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Freitag, 11. März 2022

Freitagsgedanken: Ich habe gelesen. Endlich.

Hallihallo!

Es ist Freitag, liebe Leute, und noch dazu im März. Wo ist eigentlich die Zeit geblieben, dass wir schon im dritten Monat des Jahres stecken?! Das frage ich mich momentan wirklich an manchen Tagen. Und so sehr ich mich am Ende einer Woche auf das Wochenende freue, umso mehr erschreckt es mich, wenn ich realisiere, dass die Woche schon wieder vorbei ist... 

Aber Zeit hin oder her - ich habe endlich mal wieder ins Lesen gefunden! Nachdem Lesen und Bücher wochenlang bei mir zu kurz kamen, ich einfach keinen Sinn oder Gedanken dafür hatte, hat mich die Leselust in den letzten Tagen dann doch schwer erwischt. Ich habe in kürzester Zeit endlich mal den dritten Teil der Tom Babylon-Reihe von Marc Raabe, "Die Hornisse", gelesen, was ich längst tun wollte. Nun ist schon der Abschluss der Reihe erschienen, da hat das gut gepasst. Teil 3 hat mir gut gefallen, besser als der Teil davor, den ich komisch und verworren und düster fand. Dieser hier ist auch nicht ohne, aber er endet mit einem coolen Cliffhanger, der eben direkt Lust auf Teil 4 macht - zum Glück habe ich mir den bereits zugelegt. Ebenso rasch durchgelesen habe ich "Die Spur der Bücher" von Kai Meyer, das ich einem spontanen Impuls folgend aus dem Regal gezogen habe, nachdem es dort schon ziemlich lange stand. "Die Spur der Bücher" ist ein Ableger der "Die Seiten der Welt"-Reihe von Herrn Meyer um die Bibliomanten; allerdings konnte ich mit der eigentlichen Reihe gar nichts anfangen. Teil 1 hatte ich zweimal angefangen zu lesen und schon nach wenigen Seiten entnervt wieder weggelegt; mittlerweile habe ich das Buch auch verkauft. Ich habe nur diese Ableger-Serie "Die Spur der Bücher" behalten und da hat mir Teil 1 erstaunlicherweise ziemlich gut gefallen. Ich kann nicht erklären, warum dieses und das andere dafür nicht. Ist vielleicht auch egal. Vom Ableger werde ich jedenfalls auch noch Teil 2 lesen. Der steht günstigerweise auch schon in meinem Regal parat ;)

Und dann habe ich noch "Aurora erwacht" von Amie Kaufman & Jay Kristoff durchgesuchtet, das muss ich echt so sagen. Eigentlich wollte ich dieses Buch gar nicht lesen, gar nicht haben. Das Cover spricht mich null an, erinnert mich eher an ein Kinderbuch. Aber andere Blogger und Leser fanden dieses Buch soo gut, dass ich doch neugierig geworden bin. Und es ist wirklich gut! Eine schräge Science-Fiction Buchreihe, die im All spielt, mit einem bunt zusammengewürfelten Team, bei dem der eine schräger ist als der andere. Ich fand´s herrlich und freue mich auf Band 2! (Auch auf die Gefahr, mich zu wiederholen, aber auch dieser Band 2 steht bereits wartend in meinem Regal. Nichts ist schlimmer, als nicht direkt weiterlesen zu können!!)

Zuvor, aber das ist jetzt schon einige Tage her, habe ich "Das Haus der tausend Fenster" von Laura Andersen gelesen, endlich das zweite Buch der Autorin. Hat mir auch gut gefallen, wie schon das erste Buch von ihr. Vielleicht setze ich mich die Tage noch an einen kleinen Leseeindruck. 


Ansonsten haben es noch weitere neue Bücher in mein Zuhause geschafft, wie man hier sehen kann. Ich kann mich gerade gar nicht entscheiden, womit ich anfange :D


Unabhängig davon überlege ich, ob ich meine alte liebgewonnene Blog-Rubrik "Die Lektüre meiner Zugnachbarn" wieder reaktiviere. In den letzten Jahren bin ich eher wenig Zug gefahren, da bot sich das nicht mehr an, den Leuten über die Schulter zu schauen und nach deren Büchern zu schielen. Aber mittlerweile bin ich wieder mehrfach in der Woche am Fahren und sehe mit Freude, dass es immernoch lesende Menschen im Zug gibt! Vielleicht bietet es sich demnächst mal an, jemanden vorzustellen. Ganz anonym natürlich ;)



Euch wünsche ich erstmal ein schönes Wochenende und ein gutes Buch in der Hand!!


Freitag, 1. Juli 2016

Die Lektüre meiner Zugnachbarn #17

Zug fahre ich momentan nicht mehr so häufig, nur wenn ich auf dem Weg zu oder von meinen Weiterbildungsseminaren bin (was immerhin 2x pro Monat der Fall ist, aber zum Glück sind die Fahrten kurz). Daher herrscht hier seit einiger Zeit ziemliche Flaute, was die "Lektüre meiner Zugnachbarn"-Rubrik betrifft. Neulich jedoch erspähte ich jemanden lesenderweise im Zug und davon berichte ich heute einfach mal wieder.
Es handelte sich um eine junge Frau, ich würde sie mal als Studentin einordnen, auch angesichts ihrer vollgepackten Tasche, aus der Ordner und verschiedene Hefter rausquollen. (Das Wort sieht komisch aus, aber es heißt doch so, oder?) An sich war sie gar nicht so auffällig - zumindest nicht verglichen mit manch anderen Zuggästen, die ich hier auch schon beschrieben habe. Eigentlich war sie völlig normal.
Aber sie las mit offenem Mund. Und das sicher nicht, weil sie Schnupfen oder Polypen oder eine generell verstopfte Nase oder derartiges hatte. Nee, ich glaube, sie las mit offenem Mund, weil ihr Buch sie so "geflasht" hat. Vielleicht war es extrem spannend. Extrem überraschend. Besonders aufregend. Auch in Hinblick auf die Inhaltsangabe könnte ich vermuten, dass es bei dieser Buchreihe auch recht ... naja, pikante und offenherzige Lesestellen gibt, und vielleicht haben ihr die einfach den Atem geraubt. Ich weiß es nicht, ich kenne die Buchreihe nicht und denke auch nicht, dass ich sie je lesen werde, denn wenn ich "königlicher Bad Boy" und "magische Anziehungskraft" lese, regt sich bei mir eher kein Interesse. Aber den Anblick von ihr, völlig versunken mit offenem Mund in diesem Buch, den werde ich so schnell nicht vergessen... :D


Geneva Lee "Royal - Passion"
Ein Blick, ein Kuss und nichts ist mehr wie zuvor ...

Auf ihrer Abschlussfeier an der Oxford University trifft Clara Bishop auf einen attraktiven Fremden. Ohne Vorwarnung zieht er sie an sich, küsst sie leidenschaftlich und verschwindet. Clara hat keine Ahnung, wer der Unbekannte ist – bis ein Bild von ihnen beiden in der Zeitung auftaucht: Ihr heißer Flirt ist Prinz Alexander von Cambridge, Thronfolger von England, königlicher Bad Boy …

Dieser Mann ist gefährlich, in ihm lauern Abgründe, die Clara ins Verderben stürzen können. Ist Clara dieser magischen Anziehungskraft gewachsen?



Kennt ihr das Buch? Habt ihr es auch mit offenem Mund gelesen? Ist es empfehlenswert?

