Samstag, 7. September 2024

"Die Tage des Wals" - Elizabeth O´Connor

Karl Blessing Verlag, 2024

24,00 Euro

Übersetzerin: Astrid Finke



Worum geht´s?

1938: Auf einer abgelegenen Insel vor der walisischen Küste träumt die achtzehnjährige Manod von einer Zukunft auf dem Festland. Als ein Wal strandet, ist er für die kleine Gemeinschaft von Fischern nicht nur ein schlechtes Omen, sondern spült auch Edward und Joan aus Oxford an, die auf der Insel ethnografische Studien betreiben möchten. Manod ist fasziniert von ihnen und wird, klug und zielstrebig wie sie ist, zu deren Übersetzerin und Gehilfin. Doch was als Zweckgemeinschaft begann, nimmt eine folgenreiche Wendung, als daraus eine Freundschaft wird, die aufgeladen ist mit Hoffnungen und Sehnsüchten.




Meine Meinung

Genauso plötzlich, wie man in die Geschichte hinein geworfen wird, ist sie auch wieder vorbei. Für ein paar Wochen, eher Monate, im Jahr 1938 begleitet man die Bewohner einer unbenannten Insel bei ihrem Leben und Tun irgendwo zwischen Großbritannien und Irland, vielleicht auch etwas nördlicher - man erfährt es nicht. Das ganze beginnt, als ein toter Wal angeschwemmt wird, der es nicht wieder aufs offene Meer hinaus geschafft hat. Dieser Wal führt zwei Forscher aus England auf die Insel, Edward und Joan, die die Insulaner und ihre Lebensweisen in der kargen, schroffen, abgelegenen Welt der Nordatlantikinsel studieren und protokollieren möchten.

Wir als Leser begleiten die Geschehnisse aus der Perspektive von Manod, einer 18-jährigen Bewohnerin, die zusammen mit ihrem Vater und ihrer jüngeren Schwester auf der Insel lebt. Sie kennt die Eigenheiten der Inselbewohner, ihre Traditionen und Lebensweisen, die die kleine Inselgesellschaft auszeichnen und seit sie alle denken können, am Leben halten. Dieses Leben ist einfacher, langsamer und mühsamer als jenes, das die Menschen vom Festland kennen, die gemeinsam mit dem Fortschritt das nächste Kriegsjahrzehnt im Jahrhundert begehen. Auf der Insel munkelt man bestenfalls etwas davon, dass es irgendwo Krieg geben könnte. Manod kennt die Insel und ihre Bewohner in- und auswendig, will aber eigentlich nur weg von da, ist des Insellebens müde, will London und Paris sehen und am liebsten studieren. Diese Chance scheint mit dem Auftauchen von Edward und Joan plötzlich zum Greifen nah.

Ehrlicherweise weiß ich nicht so recht, was ich von "Die Tage des Wals" halten soll. Schon allein in der Aufmachung fand ich es wenig ansprechend. Es besteht aus kurzen Kapiteln, die teilweise nicht mal die Hälfte einer Buchseite einnehmen. Die Einteilung in Kapitel erschien mir meist willkürlich. Es folgt eine Darlegung einzelner, meist lapidarer Episoden im Leben der Inselbewohner. Natürlich spiegelt genau diese Eintönigkeit das reale Leben der Bewohner wahrscheinlich auf ideale Weise wider. Trotzdem habe ich mir einfach mehr gewünscht. Es sind bloße Aneinanderreihungen über Handlungen, Dinge, die Manod tut. Kaum Gedankenwelt, geschweige denn Einblicke in ihre Gefühle. Teils kann man sich ihre Frustration über ihren Wunsch, wegzugehen, selbst denken. Aber hier kommt irgendwie nichts bedeutendes rüber, alles ist so sachlich und banal wie nebenbei aufgeschrieben. 

