Planet! (Thienemann-Esslinger Verlag), 2018
17,00 Euro
Krankheiten, Schönheitsmakel, körperliche Einschränkungen: von der Erde gelöscht! Mensch und Technik sind verschmolzen, jeder trägt ein Panel in sich, das den eigenen Körper perfektioniert. Fast! Eine mörderische Seuche ist ausgebrochen, und nur eine einzige Person auf der Welt ist fähig, den Impfstoff zu entschlüsseln – Catarina Agatta.
Gemeinsam mit Cole, dessen Körper gentechnisch verändert wurde, kommt die geniale Hackerin Cat einer Wahrheit näher, die grausamer ist als jedes tödliche Virus!
Meine Meinung:
Hut ab für dieses Erstlingswerk, kann ich nur sagen!
Glücklicherweise habe ich dieses Buch ganz ungeplant als Rezensionsexemplar zugeschickt bekommen, denn sonst - und da bin ich ganz ehrlich - hätte ich darum einen Bogen gemacht und es wohl nie gelesen. Es wäre mir nicht weiter aufgefallen, das Cover hätte mich eine weitere der zig "rosa-Mädchentraum-Liebesgeschichten-unter-widrigen-Umständen" vermuten lassen - aber mir wäre damit eine hammermäßige Geschichte entgangen. Schon nach wenigen Seiten dachte ich mir "Holla, hier geht´s aber wissenschaftlich zu, hätte ich jetzt nicht vermutet.". Das hat mich echt kalt erwischt.
Emily Suvada hat selbst Mathematik studiert und offenbar eine ganze Menge Ahnung von Programmieren, Codes schreiben, mit Algorithmen hantieren - und Gentechnik. Anders kann ich mir nicht erklären, wie man all diese Themen so gekonnt und flüssig (und vor allem: verständlich!) aufbereiten und in eine packende Geschichte schreiben kann. Hier befinden wir uns als Leser in einer dystopischen Science-Fiction Welt, in der viele Menschen in Bunkern unter der Erde leben, in Angst vor dem Hydra-Virus, der die Menschen oberhalb der Erde befällt und unweigerlich zum Tod führt. Catarina lebt oberhalb der Erde und schlägt sich seit 2 Jahren allein durch, wobei sie dem Virus bisher geschickt ausweichen konnte. Allein ist sie, seitdem ihr Vater, ein großer Wissenschaftler, von Cartaxus entführt wurde, jener Firma, die die Zügel über einen möglichen Impfstoff in den Händen hält. Gemeinsam mit Cole, einer Art Super-technisiertem Soldaten, macht Cat sich auf den Weg, endlich den Impfstoff gegen Hydra zu finden. Auf dieser Reise begegnen ihr jedoch unweigerlich ungemütliche Wahrheiten und Fakten, die ihr ganzes Welt- und Selbstbild auf den Kopf stellen.
Ich bin völlig geflasht von der Geschichte! Hier ist Technik am laufenden Band und vor allem im lebenden Menschen, was ich mitunter fast gruselig zu lesen fand. Wenn sich Cat mal eben irgendwelche Kabel in die Haut oder ins Knie rammt, um Verbindungen zu Heilteks oder um mal schnell einen Selbstzerstörungscode zu programmieren, dann ist das nicht ganz ohne. Jeder Bewohner dieser unheilvollen Zukunft ist hoch technisiert, hat Panels und Apps nicht nur auf einem schnöden Smartphone, sondern gleich in sich selbst. Das - logischerweise - kann einem aber auch zum Verhängnis werden, wie Cat und Cole feststellen müssen. Emily Suvada schafft es jedenfalls, das alles unglaublich spannend und dabei zugleich unglaublich sinnvoll und nachvollziehbar zu erzählen. Ich gebe zu, manchmal habe ich einen Satz ein zweites Mal gelesen, um absolut zu verstehen, was sie hier gerade für Zusammenhänge zwischen Gentechnik, Selbstoptimierung und Programmieren herstellt. Und am Ende saß ich ziemlich baff da, denn diese Geschichte kann einen wirklich bis zur letzten Seite überraschen. Für mich ein Lesehighlight in diesem Jahr; ich warte bereits jetzt auf die Fortsetzung!



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