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Mittwoch, 27. Mai 2020

"Hollywood im Weltall - Waren wir wirklich auf dem Mond?" - Thomas Eversberg

Verlag Springer Spektrum, 2012
14,95 Euro


Worum geht´s?
‚Hollywood im Weltall‘ handelt von den Landungen der Amerikaner auf dem Mond - und von den seit vierzig Jahren bestehenden Zweifeln vieler Menschen, ob diese Landungen wirklich stattgefunden haben. Eversberg setzt sich mit den bekanntesten Lügen, Verschwörungstheorien und Bedrohungen auseinander und analysiert diese in vierfarbigen Detailaufnahmen und mit vielen vom Buch aus abrufbaren Filmsequenzen. Dabei geht er sowohl auf die ältesten gut bekannten, aber auch die aktuellsten Zweifel an der Mondlandung ein - und bietet Lesern aller Altersstufen so einen spannenden Krimi aus Physik, Politik und Geschichte.


Meine Meinung:
Für mich war immer klar, dass Menschen auf dem Mond gelandet waren und sich dort umgeschaut haben. Das war für mich eine Tatsache, die ich nicht hinterfragt hätte. Bis - ja, bis ich vor ein paar Jahren abends im TV eine Reportage sah, die sich mit der Frage beschäftigte, ob wirklich Menschen auf dem Mond waren, oder ob es sich dabei nur um einen großen Schwindel handelte. Das fand ich schräg, aber zugleich sehr interessant, und so habe ich mir die Sendung angeguckt. Es wurden dort diverse Dinge angesprochen und Fotos und Videoaufnahmen gezeigt, die die Mondlandung von 1969 hinterfragten und in Zweifel zogen. Mit - ich muss es so sagen, wie es mir damals erschien - tatsächlich sehr schlagkräftigen Argumenten. 
Da ging es um solche Fragen: Warum weht auf Fotos/Videos von der Mondlandung offenbar ein Wind - den gibt es doch auf dem Mond gar nicht?! Warum verlaufen Schatten auf Fotos nicht parallel, wenn doch nur die Sonne als einzige Lichtquelle da ist?! Warum - und dieses Argument ist mir seit damals tatsächlich als eindrücklichstes im Kopf geblieben - werden sogenannte Marker (kleine schwarze Raster-Kreuze auf dem Fotopapier zur Orientierung) auf den Fotos von Gegenständen/Personen auf dem Mond überdeckt, obwohl doch die Objekte sich eigentlich unter den Markern befinden müssten?! Hat da jemand etwa schon in den 60ern ge-fotoshopt?!
Diese Sendung öffnete mir damals die Augen für einen Umstand, der mir vorher nie bewusst gewesen war: Es gibt Menschen (und nicht wenige), die davon überzeugt sind, dass die Mondlandung ein Fake war und noch nie jemand wirklich auf dem Mond gelandet ist. Die bisher existierenden Fotos und Aufnahmen seien demnach in Studios auf der Erde entstanden.
Und was soll ich sagen: Diese Reportage hat genau das geschafft, was sie beabsichtigt hat - sie hat mich ein bisschen verunsichert. Nicht wirklich stark, ich bin eigentlich weiterhin der Meinung, dass tatsächlich schon mal jemand auf dem Mond gelandet ist. Aber trotzdem habe ich seit dieser TV-Sendung so eine klitzekleine zweifelnde Stimme im Hinterkopf. Mir sind da manche der genannten Argumente einfach bis heute nicht aus dem Kopf gegangen.