Manod ist auch eine schlechte Heldin, die nichts selbst in die Hand nimmt, sich über den Tisch ziehen lässt, am Ende dumm da steht und irgendwie nichts umsetzen kann von ihren Hoffnungen. Sie ist als Romanfigur völlig unnahbar. Es gibt für Manod genauso wenig Entwicklung wie für die ganze Insel, auf der sie lebt, und wie für die Bewohner. Das höchste, was passiert, ist, dass gelegentlich einer aufs Festland zieht, auf der Suche nach Arbeit oder einem neuen - wetterdichten - Zuhause. Ich glaube, das entspricht vermutlich sehr der Realität, das muss man der Autorin zugute halten. Genauso wie ihr Vorwort, in dem sie kurz darlegt, dass es viele solcher kleinen bewohnten Inseln gab und gibt, die fernab der Weltgeschehnisse ihre Jahre ins Land gehen lassen, nur vom Fischen und der Schafzucht leben, wie eine kleine Inselblase im großen Weltengetriebe. Das mag alles sachlich korrekt sein. Für einen Roman ist es aber in meinen Augen zu wenig. Am Ende sitze ich da, schlage die letzte Seite um und frage mich wirklich, was ich mit dieser Geschichte machen soll, wofür sie gut ist. Zur Unterhaltung nicht, zur moralischen Entwicklung nicht, zur Entdeckung neuer Reiseziele nicht. Ich schätze, ich werde mich an "Die Tage des Wals" in einigen Wochen nicht mehr erinnern können.

Sonntag, 31. März 2024

"Twelve secrets" - Robert Gold

Goldmann Verlag, 2024
16,00 Euro


Worum geht´s?
Ben Harpers Leben änderte sich für immer, als sein älterer Bruder scheinbar grundlos von zwei Klassenkameradinnen getötet wurde. Der kaltblütige Mord schockierte damals die Welt und katapultierte Bens Familie und ihre idyllische englische Heimatstadt Haddley ins Rampenlicht der Medien. Zwanzig Jahre später ist Ben einer der besten Journalisten des Landes und lebt wieder in Haddley. Als ein Mordfall neue Hinweise zum Tod seines Bruders liefert, beschließt Ben, zusammen mit der Polizistin Dani Cash der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Doch je mehr er in die Ermittlungen eintaucht, desto verdächtiger werden diejenigen, die ihm am nächsten stehen …



Meine Meinung
"Twelve secrets" ist - wie der Name schon sagt - voller Geheimnisse. Diese beziehen sich dabei mitnichten nur auf Hauptprotagonist Ben und seine Geschichte, wobei diese allein schon bedauernswert und geheimnisvoll genug erscheint. Als kleiner Junge musste er miterleben, wie sein älterer Bruder auf kuriose Weise ermordet wurde. Einige Jahre später bringt sich dann noch seine Mutter aus heiterem Himmel um. Heute ist Ben Journalist und schreibt über mysteriöse Mord- und Todesfälle. Nur mit dem Fall seiner eigenen Geschichte will er sich zunächst nicht so wirklich auseinander setzen. Dann werden eines Tages verschiedene Ereignisse ins Rollen gebracht und für den Leser decken sich diese "12 Geheimnisse" auf. Diese betreffen diverse Personen in Bens Umfeld und in seiner Heimatstadt. Autor Robert Gold wählt zudem verschiedene Zeitebenen, auf denen er die Geschehnisse in Rückblicken und im Jetzt erzählt. Alles etwas verwirrend, muss ich gestehen. 
Ich hatte Glück, ich konnte "Twelve Secrets" relativ gut an einem Stück lesen ohne größere Unterbrechungen. Ich denke, bei diesem Buch ist man schnell in der Handlung raus, wenn man sie nicht kontinuierlich liest, daher ist das ein wirklicher Rat für alle, die das Buch gern lesen möchten: Lest es am besten in einem Rutsch. Das fällt an sich nicht schwer, denn die Geschichte ist gut und ausreichend spannend, dass ich tatsächlich wissen wollte, wie sich am Ende alles auflöst. 
Durch die vielen Zeit- und Personenperspektiven ist das ganze schnell und dynamisch, zugleich blieben manche Figuren in meinen Augen dadurch aber recht oberflächlich und klischeehaft. Hier und da hätte ich mir mehr Informationen und mehr Zeit zur Entwicklung für einzelne Personen gewünscht. Vor allem für die Polizistin Dani Cash, die irgendwie auch ihre eigene (bemitleidenswerte) Story auf den Leib geschrieben bekommen soll. Genau das gelingt dem Autor meiner Meinung aber nicht wirklich. Dani blieb mir ziemlich fremd, was ich schade fand. Scheinbar ist "Twelve Secrets" ein Reihenauftakt; wenn ich es richtig verstehe, sind mehrere Bücher um Ben Harper geplant. Vielleicht hat dann auch Dani mehr Auftritte und bekommt mehr Raum und Persönlichkeit verliehen. Wünschenswert wäre es.

