Donnerstag, 9. Juli 2020

"Dein Lächeln um halb acht" - Laura Jane Williams

Droemer Knaur Verlag, 2020
10,95 Euro



Handlung:

Was wäre, wenn du die Liebe deines Lebens jeden Morgen knapp verpasst?

Normalerweise nimmt die Londonerin Nadia die 7:30-U-Bahn – es sei denn, sie verschläft oder übernachtet bei ihrer Freundin Emma oder es kommt eben sonst irgendetwas dazwischen. Schließlich ahnt Nadia nicht, dass Daniel jeden Morgen auf sie wartet, seit er sie in einem mit Kaffee bespritzten Kleid gesehen und sich nicht getraut hat, sie anzusprechen. Dann entdeckt Nadia eines Tages eine Anzeige in der Zeitung: »An die hinreißende Frau mit den Kaffee-Flecken auf dem Kleid: Ich bin der Typ, der immer in der Nähe der Tür steht und darauf hofft, dich wiederzusehen. Lust auf einen Drink?«
Nach einer schweren Enttäuschung glaubt Nadia nicht mehr so recht an die Liebe, trotzdem stimmt sie nach einigem Zögern einem Treffen in einer Bar zu. Doch kurz bevor sie eintrifft, wird Daniel zu einem familiären Notfall gerufen ...




Meine Meinung:
Wer sich beim regelmäßigen Fahren in Zug oder U-oder S-Bahnen vielleicht schon mal ein bisschen in jemanden verguckt hat, der kann die romantische Grundidee dieses Romans sicher ganz gut nachvollziehen.
Es geht um Daniel und Nadia, die fast jeden Morgen die gleiche U-Bahn in der Londoner Innenstadt nehmen, nämlich die um 7:30 Uhr. Um Daniel ist es recht schnell geschehen, als er Nadia erblickt; Nadia dagegen bemerkt nicht, dass a) es ihn gibt und b) er ein Auge auf sie geworfen hat. Da Ansprechen in der U-Bahn einen automatisch als Tourist (oder als Psychopath, wie die Autorin erklärt) outet, bleibt Daniel nur eins: in einer Zeitschrift schaltet er eine Anzeige, um Nadias Aufmerksamkeit zu erlangen. Das klappt auch, irgendwie zumindest, und fortan geschieht eine Situation nach der anderen, in der die beiden sich fast, aber eben nur fast, über den Weg laufen und sich kennenlernen. Ob das Hin und Her irgendwann doch noch zu einem "Hallo" führen wird?
Die Grundidee des Romans mochte ich sehr, die ersten Seiten konnten mich auch gut fangen und machten mich neugierig auf diese hippe Romantikgeschichte. Nur... war sie mir vielleicht einfach ein bisschen zu "hip". Ein bisschen zu "modern". Ich weiß nicht, der Funke dieser Geschichte wollte bei mir einfach nicht überspringen. Zum einen ist die Geschichte von Daniel und Nadia so im Heute verankert, dass einfach nichts ohne Social Media geht. Wer nichts mit Instagram, Twitter (und das sind ja noch die bekannteren), Tinder oder Hinge anfangen kann, der wird auch bei dieser Story hier irgendwann auf der Strecke bleiben. Alles muss geteilt, mitgeteilt, bewertet werden. Das mag zwar (leider) realistisch heute sein, aber es hilft nicht, ein echtes, realistisches Bild von beiden Hauptfiguren zu zeichnen. Wer sind sie, was mögen sie, was wollen sie? 
Dazu sind Nadia und Daniel eben typische junge Londoner, deren Tag gefühlt nur aus Arbeit und einem Feierabend-Absacker danach besteht. Nur geht hier eben absolut nichts ohne Alkohol, könnte man glatt das Gefühl kriegen. Dem Trinken wird in der Story sehr zugesprochen, und so ging es in einigen Kapiteln einfach nur um Geplänkel unter Freunden in verschiedenen Bars - selbst unter der Woche an einem Werktag. Wenn sich Nadia schon am Montagabend so volllaufen lässt, dass sie total betrunken nach Hause kommt und am nächsten Morgen heillos verschläft, dann weckt das nicht unbedingt meine romantischen "Chick-Lit" Sympathien, sondern eher ein befremdliches Gefühl. Auch auf schöne London-Impressionen hatte ich gehofft, diese hier aber leider kaum gefunden. 
Darüber hinaus fand ich schade, dass einfach zu wenig Gefühl in der ganzen Geschichte eingebaut war, zumindest zu wenig für eine Liebesgeschichte. Das leichte Verknalltsein nahm ich Daniel gerade noch ab, diese Schwärmerei, die er für Nadia entwickelt, wenn er sie morgens in der Bahn sieht. Aber zugleich war Nadia mir so ein fremder, ungreifbarer Charakter mit so wenig eigener Persönlichkeit, dass ich romantische Gefühle hier absolut nicht empfangen und auch nicht nachvollziehen konnte. Zwischen den beiden knistert es einfach nicht genug, was auch daran liegt, dass zwar viel passiert, aber eben nur oberflächlich. Die Wege der beiden kreuzen sich mehrfach zufällig, ohne dass beide das merken; aber es passiert de facto nichts zwischen beiden und das wiederum hat eine dahinplätschernde Wirkung, ohne in die Tiefe zu gehen.
Wahrscheinlich habe ich ein bisschen mehr erwartet von dieser Story, die in ihrer Grundidee sehr nett ist, deren moderne, hippe, schnelllebige Umsetzung mir aber einfach zu oberflächlich und zu wenig gefühlsbetont erscheint.

