Gestern war ich in einem Buchladen - ich wollte Bücher kaufen, Überraschung ;) Da das eine recht fixe Idee zwischen Arbeitsschluss und schnell-den-Zug-erwischen war, bin ich - zugegeben - in den ersten Buchladen, der mir auf dem Weg vor die Nase kam. Es handelt sich dabei um eine Filiale einer doch recht großen Kette, die man eigentlich überall in Deutschland finden kann; sie fängt mit tha an und hört mit lia auf. Eigentlich ... würde ich vermuten, dass man dort schon das ein oder andere Buch bekommen kann. Auch bei spontanen Aktionen. Eigentlich.
Aber entweder mein Buchgeschmack ist zu exklusiv oder der Laden war einfach schlecht bestückt. Ich möchte mir gern einreden, dass es ersteres ist - aber ich glaube eher, dass es einfach an der Filiale selbst lag, und die eher den breiten Lesergeschmack bedienen, und dafür weniger Platz und Mühe für Außenseiter-Bücher schaffen.
Ich hatte drei Bücher im Kopf, nach denen ich schauen wollte. Zum einen muss ich ja noch "Der Joker" kaufen für den glücklichen Gewinner, den ich nächste Woche ziehen werde. Soll ja ein neues Exemplar werden - muss ich also erst noch kaufen. Dann hat mir Tine mitgeteilt, dass eeeeeeeeeeeendlich der dritte Teil der "Ismael"- Reihe von Michael Gerard Bauer als Taschenbuch erhältlich ist. Die Reihe mag ich total, und da ich die ersten beiden Bücher als TB habe, möchte ich den dritten natürlich auch im gleichen Format. Warten, langes Warten war also in den letzten Monaten angesagt. Und dann hatte ich noch einen Buchtitel im Kopf, wo ich auch einfach mal reinlesen wollte, um zu sehen, ob das was für mich wäre.
Ich habe dann selbst die Regale rauf und runter geschaut und gar keins dieser 3 Bücher finden können. Hmpf. In dieser Filiale finde ich obendrein die Aufteilung und Einteilung der Buchregale so merkwürdig, da stehen Kinderbücher teilweise bei den "normalen" Romanen, Jugendromane aber wiederum nicht, und was, wenn ein Buch weder Liebessschnulze noch Krimi ist - irgendwie gibt es da gar kein wirkliches Regal...??? Nach nochmaligem Ablaufen der Regale entschied ich mich dann, einfach eine der kompetent aussehenden Mitarbeiterinnen zu fragen. Die haben doch ihre Computer und können mir direkt sagen, ob ich noch lange suchen muss, oder ob sie irgendwas im Lager haben.
Ich erspähte also direkt an dem Computer hinter dem Info-Tresen eine Mitarbeiterin und dachte mir, frag ich sie doch einfach, wenn ich die Bücher schon nicht finde.
Ich traf schon extra Vorkehrungen, um es der ohnehin bereits überfordert aussehenden Dame so leicht wie möglich zu machen. Also Handy raus, amazon app aufgerufen, um nach dem Namen des Autoren eines Buches zu suchen, von dem ich nur den Titel wusste - kein Netz. Wtf? Kein Netz?! In einem Buchladen in einem Einkaufscenter mitten in der Stadt?! Na fein. Dann eben nur mit dem Titel. Muss ja auch irgendwie gehen. Auf zur Computer-Lady.
Es folgt ein höchst aufschlussreiches (und wahres!!) Gespräch, das mich wirklich an mir (und ihr) hat zweifeln lassen.
Ich: (strahle sie an) Hallo, könnten Sie bitte mal im Computer drei Bücher für mich nachschauen, ob Sie die vielleicht hier haben?
Sie: (schnauft) Ja, komm´n Se mal mit.
(Wir laufen. Fast einmal quer durch den Laden zu einem ganz anderen Computer. Ich denke mir, da hätte ich auch eine andere Dame fragen können, die viel näher an eben diesem PC steht.)
Sie: So... (lässt den linken Zeigefinger bedeutungsvoll über der Tastatur schweben und sieht mich über ihren Brillenrand hinweg an)
Ich: Also, das erste ist von Markus Zusak. Mit Z. Es heißt "Der Joker".
