Donnerstag, 9. Juni 2022

"Die gigantischen Dinge des Lebens" - Susin Nielsen

Urachhaus Verlag, 2022

18,00 Euro


HIER geht´s zum Buch (Verlagsseite)



Worum geht´s?

Selbstoptimierung für Anfänger Wilburs Lebensphilosophie lautet: Unsichtbar sein. Kopf runter. Mund zu. Einfach schauen, dass man den nächsten Schultag überlebt. Doch dann trifft Charlie ein, Wilburs Austauschschüler. Und entpuppt sich als Austauschschülerin. Und was für eine... Wilbur wird von gigantischen Gefühlen ergriffen. Aber wie wird man zu einem begehrten, coolen Typ, wenn man gerade eben noch völlig unsichtbar war?


Meine Meinung

Ich mag die Bücher aus dem Urachhaus Verlag bzw. Verlag Freies Geistesleben. Vor allem deshalb, weil man bei ihnen immer wieder kleine außergewöhnliche Perlen entdeckt, die etwas ganz besonderes sind und einfach ein bisschen aus der Reihe fallen. Ich hatte in der Verlagsvorschau direkt einen Blick auf "Die gigantischen Dinge des Lebens" geworfen, mir gedacht, dass ich Wilbur zu gern kennenlernen würde und wurde beim Lesen dann auch nicht enttäuscht. Die Geschichte von Wilbur ist niedlich, schön zu lesen, mutmachend und optimistisch. Dabei ist es ganz egal, dass ich eigentlich gar nicht mehr in die Alters-Zielgruppe falle. 


"Sal und ich hüpften ins Becken. In der folgenden Stunde ging ich auf eine Art und Weise aus mir raus wie sonst nirgendwo. Ich schleuderte die Arme hoch, schüttelte verwegen meine Schultern und tanzte unter Wasser Cancan. Aquagymnastik für alle ab 60+ zählt definitiv zu den Höhepunkten meiner Woche." (S. 31)


Ganz ehrlich? Mit diesem Satz hatte mich Wilbur erwischt. Nach diesem Satz wusste ich, dass dies ein wunderbares Buch werden würde.

Wilbur hat es nicht leicht. Eigentlich ein echter Sympathieträger mit Anstand und Manieren (die er sich nicht zuletzt bei seinem besten Freund, dem 85-jährigen Sal, abgeguckt hat), wird er in der Schule immer mal vom fiesen Mitschüler Tyler gemobbt und bemüht sich deshalb, einfach lieber unsichtbar zu bleiben. Keinen Anlass zu geben, aufzufallen. Genau das wird aber zum Problem, als durch einen Schüleraustausch die bezaubernde Charlie aus Paris in sein Leben tritt. Plötzlich möchte Wilbur gar nicht mehr so unscheinbar sein, sondern zeigen, was in ihm steckt. Glücklicherweise kann er sich gerade zur rechten Zeit auf die richtigen Leute in seinem Leben verlassen, die ihm helfen, das beste aus sich rauszuholen. 

Ich habe Wilburs Geschichte sehr gern gelesen, habe auch gelacht und mitgelitten und die Daumen gedrückt, damit bei Wilbur mal alles glatt geht. Es ist eine schöne und zugleich wertvolle Geschichte vom An-sich-glauben und Sich-beweisen, die noch dazu völlig mühelos Themen wie Diversität und Respekt behandelt. Am Ende kommt doch alles irgendwie ein bisschen anders für Wilbur, aber das macht nur einen weiteren Reiz des Buches aus. Klare Leseempfehlung!


Vielen Dank an den Urachhaus Verlag für das Rezensionsexemplar!


Dienstag, 7. Juni 2022

Wieder anfangen

Die letzten Wochen war es hier sehr ruhig. Der letzte Eintrag ist, ach Gott, fast 3 Monate her. Geplant war das nicht, aber es war einigen Umständen geschuldet. Der schlimmste machte sich ab Mitte März bemerkbar, als klar wurde, dass es meiner Hündin so schlecht geht, dass sie nicht mehr lange da sein würde. Genau so war es dann leider auch, Ende März musste ich mich unglaublich schweren Herzens nach über 11 Jahren von ihr verabschieden. Es war so schwer. So schwer und so sinnlos, plötzlich ohne sie zu sein. Nach 11 Jahren ist ein Hund so sehr ein fester Bestandteil im Leben, im Alltag, in allem, was einen auch selbst ausmacht, dass ich nach all der Zeit auch wirklich ein Stück von mir selbst verloren habe, weil sie nicht mehr da ist. Sie fehlt. Jeden Tag. 