Dankeschön an den Droemer Knaur Verlag!

Dienstag, 7. Juli 2020

Das #dickebüchercamp 2020

2018 hatte Marina (alias @nordbreze) auf Instagram die Idee, im Sommer bevorzugt dicke Bücher zu lesen, also Bücher mit mehr als 500 Seiten. 2019 folgte die Fortsetzung und auch in diesem Jahr heißt es wieder #dickebüchercamp - los geht´s.
Ich habe 2018 und 2019 doch recht erfolgreich daran teilgenommen - "erfolgreich" in dem Sinne, dass ich mich in den Monaten Juli und August tatsächlich etwas mehr manchen dickeren Büchern in meinen Regalen gewidmet habe. Bei der Aktion auf Instagram geht´s letztlich um nichts, es gibt keine Gewinner oder Verlierer (selbst wenn man dann die ganzen zwei Monate seine dicken Bücher doch nicht ansieht). Das ist eher eine Aktion für sich selbst. Und ich find sie gut, das dritte Jahr in Folge, und mache deswegen auch wieder mit.

2020 habe ich mir diese Bücher hier rausgesucht:
- "Die Gestirne" von Eleanor Catton 
- "Zeit der Schwalben" von Nikola Scott
(beide Bücher stehen ohnehin auf meiner #20für2020 Liste (HIER))
- "Im Sturm der Echos" von Christelle Dabos - den dritten Teil der Reihe habe ich gerade eben durch, jetzt geht´s ins Finale!
- und "Wenn die Dunkelheit endet" von Constance Sayers, das ich als erstes begonnen habe. Mittlerweile bin ich etwa bei der Hälfte und bin noch ziemlich hin und her gerissen. Ich will unbedingt wissen, wie das alles weitergeht, aber hier und da gibt´s in der Story auch kleinere Längen, finde ich. Ich lese natürlich trotzdem weiter. 





Sonntag, 28. Juni 2020

"Mord in Sunset Hall" - Leonie Swann

Goldmann Verlag, 2020
20,00 Euro

HIER geht´s zum Buch (Verlagsseite)


Handlung:
Eigentlich hat Agnes Sharp mit der Hüfte, dem Treppenlift und den Bewohnern ihrer umtriebigen Senioren-WG genug zu tun. Und dann ist da auch noch die Tote im Schuppen. Und die Tote im Nachbarsgarten. Ganz klar: das englische Idyll trügt, und ein perfider Mörder hat es auf alte Damen abgesehen! Kurzentschlossen machen sich die streitbaren Senioren samt Schildkröte auf Mörderjagd – eine Suche, die sie nicht nur auf das trügerische Parkett des örtlichen Kaffeetreffs führt, sondern auch in den dubiosen Lindenhof und schließlich tief in die eigene Vergangenheit. Denn auch Agnes und ihre Mitbewohner haben das eine oder andere Geheimnis zu hüten …