Insgesamt ein guter Thriller, der zu unterhalten weiß, den man im besten Fall aber ohne große Unterbrechungen lesen sollte, um nicht den roten Faden zu verlieren.  

Freitag, 1. März 2024

Freitagsgedanken: Tage in Venedig

In der letzten Woche war ich einige Tage lang in Venedig, Urlaub machen. Es war ziemlich schön, bis auf die Tatsache, dass ich mir eine dicke Erkältung mitgebracht habe. So kalt war es vor Ort gar nicht, aber vermutlich habe ich auf den Booten auf dem Canal Grande dann doch etwas zuviel Zugluft abbekommen.
In Venedig war ich vor ziemlich genau 20 Jahren schon einmal, allerdings nur für einen Tag. Und an einem Tag sieht man natürlich nicht viel. Wir sind damals von einer Stadtführerin, die uns im Schweinsgalopp durch Venedig geführt hat, zu manchen Sehenswürdigkeiten gebracht worden, ich habe aber eigentlich nur noch verschwommene Erinnerungen an einen unter Wasser stehenden Markusdom im Kopf, den wir auf Brettern durchqueren mussten.

Die Wahrzeichen der Stadt, gesehen von der gegenüberliegenden Insel: der Campanile, der Dogenpalast und dahinter der Markusdom 

Dieses Mal wollte ich unbedingt vorbereiteter sein und mich schon vorher schlau machen, was mich in der Stadt erwarten würde. Venedig ist irgendwie gerade deshalb so besonders, weil diese Stadt so ganz anders ist als jede andere "herkömmliche", die man so kennt. Am ehesten kommt da vielleicht noch Amsterdam dran mit seinen vielen Grachten und Wasserwegen. Aber selbst in Amsterdam gibt es Autos und normale Straßen. Und Unmengen an Fahrrädern. 


In Venedig gibt es keine Straßen, keine Autos und keine Fahrräder. Es ist so schräg, dass in dieser Stadt wirklich alles nur über die Wasserwege funktioniert. Jeglicher Transport, jede Lieferung, jedes Bauteil, jede Müllabfuhr, sogar jede Kläranlagenreinigung - alles wird über Boote erledigt. Wenn man das mal ein paar Tage bewusst miterlebt, wird einem klar, wie entschleunigt diese Stadt tatsächlich ist - und wie hektisch es somit anderswo zugeht. Zugleich ist Venedig natürlich immer überlaufen von Touristen. Ich kann mich nicht davon ausnehmen, ich war ja selbst Touristin die Tage. Aber ich war letztlich ziemlich froh, dass ich jetzt im Februar und nicht erst in Richtung Sommer dort war, denn ich glaube, da kann man keinen Schritt mehr machen vor lauter Menschen. So hatte ich die Möglichkeit, manche Sehenswürdigkeit, viele Gemälde und Kunstgegenstände doch zumindest kurz in Ruhe anschauen zu können, ohne gleich wieder Platz für den nächsten machen zu müssen. 

Blick aus der Seufzerbrücke

Ich fand Venedig toll, wobei mich ja erfahrungsgemäß Kunst, Kultur und Geschichte begeistern können. Um Menschenmengen, Lärm und Party mache ich einen Bogen, ich gehe dann lieber in ein Museum oder schaue mir eine Kirche an, auch wenn ich absolut nicht gläubig bin. Davon gibt es in Venedig ja unzählige. Total begeistert war ich von der Kirche Santa Maria Gloriosa dei Frari, in der man ziemlich beeindruckende Mausoleen und Grabmäler bewundern kann, u.a. von dem Maler Tizian oder dem Architekten Canova, - und ja, mir ist bewusst, wie makaber das klingt. Aber da war ich sehr sprachlos in dieser Kirche und das geht bestimmt vielen Besuchern so. Ziemlich kunst-überfrachtet fand ich dagegen z.B. die Scuola Grande di San Rocco, das Gebäude einer der vielen Bruderschaften, die sich über die Jahrhunderte in Venedig gebildet haben. Darin wimmelt es nur so von Kunstwerken von Tintoretto, und irgendwann kann man sie dann auch gar nicht mehr auseinander halten. Das volle Touri-Programm bekommt man natürlich, wenn man den Markusdom und den Dogenpalast mit der Seufzerbrücke besucht, die Wahrzeichen der Stadt. Viel Geschichte, viel Kunst, viel Drama, aber durchaus interessant. Manche Gebäude machen von außen mehr her als von innen, so ging es mir zumindest z.B. in der Kirche Santa Maria della Salute, von der war ich innen eher enttäuscht, aber von außen sieht sie echt beeindruckend aus. 

