letztlich in einem Rutsch durchgelesen. Spannende und interessant durchdachte Jugendlektüre!

Ein herzliches Dankeschön an den Verlag Freies Geistesleben!

Freitag, 5. April 2019

"Die Reinsten" - Thore D. Hansen

Golkonda Verlag, 2019
22,00 Euro

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Handlung:

Die Erde im Jahr 2191: Nach einer verheerenden Zeit von Kriegen, Seuchen und Klimakatastrophen führt die künstliche Intelligenz "Askit" die letzten Überlebenden in eine Ära des Friedens. Elite der neuen Welt sind die von Askit ständig überwachten "Reinsten", die als Wissenschaftler für die Regeneration des Planeten arbeiten.


Eve Legrand wird von der KI in der wichtigsten Prüfung ihres Lebens als Reinste anerkannt. Doch anstatt ausgewählt zu werden, wird sie ohne Erklärung verstoßen. Ihr bleibt nur die Flucht in die Zonen, die nicht von "Askit" kontrolliert werden. Eve wird dort mit einer Wirklichkeit konfrontiert, die ihre gesamten Werte und Vorstellungen radikal infrage stellt.





Meine Meinung:
Ich bin kein typischer Science-Fiction-/Zukunftsroman-Leser, aber dieser klang interessant, also habe ich mich auch mal in dieses Genre begeben. "Die Reinsten" spielt in der Zukunft, im Jahr 2191. Die Erde, wie wir sie aktuell kennen, existiert schon nicht mehr - diverse Katastrophen haben einen Großteil der Menschen ausgerottet; heutige Länder und Kontinente gibt es nicht mehr; und vor allem werden alle Belange der Erde von einer Künstlichen Intelligenz (KI) namens Askit gelenkt und gesteuert. Klingt erstmal schräg, und das war es für mich auch. 
Ich muss gestehen, ich bin anfangs sehr schwer in diese Geschichte reingekommen. Erst nach und nach haben sich manche Zusammenhänge und Vorstellungen des Autoren für mich erklärt, manches blieb für mich aber auch bis zum Ende nicht ganz nachvollziehbar.
Im Großen und Ganzen ist Herrn Hansen hier eine gut ausgedachte und vor allem glaubhafte Darstellung einer realistischen, aber zugleich beängstigenden Zukunftsversion gelungen, die so passieren kann - aber hoffentlich nie passieren wird. Zumindest kann und möchte ich mir nicht vorstellen, dass sich die Menschheit mit allem, was das Leben ausmacht, komplett einer Künstlichen Intelligenz verschreibt und keinerlei eigenen Willen mehr besitzt. Diese Vorstellung finde ich schrecklich. Egal, ob es um den eigenen Fitnesslevel geht, die Jobwahl oder die Gen-Übereinstimmung zu einem von Askit ausgewählten Partner fürs Leben - die KI hat die Kontrolle über alles, was auf dem Planeten Erde geschieht. Nachdem die wenigen verbliebenen Menschen einige Jahre auf diese Weise gut und zufrieden mit Askit leben konnten, häufen sich jedoch die merkwürdigen Momente, und Eve, eine der ausgewählten "Reinsten", beginnt langsam, das System zu hinterfragen.
"Die Reinsten" ist insofern lesenswert, weil sehr realistische und glaubhafte Details und Visionen verarbeitet werden, gerade in Hinblick auf die Entwicklung der Erde. Mir persönlich ist das Buch an manchen Stellen aber einfach zu ausschweifend geraten, zu langatmig, um wirkliche Spannung aufzubauen und diese halten zu können. Viele philosophisch anmutende Aspekte und Dialoge, die immer wieder auftauchen, verstärken diesen Eindruck für mich noch. Auch durch die Länge und Ausführlichkeit mancher Dialoge hat die Geschichte in meinen Augen an Tempo verloren. Hier ist kaum "Smalltalk" zu finden, alle unterhalten sich auf gehobener und intellektueller Ebene, reden sich zudem immerzu wieder mit dem Namen an, obwohl sie schon seit mehreren Minuten miteinander sprechen. Das Ausrufezeichen am Ende eines Satzes wird ungewöhnlich häufig - auch bei schlichten Aussagesätzen - benutzt. Das sind nur Kleinigkeiten, die der Grundidee des Romans nicht schaden, aber es sind eben solche Kleinigkeiten, die einem beim Lesen auffallen - und irgendwie stören. 
Letztlich braucht man definitiv etwas Zeit und Geduld für "Die Reinsten", die man aber durchaus investieren kann und sollte, wenn man sich für Zukunftsvisionen mit realistischen Aspekten interessiert.

Ein herzliches Dankeschön an Literaturtest und den Golkonda Verlag!

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