Meine Meinung:
Ein Geständnis: Ich habe die Schafs-Krimis, mit denen Leonie Swann doch recht bekannt geworden ist, nie gelesen. Das hat sich irgendwie nie ergeben. Dafür kenne ich aber ihren Floh-Roman "Dunkelsprung" über einen sehr lebendigen Floh-Zirkus, und der hat mir gut gefallen. Jetzt habe ich in ihrem neuesten Buch erneut Bekanntschaft mit ihrer außergewöhnlichen, sehr tierlieben Fantasie machen können.
Wer gern Krimis liest und das auch eher aus der "Cosy Crime" Ecke (also eher ruhig-gemütlich ohne allzu viel Blut), der ist mit "Mord in Sunset Hall" absolut richtig beraten. Hier gibt es gleich mehrere (nicht mehr ganz junge) Hobby-Ermittler, die unfreiwillig in eine Mordserie in ihrem beschaulichen Dorf Duck End hineingezogen werden, weil in ihrer unmittelbaren Umgebung plötzlich nicht nur eine, zwei, sondern gleich drei Damen ums Leben kommen. 
"Sunset Hall" ist eine Senioren-WG mit mehreren rüstigen, mehr oder weniger mental jung gebliebenen Bewohnern, die alle ihren eigenen Zipperlein und Päckchen zu tragen haben. Über manche erfährt man mehr, über andere weniger, das ist aber einfach der Story geschuldet. Agnes als Hauptfigur lernt man als Leser recht gut kennen; unweigerlich leidet man auch ein kleines Bisschen mit, wenn wieder mal ihre Hüfte nicht so will wie sie. Agnes arbeitete früher offenbar bei der Kriminalpolizei und so liegt es nahe, dass ihre ermittlerischen Sinne erwachen, als plötzlich mehrere Morde gleich bei ihr um die Ecke geschehen. Schneller als sie denkt, gilt sie (nicht nur wegen der alten berufsbedingten Neugier) plötzlich selbst als Täterin, sondern gerät sie auch selbst ins Visier des Täters. Fortan macht sich Agnes auf die Suche nach der Wahrheit, die - so hat es den Anschein - sehr mit ihrer eigenen Vergangenheit verwoben ist. Begleitet wird sie nicht nur von ihren Mitbewohnern (einer schrulliger und zugleich liebenswürdiger als der andere), sondern auch auch von Schildkröte Hettie und Hund Brexit. Tiere haben in den Büchern von Leonie Swann ja stets eine ganz besondere Bedeutung. Auch hier kommt den Tieren wieder eine tragende Rolle zu, denn manche Kapitel sind gar aus Hetties Sicht geschrieben. 
Insgesamt überzeugt die Story von "Mord in Sunset Hall" nicht nur durch die durchweg sympathischen und herzlichen Charaktere und Bewohner der WG, sondern vor allem durch viele Wendungen, Ideen und Einfälle. Durch viele Abbiegungen der Handlung und Twists bleibt die Geschichte stetig flott am Laufen, dazu tragen auch die diversen Perspektivwechsel vorteilhaft bei, die mir sehr gefallen haben. Allerdings - mein einziger Kritikpunkt am Buch - wurde es mir im Mittelteil irgendwie ein bisschen zu zäh und zu lang. Durch die ständigen Wechsel und Gedankengänge der Personen habe ich den Eindruck bekommen, den Clou der Story längst durchschaut zu haben (tatsächlich kann man es sich irgendwann denken, das macht aber überhaupt nichts), während die Senioren-Bewohner noch hinterher hängen und man als Leser ein bisschen auf sie warten muss. 
Diese Analogie zum realen Leben tut der sehr charmant umgesetzten Story um die Senioren-WG, die über ihren Lebensabend selbst entscheiden und nicht in einem Altenheim untergehen will, keinen Abbruch. Ich habe die flotte Geschichte um Agnes und ihre Mitbewohner sehr gern gelesen und behalte dieses für mich zweite Buch von Leonie Swann in sehr guter Lese-Erinnerung.