Donnerstag, 4. Februar 2016

Die Lektüre meiner Zugnachbarn #16

Nicht zu fassen, der letzte Eintrag zu dieser Blog-Kategorie ist TATSÄCHLICH schon fast 1 Jahr her!!! Im März 2015 gab es die letzte Vorstellung meiner lesenden Zugnachbarn, das ist wirklich traurig. Der Hauptgrund dafür ist simpel: Ich muss für meinen Job nicht mehr jeden Tag zwischen zwei Städten hin- und herpendeln. Ich arbeite jetzt in der Stadt, in der ich auch wohne. Daher sehe ich nahezu keine lesenden Menschen mehr, die Zug fahren. 
Umso mehr Grund für mich, bei meiner letzten größeren Zugfahrt neulich nach Hamburg die Augen offen zu halten nach lesenden Reisenden. Und - ich habe jemanden gesehen, haha! :D

Es handelt sich beim heutigen Zugnachbarn um ein junges Mädchen, das sich schräg vor mich gesetzt hat - und jetzt fragt mich nicht, wie alt sie war. Ganz ehrlich, ich bin eine absolute Null darin, das Alter von Personen zu schätzen, und bei Kindern erst recht! Ich habe keine Ahnung, wie ein 8-jähriges im Vergleich zu einem 11-jährigen Kind aussieht. Noch schlimmer bei Kleinkindern. Können 1-Jährige schon laufen? Und sprechen? Keine Ahnung!!! Daher kann ich mit meiner Vermutung, dass das junge Mädchen im Zug vielleicht so 12 oder 13 war, völlig daneben liegen. Vielleicht war sie auch erst 9. Interessant war jedenfalls, dass sie alleine reiste (Also vielleicht doch nicht so jung?! Ach, ich geb´s auf...) und, kaum dass sie saß, sich ein Buch aus dem Rucksack kramte. Das las sie dann die ganze Zeit höchst konzentriert und aufmerksam - sie ließ sich von nichts und niemandem stören. Nicht von dem Lego-spielenden Kind schräg neben uns (auch hier wieder keine Altersangabe meinerseits möglich), nicht von dem älteren Herrn hinter mir, der in lautesten Tönen seiner Frau von verschiedenen Urlaubsreisen berichtete (War sie denn nicht mit dabei?!), auch nicht von dem Selfie-König, der sich dem Mädchen gegenüber setzte und die ganze Fahrt nur damit verbrachte, sich selbst in unterschiedlichsten Posen auf einem Zugsitz zu fotografieren. Wirklich ... intelligent. Selbst als der Schaffner (ach nein, die heißen ja heute Zugbegleiter) das Ticket sehen wollte, bewegte das Mädel kaum die Augen vom Buch weg, sondern reichte nur widerwillig den Schein nach oben und hob dabei aber nicht mal den Blick von den Seiten. Sehr sympathisch :) Nicht nur deswegen stieg mein Interesse darüber, was sie denn da las, natürlich ins Unermesslich. Leider hielt sie das Buch die meiste Zeit so, dass kein Titel ersichtlich wurde. Bis auf einen kleinen Moment, als ich doch mal einen Blick drauf erhaschen konnte. Es handelte sich um "Stella und das Gothic-Girl" von Karen McCombie.


Darum geht´s:
Nie hätte Stella in London geglaubt, dass man sich in einem verschlafenen Nest am Meer wohlfühlen kann. Aber nach ein paar Wochen hat sie sich schon richtig gut eingelebt und neue Freunde gefunden. Und wieder einmal beweist Stellas Kater Peaches, dass er der bessere Menschenkenner ist. Immer wenn von Tilda die Rede ist, schnurrt er ganz laut. Bald merkt auch Stella, dass die schnoddrige Tilda mit ihren schwarz umrahmten Augen, den fetzigen Strümpfen, dem schwarzen Ballettröckchen und den Springerstiefeln sogar richtig nett sein kann.


Die Ziel-Altersgruppe für dieses Buch liegt übrigens bei 10-12 Jahren, also liege ich wahrscheinlich gar nicht mal so falsch mit meiner Schätzung. Das Buch scheint es gar nicht mehr neu zu geben, was ich feststellte, als ich mich sogleich im Zug - im nächsten Landschaftsabschnitt, der Handyempfang versprach - schlau machte und das Buch online suchte. Irgendwie macht mir das alles noch sympathischer, weil das Mädel somit ein Buch im wahrsten Sinne des Wortes verschlungen hat, das schon gar nicht mehr zu haben ist. Das also gar nicht mal ein aktueller Bestseller ist (ich hab von dem Buchtitel zuvor noch nie gehört), sondern ein Buch, das sie vielleicht schon lange in ihrem Regal stehen hatte oder vielleicht auch schon mehrere Male gelesen hat. Zumindest stelle ich mir das so vor. Und behalte diese Szene im Zug in sehr schöner Erinnerung. 

Donnerstag, 19. März 2015

Die Lektüre meiner Zugnachbarn #15

Mittlerweile ist es schon einige Tage, eigentlich eher Wochen her, dass ich diese kleine, zwar unscheinbare, aber für mich sehr unterhaltsame Episode während einer Zugfahrt nach Hause beobachten konnte. Oftmals fährt nachmittags eine Frau mit im selben Zug wie ich, und ich kann sie nicht anders beschreiben als ... klein. Wirklich. Ich meine, ich bin schon klein, was mich nicht zuletzt auf jedem Konzert unglaublich anstinkt. Mit 158 cm kann man nun mal nicht über jede andere Person drüberweg sehen, selbst Zehenspitzen helfen da nicht viel. (Übrigens habe ich mich in meinem Personalausweis auf 160 cm hochgeschummelt, aber das muss ja niemand wissen...) Nun, diese Frau im Zug jedenfalls... Also, wenn ich klein bin, dann hat sie Zwergengröße, denn über 1,45 cm dürfte sie nicht hinauskommen. Und sie trägt Schuhe mit gut 3 cm Absatz... Aber man kann sich nun mal nicht aussuchen, wie groß man wird. Und nicht jeder macht es so wie eine Kommilitonin von mir während unseres Studiums, die immer (wirklich IMMER! Selbst bei Schneematsch.) in 10 cm-Absatzschuhen herumlief, um größer zu wirken. 
Diese also sehr kleine Frau hatte nun neulich im Zug ein Buch ausgepackt und war schon am Seite-Aufschlagen, als sie von der Dame, die ihr gegenüber saß, prompt angesprochen wurde:

"Oh, was lesen Sie denn da? Das Russland?"

Auf die Frage "Das Russland?" gibt es - meiner Meinung nach - in diesem Zusammenhang nun gar keine passende Antwort, sie steht aber exemplarisch gut da für die Region, in der ich wohne. Denn hier reden viele so. Eigentlich meinte sie wohl eher die Frage "IST das Russland?" (im Sinne von "Spielt das Buch in Russland?"), aber ein kompletter Satzbau wird hier mitunter überbewertet, wenn der andere einen auch so versteht... Aber so oder so wäre die Frage merkwürdig, denn da ist ja nicht Russland auf dem Cover abgebildet. Und auch das Buch ist nicht Russland. Aber die assoziative Gabe der fragenden Dame war nicht schlecht, denn schließlich spielt das Buch tatsächlich in Russland... :D

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Eva Stachniak "Der Winterpalast"
Geheime Gänge, verdeckte Türen, dunkle Nischen: Als die Waise Varvara als Dienstmädchen in den Winterpalast kommt, lernt sie schnell, sich ihre Verschwiegenheit und ihren aufmerksamen Blick zunutze zu machen. Keine Intrige, die ihr entginge, kein Getuschel, das ihren Ohren verborgen bliebe. Schnell wird sie zu einer der wichtigsten »Spioninnen« im Palast. Als die junge Sophie von Anhalt-Zerbst – die spätere Katharina die Große – an den Hof kommt und auf dem Weg zur Macht eine Verbündete braucht, wird Varvara ihre engste Vertraute. Schließlich erklimmt Katharina den Zarenthron – aus der unerfahrenen Fremden wird eine der mächtigsten Frauen ihrer Zeit. Eva Stachniaks opulenter Roman über die ungewöhnliche Freundschaft zweier Frauen führt den Leser in eine Welt, in der Leidenschaft und Vertraulichkeit auf Heimtücke und Verrat treffen – in die abgründig-geheimnisvolle Welt des russischen Zarenhofs, gehüllt in schweren Brokat und knisternde Seide.


