Kennt ihr das? Ihr habt irgendwann mal ein Buch gelesen, es nur so für lala gehalten, euch gedacht "Das lese ich sowieso nie wieder und ein Favorit war es auch nicht, gebe ich es halt weiter" - und dann habt ihr es verschenkt, verkauft, ausgelegt, was auch immer. Weg war das Buch. Und dann, ein paar Jahre später, habt ihr plötzlich wie aus dem Nichts eine Erinnerung an genau dieses Buch im Kopf, eine Szene, die euch noch einfällt, irgendein Detail; oder vielleicht auch gerade nicht genug, dass ihr versucht, euch an etwas spezielles aus eben genau diesem Buch zu erinnern - und es fällt euch nicht mehr ein. Oder plötzlich, nach einer Weile, hat man das Gefühl, man würde manche Dinge, Szenen oder Zusammenhänge aus diesem Buch viel besser verstehen, plötzlich würde da etwas Sinn machen, was es vorher beim Lesen nicht tat. (Weshalb man es vielleicht nur so lala fand.) Und dann denkt man sich "Hm, hätte ich das Buch mal noch hier..."
Kennt ihr das? Habt ihr das schon mal gehabt? Dass ihr euch plötzlich wünscht, genau dieses Buch, das man damals weggeben hat, doch wieder zu haben? Weil man nochmal etwas nachlesen will, oder vielleicht sogar das ganze Buch noch einmal, weil man heute (!!) das Gefühl hat, heute würde einem dieses Buch soviel mehr geben als damals.
Echt schräg. Aber genau so geht es mir seit ein paar Tagen. Neulich hatte ich auf einmal den Gedanken an ein Buch im Kopf, das ich vor ein paar Jahren gelesen habe. Ich weiß gerade weder, wie es heißt, noch wer es geschrieben hat. (Eine Frau, glaube ich.) Es war dystopisch in dem Sinne, dass die Welt gerade einen halben Weltuntergang erlebt hatte, war dabei aber nicht so Action-und Spannungsmäßig, sondern ein ganz ruhiges nachdenkliches Buch. Aus mehreren Perspektiven berichteten mehrere Personen, wie sie die letzte Zeit erlebt hätten. Alle waren miteinander verbunden durch eine Person, einen Professor oder Schauspieler oder Autor oder so...?
Ich weiß noch, dass mir das Buch damals, glaube ich, zu langatmig war - zu viel Gerede, zu wenig Apokalypse oder so. Vermutlich hatte ich ganz andere Erwartungen, aber das weiß ich nicht mehr. Könnte auch sein, dass ich das hier auf dem Blog besprochen habe (wahrscheinlich sogar), aber ich habe ehrlich gesagt keine Lust, mich durch Jahre von Posts zu scrollen, zumal ich nicht mal mehr sagen könnte, wieviele Jahre das her ist. Und dafür ist es mir letztlich auch nicht wichtig genug. Ich MUSS dieses Buch jetzt nicht wiederfinden. Ich habe es damals weggegeben, verkauft, glaube ich. Weil ich mir dachte: das lese ich eh nie wieder. Und jetzt? Würde ich glatt mal wieder darin rumblättern.
Sowas macht mich natürlich nachdenklich darüber, wie ich mit gelesenen Büchern umgehe. Ob es richtig ist, Bücher wirklich irgendwann auszusortieren (denn mal ehrlich: das muss man einfach, wo sollen die sonst alle hin?!). Ob gerade Bücher, die man nicht grottenschlecht, aber eben wirklich nur so lala fand, so mittelmäßig, ob man solchen Bücher nicht prinzipiell die Möglichkeit zu einer zweiten Chance einräumen sollte. Ich hab das schon oft gehabt, dass ich ein Buch einfach zur falschen Zeit angefangen habe und doof fand, und als ich es Monate später nochmal probiert habe, hat es mir dann sehr gefallen. Aber wer weiß das schon? Und Bücher dafür jahrelang zu horten, nur weil es sein könnte, dass...? Kann ja auch nicht die Lösung sein.
Naja. Eigentlich wollte ich einen ganz anderen Post schreiben, aber das hier ging mir gerade durch den Kopf. Also einfach mal raus damit. Wie geht ihr damit um? Und bitte, BITTE, sag mir jemand, dass es ihm/ihr schon mal genauso gegangen ist, dass plötzlich ein schon lang ausrangiertes Buch sich gedanklich wieder in Erinnerung rief und man ernsthaft überlegte, ob es ein Fehler war, es wegzugeben...
Danke.