Als ich dann vor einiger Zeit dieses Buch hier sah, habe ich direkt zugeschlagen. Ich war neugierig, was jemand, der sich mit dem Thema besser auskennt als die Laien, die wir nun mal sind, dazu zu sagen hätte. Thomas Eversberg bemüht sich auch sehr, wissenschaftlich fundiert an die ganzen Argumente heranzugehen und sie zu widerlegen. Vielleicht bemüht er sich auch ein bisschen zu sehr, muss ich sagen. Ich weiß, das ist schräg, das so zu sagen; immerhin ist es sein Job und seine Aufgabe in diesem Buch, den genannten Kritiker-Argumenten zu begegnen. Aber in meinen Augen macht es sich Herr Eversberg mit seiner Herangehensweise des "Ockhams Rasiermesser" doch ein bisschen einfach. Dieses wissenschaftlich sehr oft genutzte Prinzip besagt, dass unter mehreren Thesen jene die richtige sei, die die wenigsten Annahmen braucht, um sie zu bestätigen. Das bedeutet simpel gesagt: das, was am einfachsten zu beweisen ist, ist allen anderen Annahmen vorzuziehen.
Klar, in der Wissenschaft ist diese Annahme wichtig. Ohne diese würde man sich vermutlich halb dusselig forschen. Ich hatte in meinem Studium und auch später im Berufsleben viel Statistik; ich habe eine Ahnung davon, was es heißt, sich auf Wahrscheinlichkeiten und Signifikanzen verlassen zu müssen. Nichts anderes macht Eversberg in seinem Buch. Er zeigt für jeden genannten Mondlandungs-Gegner-Punkt stets den einfachsten Weg auf, um das Kritiker-Argument logisch und wissenschaftlich zu widerlegen. Das ist anfangs ganz nett zu verfolgen, zunehmend wird man als Leser aber ein bisschen gelangweilt. Es ist eben wirklich der einfachste Weg, den man gehen kann, und mit dem man den trotzdem weiter bestehenden Diskussionen aus dem Weg gehen kann. Als hartnäckiger Gegner könnte man natürlich trotzdem ständig weiter behaupten, dass der einfachste Weg (= das einfachste Argument) nicht immer der richtige sein muss.
Und Herr Eversberg macht letztlich auch nichts anderes als "widerlegen". Klar, das ist sein Job in diesem Buch. Und er kann es eben auch, weil er nun mal das Wissen dazu hat, um zu zeigen, dass manche Annahmen von Laien wirklich Blödsinn sind. Aber mal ehrlich: Ab und zu hätte ich mir irgendwie mehr Unsicherheit auf seiner Seite gewünscht. Einfach mal eine Anmerkung, dass dieses oder jenes Kritiker-Argument echt ´ne harte Nuss ist und man sich wirklich dazu hinreißen lassen könnte, zu vermuten, dass...

Aber nein. Dieses sachlich-wissenschaftlich belehrende Auseinanderpflücken und Heranziehen des einfachsten Erklärungswegs zieht sich durchs ganze Buch. Ein einziges Mal kommt er ins Wackeln und das ist, als er selbst zugeben muss, wie unglücklich und unglaublich es ist, dass alle Original-Aufnahmen von der Mondlandung 1969 bei der NASA offenbar unauffindbar verschwunden sind und niemand mehr weiß, wo sie sind. (Das muss man sich mal vorstellen! Wenn man wollte, dann wäre das ja schon DAS Verschwörungskriterium schlechthin!!)

Was mir letztlich im Buch auch nicht so gut gefallen hat, ist die Aufmachung von Text und Abbildungen. Herr Eversberg lobt die allgemeine wissenschaftliche Herangehensweise über den grünen Klee, befolgt dabei aber eine der wesentlichsten Vorgaben des wissenschaftlichen Arbeitens und Schreibens selbst nicht. Im Buch befinden sich diverse Fotografien, bunt und schwarz-weiß, von verschiedenen Mondlandungen und Funden, Apparaten etc. Allerdings stehen diese Fotos immer losgelöst vom Text. Im Text wird nie Bezug genommen auf das Bild durch einen Querverweis o.ä., was dazu führt, dass mir oftmals überhaupt nicht klar war, was man auf den Bildern eigentlich sehen soll. Ob das überhaupt etwas zu tun hat mit dem Text, ob das Foto sein Argument jetzt stützen oder widerlegen soll - manchmal wusste ich gar nicht, was mir ein Bild eigentlich sagen sollte. Das war schon schade und hat sich letztlich ins eher negative Gesamtbild eingefügt.

Insofern war ich nach dem Lesen des Buches (und zuletzt nur noch Querlesen, ich geb´s zu, weil es immer nach demselben Schema ablief) einfach ein bisschen enttäuscht. Nicht darüber, dass einem von Herrn Eversberg der Zahn gezogen wird, es hätte wirklich keine Mondlandung gegeben. Nein, einfach, weil dieses "Entzaubern", das darin mitschwingt, leider ziemlich langweilig und monoton passiert.



Freitag, 27. März 2020

"Opernfestspiele & Klassikfestivals"

Merian Verlag, 2019
29,90 Euro


Worum geht´s?
Die berühmten Stimmen und großen Instrumentalisten der internationalen Opern- und Klassikwelt live zu hören, ist ein Erlebnis, von dem viele Musikliebhaber träumen. In jüngster Zeit setzen Veranstalter und Intendanten außerdem auf immer kühnere Bühnenkonzepte und überraschende Konzertformate. Dieser Band führt zu 50 ausgewählten musikalischen Höhepunkten der internationalen Bühnensaison – zu Opern-, Klassik- und Freilicht-Festspielen, zu Musik-Kreuzfahrten, historischen Kammermusik- und Neue-Musik-Festivals. Ein Ereignis für jeden Liebhaber klassischer Musik!