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Ich geb´s zu, ich habe dieses Buch selbst schon eine Weile auf der Wunschliste und würde gern wissen, wie es so ist. Daher war ich besonders neugierig, als ich ebenfalls einen Blick auf das Cover erhaschte, als die kleine Frau prompt das Buch zuschlug und selbst einen Blick auf das Cover warf. Sie sagte:

"Ach naja, wenn man selbst schon klein ist, kann man ja wenigstens über große Menschen lesen."

Daraufhin kicherte sie ganz mädchenhaft und hielt das Buchcover noch einmal hoch. Diesen kleinen Scherz unter kleinen Menschen verstand die Andere ganz offensichtlich nicht (bestimmt zu groß gewachsen), denn ihre Augenbrauen wölbten sich fragend zusammen. Die kleine Frau meinte dann als Ergänzung:

"Katharina die Große. Um die geht´s."

Und kicherte nochmal. Daraufhin verständnisvolles Nicken der anderen Dame, bevor sich beide wieder in ihre jeweiligen Bücher vertieften. Manchmal ... erlebt man mit lesenden Zugnachbarn die lustigsten Momente :)


Donnerstag, 28. August 2014

Die Lektüre meiner Zugnachbarn #14

Vor ein paar Tagen saß ich im Zug Salman Rushdie gegenüber.

Jaja. Ich weiß schon. Bevor jetzt einige von euch gleich wieder wegklicken oder ungläubig meine Zurechnungsfähigkeit in Frage stellen...: Mir ist natürlich klar, dass das nicht der echte Salman Rushdie war. (Ich glaube, Salman Rushdie in einem Regionalzug in Sachsen-Anhalt... Das wäre irgendwo eine Schlagzeile wert gewesen...) Aber es lässt sich nicht leugnen, dass der Herr, der mir da gegenüber saß, wirklich frappierende Ähnlichkeit mit diesem Herrn hier hatte:



Bis hin zur Brille hat einfach alles gepasst! Er hätte sein Bruder sein können! Er hatte die Beine übereinander geschlagen, wodurch die Hosenbeine hochrutschten und den Blick auf blau-grün geringelte Socken freigaben. Und was noch viel verwunderlicher war, war die Tatsache, dass er in einem getippten Manuskript las und darin herumzeichnete und - kritzelte. (Anmerkung: Salman Rushdie ist Schriftsteller. Ne? Man kann schon davon ausgehen, dass er in seinen eigenen Manuskripten liest und Anmerkungen hinzufügt, also vielleicht... Ach naja, nein... *hüstel*) Ich beobachtete Salman den Zweiten also eine Weile, aber er ließ sich nicht stören und blickte kaum von seinem Text auf. Muss ein wirklich gutes Manuskript gewesen sein, denn er hat auch nicht so sehr viel daran markiert oder durchgestrichen. Er brummelte ab und zu etwas vor sich hin, was sich aber leider akustisch nicht verstehen ließ. Nebenbei wippte er mit seinem übergeschlagenen Fuß. Ich glaube, diese geringelten Socken haben mich mindestens so beeindruckt wie das umfangreiche Manuskript, das sich da gerade in der Revision befand. 
Irgendwann musste ich dann aussteigen und bis dahin war Salman der Zweite immer noch in seinen Text vertieft. Er hat nicht mal mein "Wiedersehen" bemerkt, das ich beim Aufstehen halblaut gemurmelt habe. (Hallo?! Mal angenommen, das wäre WIRKLICH Salman Rushdie gewesen, dann kann man sich die Chance, Hallo bzw. Tschüss zu einem (Fast-)Promi zu sagen, doch nicht einfach entgehen lassen!...)

Donnerstag, 27. März 2014

Die Lektüre meiner Zugnachbarn #13

Heutiges Zugobjekt der Blogkategorie-Begierde: ein Fantasybücher-lesender Stoffel.
 
Ihr wisst nicht, was ein "Stoffel" ist? Den Begriff habe ich von meiner Schwester; ich habe jedoch keine Ahnung, ob das ein offiziell anerkannter Titel ist - oder ob den auch nur irgendjemand außer uns überhaupt kennt. Ein Stoffel ist ... nun ... irgendwie ein Mensch mit wenig Manieren. Jemand, den es nicht kümmert, wenn er andere anrempelt; der sich frech vordrängelt; unfreundlich ist; der schlurfenderweise mit abartig unmöglich lauter Musik in den Ohren rumläuft (Wieso ist er bei der Lautstärke noch nicht taub?! Oder ist er schon taub und braucht deswegen die Musik so laut??) und den es dabei nicht die Bohne juckt, dass eine Omi mit lila gefärbten Haaren ihn ganz pikiert ansieht; jemand, der irgendwie schnodderig und schluderig und irgendwie so leicht ... naja, unmotiviert daher kommt.
 
Ja, so ein Exemplar seh ich ab und zu im Zug. Und so egal ihm jedenfalls alles auf der Welt auch erscheinen mag - ER LIEST. Und zwar jedes Mal, wenn ich ihn sehe. In den letzten Wochen hat er sich durch die Buchreihe von Alexey Pehov gelesen, anscheinend bilden die Bücher die "Chroniken von Hara". (Sagt mir Amazon.) Ich kenn die Bücher nicht, das scheint mir mehr so die Sparte "Fantasy" zu sein, was nicht wirklich meins ist. Aber sei´s drum. Er hat sich nacheinander durch alle Teile gelesen:
"Wind - Blitz - Donner - Sturm" (...und geht´s dann noch weiter?)
 
Und für alle, die ebenso wie ich keine Ahnung haben; darum geht´s, zumindest im ersten Teil:
 
Alexey Pehov "Wind - Die Chroniken von Hara 1"
Seit der Krieg der Nekromanten das Land zerstört hat, verschwinden die magischen Funken aus Hara – und mit ihnen die Magie selbst.
Lahen ist eine Windsucherin, eine der wenigen, die jenen Funken noch in sich trägt. Doch sie und der Bogenschütze Ness werden verfolgt von den Verdammten, den Anhängern der schwarzen Magie, die sich Lahens Gabe bemächtigen wollen. Können Lahen und Ness verhindern, dass der dunkle Funke erneut entzündet und Hara ins Chaos gestürzt wird? Es beginnt ein Wettlauf um ihr Leben – und der Kampf um die Magie in ihrer Welt …
 
 
Das Beste kommt aber bekanntlich zum Schluss: während er sich also nach und nach durch die Bücher gelesen hat, verdrückte er zugleich mehrere Tüten Chips. Neben sich hat er stets eine Tüte Chips liegen: mit links greift er in die Chipstüte, mit rechts hält er das Buch fest. Bei Band 1 waren es - glaube ich - Paprikachips, "Blitz" wurde dann geschmacklich unterstützt von "Pombär" und bei den nächsten beiden Büchern gab es geriffelte Chips. Die haben dann scheinbar seinen Geschmack getroffen und sind seine bevorzugte Wahl geworden...
 
Naja, na gut. Chips zu essen (oder überhaupt etwas zu essen, was kleckert/krümelt/staubt - also quasi ALLES!), während man liest, find ich ja ... schwierig. Und bedenklich. Meine Bücher sind mir da irgendwie zu schade, ich hab keine Lust auf chipsige Fingerabdrücke auf den Seiten oder Kekskrümel in der Knickkante, die man da - erwiesenermaßen! - nie wieder rausbekommt...

Dienstag, 28. Januar 2014

Die Lektüre meiner Zugnachbarn #12

Dieser Beitrag zur Kategorie wird anders als sonst. Denn er ist von PUREM ENTSETZEN meinerseits geprägt. Gestern .... Gott, ich muss erstmal Luft holen.
 
Also, gestern saß ich im Zug wieder einem Leser gegenüber. Schon etwas älter, dick eingepackt in Daunenjacke und Pudelmütze. Die Pudelmütze hat er die ganze Zeit nicht abgesetzt. Naja.
Er saß schon, ich hab mich ihm gegenüber gesetzt. Nun starre ich Leuten ja nicht so unverschämt aufs Buch, insofern habe ich zunächst einfach nur erstmal registriert "Er liest.", aber nicht was. Irgendwann habe ich dann einen Blick aufs Cover erhaschen können, es war was von Perry Rhodan. Entschuldigt, dass ich nicht genauere Angaben machen kann, aber ich war in dem Moment schon ZU ABGELENKT von dem, was sogleich passierte. Nur, die Perry Rhodan Bücher erkennt man ja recht simpel, die sehen ja alle irgendwie gleich aus. So silber mit großer Schrift. Daher war´s leicht.
 