Herzlichen Dank an den Goldmann Verlag!


Samstag, 27. Juni 2020

Buchige Post der letzten Wochen

Hallo an diesem viel zu heißen Wochenende *ächz*
Sommer und ich werden keine Freunde mehr, befürchte ich. Ich freue mich jetzt schon unbändig auf Oktober, wenn´s endlich wieder kühl draußen ist. Aktuell macht Lesen zwar absolut Sinn (so ziemlich das einzig sinnvolle, was man tun kann), gleichzeitig macht es aber wenig Spaß, wenn´s überall so warm ist, ob nun drinnen oder draußen.
Trotzdem werde ich am Wochenende genau das tun: Lesen, und in dem Zusammenhang zeige ich euch mal noch schnell meine neuen Bücher, die in den letzten Wochen bei mir ins Haus gekommen sind. 


Darunter sind lang ersehnte Bücher, die schon lange bis zum Erscheinungsdatum auf der Wunschliste standen. So zum Beispiel der vierte und damit letzte Teil der "Spiegelreisende"-Reihe von Christelle Dabos. Aktuell lese ich noch im dritten Teil, freu mich aber schon, wenn es dann mit "Im Sturm der Echos" direkt danach weitergehen kann. Ebenso erwartet habe ich "It was always you" von Nikola Hotel, wie ich HIER schon mal geschrieben habe. 
Gelesen habe ich bereits "Mord in Sunset Hall", das neue Buch von Leonie Swann. Auch in diesem Buch spielen Tiere eine Rolle (das ist in ihren Bücher ja immer so), dieses Mal eine Schildkröte namens Hettie und ein Hund namens Brexit. Das Buch hat mir gut gefallen, in den nächsten Tagen wird es eine kleine Rezension dazu geben.
Dann bin ich meinem eigenen Vorsatz, keine Bücher von Guillaume Musso mehr zu kaufen (weil wegen HIER), untreu geworden und habe mir in der Bahnhofsbuchhandlung neulich kurzerhand "Ein Wort, um dich zu retten" gekauft und mich im Zug dann direkt darin festgelesen. Ich kann erfreut mitteilen, dass dieses Buch eins der besseren von Herrn Musso ist. Nicht so konstruiert und unglaubwürdig (nur ein kleines bisschen, aber das ist in einem Roman ok). Außerdem spielt alles an einem Ort und die Figuren fliegen nicht mal eben innerhalb von wenigen Stunden von Paris nach New York und wieder zurück... Hat sich also gelohnt, dieser Spontankauf.

Sehr gespannt bin ich auf "Verliebt in deine schönsten Seiten" von Emily Henry, sowie "Wenn die Dunkelheit endet" von Constance Sayers. Beide klingen sehr interessant und kommen in den ersten Bewertungen sehr gut weg. 
Schließlich habe ich vom Droemer Knaur Verlag noch "Dein Lächeln um halb acht" von Laura Jane Williams bekommen, das direkt mein aktuelles Zugbuch geworden ist. So weit bin ich noch nicht gekommen, aber die Story an sich ist ganz niedlich. Allerdings ist das Buch sehr jugendlich und "up to date" gehalten, sehr auf die aktuelle Zeit, mit Anspielungen auf Twitter und Instagram, mit Anekdoten zu aktuellen Stars und Sternchen, mit "kein Blatt vor den Mund nehmen" - da muss man schon selbst "up to date" sein, um richtig mitgehen und die Geschichte auskosten zu können. Kann sein, dass mich das irgendwann im Buch noch ein bisschen stören könnte.

Soweit meine neuen Bücher. Wie immer habe ich kaum Zeit, die alle zeitnah zu lesen. Wie immer habe ich eigentlich noch soviele andere Bücher hier herumliegen, die ich eigentlich schon viel eher lesen wollte. Ihr kennt das ja vielleicht. ;) 

Welches Buch lest ihr denn aktuell?


Powered by Blogger.

© i am bookish, AllRightsReserved.

Designed by ScreenWritersArena