Große Kunst, wohin man sieht

Empfehlenswert ist auch definitiv eine Fahrt durch den Canal Grande, die Lebensader von Venedig. Da sieht man alle für Venedig typischen Palazzi, die daran entlang gebaut wurden, der älteste ist aus dem 14. Jahrhundert. Das muss man aber nicht zwingend in einer Gondel tun (voll das Klischee), sondern kann auch bequem in eins der vielen Boote der städtischen Transportlinie steigen, die alle Viertelstunde fahren.
Ich habe jedenfalls viel gesehen und gehört in den 5 Tagen, die ich dort war. Auch lecker gegessen natürlich. Ich habe mir bereits vor der Fahrt überlegt, welches Buch ich als Lektüre mitnehmen würde (mal ehrlich, ich fahr doch nicht ohne Buch in den Urlaub) und habe mich in weiser Voraussicht für einen Roman entschieden, der in Venedig spielt: "Die venezianische Geliebte" von Christi Phillips. Es hat total Spaß gemacht, das Buch vor Ort zu lesen, weil ich genau die Schauplätze, die erwähnt werden, in den Tagen gesehen und selbst besucht habe. Das macht Lesen direkt viel lebendiger. Das Buch ist übrigens auch wirklich nicht schlecht, für alle, die gern schmöker-ige Romane lesen, die zumindest teilweise historisch sind. Hier werden einige reale Geschehnisse um 1617/1618 in Venedig aufgegriffen.

Der Canal Grande (an einem trüben Tag)

Ich könnte noch lange weiter von Venedig erzählen, aber soweit erstmal für heute. 
War schon einmal jemand von euch in Venedig? Was hat euch besonders gut gefallen?

Sonntag, 31. Dezember 2023

Jahresrückblick 2023

2023 war ein komisches Jahr für mich. Obwohl es wichtige Entscheidungen und Entwicklungen gab im Laufe der Monate, habe ich das Jahr als endlosen Stillstand erlebt, als ein auf-der-Stelle-treten. Zudem war 2023 gesundheitlich absolut nicht mein Jahr. Ständig war irgendwas. (Wenn ein Jahr damit endet, dass man sich einen Zahn ziehen lassen muss, ist es einfach ein Jahr zum Vergessen.) 
Natürlich gab es auch gute oder stolze Momente - so kann ich z.B. verkünden, dass ich im Frühjahr meine Psychotherapie-Weiterbildung abgeschlossen habe und nun approbierte Psychologische Psychotherapeutin im Richtlinienverfahren Verhaltenstherapie bin - um es mal ganz genau zu nehmen.
Ich hab ein paar tolle Tage in Amsterdam gehabt und mir fast das komplette künstlerische Werk von Vermeer im Rijksmuseum anschauen können. Ansonsten hat es urlaubsmäßig bei mir in diesem Jahr aber nicht so wirklich geklappt, fast alles ist ins Wasser gefallen, wegen Krankheit oder wegen anderer wichtigerer Termine. Das war ziemlich enttäuschend und ich beende dieses Jahr tatsächlich, ohne zwischendrin mal die Möglichkeit zur Erholung oder Entspannung gehabt zu haben. 2024 geht genauso weiter, das finde ich wenig erbaulich. 
Mit dem Monat Januar hadere ich aber ohnehin jedes Jahr ein wenig. Das ist ein schrecklich langer, grauer Monat, in dem auch noch der einzige Feiertag (6.1.) auf einen Samstag fällt; die schöne Vorweihnachtszeit ist vorbei, vor einem liegen Wochen und Wochen voller Arbeit, das nächste Highlight lässt noch auf sich warten, und in diesem Jahr hat die Bahn schon mal vorsorglich Bahnstreiks angesagt - prima für alle Berufspendler :( Vorsätze mache ich mir keine (es sei denn, man zählt dazu, dass ich mehr Obst essen will, weil (s.o.) mein Immunsystem in diesem Jahr ziemlich im Eimer war), mache ich mir schon seit vielen Jahren nicht mehr. Es lebt sich angenehmer ohne Vorsätze ;)

