Verlag Langen-Müller, 2017
16,99 Euro
Handlung:
Als Hauke seinen Großvater zum letzten Mal im Krankenhaus besucht, offenbart ihm dieser ein dunkles Kapitel seiner Vergangenheit: Im Zweiten Weltkrieg war er in den Niederlanden stationiert und unter anderem für die Registrierung der verhafteten Juden und die Beschlagnahmung der Fahrräder verantwortlich. In die Trauer um seinen Opa mischt sich schnell auch der Gedanke an Wiedergutmachung: Hauke startet mit seinen Freunden Safi und Lars die Aktion „Gebt den Holländern ihre Fahrräder zurück“. Der Fahrradtour nach Holland schließen sich immer mehr Teilnehmer an – und so entsteht ein rasanter Roadtrip mit ungewöhnlichen Begegnungen.
Meine Meinung:
"Fahrräder für Utrecht" lag schon eine ganze Weile bei mir herum, obwohl ich es als Rezensionsexemplar erhalten hatte. Irgendwie hat es mich bisher nicht zu dieser Geschichte gezogen, muss ich zugeben. Jetzt habe ich sie aber doch mal gelesen und sitze nun mit gemischten Gefühlen da, weil ich diese Erzählung irgendwie nicht richtig einschätzen kann. Sie behandelt ohne Frage ein wichtiges Thema, oder vielmehr nur ein kleines schreckliches Detail einer viel größeren historischen Tragödie. Insofern ist das Thema von Beginn an schwierig und kann in seiner Behandlung auch sehr daneben gehen. Die Grundidee, die Herr Baier hier verfolgt, finde ich eigentlich sehr schön, auch deswegen wollte ich das Buch lesen: die Fahrräder symbolisch in die Niederlande zurückbringen, die damals unrechtmäßig entwendet wurden. Es finden sich einige Leute, die dieses Vorhaben gern begleiten und mitfahren - zumindest bis zu dem Punkt, wo es dann ernst wird, als es nämlich wirklich um die "Übergabe" geht.
So gelungen ich die Idee an sich finde, hat sich bei mir irgendwie kein richtiges "Ankommen im Roman" eingestellt, wie ich es bei anderen Büchern oftmals (und bestenfalls) erlebe. Zum einen bin ich mit Hauke und seinen direkten Freunden einfach nicht warm geworden. Haukes Erzählstil fand ich zuweilen holprig, ausschweifend, zu jugendlich und naiv gehalten für einen 40-Jährigen. Das hat einfach nicht immer gepasst. Wäre Hauke jünger gewesen, um die 20, und hätte sich besten Wissens und Gewissens in diese Aktion begeben - ich hätte sie ihm mehr abgekauft. Denn so habe ich beim Lesen tatsächlich mehrfach vergessen, dass es sich hier um erwachsene Menschen handelt, die doch eigentlich selbst Lebenspläne haben sollten, anstatt sich so plan- und ahnungslos in ein vermeintliches Abenteuer zu begeben.
Insgesamt erschien mir die Geschichte dann auch etwas zu langatmig und zu lang geraten, teilweise auch zu Dialog-lastig, zumal viele Unterhaltungen einfach überflüssig und mit Vorurteilen gespickt waren. So handelt es sich bei "Fahrräder für Utrecht" in meinen Augen um eine gute, nachdenklich stimmende Idee, die aber in ihrer Ausführung zu sehr wackelt.