Die Tage und Wochen waren scheiße, da brauch ich nichts schön reden. Richtig mies. Jeder Tag war zum Vergessen. "Leichter" gemacht hat es irgendwann die Routine, das Arbeiten, das Abgelenktsein, auch wenn man das natürlich gerade in so einer Situation gar nicht haben (und schon gar nicht wahr haben) will. Mittlerweile geht es besser, auch wenn diese dumpfe Leere weiterhin jeden Tag im Hintergrund mitläuft. Dass es leichter ist, liegt sicher auch an einer neuen Vierbeinerin, die vor wenigen Tagen bei meinen Eltern eingezogen ist und die seitdem alle Herzen im Sturm erobert. (Sturm ist übrigens wortwörtlich gemeint, sie hat manchmal ihre sehr wilden 5 Minuten...)


In den letzten Wochen war mir jedenfalls alles relativ egal. Das Lesen, Bücher, der Blog, aber auch meine Basteleien und das Malen - ist alles zu kurz gekommen, hat mich alles nicht interessiert. Meine Lesestatistik für dieses Jahr sieht katastrophal aus, aber eigentlich ist mir das im Grunde ziemlich egal. Ich hatte zuletzt kaum Sinn und Nerven für Geschichten. Mittlerweile habe ich wieder mit dem ein oder anderen Buch angefangen, mal reingelesen, mal reingeschnuppert. Richtig hängen geblieben bin ich noch bei keinem, vielleicht muss mir erstmal wieder ein echt guter Reißer über den Weg laufen. 

Aber ich habe mir vorgenommen, wenigstens mal wieder aus der Versenkung aufzutauchen, mich wieder mit Büchern zu beschäftigen und mich auch hier auf dem Blog mal wieder sehen zu lassen. Ich habe auch noch Rezensionen offen, die ich eigentlich (ziemlich) dringend schreiben und posten müsste. Aber alles nacheinander. Jetzt erstmal wieder vorwärts. Wieder anfangen.

 

Freitag, 18. März 2022

Freitagsgedanken: Verfilmung "Lockwood & Co."

Ich liebe ja die Buchreihe "Lockwood & Co.". Tatsächlich so sehr, dass die in meiner Gunst um meine liebste Buchreihe an manchen Tagen "Harry Potter" hinter sich lässt. Lucy, Lockwood und George sind mir so ans Herz gewachsen, die Story um Geister und ihre Bekämpfung in einer Art alternativem London - ich liebe es! Autor Jonathan Stroud hat´s schon ziemlich drauf. Ich habe mich beim Lesen immer mal ein bisschen gegruselt, aber "nett gegruselt" (in einem Buch würde es wohl mit "wohlige Schauer" umschrieben werden), und genau das hat den Reiz der Reihe für mich ausgemacht. Die Freundschaft zwischen den dreien, die Abenteuer, die sie erleben, die Kämpfe, die sie austragen (und nicht nur die gegen echte Geister, sondern auch durchaus echte Personen); all das hat sich ganz fest in mein Leserherz gegraben und ich kann die Bücher gut und gerne zum sechsten Mal lesen und würde sie nicht auf einer einzigen Seite langweilig finden.

Insofern bin ich natürlich höchst hellhörig geworden, als bekannt wurde, dass die Buchreihe als Netflix-Serie adaptiert werden würde. Nun, ich hab ja kein Netflix. Ich bin damit vielleicht ein Exot, keine Ahnung, manchmal habe ich das Gefühl, die Leute um mich herum unterhalten sich nur über irgendwelche Serien, von denen ich noch nicht mal gehört habe. Netflix-Serien halt. Ich hab´s bisher nicht wirklich vermisst, muss ich sagen, dafür sehe ich letztlich dann doch zu wenig fern. 

