Verlag Springer Spektrum, 2012
14,95 Euro
Worum geht´s?
‚Hollywood im Weltall‘ handelt von den Landungen der Amerikaner auf dem Mond - und von den seit vierzig Jahren bestehenden Zweifeln vieler Menschen, ob diese Landungen wirklich stattgefunden haben. Eversberg setzt sich mit den bekanntesten Lügen, Verschwörungstheorien und Bedrohungen auseinander und analysiert diese in vierfarbigen Detailaufnahmen und mit vielen vom Buch aus abrufbaren Filmsequenzen. Dabei geht er sowohl auf die ältesten gut bekannten, aber auch die aktuellsten Zweifel an der Mondlandung ein - und bietet Lesern aller Altersstufen so einen spannenden Krimi aus Physik, Politik und Geschichte.
Meine Meinung:
Für mich war immer klar, dass Menschen auf dem Mond gelandet waren und sich dort umgeschaut haben. Das war für mich eine Tatsache, die ich nicht hinterfragt hätte. Bis - ja, bis ich vor ein paar Jahren abends im TV eine Reportage sah, die sich mit der Frage beschäftigte, ob wirklich Menschen auf dem Mond waren, oder ob es sich dabei nur um einen großen Schwindel handelte. Das fand ich schräg, aber zugleich sehr interessant, und so habe ich mir die Sendung angeguckt. Es wurden dort diverse Dinge angesprochen und Fotos und Videoaufnahmen gezeigt, die die Mondlandung von 1969 hinterfragten und in Zweifel zogen. Mit - ich muss es so sagen, wie es mir damals erschien - tatsächlich sehr schlagkräftigen Argumenten.
Da ging es um solche Fragen: Warum weht auf Fotos/Videos von der Mondlandung offenbar ein Wind - den gibt es doch auf dem Mond gar nicht?! Warum verlaufen Schatten auf Fotos nicht parallel, wenn doch nur die Sonne als einzige Lichtquelle da ist?! Warum - und dieses Argument ist mir seit damals tatsächlich als eindrücklichstes im Kopf geblieben - werden sogenannte Marker (kleine schwarze Raster-Kreuze auf dem Fotopapier zur Orientierung) auf den Fotos von Gegenständen/Personen auf dem Mond überdeckt, obwohl doch die Objekte sich eigentlich unter den Markern befinden müssten?! Hat da jemand etwa schon in den 60ern ge-fotoshopt?!
Diese Sendung öffnete mir damals die Augen für einen Umstand, der mir vorher nie bewusst gewesen war: Es gibt Menschen (und nicht wenige), die davon überzeugt sind, dass die Mondlandung ein Fake war und noch nie jemand wirklich auf dem Mond gelandet ist. Die bisher existierenden Fotos und Aufnahmen seien demnach in Studios auf der Erde entstanden.
Und was soll ich sagen: Diese Reportage hat genau das geschafft, was sie beabsichtigt hat - sie hat mich ein bisschen verunsichert. Nicht wirklich stark, ich bin eigentlich weiterhin der Meinung, dass tatsächlich schon mal jemand auf dem Mond gelandet ist. Aber trotzdem habe ich seit dieser TV-Sendung so eine klitzekleine zweifelnde Stimme im Hinterkopf. Mir sind da manche der genannten Argumente einfach bis heute nicht aus dem Kopf gegangen.
Als ich dann vor einiger Zeit dieses Buch hier sah, habe ich direkt zugeschlagen. Ich war neugierig, was jemand, der sich mit dem Thema besser auskennt als die Laien, die wir nun mal sind, dazu zu sagen hätte. Thomas Eversberg bemüht sich auch sehr, wissenschaftlich fundiert an die ganzen Argumente heranzugehen und sie zu widerlegen. Vielleicht bemüht er sich auch ein bisschen zu sehr, muss ich sagen. Ich weiß, das ist schräg, das so zu sagen; immerhin ist es sein Job und seine Aufgabe in diesem Buch, den genannten Kritiker-Argumenten zu begegnen. Aber in meinen Augen macht es sich Herr Eversberg mit seiner Herangehensweise des "Ockhams Rasiermesser" doch ein bisschen einfach. Dieses wissenschaftlich sehr oft genutzte Prinzip besagt, dass unter mehreren Thesen jene die richtige sei, die die wenigsten Annahmen braucht, um sie zu bestätigen. Das bedeutet simpel gesagt: das, was am einfachsten zu beweisen ist, ist allen anderen Annahmen vorzuziehen.