Meine Meinung:
Ich bin kein Experte auf dem Gebiet der klassischen Musik, „Laie“ trifft es wohl eher. In meinem Bekanntenkreis gibt es aber durchaus die ein oder andere Klassik-liebende Person, daher bot es sich an, mal in dieses Buch zu schauen, um einen Eindruck davon zu bekommen, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt, sich eben solche Musik auch live anhören zu können.
In diesem Buch hier sind 50 Festivalorte vorgestellt, an denen „Opernfestspiele und Klassikfestivals“ stattfinden. Zunächst kann man in einem Vorwort einiges über die Begriffsklärung von Festivals und Festspielen lesen. Hier werden auch ganz aktuelle Probleme des Bereichs der klassischen Musik angesprochen: vom Abspringen der Sponsoren, dem Ausdünnen des angebotenen Programms bis zur Event-Müdigkeit des zunehmend verwöhnten Publikums werden verschiedene Gründe angesprochen, warum genau solche Festivals und Klassik-Events mittlerweile ganz schön zu kämpfen haben und eben keine Selbstverständlichkeit mehr sind.
In einer Überblickskarte kann man sich die 50 im Buch vorgestellten Festivalorte und stattfindenden Musikfestivals genauer vor Augen halten, wobei sich mehr als 40 davon innerhalb Europas befinden. Diese Festivals sind zur besseren Übersichtlichkeit dann in einzelne Kategorien unterteilt und genauer präsentiert, sodass man sich prinzipiell jenes raussuchen kann, das den eigenen Vorlieben gut entspricht. Aufgenommen sind beispielsweise „Monothematische Festspiele“ wie jenes in Bayreuth oder die Bach-Festivals in Leipzig und Ansbach, die also einen musikalischen Künstler oder Komponisten in den Mittelpunkt stellen. Weiterhin gibt es „nach Ort oder Region bezogene Festivals“, „Operetten“- oder „Kammermusikfestivals“, „Alte Musik“- und „Neue Musik“-Festivals oder auch „historisch konnotierte Festivals“. Auch Musikkreuzfahrten werden aufgeführt. Rein bezogen auf die Unterteilung macht dieses Buch daher schon einen sehr geordneten und vielfältigen Eindruck. Am Ende des Buches gibt es zudem einen Jahresplaner, in dem farbig eingetragen ist, wann welches Festival stattfindet – gute Idee!
Das erste in einer Kategorie vorgestellte Festival kommt dann in den Genuss, über mehrere Seiten hinweg mit Text und sowohl bunten als Schwarz-Weiß-Bildern vorgestellt zu werden, während sich alle weiteren Festivals mit je 2 Seiten begnügen müssen. Warum das so ist und nach welchem Schema die Reihenfolge der präsentierten Festivals festgelegt wurde, wird nicht ersichtlich. Das finde ich schade und auch sehr unausgeglichen, auch wenn es wohl tatsächlich über manche Festivals mehr zu sagen gibt als über andere. Dennoch hätte hier eine bessere Verteilung vorgenommen werden können, finde ich. Gern auch mit mehr Bildern. Während also beispielsweise die Bayreuther Festspiele auf ganzen 10 Seiten vorgestellt werden, müssen sich die drei Festivals an drei verschiedenen Orten, die zu Ehren Händels abgehalten werden, zusammen ganze 2 (!) Seiten teilen.
Insgesamt erscheinen die  hier dargestellten Musikfestivals – für mich als Laien – als eine bunte und zugleich ausgewogene Mischung von Festivalorten, wenn man ignoriert, dass sich das Buch fast ausschließlich auf Europa konzentriert. Ich weiß nicht, ob es in anderen Teilen der Erde nicht auch entsprechende Festivals gibt, auf die hier nur aus irgendwelchen Gründen verzichtet wurde einzugehen. Dafür fehlt mir einfach der Einblick in das Thema. Es fällt jedoch auf beim Durchblättern. Für wirkliche Kenner und Liebhaber klassischer Musik wird das Buch sicher eine schöne Idee und gute Ergänzung sein; ich kann mir jedoch vorstellen, dass es für jene Personen aber vielleicht wenig Neues und wenig „heiße Tipps“ bietet. Wer sich in der Szene der klassischen Musik auskennt, hat sicher von den meisten Festivitäten und Orten bereits gehört. Dennoch: für andere, die in dieses Thema bisher nur so hineingeschnuppert haben (wie ich), bietet das Buch eine gute und vielfältige Übersicht, Insidertipps und macht neugierig, entsprechende Orte und Auftritte kennenzulernen. Dass dafür ein gewisser zeitlicher und v.a. finanzieller Aufwand nötig ist, liegt in der Natur der Sache.