Für den Bereich "Lesen" habe ich dennoch vor einigen Tagen mal ein wenig online nach Challenges und Blogaktionen gesucht (zählt ja irgendwie auch als Vorsatz, daran teilzunehmen). Ich muss aber sagen, dass ich eigentlich nichts gefunden habe, was mich direkt angesprochen hat. Manche Challenges haben ganz interessante Grundideen, sind dann in der Umsetzung aber einfach nicht mehr mein Fall. Ich will mich beim Lesen nicht stressen. Daher fällt für mich alles raus, was umständliche Punktevergaben hat, am liebsten noch Sonderlose und -punkte pro Monat, so-und-soviele gelesene Bücher im Monat voraussetzt, oder auch was zwingend Rezensionen verlangt. Ich weiß, ich könnte hier auf dem Blog echt mal wieder mehr rezensieren, aber auf sowas verpflichtendes habe ich keine Lust.
Mein eigenes Lesebingo zu reaktivieren, danach ist mir auch nicht so wirklich. Daher beschränke ich mich in diesem Jahr wahrscheinlich einfach darauf, endlich mal ein paar Bücher zu lesen, die ich schon lange im Hinterkopf habe. Ich werde die mal hier auflisten, aber eben eher für mich selbst.


Habt ihr Buch- oder Blogpläne in diesem Jahr? Gibt´s irgendwo nette Challenges oder Aktionen, an denen ihr teilnehmt?


Ansonsten ein kleiner buchiger Rückblick auf das Jahr 2023:
Ich habe insgesamt 68 Bücher gelesen, heute wird wohl auch keins mehr dazu kommen. 2023 habe ich mich (für meine Verhältnisse) viel an Buchreihen aufgehalten. Teilweise habe ich zu mir bereits bekannten gegriffen (z.B. Harry Potter, die Raven Boys oder Lockwood & Co.), teilweise habe ich mich aber auch bewusst auf was neues gestürzt. Also, nicht neu im Sinne von "gerade erst erschienen"; nein, da hänge ich ja meistens eher hinterher. Für mich neu. Ich hatte mich in Band 1 der "Chroniken der Verbliebenen" festgelesen und mir aus Begeisterung über die Geschichte direkt auch die Teile 2-4 bestellt. Band 4 davon ist noch nicht gelesen, das will ich 2024 noch machen. Ebenso habe ich die Reihe um die Archäologin Dr. Ruth Galloway von Elly Griffiths für mich entdeckt - auf Anraten meiner Mutter, die diese Reihe liebt. Einmal angefangen, konnte ich das gut verstehen und habe ein Buch nach dem anderen gelesen, mittlerweile bin ich bei Teil 11 angelangt. Leider sind nur die Teile 1-8 ins Deutsche übersetzt worden. Die restlichen Bücher der 15-bändigen Reihe gebe ich mir auf Englisch.
Gefallen hat mir auch die Kinderbuchreihe "Rory Shy" von Oliver Schlick, von der ich die ersten 5 Teile nacheinander gelesen habe. Teil 6 erscheint 2024.
Übers Jahr habe ich mir immer mal wieder ein Buch aus Neyashas 12 Monate- 12 Bücher Challenge anrechnen können, aber längst nicht in jedem Monat. Geschafft habe ich 8/12 Aufgaben.
Ich habe gute Bücher im Jahr 2023, jedoch eher wenige, von denen ich total begeistert war und die mir deswegen im Kopf bleiben werden. Da kann ich eigentlich nur folgende nennen:

Highlights 2023
- "Der Kuss der Lüge" von Mary E. Pearson
- "Totenpfad" von Elly Griffiths
- "Die Bücher, der Junge und die Nacht" von Kai Meyer

Hier mein alljährlicher kurzer Überblick:

Die meisten Lacher
... gab es bei "Rico, Oscar und die Tieferschatten" von Andreas Steinhöfel. Ich war irgendwie neugierig auf diese Kinderbuchreihe und habe mich beim ersten Teil - der ein erstaunlich ernstes Thema behandelt - sehr amüsiert.

Das schönste Pärchen
Ich mag die Story um Esta und Harte (aus "Der letzte Magier von Manhattan" von Lisa Maxwell) und lese gerade auch parallel zu anderen Büchern die Fortsetzung, die in den 20ern in New York spielt. Sehr gern habe ich auch die Story um Lia und Rafe gelesen ("Die Chroniken der Verbliebenen" von Mary E. Pearson), ich hab richtig mitgefiebert. Wie gesagt, die ersten drei Teile habe ich schon durch, mir fehlt mit Teil 4 noch das Finale.

