In der letzten Woche war ich einige Tage lang in Venedig, Urlaub machen. Es war ziemlich schön, bis auf die Tatsache, dass ich mir eine dicke Erkältung mitgebracht habe. So kalt war es vor Ort gar nicht, aber vermutlich habe ich auf den Booten auf dem Canal Grande dann doch etwas zuviel Zugluft abbekommen.
In Venedig war ich vor ziemlich genau 20 Jahren schon einmal, allerdings nur für einen Tag. Und an einem Tag sieht man natürlich nicht viel. Wir sind damals von einer Stadtführerin, die uns im Schweinsgalopp durch Venedig geführt hat, zu manchen Sehenswürdigkeiten gebracht worden, ich habe aber eigentlich nur noch verschwommene Erinnerungen an einen unter Wasser stehenden Markusdom im Kopf, den wir auf Brettern durchqueren mussten.
| Die Wahrzeichen der Stadt, gesehen von der gegenüberliegenden Insel: der Campanile, der Dogenpalast und dahinter der Markusdom |
Dieses Mal wollte ich unbedingt vorbereiteter sein und mich schon vorher schlau machen, was mich in der Stadt erwarten würde. Venedig ist irgendwie gerade deshalb so besonders, weil diese Stadt so ganz anders ist als jede andere "herkömmliche", die man so kennt. Am ehesten kommt da vielleicht noch Amsterdam dran mit seinen vielen Grachten und Wasserwegen. Aber selbst in Amsterdam gibt es Autos und normale Straßen. Und Unmengen an Fahrrädern.
In Venedig gibt es keine Straßen, keine Autos und keine Fahrräder. Es ist so schräg, dass in dieser Stadt wirklich alles nur über die Wasserwege funktioniert. Jeglicher Transport, jede Lieferung, jedes Bauteil, jede Müllabfuhr, sogar jede Kläranlagenreinigung - alles wird über Boote erledigt. Wenn man das mal ein paar Tage bewusst miterlebt, wird einem klar, wie entschleunigt diese Stadt tatsächlich ist - und wie hektisch es somit anderswo zugeht. Zugleich ist Venedig natürlich immer überlaufen von Touristen. Ich kann mich nicht davon ausnehmen, ich war ja selbst Touristin die Tage. Aber ich war letztlich ziemlich froh, dass ich jetzt im Februar und nicht erst in Richtung Sommer dort war, denn ich glaube, da kann man keinen Schritt mehr machen vor lauter Menschen. So hatte ich die Möglichkeit, manche Sehenswürdigkeit, viele Gemälde und Kunstgegenstände doch zumindest kurz in Ruhe anschauen zu können, ohne gleich wieder Platz für den nächsten machen zu müssen.
Ich fand Venedig toll, wobei mich ja erfahrungsgemäß Kunst, Kultur und Geschichte begeistern können. Um Menschenmengen, Lärm und Party mache ich einen Bogen, ich gehe dann lieber in ein Museum oder schaue mir eine Kirche an, auch wenn ich absolut nicht gläubig bin. Davon gibt es in Venedig ja unzählige. Total begeistert war ich von der Kirche Santa Maria Gloriosa dei Frari, in der man ziemlich beeindruckende Mausoleen und Grabmäler bewundern kann, u.a. von dem Maler Tizian oder dem Architekten Canova, - und ja, mir ist bewusst, wie makaber das klingt. Aber da war ich sehr sprachlos in dieser Kirche und das geht bestimmt vielen Besuchern so. Ziemlich kunst-überfrachtet fand ich dagegen z.B. die Scuola Grande di San Rocco, das Gebäude einer der vielen Bruderschaften, die sich über die Jahrhunderte in Venedig gebildet haben. Darin wimmelt es nur so von Kunstwerken von Tintoretto, und irgendwann kann man sie dann auch gar nicht mehr auseinander halten. Das volle Touri-Programm bekommt man natürlich, wenn man den Markusdom und den Dogenpalast mit der Seufzerbrücke besucht, die Wahrzeichen der Stadt. Viel Geschichte, viel Kunst, viel Drama, aber durchaus interessant. Manche Gebäude machen von außen mehr her als von innen, so ging es mir zumindest z.B. in der Kirche Santa Maria della Salute, von der war ich innen eher enttäuscht, aber von außen sieht sie echt beeindruckend aus.
Empfehlenswert ist auch definitiv eine Fahrt durch den Canal Grande, die Lebensader von Venedig. Da sieht man alle für Venedig typischen Palazzi, die daran entlang gebaut wurden, der älteste ist aus dem 14. Jahrhundert. Das muss man aber nicht zwingend in einer Gondel tun (voll das Klischee), sondern kann auch bequem in eins der vielen Boote der städtischen Transportlinie steigen, die alle Viertelstunde fahren.
Ich habe jedenfalls viel gesehen und gehört in den 5 Tagen, die ich dort war. Auch lecker gegessen natürlich. Ich habe mir bereits vor der Fahrt überlegt, welches Buch ich als Lektüre mitnehmen würde (mal ehrlich, ich fahr doch nicht ohne Buch in den Urlaub) und habe mich in weiser Voraussicht für einen Roman entschieden, der in Venedig spielt: "Die venezianische Geliebte" von Christi Phillips. Es hat total Spaß gemacht, das Buch vor Ort zu lesen, weil ich genau die Schauplätze, die erwähnt werden, in den Tagen gesehen und selbst besucht habe. Das macht Lesen direkt viel lebendiger. Das Buch ist übrigens auch wirklich nicht schlecht, für alle, die gern schmöker-ige Romane lesen, die zumindest teilweise historisch sind. Hier werden einige reale Geschehnisse um 1617/1618 in Venedig aufgegriffen.
Ich könnte noch lange weiter von Venedig erzählen, aber soweit erstmal für heute.
War schon einmal jemand von euch in Venedig? Was hat euch besonders gut gefallen?


Oh wie schön! Ich war tatsächlich noch nie in Venedig - die vielen Touristen haben mich immer abgeschreckt. Aber dein Beitrag macht ja tatsächlich Lust auf die Stadt.
AntwortenLöschenDoch, einen Besuch von Venedig würde ich auf jeden Fall empfehlen, die Stadt ist schon wirklich was besonderes. Aber ich würde den Sommer meiden und auf eine Nebensaison ausweichen, wenn man ein paar Tage da ist.
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