(Offenbar bin ich an eine recht schwerhörige Mitarbeiterin geraten, denn sie schreit mich förmlich an:)
Sie: Zusak??... Hm... Ja, S - U - ... (fängt an zu tippen)
Ich: Nein, mit Z am Anfang.
Sie: Z - U - S - ... (wartet)
Ich: Z - U - S - A - K. Markus. Das Buch heißt "Der Joker".
Sie: (nach kurzem Tippen) Nee, das ham wer nich. (Guckt mich alles andere als bedauernd an.)
Ich: Na gut, dann das zweite. Das ist eine Buchreihe, und dort ist jetzt schon der dritte Teil erschienen. Das Buch heißt "Ismael" und der Autor Bauer. Michael Gerard Bauer. Wie der deutsche Bauer. (Ich schraube meine geistigen Fähigkeiten mal vorsorglich einen Schritt runter.)
Sie: (schon mit wartendem Finger über der Tastatur, rufenderweise:) Wie? Bauer?
Ich: Ja.
Sie: (hat Bauer eingetippt, fährt mich dann aber an:) Na das reicht aber nich, Bauer is ja so häufig, da brauch ich mehr. Wie heißt das Buch?
Ich: Ismael. Eine Buchreihe.
Sie: Ismael??
(Ich nicke. Soo ungewöhnlich ist der Buchname ja nun auch wieder nicht.)
Sie: I - S - M ... (schaut mich erwartungsvoll an)
Ich: ähm... (frage mich, ob sie das ernst meint und ziehe meine linke Augenbraue hoch...) A - E - L
Sie: A - E - L ?
Ich: I - S - M - A - E - L
(Sie tippt. Langsam. Das 10-Finger-Tippsystem beherrscht sie definitiv nicht.)
Ich: (nochmal deutlicher:) Eine Buchreihe. (Irgendwie habe ich zu dem Zeitpunkt immer noch die Hoffnung, dass sie (als Buchhändlerin!) ja vielleicht doch schon von der Reihe gehört hat...)
Sie: (blickt über ihren Brillenrand erst zum Bildschirm, dann zu mir) Nee, ham wer nich. Gar keins davon.
(Schön, irgendwie überrascht mich das nicht.)
Ich: (irgendwie immer noch motiviert, zumindest so ein bißchen:) Gut, dann noch das dritte. Da kenne ich leider gerade den Autoren nicht, ich weiß nur den Titel, der lautet "Tibor und ich".
Sie: (schreit mich schon wieder fast an:) Tumor?
Ich: Nein, TIBOR und ich. (Ich werde auch so ein bißchen laut - werde ich sonst nie.)
Sie: T - I ...
Ich: T - I - B - O - R. (Ich bin lernfähig!)
Sie: (tippt nervenzerreißend langsam. Wundert mich gar nicht, dass sie das "und" oder auch ein "&" in der Suchleiste weglässt, sondern nur "tibor ich" tippt.) Müller. Stefan Müller.
(Sie sieht mich an, als hätte ich auf diese Bond-Darbietung gewartet, dabei will ich doch nur wissen, ob sie es da haben. Meine linke Augenbraue zieht sich also wieder von alleine hoch und ich sehe sie fragend an.)
Sie: Ham wer nich.
Ich gehe. Ich kaufe zwar tatsächlich noch etwas, aber das ist eine kleine Überraschung, die es für den Gewinner zu "Der Joker" dazugeben wird, und das ich daher jetzt nicht verrate. Aber ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass mich diese kleine Episode nicht gleichermaßen amüsiert wie entsetzt hat. Dass man mal ein Buch nicht da hat, ok, schön. Aber dass die Mitarbeiter dann dermaßen nicht-kompetent und ahnungslos und ... ja, unfreundlich auftreten... Sie hat mich nicht mal gefragt, ob sie es bestellen soll. Eins von den dreien. Nicht, dass ich das gewollt hätte. Aber ist das nicht das erste, was man sonst immer gefragt wird?! Nach solchen Szenen wird mir dann immer wieder klar, warum ich doch lieber Bücher online bestelle - meistens bei amazon. Da kriege ich es auf jeden Fall, noch dazu ziemlich schnell. Klar, ich habe keinen persönlichen Kontakt - aber mal ehrlich: auf sowas kann ich dann auch verzichten. Da werde ich wenigstens nicht angeschrien.