Samstag, 18. Januar 2020

"Das Earhart Mysterium" - Klaus L. Schulte

Kindle Version, 2011
4,95 Euro


Worum geht´s?
Am 2. Juli 1937 verschwinden die Pilotin Amelia Earhart und ihr Navigator Fred Noonan spurlos irgendwo im Pazifik auf einem der letzten Abschnitte ihrer Weltumrundung. Die offizielle Suche der US Navy, veranlaßt durch Präsident Roosevelt, verschlingt die für damalige Verhältnisse Rekordsumme von vier Millionen Dollar und ist am Ende doch erfolglos. Die Umstände ihres Verschwindens geben bereits 1937 Anlaß zu wilden Spekulationen, etwa Earhart sei in Wirklichkeit mit einem Spionageauftrag unterwegs gewesen und von den Japanern in Gefangenschaft genommen worden. Andere wollen im Radio Earharts Hilferufe von einer fernen Insel aufgefangen haben. Bis heute - mehr als 70 Jahre danach - hat die Suche nicht aufgehört und verschiedene Fraktionen streiten sich über die "wahre" Geschichte von Earhart, Noonan und der verschwundenen Lockheed Electra.



Meine Meinung:
Anfang Januar habe ich mich im "Taschenatlas der abgelegenen Inseln" von Judith Schalansky festgelesen. Dort las ich u.a. von der Howland Insel, einer winzig kleinen Anhäufung von Sand inmitten der unfassbaren Weiten und Tiefen des Pazifischen Ozeans, irgendwo zwischen Papua Neuguinea und Hawaii. Die Howland Insel ist eigentlich nicht sehr viel größer als 2 Quadratkilometer und um sie herum ist Tausende Kilometer in alle Richtungen nichts als Wasser. Tiefes Wasser, um die 6000 Meter tief. Verständlicherweise, auch weil es dort kein Süßwasser gibt, ist sie unbewohnt.
Die Howland Insel hätte wohl nie solch fragwürdige "Berühmtheit" erlangt, wenn sich nicht Amelia Earhart, eine der ersten Pilotinnen weltweit, in den Kopf gesetzt hätte, genau auf dieser Insel Halt zu machen und aufzutanken. 1937 hatte Frau Earhart das ehrgeizige Ziel, als erste Frau allein entlang des Äquators die Erde zu umfliegen. Ein erster Start einige Monate zuvor ging schief und wurde abgebrochen. Ein weiterer Versuch kurz darauf gelang und sollte sie planmäßig am 2. Juli 1937 auf die Howland Insel führen, wo sie landen und mittels eines extra dort stationierten Schiffes ihr kleines Flugzeug auftanken sollte, bevor es weiter über den Pazifik in Richtung Hawaii und dann Kalifornien gehen sollte. Ein hochgestecktes und zugleich unfassbar gefährliches Vorhaben, wenn man bedenkt, welche Möglichkeiten 1937 nur bestanden, um eine unfassbar kleine Insel in einem unfassbar riesigen Ozean zu finden - fliegenderweise in einem zweimotorigen Flugzeug. Geplant war, das Auffinden der Insel und das Landen auf ihr mittels Funkpeilung zwischen Earhart und dem wartenden Schiff zu organisieren.