Das fieseste Ende
... gab es bei "Amazement Park" von Kiersten White. Eigentlich nicht wirklich "fies", aber irgendwie so schräg, dass mir ein bisschen der Mund offen blieb.

Das beste Abenteuer
... habe ich bei "Unearthed" von Amie Kaufman & Meagan Spooner gelesen. Ich habe von dem Buch, für das meiner Meinung nach irgendwie kaum Werbung online gemacht wurde, zumindest hatte ich vorher nie davon gehört, bis ich es durch Zufall in der Hand hielt, anfangs nicht viel erwartet. Aber dann bekam ich eine wirklich spannende, kuriose und abwechslungsreiche Abenteuergeschichte, die ein wenig an Indiana Jones im Weltall erinnert. Das einzige, was mich hier massiv gestört hat: dass die Helden mal wieder nur ganze 16, 17 Jahre alt sein sollten, was in meinen Augen einfach nur lächerlich war. Zielgruppen-Orientierung der Verlage schön und gut, aber glaubwürdiger werden solche Stories dann eben doch, wenn die Helden einfach schon ein paar Jahre mehr Lebenserfahrung haben.

Der gemeinste Cliffhanger
Den gab es zum Ende von "Das Herz des Verräters" von Mary E. Pearson sowie bei "Der letzte Magier von Manhattan" von Lisa Maxwell. Ich kann jedem, der die Reihen vielleicht starten will, nur empfehlen, sich gleich die Fortsetzungen bereit zu legen.

Die meisten Tränen
... gab es dieses Jahr nicht. Ich habe wirklich bei keinem einzigen gelesenen Buch ein Tränchen verdrücken müssen.

Viel Wirbel um nichts
"Morgen, morgen und wieder morgen" von Gabrielle Zevin war ja tatsächlich monatelang in aller Munde. Gefühlt alle fanden es toll. Und ich fand es einfach nur langweilig und belanglos. Irgendwie hat mich die Story überhaupt nicht abgeholt und die größte Farce fand ich, dass manche Leser/Seiten dieses Buch tatsächlich mit "Ready Player One" verglichen haben - nee, beim besten Willen nicht. Ich hab dieses Buch hier nur sehr quergelesen, um die grobe Story mitzubekommen. Direkt nach dem Zuklappen habe ich es weggegeben, weil ich sowas ödes gar nicht behalten mag.
Enttäuscht hat mich auch "Verlorene der Zeiten" von Amal El-Mohtar und Max Gladstone. Auch hier haben wirklich viele viele von geschwärmt, über die Idee, über die Umsetzung. Stimmt schon, die Idee war tatsächlich mal was anderes, die Art, wie die Kapitel so quer aufeinander aufbauten, war interessant. Aber spannend fand ich die Geschichte leider überhaupt nicht. Mich hat das gar nicht gereizt, da weiter zu lesen. Auch hier bin ich irgendwann dazu übergegangen, nur noch absatzweise zu lesen. Große Enttäuschung für mich.

Am meisten gelernt
Wie gesagt hatte ich im Frühjahr meine Abschlussprüfungen für die Psychotherapie-Weiterbildung. Top Grundlage zur Vorbereitung und zum Lernen ist "Das Repetitorium" von Miki Kandale & Kai Rugenstein. Da drin ist kompakt alles, was man als Psychotherapeutin wissen muss. Daher habe ich damit ziemlich viel gelernt.
Viel inhaltlich mitgenommen habe ich zudem aus "Florentia" von Noah Martin und "Die Bibliothek des Wahnsinns" von Edward Brooke-Hitching, das ich übrigens erst zu Weihnachten bekommen habe, aber schon sehr viel darin geschmökert habe angesichts all der Kuriositäten, die darin enthalten sind.

Die größte Überraschung
... hatte ich mit dem Graphic Novel "Hubert" von Ben Gijsemans. Ich lese ja quasi kaum Graphic Novels - leider, wie ich einmal mehr festgestellt habe. Das muss ich mal ändern. Diese Geschichte hier über den einsamen, aber kunstinteressierten Hubert ist mir sehr zu Herzen gegangen. Die Zeichnungen waren trotz aller Schlichtheit echt beeindruckend, weil sie so sehr Emotionen transportiert und bei mir selbst das Kopfkino angestellt haben. Echte Empfehlung!


Welche waren denn eure Favoriten oder größten Überraschungen, die ihr im Jahr 2023 gelesen habt?



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