Aber "Lockwood & Co. " als Serie auf Netflix?!?!?! - Uff! Da muss ich doch wohl dranbleiben, habe ich mir gedacht. Das hat mich zugleich höchst neugierig als auch höchst skeptisch gemacht. Schon zu oft habe ich erlebt, dass ich von Verfilmungen eines Buches enttäuscht war, ob nun als Film oder als Serie. Immer wieder sind da irgendwelche Dinge, die nicht stimmen, die anders dargestellt werden, Personen, die nicht aussehen wie im Buch beschrieben, und am allerschlimmsten sind ja wohl die Momente, in denen man feststellt, dass geliebte (mitunter wichtige) Szenen umgeschrieben oder gar ganz weggelassen wurden in der Verfilmung. (Ich werde nie mein "Waaaaaas?!" vergessen, als ich im verfilmten 5. Teil der "Harry Potter"-Reihe feststellte, dass da rund um Cho Chang und ihr unrühmliches Ende irgendwie alles im Film verändert wurde...)

Also sehe ich die Verfilmung mit sehr gemischten Gefühlen. Ich freue mich einerseits total darauf und bin so gespannt, wie die das alles umgesetzt haben. Gleichzeitig bekam meine Vorfreude gestern direkt einen Dämpfer, als endlich der Hauptcast vorgestellt und gezeigt wurde.

Der Cast:

  • Ruby Stokes als Lucy Carlyle

  • Cameron Chapman als Anthony Lockwood

  • Ali Hadji-Heshmati als George Karim

  • Ivanno Jeremiah als Inspektor Barnes

  • Jack Bandeira als Quill Kipps

  • Luke Treadaway als The Golden Blade

  • Morven Christie als Penelope Fittes

  • Ben Crompton als Julius Winkman

  • Hayley Konadu als Flo Bones

  • Rhianna Dorris als Kat Godwin

  • Paddy Holland als Bobby Vernon

Quelle: hier


Mit Lucy und Lockwood kann ich gut leben. Zumindest auf diesem Foto hier passen die ganz gut in die Vorstellung, die ich mir persönlich von beiden durchs Lesen gemacht habe. Aber George? Wo ist denn George? Das ist doch nicht der da auf dem Foto. Beim ersten Draufsehen war mir gar nicht klar, welcher von beiden denn jetzt Lockwood sein soll. George im Buch ist ein etwas pummeliger Typ mit eher dunkelblonden Haaren, oder nicht? Leicht vertrottelt und gammelig, aber sehr sympathisch. Das sehe ich in ihm hier, Ali Hadji-Heshmati ist sein Name, leider gar nicht. Auch Jack Bandeira ist nicht Quill Kipps, zumindest nicht der Quill, den ich in den Büchern gelesen habe. (Und wo ist die blonde blasse Gestalt von Flo Bones hin?)


Klar, das sind nur Fotos. Die in völlig anderen Kontexten entstanden sind. Kann schon sein, dass die vor laufender Kamera ganz anders wirken und dann eher zu den Figuren werden, wie sie im Buch beschrieben sind. (Und vielleicht färbt irgendjemand Jack Bandeira auch noch die Haare rot...) 

Zumindest hoffe ich das. Sehr. Ganz schlimm fänd ich, wenn das nur so eine lose Adaption der Buchreihe ist, mit ganz vielen eigenen Wendungen und Ideen der Drehbuchschreiber, die mit dem Original von Jonathan Stroud nicht mehr viel zu tun haben. 

Ich werde das mal im Auge behalten. Die Chancen stehen gut, dass ich mir die Serie "Lockwood & Co." ansehen werde, trotz meiner Vorbehalte, und ich freue mich, wenn ich am Ende positiv überrascht werde. (Hoffentlich.)


Freitag, 11. März 2022

Freitagsgedanken: Ich habe gelesen. Endlich.

Hallihallo!

Es ist Freitag, liebe Leute, und noch dazu im März. Wo ist eigentlich die Zeit geblieben, dass wir schon im dritten Monat des Jahres stecken?! Das frage ich mich momentan wirklich an manchen Tagen. Und so sehr ich mich am Ende einer Woche auf das Wochenende freue, umso mehr erschreckt es mich, wenn ich realisiere, dass die Woche schon wieder vorbei ist... 