Ja. Jedenfalls blieb mein Blick dann eben an diesem Buch kleben. Ich sah, dass die oberen Ecken der Seiten irgendwie völlig zerknittert aussahen, kreuz und quer, völlig ausgebeult mit Dellen - und kaputt. Ich habe da einen Moment drauf gestarrt, und das hat er wohl bemerkt. Denn er machte auf einmal Anstalten, das Buch zu schließen, nicht jedoch - und jetzt kommt es!  - Alle buchliebenden Lesefreunde sollten an dieser Stelle vielleicht nicht weiterlesen ... -
 
... Er wollte das Buch also zuklappen, nicht jedoch, ohne vorher die Buchseite, auf der er eben noch gelesen hatte, zwischen die Finger zu nehmen und SIE EINZUREIßEN!!! Er hat in die Seite oben gut einen 1cm langen Riss gemacht!!! Plötzlich wurde mir klar, warum die anderen Seiten so zerfleddert aussahen, die waren ALLE schon so eingerissen!!
Ich schätze, ich habe ihn und das Buch angeglotzt wie ein Schaf, denn auf einmal gluckste er und meinte zu mir, "Joa, ich hab halt kein Lesezeichen dabei." (Leichter bayrischer Dialekt!!! Verdächtig!!!)
Normalerweise quatsche ich Leute im Zug ja nicht einfach so an. Im gleichen Moment hörte ich mich jedoch schon - völlig entsetzt - sagen: "Dann nehmen Sie doch irgendeinen anderen Zettel. Geht doch alles mögliche." Ich glaube, ich konnte nur noch flüstern.
Daraufhin zuckte er mit den Schultern und meinte: "Nee, des is scho okay, ich mach des oft so. Meine Bücher sehn alle so aus."
Woraufhin meine Augen wahrscheinlich noch einmal bierdeckel-groß wurden. Aber ich hab nichts mehr gesagt, ich hab dann meine Nase in mein eigenes (völlig intaktes, möchte ich hier mal anmerken!!) Buch gesteckt. War aber zu geschockt und konnte mich nicht auf den Inhalt konzentrieren.
Also echt mal. Sowas geht doch nicht! Klar kann jeder mit seinen Büchern umgehen, wie er will. Aber das tat mir wirklich schon vom Hinsehen weh. So richtig. Ich meine, das ist ja noch viel viel schlimmer als Eselsohren, die man oben reinknickt - und ich werfe Leuten, die das machen, schon immer zutiefst verachtende Blicke zu... Und es ist doch obendrein völlig hässlich! Sowas will man sich doch dann zuhause nicht hinstellen, und immerhin hat er ja noch angemerkt, dass er zumindest ein paar weitere Bücher besitzt. Ich kann doch meine Bücher nicht so ruinieren!!
Ich bin heute noch ganz geplättet von dieser Begegnung. Daher kann ich auch nichts weiter dazu sagen. Bin aber sehr gespannt, was ihr darüber denkt.

Montag, 28. Oktober 2013

Die Lektüre meiner Zugnachbarn #11

An manchen Tagen in der Woche muss ich etwas früher los, was dazu führt, dass ich schon vor 7 Uhr im Zug sitze. (Manch einer von euch fragt sich jetzt vielleicht: "Schon?! Pah, um 7 sitz ich schon am Arbeitsplatz!" Tja nun, ich nicht. Eher so 1-2 Stunden später ;) )
Jedenfalls gibt es doch tatsächlich Leute, die so früh schon im Zug sitzen und lesen! Ich weiß gar nicht, ob ich die ernsthaft bewundern soll, denn mir ist das einfach zu früh. Da fallen mir noch ganz automatisch die Augen zu, selbst wenn ich einigermaßen ausgeschlafen bin. So früh bin ich lesetechnisch noch nicht wirklich aufnahmefähig. 
Manche können das aber offenbar auch um diese Uhrzeit ganz gut, und so auch der heutige Zugnachbar. Ein junger Kerl, Typ Student (wobei das auch für Studenten fast ein wenig früh ist...), der schon vor 7 Uhr morgens liest. Er ist mir aber nicht nur aufgefallen, weil er las, sondern vor allem durch das, was er las:

J.K. Rowling "Fantastic beasts and where to find them"
As featured in the first year set texts reading list in Harry Potter and the Philosopher's Stone, Fantastic Beasts and Where to Find Them is an extensive introduction to the magical beasts that exist in the magical, non-Muggle world. Some of the animals featured in the A-Z you will have already met in the existing Harry Potter books: for example Hippogriff, Flobberworm, Kappa - others you certainly won't: read on to find out exactly what a Chizpurfle is, or why one should always beware of the sinister Lethifold ...As Albus Dumbledore says in his introduction, this set text book by Newt Scamander has given the perfect grounding to many a Hogwarts student. It will be helpful to all Muggles out there too ...On reading the book you will also find that Harry, Ron and (in one instance) Hermione - couldn't resist grafittiing the book, and adding their own personal hand-written opinions.
(Quelle: hier)

Das Buch hab ich selbst noch gar nicht! Ebenso wie "Quidditch trough the ages". "The tales of Beedle the Bard" hab ich zwar - aber die habe ich bis heute nicht gelesen *schäm*
Nicht nur deswegen fand ich diese Lektüre höchst aufregend! Ich hab noch nie jemanden gesehen, der das liest, und dann auch noch auf Englisch.

Montag, 5. August 2013

Die Lektüre meiner Zugnachbarn #10

Neue Ausgabe der Zugnachbarn-Lektüre, mit der kleinen Ausnahme, dass es sich dieses Mal nicht um einen Zugnachbarn handelt.
Ich arbeite an einer Uniklinik, soviel mal vorneweg. Eigentlich vorwiegend in einer Forschungsgruppe, mittlerweile habe ich aber auch jede Menge mit Patienten zu tun. Im Laufe des Tages komme ich an sovielen Patienten vorbei oder sehe sie im Wartebereich sitzen und die Zeit totschlagen, bis sie an der Reihe sind und aufgerufen werden. Klar, dass diese sich da die Zeit irgendwie vertreiben wollen, und so sehe ich ab und zu auch Patienten, die sich beispielsweise ein Buch mitbringen und darin lesen.

Und... Was soll ich sagen. Mittlerweile ist es in Zeiten von Christian Grey etc. ja nichts neuartiges mehr, solche Lektüre zu konsumieren. Wahrscheinlich gehört man (= ich) eher zu Minderheit, wenn man heutzutage "Fifty Shades of Grey" NICHT gelesen hat. Aber ob ich mich dennoch mit so einem Buch in einen Warteraum setze, in dem jeder dem anderen aufs Buch schielt und sich bei der Suche nach Ablenkung die Mitwartenden anschaut, ... weiß ich nicht. Die Patientin heute hatte diesbezüglich jedoch keine Hemmungen, las für alle offensichtlich in diesem folgenden Buch und erntete damit einige schräge Blicke von ihrem Nachbarn, bevor sie gerade in diesem Moment aufgerufen wurde. Dann klappte sie schnaufend - und sichtlich enttäuscht ob der Störung - das Buch zu und setzte sich in Bewegung. 