Ich muss gestehen, ich kannte mich vor dem Lesen (erst des Insel-Taschenatlas´ und dann dieses Buches) nicht wirklich über Amelia Earhart und ihre Lebensgeschichte aus - vor allem aber nicht über die tragischen Umstände ihres Verschwindens. Ich wusste vorher nicht, dass sie bis heute als verschollen gilt, weil sie bei eben jenem oben beschriebenen Flug nicht auf der Howland Insel ankam und bis heute nicht bekannt ist, was aus ihr und ihrem Begleiter, dem Navigator Fred Noonan, geworden ist. Ich war nach der Howland Insel-Anekdote im Taschenatlas neugierig, habe zunächst gegoogelt und bin darauf gestoßen, dass mit ihrem Verschwinden eine Menge an Hypothesen und Vermutungen entstanden sind, bis hin zu den verrücktesten Verschwörungstheorien. So gab es einerseits die naheliegendste und die für viele wahrscheinlichste Variante, dass beide notwassern mussten und über kurz oder lang ertrunken sind, nachdem ihnen der Sprit ausging. Andere vermuten, dass beide Flugzeug-Insassen es auf eine andere Insel geschafft haben könnten und letztlich aber wohl dort gestorben sind - was gestützt wird durch kuriose Funde in den Jahrzehnten nach ihrem Verschwinden. So wurden beispielsweise eine Schuhsohle oder ein Reißverschluss sowie verschiedene Aluminiumstücke und sogar Knochenteile auf einer ebenfalls unbewohnten kleinen Insel etwas entfernt von der Howland Island gefunden. Andere behaupten, Earhart und ihr Begleiter könnten gefangen genommen worden sein. Und noch andere vermuten (natürlich) Außerirdische hinter allem - was sonst?!
So oder so, es gibt viele Vermutungen. Ich bin beim Lesen auf dieses Buch hier gestoßen und habe mich direkt darin festgelesen, weil ich die ganze Story ehrlich gesagt total spannend fand. (Was sicher auch daran lag, dass mir das vorher alles völlig unbekannt war.)
Klaus L. Schulte fängt damit an, Frau Earhart und ihr Leben kurz zu beschreiben, ohne darauf allzu viel Detail zu legen. Das fand ich gut, immerhin ist das hier keine Biografie und es soll um anderes gehen. Es reicht aber, um den Eindruck einer ehrgeizigen Frau zu bekommen, die schon damals wusste, dass Ruhm und Publicity wichtig sind, wenn man erfolgreich sein will. Im Folgenden werden technische Details (z.B. vom Flugzeug) und der Ablauf an bekannten Fakten des Unglückstags 2. Juli 1937 erklärt (immer anhand von Bildern oder Tabellen verdeutlicht), sowie die von mir oben kurz genannten Hypothesen über das Verschwinden ins Spiel gebracht, in Zusammenhang mit Anstrengungen, die in den folgenden Jahrzehnten unternommen wurden, um Earhart/Noonan zu finden. Die verschiedenen, mitunter unglaublich kostspieligen Suchaktionen gehen (in diesem Buch) bis in die 2010er, sind also durchaus als aktuell anzusehen. 
Die möglichen Theorien und Hypothesen über das Verschwinden sind für meinen Geschmack aber ein bisschen zu kurz geraten, hier hätte ich mir viel mehr Details gewünscht. Gerade weil ich vorher schon in einem Wikipedia-Beitrag von der gefundenen Schuhsohle, von verschollenen Skeletten und einer gefundenen Likör-Flasche etc. gelesen hatte, war ich ziemlich enttäuscht, dass genau dieser Teil der gemachten interessanten Funde von Herrn Schulte in seinem Buch ziemlich schnell und ohne jegliche Details abgehakt wurde. Auch die merkwürdige Information, dass Tage nach dem vermeintlichen Absturz einige Personen u.a. in den USA erklärten, sie hätten Earharts Stimme in Funkrufen auf verschiedenen Radiowellen gehört (und davon gab es wohl einige verschiedene, unabhängige Berichte), wird vom Autor völlig kurz gehalten, quasi wie in einem Nebensatz. Das fand ich total schade, denn gerade das hätte mich sehr interessiert und gehört meines Erachtens nach auch detailreich dazu, wenn man sich das Ziel setzt, das "Mysterium" des Earhart´schen Verschwindens in seinem Buch zu besprechen. Dann muss man auch bereit sein, verschiedene Ansätze und Hypothesen darzustellen, so unwahrscheinlich manche auch sein mögen. Herr Schulte ist meiner Meinung nach zu sehr von der einfachen "Sie mussten notwassern und sind bald ertrunken"-Hypothese überzeugt, dass er anderes dafür ein wenig stiefmütterlich behandelt. So fehlte mir hier einiges an ausführlicher Information bezüglich anderer Hypothesen.
Trotzdem ist das Buch aufschlussreich, um einen groben Überblick zu bekommen. Zumindest im Ansatz werden verschiedene mögliche Ausgänge des Dramas besprochen. Dabei gibt der Autor kritische Anmerkungen dazu, welche Voraussetzungen und Wahrscheinlichkeiten vorliegen müssten, damit man von dieser oder jener Annahme ausgehen kann. Geradezu gewagt, aber trotzdem sehr aufschlussreich und interessant fand ich das Kapitel, in dem der Autor die letzten Stunden von Earhart und Noonan fiktiv wie in einem Roman aufbereitet, mit ihren Gedankengängen und allem (natürlich rein spekulativ!) - und dabei zugleich die ganzen technischen Details, die in den Kapiteln vorher geliefert wurden (technische Details zum Flugzeug, die Auflistung der Funksprüche etc.), in ein passendes verständliches und nachvollziehbares Ganzes verpackt, das zumindest mir richtig Gänsehaut beschert hat. Mich hat das wirklich einige Zeit gedanklich sehr beschäftigt.
Am Ende des Buches gibt es einige Info-Materialien und weiterführende Quellen, sowie eine Besprechung des Autors zu einer Verfilmung des Dramas mit Hilary Swank und Richard Gere. (Wusste gar nicht, dass es den Film gibt.)
Was letztlich leider noch etwas negativ auffällt im Buch sind diverse orthografische und grammatikalische Fehler. Viele fehlende Kommas, immer mal "das" mit "dass" vertauscht, andere Rechtschreibfehler. Das kann mal passieren, aber hier waren einige solcher Patzer zu finden, was vermuten lässt, dass da ein abschließendes Lektorat/ Korrekturlesen gefehlt hat. Ich weiß aber auch nicht, ob dies nur in der Kindle-Version der Fall ist, die ich hatte. Das Buch ist auch gedruckt erhältlich.

