Samstag, 11. Januar 2020

"Taschenatlas der abgelegenen Inseln" - Judith Schalansky

Fischer Taschenbuch (mare), 2011
als Taschenbuch nur noch gebraucht oder als Restexemplar erhältlich
ursprünglich 14,99 Euro


Worum geht´s?
Mit diesem Atlas entführt uns Judith Schalansky zu 50 entlegenen Orten – von Tristan da Cunha bis zum Clipperton-Atoll, von der Weihnachts- bis zur Osterinsel – und erzählt absurd-abgründige Geschichten, wie sie nur die Wirklichkeit sich auszudenken vermag. Es sind Geschichten von freiwilligen und unfreiwilligen Robinsons, die beweisen, dass die abenteuerlichsten Reisen immer noch im Kopf stattfinden: mit dem Finger auf der Landkarte.


Meine Meinung:
Beim Stöbern im Buchladen neulich hielt ich plötzlich dieses Buch in der Hand. Der Titel machte mich neugierig (das grelle Orange des Covers dagegen eher nicht), vor allem aber war es der Untertitel, der mich dann darin blättern ließ: "Fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde". Oha, dachte ich - was sind das für Inseln, die sie gleich so kategorisch für sich ausschließt?
Ich nahm das Taschenbuch mit nach Hause, schnupperte gleich am Neujahrstag hinein und las mich direkt darin fest. Frau Schalansky beginnt mit einem Vorwort, das ein bisschen erklären soll, wie sie auf die Idee kam, sich überhaupt mit abgelegenen Inseln zu beschäftigen. Das Vorwort lässt keinen Zweifel daran, wie sehr die Autorin schon von Kindesbeinen an Globen und Atlanten liebte; verliert sich meines Erachtens nach aber ein bisschen in einer sehr aufgesetzen und hochgestochenen Erzählweise und Wortwahl. Manchmal musste ich Sätze mehrfach lesen, weil ich einfach überhaupt nicht verstanden habe, was sie mir damit sagen wollte. 
Die Vorstellung der einzelnen Inseln erfolgt dann eingeteilt nach den Ozeanen, in denen man sie findet. Eine kleine Übersichtskarte zeigt zunächst alle Inseln an, die dann im Folgenden recht willkürlich herausgepickt und vorgestellt werden. Das hat mich nicht weiter gestört, ich habe mich aber schon gefragt, ob es ein System gibt, nach dem die Inseln vorgestellt werden. Es wird munter zwischen Nord und Süd, Osten und Westen, warmem und kalten Wasser, bewohnter und unbewohnter Insel hin- und her gesprungen. Wie gesagt, gestört hat mich das nicht, denn das hielt zugleich den Überraschungsfaktor recht hoch, was mich wohl auf der nächsten Seite erwarten würde.
Und das sind eigentlich stets sehr interessante Ausführungen über die jeweilige Insel. Zunächst werden ein paar allgemeine Infos gegeben wie GPS-Daten, exemplarische Entfernungen zu anderen Orten, den Namen der Insel in anderen Sprachen, eine Info über die Anzahl der Bewohner auf der Insel sowie einen kleinen Zeitstrahl, anhand dessen man nachverfolgen kann, wann die Insel überhaupt erstmalig irgendwo erwähnt wurde und wie es (in groben Zügen) mit ihr weiterging. 
Von diesen (mitunter sehr wenigen) historisch belegten und in den Archiven protokollierten "Meilensteinen" einer Insel pickt sich Frau Schalansky dann einen Moment heraus und stellt diesen auf 2 Seiten vor. Das klingt nicht nach viel (ist es meistens auch nicht), reicht aber zumindest aus, um einen kuriosen Eindruck eines Zeitmoments dieser vergessenen Insel zu erhaschen. Oder zu verstehen, warum manche Inseln so heißen, wie sie heißen - "Einsamkeit", "Amsterdam", "Süd-Thule" oder "Täuschungsinsel". Manchmal wird es dabei lustig, manchmal mysteriös, manchmal auch schrecklich brutal und makaber. Letzteres v.a. dann, wenn man liest, wie der Mensch sich jedes Mal bemüßigt sieht, sich austoben und überall seine Spuren hinterlassen zu müssen; jeder noch so kleinen abgelegenen Insel seinen Stempel aufzudrücken, ohne Rücksicht auf Verluste und ohne Rücksicht auf das, was schon Tausende von Jahren unberührt vor ihm da war. Das kleine Büchlein gibt einem damit unweigerlich auch viel zum Nachdenken. Und zum Weiterlesen-wollen und auch Weiterlesen-müssen, wenn es einen wirklich interessiert, was hinter einer bestimmten Insel steckt. Denn dafür gibt Frau Schalansky letztlich doch zu wenig an Informationen preis; sicherlich einer der Hauptkritikpunkte, die man an dem Buch finden kann (zumindest für die recht teure gebundene Ausgabe dieses Buches für 34 Euro). 
Ich fand die vorgestellten kurzen Episoden von mindestens 3 Inseln jedoch so interessant, dass ich mir nun wohl oder übel weitere Literatur darüber zusammensuchen muss. Und werde. Ein super Buch, das neugierig auf die Welt da draußen macht und unweigerlich Fernweh fördert.

2 Kommentare:

  1. Ich mag dieses Buch ja auch total gern und stimme dir zu, dass es sich vor allem um "Teaser" handelt. Nach der Lektüre habe ich mich auch erst mal über ganz viele Inseln weiter informiert.
    Das Hardcover ist echt teuer, aber von der Gestaltung her wirklich schön. In der Hinsicht kann der Taschenatlas nicht ganz mithalten, finde ich, aber inhaltlich ändert das natürlich nichts.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das stimmt, äußerlich macht das Taschenbuch deutlich weniger her. Und dann hat der Preis für das gebundene Buch natürlich ein stückweit auch seine Berechtigung. Aber letztlich ging es mir eher um den Inhalt und den hat man natürlich auch im Taschenbuch genauso toll. :)

      Löschen

Für die erforderliche Zuordnung des Kommentars werden personenbezogene Daten gespeichert (z.B. Name, E-Mail und IP-Adresse). Durch das Absenden des Kommentars erklären Sie sich damit einverstanden. Weitere Informationen dazu erhalten Sie in der Datenschutzerklärung des Blogs sowie in der Datenschutzerklärung von Google.

Powered by Blogger.

© i am bookish, AllRightsReserved.

Designed by ScreenWritersArena