Mittwoch, 21. November 2018

"Fahrräder für Utrecht" - Jochen Baier

Verlag Langen-Müller, 2017
16,99 Euro


Handlung:
Als Hauke seinen Großvater zum letzten Mal im Krankenhaus besucht, offenbart ihm dieser ein dunkles Kapitel seiner Vergangenheit: Im Zweiten Weltkrieg war er in den Niederlanden stationiert und unter anderem für die Registrierung der verhafteten Juden und die Beschlagnahmung der Fahrräder verantwortlich. In die Trauer um seinen Opa mischt sich schnell auch der Gedanke an Wiedergutmachung: Hauke startet mit seinen Freunden Safi und Lars die Aktion „Gebt den Holländern ihre Fahrräder zurück“. Der Fahrradtour nach Holland schließen sich immer mehr Teilnehmer an – und so entsteht ein rasanter Roadtrip mit ungewöhnlichen Begegnungen. 


Meine Meinung:
"Fahrräder für Utrecht" lag schon eine ganze Weile bei mir herum, obwohl ich es als Rezensionsexemplar erhalten hatte. Irgendwie hat es mich bisher nicht zu dieser Geschichte gezogen, muss ich zugeben. Jetzt habe ich sie aber doch mal gelesen und sitze nun mit gemischten Gefühlen da, weil ich diese Erzählung irgendwie nicht richtig einschätzen kann. Sie behandelt ohne Frage ein wichtiges Thema, oder vielmehr nur ein kleines schreckliches Detail einer viel größeren historischen Tragödie. Insofern ist das Thema von Beginn an schwierig und kann in seiner Behandlung auch sehr daneben gehen. Die Grundidee, die Herr Baier hier verfolgt, finde ich eigentlich sehr schön, auch deswegen wollte ich das Buch lesen: die Fahrräder symbolisch in die Niederlande zurückbringen, die damals unrechtmäßig entwendet wurden. Es finden sich einige Leute, die dieses Vorhaben gern begleiten und mitfahren - zumindest bis zu dem Punkt, wo es dann ernst wird, als es nämlich wirklich um die "Übergabe" geht.
So gelungen ich die Idee an sich finde, hat sich bei mir irgendwie kein richtiges "Ankommen im Roman" eingestellt, wie ich es bei anderen Büchern oftmals (und bestenfalls) erlebe. Zum einen bin ich mit Hauke und seinen direkten Freunden einfach nicht warm geworden. Haukes Erzählstil fand ich zuweilen holprig, ausschweifend, zu jugendlich und naiv gehalten für einen 40-Jährigen. Das hat einfach nicht immer gepasst. Wäre Hauke jünger gewesen, um die 20, und hätte sich besten Wissens und Gewissens in diese Aktion begeben - ich hätte sie ihm mehr abgekauft. Denn so habe ich beim Lesen tatsächlich mehrfach vergessen, dass es sich hier um erwachsene Menschen handelt, die doch eigentlich selbst Lebenspläne haben sollten, anstatt sich so plan- und ahnungslos in ein vermeintliches Abenteuer zu begeben. 
Insgesamt erschien mir die Geschichte dann auch etwas zu langatmig und zu lang geraten, teilweise auch zu Dialog-lastig, zumal viele Unterhaltungen einfach überflüssig und mit Vorurteilen gespickt waren. So handelt es sich bei "Fahrräder für Utrecht" in meinen Augen um eine gute, nachdenklich stimmende Idee, die aber in ihrer Ausführung zu sehr wackelt. 


Freitag, 16. November 2018

"Die Tochter des Uhrmachers" - Kate Morton

Diana Verlag, 2018
22,00 Euro


Handlung:

Birchwood Manor 1862: Der talentierte Edward Radcliffe lädt Künstlerfreunde in sein Landhaus am Ufer der Themse ein. Doch der verheißungsvolle Sommer endet in einer Tragödie – eine Frau verschwindet, eine andere stirbt …
Über hundertfünfzig Jahre später entdeckt Elodie Winslow, eine junge Archivarin aus London, die Sepiafotografie einer atemberaubend schönen Frau und die Zeichnung eines Hauses an einer Flussbiegung. Warum kommt Elodie das Haus so bekannt vor? Und wird die faszinierende Frau auf dem Foto ihr Geheimnis jemals preisgeben?