Als Fazit kann ich sagen, dass ich den Ansatz und den Infogehalt des Buches äußerst spannend, interessant und vor allem auch gut aufbereitet fand. Mich hat das ganze Thema einfach total interessiert und wenn man sich da erste Eindrücke verschaffen will, eignet sich das Buch definitiv. Leider fehlt es meiner Meinung nach aber an vertieften Informationen bezüglich der verschiedenen Hypothesen, auch insbesondere bezogen auf die kuriosen Funde auf benachbarten Inseln in den Jahren nach dem Verschwinden. Da hätte ich mir mehr gewünscht. Dazu kommen die Rechtschreibfehler, die zwar immer mal stören, das interessierte Lesen aber letztlich natürlich nicht mindern.



Samstag, 11. Januar 2020

"Taschenatlas der abgelegenen Inseln" - Judith Schalansky

Fischer Taschenbuch (mare), 2011
als Taschenbuch nur noch gebraucht oder als Restexemplar erhältlich
ursprünglich 14,99 Euro


Worum geht´s?
Mit diesem Atlas entführt uns Judith Schalansky zu 50 entlegenen Orten – von Tristan da Cunha bis zum Clipperton-Atoll, von der Weihnachts- bis zur Osterinsel – und erzählt absurd-abgründige Geschichten, wie sie nur die Wirklichkeit sich auszudenken vermag. Es sind Geschichten von freiwilligen und unfreiwilligen Robinsons, die beweisen, dass die abenteuerlichsten Reisen immer noch im Kopf stattfinden: mit dem Finger auf der Landkarte.


Meine Meinung:
Beim Stöbern im Buchladen neulich hielt ich plötzlich dieses Buch in der Hand. Der Titel machte mich neugierig (das grelle Orange des Covers dagegen eher nicht), vor allem aber war es der Untertitel, der mich dann darin blättern ließ: "Fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde". Oha, dachte ich - was sind das für Inseln, die sie gleich so kategorisch für sich ausschließt?
Ich nahm das Taschenbuch mit nach Hause, schnupperte gleich am Neujahrstag hinein und las mich direkt darin fest. Frau Schalansky beginnt mit einem Vorwort, das ein bisschen erklären soll, wie sie auf die Idee kam, sich überhaupt mit abgelegenen Inseln zu beschäftigen. Das Vorwort lässt keinen Zweifel daran, wie sehr die Autorin schon von Kindesbeinen an Globen und Atlanten liebte; verliert sich meines Erachtens nach aber ein bisschen in einer sehr aufgesetzen und hochgestochenen Erzählweise und Wortwahl. Manchmal musste ich Sätze mehrfach lesen, weil ich einfach überhaupt nicht verstanden habe, was sie mir damit sagen wollte. 
Die Vorstellung der einzelnen Inseln erfolgt dann eingeteilt nach den Ozeanen, in denen man sie findet. Eine kleine Übersichtskarte zeigt zunächst alle Inseln an, die dann im Folgenden recht willkürlich herausgepickt und vorgestellt werden. Das hat mich nicht weiter gestört, ich habe mich aber schon gefragt, ob es ein System gibt, nach dem die Inseln vorgestellt werden. Es wird munter zwischen Nord und Süd, Osten und Westen, warmem und kalten Wasser, bewohnter und unbewohnter Insel hin- und her gesprungen. Wie gesagt, gestört hat mich das nicht, denn das hielt zugleich den Überraschungsfaktor recht hoch, was mich wohl auf der nächsten Seite erwarten würde.
Und das sind eigentlich stets sehr interessante Ausführungen über die jeweilige Insel. Zunächst werden ein paar allgemeine Infos gegeben wie GPS-Daten, exemplarische Entfernungen zu anderen Orten, den Namen der Insel in anderen Sprachen, eine Info über die Anzahl der Bewohner auf der Insel sowie einen kleinen Zeitstrahl, anhand dessen man nachverfolgen kann, wann die Insel überhaupt erstmalig irgendwo erwähnt wurde und wie es (in groben Zügen) mit ihr weiterging. 
Von diesen (mitunter sehr wenigen) historisch belegten und in den Archiven protokollierten "Meilensteinen" einer Insel pickt sich Frau Schalansky dann einen Moment heraus und stellt diesen auf 2 Seiten vor. Das klingt nicht nach viel (ist es meistens auch nicht), reicht aber zumindest aus, um einen kuriosen Eindruck eines Zeitmoments dieser vergessenen Insel zu erhaschen. Oder zu verstehen, warum manche Inseln so heißen, wie sie heißen - "Einsamkeit", "Amsterdam", "Süd-Thule" oder "Täuschungsinsel". Manchmal wird es dabei lustig, manchmal mysteriös, manchmal auch schrecklich brutal und makaber. Letzteres v.a. dann, wenn man liest, wie der Mensch sich jedes Mal bemüßigt sieht, sich austoben und überall seine Spuren hinterlassen zu müssen; jeder noch so kleinen abgelegenen Insel seinen Stempel aufzudrücken, ohne Rücksicht auf Verluste und ohne Rücksicht auf das, was schon Tausende von Jahren unberührt vor ihm da war. Das kleine Büchlein gibt einem damit unweigerlich auch viel zum Nachdenken. Und zum Weiterlesen-wollen und auch Weiterlesen-müssen, wenn es einen wirklich interessiert, was hinter einer bestimmten Insel steckt. Denn dafür gibt Frau Schalansky letztlich doch zu wenig an Informationen preis; sicherlich einer der Hauptkritikpunkte, die man an dem Buch finden kann (zumindest für die recht teure gebundene Ausgabe dieses Buches für 34 Euro). 
Ich fand die vorgestellten kurzen Episoden von mindestens 3 Inseln jedoch so interessant, dass ich mir nun wohl oder übel weitere Literatur darüber zusammensuchen muss. Und werde. Ein super Buch, das neugierig auf die Welt da draußen macht und unweigerlich Fernweh fördert.