Klar, in der Wissenschaft ist diese Annahme wichtig. Ohne diese würde man sich vermutlich halb dusselig forschen. Ich hatte in meinem Studium und auch später im Berufsleben viel Statistik; ich habe eine Ahnung davon, was es heißt, sich auf Wahrscheinlichkeiten und Signifikanzen verlassen zu müssen. Nichts anderes macht Eversberg in seinem Buch. Er zeigt für jeden genannten Mondlandungs-Gegner-Punkt stets den einfachsten Weg auf, um das Kritiker-Argument logisch und wissenschaftlich zu widerlegen. Das ist anfangs ganz nett zu verfolgen, zunehmend wird man als Leser aber ein bisschen gelangweilt. Es ist eben wirklich der einfachste Weg, den man gehen kann, und mit dem man den trotzdem weiter bestehenden Diskussionen aus dem Weg gehen kann. Als hartnäckiger Gegner könnte man natürlich trotzdem ständig weiter behaupten, dass der einfachste Weg (= das einfachste Argument) nicht immer der richtige sein muss.
Und Herr Eversberg macht letztlich auch nichts anderes als "widerlegen". Klar, das ist sein Job in diesem Buch. Und er kann es eben auch, weil er nun mal das Wissen dazu hat, um zu zeigen, dass manche Annahmen von Laien wirklich Blödsinn sind. Aber mal ehrlich: Ab und zu hätte ich mir irgendwie mehr Unsicherheit auf seiner Seite gewünscht. Einfach mal eine Anmerkung, dass dieses oder jenes Kritiker-Argument echt ´ne harte Nuss ist und man sich wirklich dazu hinreißen lassen könnte, zu vermuten, dass...
Aber nein. Dieses sachlich-wissenschaftlich belehrende Auseinanderpflücken und Heranziehen des einfachsten Erklärungswegs zieht sich durchs ganze Buch. Ein einziges Mal kommt er ins Wackeln und das ist, als er selbst zugeben muss, wie unglücklich und unglaublich es ist, dass alle Original-Aufnahmen von der Mondlandung 1969 bei der NASA offenbar unauffindbar verschwunden sind und niemand mehr weiß, wo sie sind. (Das muss man sich mal vorstellen! Wenn man wollte, dann wäre das ja schon DAS Verschwörungskriterium schlechthin!!)
Was mir letztlich im Buch auch nicht so gut gefallen hat, ist die Aufmachung von Text und Abbildungen. Herr Eversberg lobt die allgemeine wissenschaftliche Herangehensweise über den grünen Klee, befolgt dabei aber eine der wesentlichsten Vorgaben des wissenschaftlichen Arbeitens und Schreibens selbst nicht. Im Buch befinden sich diverse Fotografien, bunt und schwarz-weiß, von verschiedenen Mondlandungen und Funden, Apparaten etc. Allerdings stehen diese Fotos immer losgelöst vom Text. Im Text wird nie Bezug genommen auf das Bild durch einen Querverweis o.ä., was dazu führt, dass mir oftmals überhaupt nicht klar war, was man auf den Bildern eigentlich sehen soll. Ob das überhaupt etwas zu tun hat mit dem Text, ob das Foto sein Argument jetzt stützen oder widerlegen soll - manchmal wusste ich gar nicht, was mir ein Bild eigentlich sagen sollte. Das war schon schade und hat sich letztlich ins eher negative Gesamtbild eingefügt.
Insofern war ich nach dem Lesen des Buches (und zuletzt nur noch Querlesen, ich geb´s zu, weil es immer nach demselben Schema ablief) einfach ein bisschen enttäuscht. Nicht darüber, dass einem von Herrn Eversberg der Zahn gezogen wird, es hätte wirklich keine Mondlandung gegeben. Nein, einfach, weil dieses "Entzaubern", das darin mitschwingt, leider ziemlich langweilig und monoton passiert.