Katelyn Faith "Gefährliche Verlockung"
Reich, unverschämt und unverschämt gut aussehend – dieser Mann ist Gift. Emmas Herz bleibt beinahe stehen, als sie auf einer Auktion das lange verschollene Halsband ihrer Urgroßmutter sieht. Sie muss es haben! Doch frecherweise wird sie von jemandem überboten, dem Geld völlig egal zu sein scheint. Und wer hat ihr das Andenken vor der Nase weggeschnappt? Ausgerechnet Jason Hall, ihr ehemaliger Highschool-Schwarm. Leider sieht Jason noch immer so gut aus wie damals, und zu Emmas Entsetzen macht er ihr ein unmoralisches Angebot, wie sie das Schmuckstück zurückerobern kann. Emma weiß: Wenn sie bei Verstand bleiben will, sollte sie sich besser von Jason fernhalten. Aber kann sie etwas gegen seine Anziehungskraft ausrichten?
(Quelle: hier


Was denkt ihr? Setzt ihr euch mit so einem Buch in einen Warteraum? Ist es euch egal, was andere da vielleicht denken? Lest ihr überhaupt in einem Warteraum, oder knabbert ihr vor lauter Panik (Hallo?! Arztbesuch!!) lieber an den Fingernägeln?

Mittwoch, 8. Mai 2013

Die Lektüre meiner Zugnachbarn #9

Jaja, lange gab es keinen neuen Ausflug in die Lektüre meiner Zugnachbarn, ich weiß. Es haben durchaus einige Leute um mich herum fleißig gelesen, aber es war irgendwie nicht so recht ein Knaller dabei, keine wirkliche Überraschung. Und ich brauche euch ja sicher nicht erzählen, dass ich gestern ungefähr die fünfte Person in 3 Wochen gesehen habe, die irgendeinen Teil der Buchreihe "Das Lied von Eis und Feuer" von George R.R. Martin gelesen hat.
 
Vorgestern aber habe ich unweigerlich einen kleinen Dialog zwischen zwei schon etwas älteren Damen mit angehört. Es ging um Bücher, und ich fand es herrlich. Zunächst unterhielten sich beide über irgendeinen Autor, dessen Namen ich leider nicht verstanden habe. Die eine meinte, er würde so gut schreiben, sie würde sich direkt auch das zweite Buch von ihm holen. Schön.
Dann meinte die andere: "Weißt du, was ich als nächstes lese?" Darauf die zweite: "Nee. Was´n?" (An dieser Stelle sollte ich vielleicht mal darauf verweisen, dass wir hier in Sachsen-Anhalt über eine Vielzahl ganz "wunderbarer" Dialekte verfügen. (Fremdschämen ist angesagt!) Selbst wenn ich versuche, hier schriftlich wiederzugeben, WIE sich diese beiden Damen unterhalten haben, reicht das nicht annähernd an das Original heran...)
Die erste: "Fifty shade of grey."
Die zweite schüttelte den Kopf und meinte: "Kenn ich nich."
Die erste ganz überrascht: "Haste davon noch nich jehört?"
Die zweite zuckte mit den Schultern.
Die erste: "Das soll total spannend sein."
Die zweite wirkte immer noch eher uninteressiert.
Die erste: "Da sind schon 3 Bände draußen. Der dritte gerade erst erschienen. Ich hab mir gleich alle 3 jeholt. So spannend soll das sein."
Die zweite sagte nichts.
Die erste: "Ich fange dann jetzt mit dem ersten an. Bin schon echt jespannt."
Sie beugte sich leicht nach vorn und dämpfte die Stimme ganz verschwörerisch: "Da jeht´s um Seggs und Fesseln und so´n Kram. Janz anrüchig. Mal was janz anderes. Is aber nix, was man hier erzählen kann."
Beide kicherten.
 
Tja, und das taten sie dann auch nicht. Also darüber erzählen, meine ich. Der Zug war rappelvoll, vielleicht war die Hemmschwelle dann doch größer als das Mitteilungsbedürfnis.
Aber ich wünsche ihr interessante Lesestunden ;)
 

Mittwoch, 6. Februar 2013

Die Lektüre meiner Zugnachbarn #8

Gestern saß ich einer etwas älteren Dame gegenüber, die ich wirklich absolut nicht einschätzen konnte. Manchmal hat man ja so einen Flash-Gedanken, wenn man jemanden anschaut, und manchmal versieht man Menschen ja auch direkt mit einem Stempel à la "Der ist bestimmt Lehrer. Wie der schon seine Tasche unter dem Arm festklammert..." oder "Trägt Anzug und liest die Süddeutsche, und zwar jeden einzelnen Artikel, hmmm, vielleicht Anwalt?" oder "Oh, mit den Absätzen hat sie bestimmt keinen Job, bei dem sie lange stehen muss..." (Ja, ich bin nicht frei von Vorurteilen, ich weiß...) Bei dieser Dame gestern jedenfalls kam mir keine spontane Erleuchtung. Sie hätte Mathe-Professorin ebenso wie Steuerberaterin sein können, oder genauso gut Kindererzieherin wie Ärztin. Sie las in einem Buch, und da bin ich natürlich neugierig geworden. Trotz einigem Verrenkens konnte ich nur den ersten Teil des Titels lesen, der "Nichtstun" lautete. Also schnell über das Handy amazon angesurft und über das einzelne Wort den Titel herausgefunden:
 
Manfred Spitzer "Nichtstun, Flirten, Küssen"
Das Gehirn schläft nie, ...
… sondern es lernt pausenlos, selbst im Schlaf. Es befähigt uns, knifflige Rätsel und komplizierte Rechenaufgaben zu lösen oder geschliffene Reden zu formulieren. Was aber tut unser Gehirn, wenn wir nichts tun? Und welche Rolle spielt es in unserem Liebesleben?
In seinen neuen Beiträgen widmet sich der Neurowissenschaftler, Psychiater und Philosoph Manfred Spitzer erneut seinem liebsten Forschungsobjekt – dem menschlichen Gehirn.
Dabei spannt er den Bogen von der „Wissenschaft vom Flirten“ über das „Gehirn einer Mutter“ bis zur „Gehirnforschung in der Fastenzeit“. Außerdem geht er Fragen auf den Grund wie: Was ist Leben? Wer gewinnt den Showdown im Kampf Terminator gegen Schwarzenegger? Warum sind wir so versessen aufs Küssen? und vielen faszinierenden Themen mehr ...
21 neue Spitzer-Essays – für die Pausen zwischen Flirten, Küssen und Nichtstun!
(Quelle: hier)
 
In meinem Studium ist mir der Name Manfred Spitzer häufig untergekommen, er ist so etwas wie eine Koryphäe in den Neurowissenschaften und es ist immer interessant, was er sagt und schreibt. Das hat sich offensichtlich auch diese Dame von gestern gedacht - und egal, wer sie nun ist und was sie beruflich macht, mit dem Buch hat sie sich definitiv ein Stückchen sehr interessante Lektüre gegönnt. In das Buch würde ich auch gern mal reinlesen.

Dienstag, 11. Dezember 2012

Die Lektüre meiner Zugnachbarn #7

Heute gibt es eine neue Episode, zur Abwechslung mal nicht aus dem Zug, sondern aus der Straßenbahn. Vor einigen Tagen saß mir schräg gegenüber ein junges Mädel; keine Ahnung, ob sie noch zur Schule ging oder sich vielleicht schon eher zu den Studenten zählte (das kann man bei vielen ja heute nicht mehr so genau sagen...). Jedenfalls saß sie lesend da, ihre Tasche auf dem Schoß, ein Buch in der Hand obendrauf, und beim Umblättern konnte ich den Titel erkennen:

Nalini Singh "Lockruf des Verlangens"
Seit die Mediale Sienna Lauren sich dem Rudel der SnowDancer-Wölfe anschloss, hat sie nur eine Schwäche: Hawke. Der gefährliche Alphawolf verlor vor Jahren die Frau, die seine Gefährtin hätte sein sollen. Und die hübsche Sienna weckt eine ungeahnte Leidenschaft in ihm. Doch das Rudel wird von einem gefährlichen Feind bedroht, und Sienna ist die Einzige, die schlimmeres Unheil verhindern kann.