Sonntag, 5. Januar 2020

Lesevorhaben 2020

Tja. Vielleicht liegt es an diesem fast schnapszahligem Datum (möchte nicht wissen, wieviele Pärchen diese Jahreszahl für irgendwelche kuriosen Verlobungs- und Heiratstage nutzen; ich meine, der 02.02.2020 oder der 10.10.2020 sind ja gerade prädestiniert dafür, um an ihnen zu heiraten - zumindest bei solchen Leuten, die da echt drauf stehen, mir persönlich wär das ja völlig wurscht...) - aber ... jetzt bin ich herrlich vom Thema abgekommen...
- Also jedenfalls: Irgendwie scheint 2020 (zumindest in den Anfangstagen) bei mir unter einem guten Lesestern zu stehen, denn so motiviert und ambitioniert, was Leseaufgaben und -aktionen betrifft, war ich schon seit Jahren nicht mehr. Tatsächlich stecke ich in 4 (in Worten: vier) verschiedenen Leseaktionen drin, was für mich geradezu an Rekord grenzt. 
Ich hab es ja nicht so mit Challenges, wisst ihr ja. Um allzu strenge Regeln mache ich einen Bogen, wenn´s ums Lesen geht, denn Lesen möchte ich mir nicht vorschreiben und reglementieren lassen. Dafür ist mir das viel zu wichtig und ein zu großer Bestandteil in meinem (Freizeit-)Leben. Da entscheidet mein Bauch oder meine Augen, wenn sie an einem bestimmten Cover hängen bleiben, welches Buch als nächstes dran ist.
Trotzdem habe ich für 2020 vier verschiedene Leseaktionen mehr oder weniger ins Leben gerufen bzw. nehme daran teil.

Zum einen gibt es erneut das Lesebingo auf meinem Blog. Zuerst sah es so aus, als würde es nicht stattfinden, jetzt ist aber doch alles geregelt und unter Dach und Fach. Ein paar der Mitstreiter*innen der letzten Jahre sind auch dieses Mal wieder dabei, was mich außerordentlich freut. Aber auch jeder andere kann sehr gern mitmachen! Alle Infos und das Lesebingo selbst gibt es HIER zu sehen.

