Freitag, 3. März 2023

Freitagsgedanken: Zwischen Vermeer und Prüfung

Guten Morgen, oder - naja, Vormittag wohl eher...

Ich verbringe aktuell viel Zeit am Laptop, aber nicht, um Rezensionen oder Posts zu schreiben, was ich selbst etwas bedauere. Aktuell könnte ich nämlich gut und gern mal zwei, drei Beiträge vorbereiten, auch mal wieder eine Buchrezension schreiben. Aber meistens sitze ich tatsächlich eher aus Pflichtbewusstsein und schlechtem Gewissen am Laptop und kreuze Multiple Choice Fragen oder beantworte freie Textfragen in einer E-Learning Plattform, die Fragen zur Psychotherapie-Prüfung enthält. Eine ganze Menge Fragen. Zu allen möglichen Themenbereichen, zu denen man in den Abschlussprüfungen geprüft werden könnte. Und da die erste dieser Prüfungen in nicht mal mehr 2 Wochen sein wird (aahhhhhh!!!), heißt das für mich: Viele Altfragen und Altklausuren durchgehen und beantworten.

Momentan fühle ich mich ganz gut vorbereitet, wobei mir manche Themengebiete doch echt schwerer fallen. Da ich keine Medizinerin bin, stolpere ich stets ein wenig über solche Fragen, welches Medikament denn welche Nebenwirkungen mit sich bringt. Mein Kopf (eher: meine Seele) weigert sich auch beharrlich, sich die typischen psychoanalytischen Inhalte einzuprägen und z.B. ohne Probleme darlegen zu können, worin der Unterschied zwischen Verdrängung und Widerstand ist. In meinen Augen läuft´s am Ende aufs selbe hinaus. Aber ich merke an solchen Stellen eh immer wieder, dass ich im Herzen halt doch Verhaltenstherapeutin bin und NICHT Psychoanalytikerin. Dieser ganze verschwurbelte Theoriekram mit Freuds Unbewusstem, Über-Ich und Es, Projektion und Übertragung und projektive Identifizierung (what?!?) - das ist mir echt zu weit weg von der Wirklichkeit. Ich weiß, das geht für Laien hier gerade sehr ins Detail, lest einfach drüber, aber es ist nun mal das, was mich gerade sehr inhaltlich beschäftigt - ich muss das halt können. Meine eigenen Abwehrmechanismen laufen allerdings auf Hochtouren, wenn ich mich damit beschäftigen muss. Ich bin halt wirklich eher die Verhaltenstherapeutin und kann mit den psychoanalytischen Inhalten nichts anfangen. (Für die, die gerade nichts verstehen, vielleicht diese Info: In Deutschland gibt es mittlerweile drei zugelassene Psychotherapie-Richtlinienverfahren, nach denen Patienten behandelt werden dürfen: Verhaltenstherapie (c´est moi), Psychoanalytische Verfahren und ganz neu die Systemische Therapie.) Für die Prüfungen muss ich mich in allen Verfahren auskennen.


Wahrscheinlich auch, weil ich eigentlich gerade soviel lernen müsste, neige ich natürlich sehr zum Prokrastinieren. Ich deute das für mich allerdings gern um und sage mir, es ist Entspannung, die ich beim Lernen auch dringend nötig habe, wenn ich mittendrin auch einfach mal ein Stündchen lese. Und das tue ich dann halt auch. Ich habe mich in den letzten Wochen ja noch einmal durch die "Raven Boys" Reihe von Maggie Stiefvater gelesen, weil ich richtig Lust drauf hatte. Mittlerweile bin ich im vierten und letzten Teil angekommen. Nebenbei schmökere ich rein in "Der Kuss der Lüge" von Mary E. Pearson, "Eine Billion Dollar" von Andreas Eschbach und "Florentia" von Noah Martin. Bis vor kurzem habe ich den dritten und letzten Teil der "Inheritance Games" von Jennifer Lynn Barnes gelesen - und muss gestehen, ich bin froh, dass ich durch bin. Hierzu schreibe ich vielleicht wirklich die Tage mal noch einen kurzen Leseeindruck. Ich war gespannt, wie es ausgeht, ja, daher habe ich letztlich alle drei Bände gelesen, aber eigentlich sind mir so ziemlich alle Figuren in den Büchern nur noch auf den Keks gegangen...



Mitte Februar war ich außerdem in Amsterdam und habe mir Kultur und Kunst gegönnt. Vielleicht habt ihr mitbekommen, dass dort im Rijksmuseum von Februar bis Juni eine Ausstellung zum Gesamtwerk von Vermeer, dem niederländischen Maler im 17. Jahrhundert, stattfindet. Es sind nur 37 Werke von ihm überhaupt bekannt und existent, und diese aktuelle Ausstellung hat es geschafft, immerhin 28 dieser Bilder zusammenzutragen und auszustellen. Mittlerweile ist die Ausstellung komplett ausgebucht, für jeden Tag zu jedem möglichen Timeslot - eigentlich echt schräg. Meine Schwester und ich hatten richtig Glück, weil wir Tickets bekommen haben und uns die Ausstellung (und danach noch das restliche Rijksmuseum) angucken konnten. Ich war ziemlich hin und weg, mir haben die Bilder gut gefallen, weil sie wirklich so realistisch wirkten. Auge in Auge mit dem "Mädchen mit dem Perlenohrgehänge" von 1665, das ist schon beeindruckend. Mein Favorit ist allerdings "Briefleserin am offenen Fenster" von 1657, weil in dieser so einfachen Szene dennoch soviele Emotionen enthalten sind, die man spüren kann, wenn man die Briefleserin eine Weile anschaut.

Im Van Gogh Museum waren wir auch - ich bin mit meiner Kunstliebe also voll auf meine Kosten gekommen bei diesem Trip. Sowohl Vermeer als auch Van Gogh sind ja beide sehr jung gestorben und Van Gogh ist noch dazu eine so tragische Gestalt in der Kunstwelt. Gedanklich hat mich das, was ich da alles gesehen und gelesen und gehört habe, einige Tage sehr beschäftigt. Ich habe mir auch aus den Museumsshops reichlich Biografien, Karten und Übersichten mitgenommen - ich brauche jetzt halt nur die Zeit, das alles zu lesen, um den Eindruck noch etwas nachwirken lassen zu können :)


1 Kommentare:

  1. Natürlich betreibst du kein Prokrastinieren, sondern suchst nur die notwendige Entspannung, damit dein Gehirn all die Informationen vor der Prüfung verarbeiten und sortieren kann! :)

    Schön, dass es für euch mit einem Besuch der Vermeer-Ausstellung geklappt hat! Ich bin mir sicher, dass das ein beeindruckendes und berührendes Erlebnis war. Ich mag seine Bilder wirklich sehr - gerade weil er sich so auf eher alltägliche Szenen konzentriert hat.

    Ich drücke die Daumen, dass du die kommenden zwei Wochen bis zur Prüfung noch gut über die Bühne bringst und dich weiterhin gut vorbereitet fühlst, um dann (relativ) entspannt das Ganze hinter dich bringen zu können! Immerhin ist es bestimmt ein großartiges Gefühl, dass du "nur" noch den Endspurt vor dir hast. :)

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