Wir fuhren Station für Station ab, sie wirkte ziemlich vertieft in dieses Buch, dann wurde die nächste Haltestelle durchgesagt und die Straßenbahn hielt schon fast, da sah das Mädchen auf, murmelte leise, aber dennoch gut vernehmlich "Scheiße". Packte ihr Buch in die Tasche, stand auf und stürmte raus. 3 Möglichkeiten fallen mir dazu ein:
1.) Das Buch war mies. Ich kenne zwar nicht ein einziges Buch der Autorin und kann daher nichts dazu sagen, aber ich glaube eher nicht, dass es am Buch lag - auch wenn es inhaltlich überhaupt nicht meins ist.
2.) Das Mädel hatte vor lauter Lesen ihre Haltestelle verpasst und ist notgedrungen an der nächsten ausgestiegen.
3.) Sie fand es scheiße, jetzt mitten beim Lesen durch sowas Blödes wie Aussteigen-müssen gestört zu werden.

Man weiß es nicht :D

Dienstag, 13. November 2012

Die Lektüre meiner Zugnachbarn - Nachtrag

Beim letzten Ausflug in die Lektüre meiner Zugnachbarn habe ich euch von einem (von mir geschätzt etwa) 45-jährigen Mann erzählt, der auf seinem eReader "Everlasting" von Holly-Jane Rahlens gelesen hat, und dass mich das glatt ein wenig überraschte.
Noch überraschter war ich jedoch, als ich als Reaktion auf diesen Post eine Email der Autorin selbst erhielt, die mich bat, doch bitte bitte in Erfahrung zu bringen, wie eben diesem Mann ihr Buch gefallen hat. Liebe Frau Rahlens, auch an dieser Stelle noch einmal Dankeschön für Ihre Nachricht, ich habe mich riesig gefreut!

Und auch wenn es eigentlich nicht meine Art ist, völlig fremde Menschen einfach so anzuquatschen und zu fragen, wie ihnen denn ihr Buch gefällt,... bin ich dieses Mal über meinen Schatten gesprungen und habe eine Ausnahme gemacht. Nicht zuletzt, weil ich den Herrn ja nun fast jeden Nachmittag sehe und weiß, dass er ein ganz Netter ist.
Ich hab ihm ganz kurz und knapp erklärt, worum es geht, was das Ganze überhaupt soll und auf den Satz "Die Autorin möchte gern von Ihnen persönlich wissen, wie Ihnen das Buch gefallen hat" mussten wir beide erstmal lachen.
Er erklärte mir dann, dass er das Buch an und für sich sehr mochte, auch wenn das eher nicht die Art von Literatur ist, die er für gewöhnlich konsumiert. Er meinte, "Everlasting" birgt sehr schöne Ideen in sich und besonders haben ihm die Gedanken gefallen, die die Menschen der Zukunft über unser Leben heute haben. Genau dieser Aspekt hatte mir auch sehr gefallen, als ich es gelesen habe. Dann hat er mir noch den Grund verraten, warum er das Buch eigentlich tatsächlich gelesen hat: er hat eine 14-jährige Tochter, die dieses Buch vor einigen Wochen selbst gelesen hat und völlig begeistert war. Weil er das Gefühl hat, "mit seiner Tochter gar nicht mehr mitzukommen" und auch allgemein viel zu wenig mit ihr gemein hat (Zitat), hat er sich überreden lassen, dass sie ab sofort ab und zu ein Buch zusammen lesen, worüber sie dann reden und sich austauschen können. Und dieses Mal fiel die Wahl auf "Everlasting". Beim nächsten Mal darf er wieder entscheiden, was gelesen wird.
 
Diese Anekdote fand ich so süß und ungewöhnlich, dass ich sie hier vorstelle und euch berichte, auch wenn das über meine gewohnte Rubrik der Zugnachbarn-Lektüre hinausgeht. Aber ich finde es total schön, solche Geschichten und derart lustige und kuriose Wendungen zu erfahren, nur weil man seinem Nachbarn mal aufs Buch geschaut hat :)

Dienstag, 6. November 2012

Die Lektüre meiner Zugnachbarn #6

Nachdem es schon länger keine Einblicke mehr in die Lektüre meiner Zugnachbarn gab, melde ich mich mal wieder mit eben dieser Rubrik zurück. Denn nach wie vor wird um mich herum natürlich fleißig gelesen - zum Glück.
Heute geht es um einen Herrn, den ich quasi jeden Tag nachmittags auf dem Weg nach Hause sehe. Wir plaudern immer ein wenig und machen uns über die Bahn im Allgemeinen und unseren Zug im Besonderen lustig. Er liest. Jeden Tag. Er hat stets einen Kindle dabei und stürzt sich dann ins Lesen, sobald der Zug etwas voller wird. (Ich kenne das, auf die Weise kommt man nicht in die Verlegenheit, irgendwelchen Leuten beim Platz-Suchen zuzuschauen. Denn für manche ist es beim Bahnfahren schon ein lautstarkes und sämtliche-Mitreisende-einbeziehendes Erlebnis, sich einen Platz auszusuchen, auf dem man die nächsten 15 (!) Minuten verbringen soll...) Neulich saß ich jedenfalls direkt neben diesem Herrn und schielte nach rechts auf seinen e-Reader. Erst dachte ich, ich habe mich verguckt, woraufhin ich dann einen Moment länger draufstarrte und es dann aber doch bestätigt sah: er las
 
Holly-Jane Rahlens "Everlasting"
Man schreibt das Jahr 2264.
Gefühle sind unerwünscht, die Liebe ist ausgestorben. Die Geburtenrate ist gefährlich gesunken. Der junge Historiker und Sprachwissenschaftler Finn Nordstrom, Spezialist für die inzwischen tote Sprache Deutsch, erhält den Auftrag, die 250 Jahre alten Tagebücher eines jungen Mädchens aus dem Berlin des 21. Jahrhunderts zu übersetzen. Öde, findet er. Und albern. Doch dann ist er zunehmend fasziniert von dem Mädchen, das quasi vor seinen Augen erwachsen wird. Schließlich soll Finn in einem Virtual-Reality-Spiel in der Zeit zurückreisen, um das Mädchen zu treffen. Ohne es zu wissen, wird er damit zum Versuchskaninchen der Spieleentwickler. Warum schicken sie ausgerechnet ihn, den Fachmann für tote Sprachen, in die Zeit kurz vor Ausbruch der Großen Epidemie? Und was ist das für ein sonderbares Gefühl, das ihn überkommt, wenn er der jungen Frau begegnet? Bald muss Finn sich entscheiden - für die Liebe oder für die Zukunft ...
 
Alsoooo, ich fand das Buch ja ganz wunderbar, wie man hier nachlesen kann. War eins meiner Highlights in diesem Jahr. Allerdings würde ich so eine Literatur nicht bei einem ca. 45-jährigen Mann erwarten. Aber vermutlich genau deswegen (und weil es so überraschend war) musste ich lächeln und habe ihn in dem Moment beneidet, weil er das Buch erst noch für sich entdecken kann.

HIER geht es zum Nachtrag, denn mit diesem Post ist die Story noch nicht abgeschlossen :)

Donnerstag, 16. August 2012

Die Lektüre meiner Zugnachbarn #5

Vor ein paar Tagen saß ich im relativ vollen Zug, um mich herum Getuschel, Gekicher, Geknistere und auch die obligatorischen 2 älteren Personen, die sich lautstark über Wehwehchen und Zipperlein unterhielten - die üblichen Geräusche also, die ich im Zug als Hintergrundgeräuschkulisse kenne. Auf einmal aber ... wurde es plötzlich ruhig. Alles verstummte, das Getuschel erstarb, die Person, die in der Knistertüte rumtastete, hörte damit plötzlich auf, irgendwo kicherte jemand leise, dann war nur noch das Brummen des Zuges zu hören . Ich brauchte einen Moment, bis ich das realisiert hatte und sah von meinem Buch auf. In der 4-er Sitzplatznische schräg vor mir hatte ein Bär von einem Mann Platz genommen und damit alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Nicht nur, dass er riesig war, bestimmt über 1,90m, er hatte zudem leuchtend rote lange Haare, die ihm wirr um die Schultern flogen, einen Körperumfang, der ihn gleich 2 Sitze einnehmen ließ, und trug ein AC-DC T-Shirt zur schwarzen Lederhose. Irgendwie rocker-artig sah er aus. Wie eine Mischung aus Rubeus Hagrid und Gimli, der Zwerg. (Und dieser Satz an sich ist schon merkwürdig genug, beachtet man die Körpergrößen beider Figuren...) Alles starrte ihn an, aber er ließ sich nicht beirren. Er kramte in seinem Rucksack, zog eine Flasche Cola raus, setzte sich eine Brille auf (! Gimli mit Brille!!) und holte folgendes Buch hervor:

Aldous Huxley: "Brave New World"
Far in the future, the World Controllers have created the ideal society. Through clever use of genetic engineering, brainwashing and recreational sex and drugs all its members are happy consumers. Bernard Marx seems alone harbouring an ill-defined longing to break free. A visit to one of the few remaining Savage Reservations where the old, imperfect life still continues, may be the cure for his distress...
(Quelle: hier)

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Ich hab nicht schlecht gestaunt. Ich hab das Werk von Huxley noch nie gelesen, weiß nur so im ganz Groben, worum es geht. Aber ich schätze mal, es ist anspruchsvoll, und dann liest Gimli der Zweite das auch noch auf englisch.
Irgendwann fingen die Gespräche und das Geknistere wieder an, aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, während dieser Zugfahrt hätte keiner der Mitfahrenden immer mal wieder einen kurzen Blick zu diesem Mann geworfen. Ganz verstohlen natürlich...

Mittwoch, 18. Juli 2012

Die Lektüre meiner Zugnachbarn #4

Wird mal wieder Zeit für Einblicke in den Lesestoff meiner Zugmitreisenden. In letzter Zeit saßen mir ein paar lesende Menschen gegenüber, und nach einigem Halsverrenken und Hinstarren hab ich den ein oder anderen Buchtitel erspähen können.
Die heute vorgestellte Zugreisende war ein mitteljunges Mädchen, das vor einigen Tagen Freitagnachmittag mit ihrem Freund unterwegs war. Schwer bepackt mir Rucksäcken, an denen die Kochtöpfe baumelten, Isomatten und Schlafsäcken, kämpften sich beide durch das Zugabteil (ja *seufz*, nur die Deutsche Bahn schafft es, an einem Freitagnachmittag (mit bereits begonnenen Sommerferien in dem ein oder anderen Bundesland) auf einer sehr gut besuchten Zugstrecke, die durch 2 Bundesländer führt, mit nur EINEM Zugwagen zu fahren. Glückwunsch zu dieser logistischen Meisterleistung...) und nahmen mir gegenüber Platz. Bevor sie sich setzte, stöberte besagtes Mädel jedoch in den Untiefen ihres Rucksacks und zauberte nach einigem Kramen gleich 3 Bücher hervor. Ihrem Freund, dem das natürlich nicht entging, erklärte sie, dass sie ja jetzt noch nicht wüsste, auf welchen Lesestoff sie vielleicht in einer halben Stunde Lust hat, und deshalb einfach mal vorsorglich mehrere Bücher mitgenommen hätte. (Das Problem kenn ich.) 
Nun kam sie während der Zeit, die ich ihnen gegenüber saß (ca. eine dreiviertel Stunde) jedoch gar nicht zum Lesen, weil sie stattdessen höchst philosophisch und pseudo-intellektuell angehauchte Gespräche mit ihrem Freund führte. Das soll gar nicht abwertend klingen, aber für manche Gesprächsthemen (die man als Zugnachbar ja unweigerlich mit anhört) und vor allem für die Art und Weise, WIE sich manche Personen über solche Themen unterhalten, fehlen mir an einem heißen Freitagnachmittag in überfüllten Zügen einfach die Nerven. Sie bequasselte ihren Freund, wie toll und wichtig sie es findet, dass manche Eltern ihren Kindern schon früh die Fähigkeit zur Selbstreflektion nahelegen und beibringen. Und das tat sie mit solch einer Inbrunst, die mich vermuten ließ, dass sie nebenbei wahrscheinlich an einer Theatergruppe teilnimmt und Aufführungen mitmacht. Er setzte nach und erzählte von seiner schwierigen Kindheit, und dass es bei ihm nie die Möglichkeit einer Selbstreflektion im Kindesalter gegeben hätte. 
Hömmmpfff..... Gedanklich - obwohl mit einem halben Ohr immernoch den Schilderungen seiner schwierigen Kindheit lauschend; hey, ich bin immerhin Psychologin! - schweifte ich dann schon ab und widmete mich wieder meinem Buch; nicht jedoch, ohne vorher noch einen Blick auf die 3 Bücher zu werfen, die sie ausgepackt hatte. Den einen Titel konnte ich leider nicht erkennen, aber bei den anderen beiden Büchern handelte es sich um folgende:
 
Margarete Mitscherlich: "Autobiografie und Lebenswerk einer Psychoanalytikerin"
Margarete Mitscherlich ist zweifellos eine der prägendsten Psychoanalytikerinnen ihrer Generation. Anhand ihres eigenen Lebensweges verdeutlicht sie das Verhältnis zwischen Leben, Lebenssinn und Lebenswerk. Die Beziehung zu ihrer Mutter begreift sie als wegweisend für ihre persönliche Entwicklung und ihr berufliches Schaffen, gelangte sie doch erst durch die Aufarbeitung dieser komplexen Beziehung selbst zur Beschäftigung mit der Psychologie. Mitscherlich analysiert die Bedeutung ihrer deutsch-dänischen Herkunft sowie den Einfluss der NS-Diktatur auf ihr privates Leben und ihren beruflichen Werdegang. Unermüdlich und uneitel verfolgt sie ihre Erinnerungsarbeit, durchleuchtet dabei ihr eigenes Leben mit den Mitteln der Psychoanalyse.
 
Graham Greene: "Die Stunde der Komödianten"
Ein Thriller im Dunstkreis von Bestpitzelung und Unterdrückung von Mord und Rebellion.
Mr. Brown, Mr. Jones und das Ehepaar Smith reisen mit der »Medea« nach Haiti, in ein Land, das unter der Schreckensherrschaft des diktatorischen Papa Doc und seiner Mafia steht. Mr. Brown, der Ich-Erzähler, besitzt ein Hotel in Port-au-Prince, das er in New York vergeblich verkaufen wollte. Das Ehepaar Smith will Geld anlegen und nebenbei eine – reichlich naive – Mission erfüllen, nämlich den Vegetarismus propagieren.
Mr. Jones' Absichten sind dunkel. Er ist ein Abenteurer und spielt gerne, um seine Kasse aufzufüllen. Und als Mr. Brown zu seinem Hotel kommt, findet er im Swimmingpool eine Leiche: Dr. Philipot, den Wohlfahrtsminister. Wie wird man den Toten unauffällig los, ehe die mafiöse Polizei ihn entdeckt?
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Hömmmpfff... - das hab ich eben schon gesagt, was? Wäre beides nicht wirklich meine Lektüre, obwohl mir studiumsbedingt der Name der erst kürzlich verstorbenen Psychoanalytikerin Mitscherlich natürlich etwas sagt. Aber tatsächlich passten diese beiden Bücher einfach zu dem Mädel im Zug, zumindest kann ich mir gut vorstellen, dass sie sich nach dem erhellenden Gespräch mit ihrem Freund dann doch eins der Bücher geschnappt und zu lesen begonnen hat.
 