Dann habe ich leider erst recht spät im letzten Jahr eine kleine Aktion ins Leben gerufen, bei der es darum geht, die Lieblingsbücher der Anderen kennenzulernen. Auch hier gibt es nicht viele, eigentlich gar keine Regeln. Es geht eher darum, eine Art Plattform zu bieten, auf der die Lieblingsbücher der anderen Blogger oder auch nur Mitleser (Blog zu haben ist keine Pflicht!) aufgelistet sind, damit man sich aus der kleinen Liste nach Herzenslust und Interesse diejenigen aussuchen kann, die man selbst gern mal lesen und kennenlernen möchte. Bisher ist die Teilnehmerzahl überschaubar, Interessierte können sehr gern mitmachen! Vielleicht entdeckt man dadurch ja richtige Schätze, denn den Status Lieblingsbuch erhält ja schließlich nicht jedes gelesene Buch. Alle Infos HIER

Konstanze hat auf ihrem Blog die Sachbuch-Challenge für 2020 ausgerufen. Ich bin ja eigentlich durchweg Belletristik-Leserin, die Anzahl der gelesenen Sachbücher pro Jahr betrug bei mir in den letzten Jahren so ungefähr 1. Oder mal 2. Also eher sehr wenig. Aber ich besitze durchaus einige Sachbücher, und eben auch ziemlich interessante (finde ich zumindest). Nicht umsonst habe ich mir die ja mal irgendwann gekauft oder gewünscht. Aber gelesen habe ich sie bisher eben nie. 2020 soll das mal anders werden; ich möchte gern mehr meiner Sachbücher lesen. Konstanze gibt eine Anzahl von 8 vor, was für mich recht sportlich ist. Aber ich stresse mich da nicht; selbst wenn es nur 3 oder 4 gelesene Sachbücher bei mir werden, ist das besser als nichts, und der Vorsatz zählt. Meine Motivation ist zumindest schon einmal gut da - ich habe direkt gestern mein erstes Sachbuch ausgelesen... :)

Und dann habe ich mir für die (bei Instagram und Co. auftretende) Aktion #20für2020 noch 20 Bücher herausgesucht, die ich 2020 gern lesen möchte. Ich habe dabei ausschließlich ungelesene Bücher aus meinen Regalen herausgezogen, weil ich so hoffe, einige dieser vielen Ungelesenen endlich zu Gelesenen zu machen. Ich neige ja zu Neukäufen und verliere dadurch nach und nach das Interesse an Büchern, die teilweise schon mehrere Jahre bei mir sind und mitunter sogar noch in Folie eingeschweißt vor sich hin warten. 2019 (#19für2019) war ich bei dieser Aktion nicht allzu erfolgreich, zugegeben, da sind es nur 4,5 Bücher von 19 geworden. Aber ich schaue mal, wie dieses Jahr läuft. Alle Infos und meine 20 Bücher sind HIER zu sehen.

Darüber hinaus habe ich gemerkt, dass ich viel mehr Lust habe, ein bestimmtes Buch zu lesen, wenn ich es irgendwo bei mir liegen lasse, immer schön sichtbar für mich, und eben nicht halb versteckt irgendwo im Regal (meine Regale sind eine Katastrophe). Ich habe das schon ein paar Mal bemerkt und ganz besonders jetzt Ende 2019, als ich die 20 Bücher für #20für2020 rausgekramt habe. Ich hatte die erstmal 1 Tag liegen, habe sie dann gestapelt, fotografiert und dann war ich auch noch faul und habe sie noch 2 Tage mehr oder weniger liegen lassen, bevor ich sie wieder weggeräumt habe. Und plötzlich, als die da so vor mir lagen, hat es mir richtig in den Händen gekribbelt; da hätte ich direkt in 3 oder 4 verschiedene am liebsten reingelesen. Auf einmal war mein Interesse, diese kennenzulernen, geradezu immens. Allerdings hatte ich halt gerade etwas anderes gelesen und wollte nicht noch ein weiteres anfangen. Aber kaum dass ich die Bücher wieder in die Regale einsortiert hatte, war dieses Bedürfnis weg, plötzlich hatte ich keine Lust mehr drauf, diese zu lesen. Schon komisch, vermutlich auch wieder irgend so ein psychologischer Effekt, den ich wohl eigentlich kennen müsste, dessen Name mir aber mal wieder nicht einfällt. 
Daraus ergibt sich für mich: Im Laufe des Jahres werde ich mir immer mal geschickt ein paar der geplanten Bücher aus den Regalen herausziehen und irgendwo platzieren, wo ich sie gut sehen kann. Auf dem Schreibtisch, auf dem Nachttisch, auf dem Sofa. Bei mir liegen sowieso immer irgendwo Bücher herum, also werde ich da mal gezielt ein bisschen nachhelfen, um das Interesse an ungelesenen Büchern bei mir zu entfachen :D

So. Und ansonsten ist mein größtes Lesevorhaben: Einfach lesen. Wann ich will, was ich will, wo ich will. Und wenn ich mal nicht will, dann eben nicht. 

Was habt ihr denn für 2020 lesetechnisch so vor? Nehmt ihr an Challenges o.ä. teil?


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