Meine Meinung:
Die Bücher von Kate Morton mag ich meistens ganz gern. Manchmal ist mir danach, von vergessenen Geschichten, Lebensläufen oder kuriosen Zusammentreffen, von längst verschollenen oder vergessenen Andenken wie Fotos oder Briefen und von gut gehüteten Familiengeheimnissen zu lesen, die plötzlich - durch Zufall oder Schicksal - aufgedeckt werden. Und genau so etwas findet man bei Kate Morton eigentlich immer, gut verpackt in eine "schmökerige" Geschichte, die den Leser in die Vergangenheit und Gegenwart zugleich mitnimmt.
Bisher hat das immer ganz gut geklappt, wenn ich Frau Mortons Bücher gelesen habe. Und auch "Die Tochter des Uhrmachers" hat mir im Grunde gut gefallen. Das Grundgerüst der Geschichte passt; man liest sowohl von den Geschehnissen im Jahr 1982, als auch von von Elodies Leben im Jahr 2017. Elodie stößt auf eine Fotografie einer jungen Frau und eine Sammelmappe mit Zeichnungen und Skizzen, und wird unweigerlich neugierig, was sie da vor sich hat. Das setzt eine ganze Reihe von Gedanken- und Zeitsprüngen im Buch in Gang, mit vielen auftauchenden Charakteren und Geschichten. Und das ist wohl auch der Punkt, der mir hier in diesem Buch leider nicht ganz so gut gefallen hat. 
Es tauchen viele - viele Figuren auf den über 600 Seiten auf. Und jede hat ihre eigene Lebensgeschichte auf den Leib geschrieben bekommen. Jede hat auf irgendeine Art und Weise etwas mit dem herrschaftlichen Anwesen Birchwood Manor zu tun. Und jedem gibt Kate Morton eine Stimme und Raum zum Entfalten. Das fand ich anfangs nett, irgendwann merkte ich jedoch, wie das Lesen immer zäher und fast mühseliger wurde - vor allem dann, wenn man das Buch doch mal für 1 oder 2 Tage aus der Hand legen musste, (oder dies aufgrund des zähen Lesens sogar ganz gern mal gemacht hat). Mir fiel es dann jedes Mal wieder schwer, die Personen erneut zuzuordnen und mir ins Gedächtnis zu rufen, wer hier jetzt was erlebt hat - und vor allem: auf welcher Zeitebene. 
Und dies zog sich bis zum Ende hin. Ich war schon neugierig, ich wollte bis zum Ende lesen; ich wollte etwas über die beiden Todesfälle erfahren, die in Birchwood Manor geschehen waren und die gleich zu Beginn des Buches erwähnt werden. Die Todesfälle, die offenbar soviel ausgelöst haben in den Leben vieler Personen. Dafür braucht man hier tatsächlich ein wenig Geduld und Lese-Ausdauer, was mir sonst bei den Büchern von Kate Morton nicht so schwer gefallen ist. Man sollte zudem ein wenig offen sein für das Übersinnliche, da Kate Morton hier ganz gern mal das Thema "Geister und Feenreiche" anklingen lässt, und dies auch eine große Rolle in der Erzählung spielt.
Alles in allem ist es eine gelungene Geschichte, die interessant konzipiert und durchaus spannend gemacht ist, dass man gern dranbleiben und mehr erfahren möchte. Die Fülle an Figuren und Zeitebenen fand ich persönlich etwas erschlagend und das Lesen der Geschichte dadurch tatsächlich ein bisschen zäh. 

Ein herzliches Dankeschön an das Bloggerportal!

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