 

Dienstag, 19. Juni 2012

Die Lektüre meiner Zugnachbarn #3

Gott sei Dank lesen so viele Menschen um mich herum. So kann ich diese Rubrik am Laufen halten. Und ich finde, mir begegnen hier jedes Mal höchst interessante und ... außergewöhnliche Werke :)

Kommen wir also zum lesenden Zugnachbarn Nummer 3. Es handelt sich dabei um einen jungen Mann, den ich häufig nachmittags auf dem Rückweg im Zug sehe und der stets und ständig mit Sonnenbrille herumläuft - egal, ob die Sonne scheint oder nicht. Nun ja. Ist vielleicht ein Image, das er zu pflegen hat. Zudem hat er Kopfhörer auf und hört lautstark Musik, an der der halbe Zug teilnehmen darf. (Ist leider nicht die Art Musik, die ich gern höre.) Ich frage mich ja, wie manche Menschen das können: grölende laute Musik im Ohr haben und sich dennoch auf einen Text konzentrieren können, den sie lesen. Ich bin zwar weiblich, und uns wird ja Multitasking nachgesagt... Aber DAS gehört definitiv zu den Sachen, die ich nicht kann :(
Ich muss gestehen, als ich ihn die ersten Male gesehen habe, hätte ich gar nicht vermutet, dass er zur lesenden Fraktion gehört (seien wir ehrlich: manche Menschen sehen einfach nicht so aus, als hätten sie schon mal ein Buch aufgeschlagen), und war daher - zugegeben - überrascht, als er dann in seine Tasche griff und folgendes Buch hervorzog:

Cynthia Ceilan: "Dumm gelaufen. 600 Missgeschicke mit Todesfolge"
Stellen Sie sich vor, Sie haben gerade den besten Sex Ihres Lebens. Sie sterben. Weil Sie sich an der essbaren Unterhose Ihres Partners verschluckt haben. Stellen Sie sich vor, Ihr Partner hat ein fürchterliches Halsleiden und kann deshalb seinen geliebten Wein nicht mehr trinken. Sie haben die rettende Idee: Sie legen ihm einen Wein-Katheder. Und bringen ihn damit aus Versehen um. Stellen Sie sich vor, Sie sind Flugbegleiter und auf Ihrem Flug bricht Feuer aus. Sie und Ihre Kollegen greifen sich die Feuerlöscher und sprühen, was das Zeug hält. Das Feuer stirbt. Die beiden Piloten auch - an Kohlendioxid-Vergiftung. Gibt's nicht? Gibt's doch. Und wir versichern Ihnen: Sterben kann so komisch sein!
(Quelle: amazon.de)

Tja, da wird mir einiges klar ^^ Ist vielleicht auch nicht gerade Literatur im herkömmlichen Sinne :D

Mittwoch, 13. Juni 2012

Die Lektüre meiner Zugnachbarn #2

Gestern nachmittag saß ich einer Frau im Zug gegenüber; wir kennen uns vom Sehen und vom "Hallo" und "Schönen Feierabend" sagen. (Kommt halt so irgendwann, wenn man sich fast jeden Tag sieht.) Sie liest ab und zu auch mal ein Buch im Zug; ihre gestrige Wahl fand ich dann aber doch bemerkenswert.
Sie kramte in ihrer Tasche und holte folgendes Buch hervor:

M. Christina Butler: "Der Schlechte-Laune-Hase"
Dieses elende Vogelgezwitscher!, schimpft Hektor. Und dieses grelle Sonnenlicht! Kein Zweifel: Der kleine Hase hat wirklich schlechte Laune ausgerechnet an einem so wunderschönen Sonnentag! Maus und Eichhörnchen versuchen mit allen Mitteln, den missmutigen Hektor aufzumuntern, aber was sie auch tun: Er wird einfach nicht fröhlich! Doch dann entdeckt der kleine Hase einen Marienkäfer, der dringend Hilfe braucht. Und plötzlich ist Hektors schlechte Laune wie weggeblasen.
Ein lustiges Mutmach-Buch gegen schlechte Laune.
(Quelle: amazon.de)
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Ich hab mir den Titel und das Cover angesehen und habe vermutlich so verdutzt dreingeschaut, dass sie lachen musste und mir dann erklärte, dass sie das Buch gerade eben für ihren Enkel gekauft hätte, der sie am Wochenende besuchen kommt. Er wäre wohl selbst gerade in einer absoluten Trotzphase, in der an jedem 2. Tag alles blöd ist - da wäre der Titel wie für ihn gemacht. Und jetzt müsse sie - nach diesem Spontankauf - sich erstmal selbst anschauen, ob das ein gutes Buch ist. Scheinbar war es das, denn als sie es zuklappte, sah sie ziemlich zufrieden aus. :)

Mittwoch, 30. Mai 2012

Die Lektüre meiner Zugnachbarn #1

Da ich berufsbedingt fast jeden Tag pendele und da gut 2 Stunden im Zug unterwegs bin, kommt es des Öfteren vor, dass man Gleichgesinnte sieht und findet - Lesende im Zug. Ab und zu sitzt mir dann jemand gegenüber, der seine Nase - ebenso wie ich - in ein Buch steckt. Da ich von Natur aus neugierig bin, schaue ich natürlich nach Titel und Autor und Cover. Sofern man es denn erkennen kann. (An dieser Stelle möchte ich mal betonen, dass ich nicht annähernd so aufdringlich bin wie manch andere, was das betrifft. Manche, die neben mir im Zug sitzen, lesen mir wirklich über die Schulter in MEINEM Buch mit und lehnen sich noch richtig rüber, um besser sehen zu können. Hallo? Geht´s noch?!) 
Ab und zu erlebe ich dann eine richtige Überraschung, wenn jemand etwas liest, mit dem ich bei dieser Person nun so gar nicht gerechnet hätte - wenn also das Buch irgendwie nicht dem Bild entspricht, das ich mir von der Person rein vom Äußerlichen gemacht habe. (Klingt oberflächlich, ja, ich weiß. Gibt ja auch den Spruch: Zeig mir, was du liest, und ich sage dir, wer du bist.) Aber gerade deswegen ist es ja so spannend, anderen Leuten auf die Bücher zu schauen und sich überraschen zu lassen.
So auch heute morgen. Mir saß ein junger Mann gegenüber - vielleicht so alt wie ich -, den ich vom Sehen schon kenne; er scheint auch des Öfteren zu pendeln. Ich würde ihn pauschal in die intellektuelle Philosophen-Ecke packen, oder denken, er ist jemand, der Nitzsche und Kafka gelesen und sogar VERSTANDEN hat. Hat er vielleicht auch schon mal. Seine heutige Lektüre war allerdings folgende:

Steven Erikson: "Die Gärten des Mondes"
Mithilfe seiner Magiertruppen breitet sich das malazanische Imperium immer weiter aus. Der Leser verfolgt mit, wie die ehemals freie Stadt Fahl vom Imperium erobert wird und lernt hier die Hauptakteure des Buches kennen: Flickenseel, die einzige überlebende Kader-Magierin, Locke, ebenfalls Magier, gezwungen, in einen anderen Körper zu schlüpfen, Tayschrenn, den Hohemagier der zweiten Armee, und Ganoes Paran, der als Junge die Imperatrix kennenlernt, später in ihre Dienste tritt und Anführer der Brückenverbrenner werden soll, der Elitedivision der Zweiten Armee des ehemaligen Imperators. Nach einem Mordanschlag wird Paran von den Göttern ins Leben zurückgeschickt, weiß aber noch nicht, was die Gegenleistung sein soll, die er dafür zu erbringen hat. Als Darujhistan, die letzte freie Stadt auf dem Kontinent Genebackis, fallen soll, sieht das Imperium sich der fliegenden Festung Mondbrut gegenüber, die Anomander Rake und andere Tiste Andii beherbergt, eine uralte nichtmenschliche Rasse, die über grosse magische Kräfte verfügt. Magier, Schattenhunde, Assassinen, Vertreter vieler menschlicher und nichtmenschlicher Völker, große Raben und nicht zuletzt die Gewirre, die Pfade der Magie, die von den Zauberern benutzt werden, nehmen den Leser mit in eine andere Welt und eine Zeit des Krieges, in der man Freunde findet und verliert, Assassinen in einer Gilde organisiert sind und ganze Armeen von Toten wieder auferstehen.
(Quelle: amazon.de)

Hui. Das...fand ich dann doch recht überraschend. Ich verstehe ja irgendwie nur Bahnhof, wenn ich diese Inhaltsangabe lese; aber er klebte an den Seiten. Also wohl doch eher nicht Nitzsche... :D
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