Aber Zeit hin oder her - ich habe endlich mal wieder ins Lesen gefunden! Nachdem Lesen und Bücher wochenlang bei mir zu kurz kamen, ich einfach keinen Sinn oder Gedanken dafür hatte, hat mich die Leselust in den letzten Tagen dann doch schwer erwischt. Ich habe in kürzester Zeit endlich mal den dritten Teil der Tom Babylon-Reihe von Marc Raabe, "Die Hornisse", gelesen, was ich längst tun wollte. Nun ist schon der Abschluss der Reihe erschienen, da hat das gut gepasst. Teil 3 hat mir gut gefallen, besser als der Teil davor, den ich komisch und verworren und düster fand. Dieser hier ist auch nicht ohne, aber er endet mit einem coolen Cliffhanger, der eben direkt Lust auf Teil 4 macht - zum Glück habe ich mir den bereits zugelegt. Ebenso rasch durchgelesen habe ich "Die Spur der Bücher" von Kai Meyer, das ich einem spontanen Impuls folgend aus dem Regal gezogen habe, nachdem es dort schon ziemlich lange stand. "Die Spur der Bücher" ist ein Ableger der "Die Seiten der Welt"-Reihe von Herrn Meyer um die Bibliomanten; allerdings konnte ich mit der eigentlichen Reihe gar nichts anfangen. Teil 1 hatte ich zweimal angefangen zu lesen und schon nach wenigen Seiten entnervt wieder weggelegt; mittlerweile habe ich das Buch auch verkauft. Ich habe nur diese Ableger-Serie "Die Spur der Bücher" behalten und da hat mir Teil 1 erstaunlicherweise ziemlich gut gefallen. Ich kann nicht erklären, warum dieses und das andere dafür nicht. Ist vielleicht auch egal. Vom Ableger werde ich jedenfalls auch noch Teil 2 lesen. Der steht günstigerweise auch schon in meinem Regal parat ;)

Und dann habe ich noch "Aurora erwacht" von Amie Kaufman & Jay Kristoff durchgesuchtet, das muss ich echt so sagen. Eigentlich wollte ich dieses Buch gar nicht lesen, gar nicht haben. Das Cover spricht mich null an, erinnert mich eher an ein Kinderbuch. Aber andere Blogger und Leser fanden dieses Buch soo gut, dass ich doch neugierig geworden bin. Und es ist wirklich gut! Eine schräge Science-Fiction Buchreihe, die im All spielt, mit einem bunt zusammengewürfelten Team, bei dem der eine schräger ist als der andere. Ich fand´s herrlich und freue mich auf Band 2! (Auch auf die Gefahr, mich zu wiederholen, aber auch dieser Band 2 steht bereits wartend in meinem Regal. Nichts ist schlimmer, als nicht direkt weiterlesen zu können!!)

Zuvor, aber das ist jetzt schon einige Tage her, habe ich "Das Haus der tausend Fenster" von Laura Andersen gelesen, endlich das zweite Buch der Autorin. Hat mir auch gut gefallen, wie schon das erste Buch von ihr. Vielleicht setze ich mich die Tage noch an einen kleinen Leseeindruck. 


Ansonsten haben es noch weitere neue Bücher in mein Zuhause geschafft, wie man hier sehen kann. Ich kann mich gerade gar nicht entscheiden, womit ich anfange :D


Unabhängig davon überlege ich, ob ich meine alte liebgewonnene Blog-Rubrik "Die Lektüre meiner Zugnachbarn" wieder reaktiviere. In den letzten Jahren bin ich eher wenig Zug gefahren, da bot sich das nicht mehr an, den Leuten über die Schulter zu schauen und nach deren Büchern zu schielen. Aber mittlerweile bin ich wieder mehrfach in der Woche am Fahren und sehe mit Freude, dass es immernoch lesende Menschen im Zug gibt! Vielleicht bietet es sich demnächst mal an, jemanden vorzustellen. Ganz anonym natürlich ;)



Euch wünsche ich erstmal ein schönes Wochenende und ein gutes Buch in der Hand!!


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