Bold Verlag, 2019
14,90 Euro
Auf den ersten Blick führt Aisling ein beschauliches Leben. Mit 28 wohnt sie noch bei ihren Eltern in ihrem Heimatort Ballygobbard und träumt, wovon man in dieser verschlafenen Kleinstadt so träumen kann: einem Ring am Finger und der ganz großen Liebe. Doch selbst ein gefangener Brautstrauß und ein romantischer Trip nach Teneriffa bewirken bei ihrem Freund nichts. Kurzerhand nimmt Aisling ihr Glück selbst in die Hand. Sie macht Schluss mit John und zieht nach Dublin zu ihrer hippen Kollegin Sadhbh. Die Folgen: neue, glamouröse Freundinnen (mit durchaus unglamourösen Problemen), ein Finanzskandal (mit dem sie hoffentlich nichts zu tun hat) und ein turbulentes Liebesdreieck (das in einem Viereck zu münden droht). Klingt nach Chaos? Klingt ganz nach Aisling!
Meine Meinung:
"OMG, diese Aisling" ist ein amüsanter, kurzweiliger "Frauen-Roman", dahingehend, dass es sich bei der Hauptfigur um eine Frau mit typischen Frauenproblemen handelt, die wiederum v.a. Frauen ansprechen dürften.
Die Geschichte um Aisling ist eigentlich als eine Abfolge von einzelnen Kurzgeschichten um die Figur Aisling von beiden Autorinnen entstanden. Diese führen seit 2006 eine Facebook-Seite über Aisling und veröffentlichten dort die einzelnen Geschichten. Einige Jahre später erscheinen diese nun gesammelt in dem Buch "OMG, diese Aisling".
Die Idee fand ich interessant, die Beschreibung klang auch nett, also war ich aufs Lesen dieses Buches gespannt. Letztlich erhalten wir Einblicke in das Leben von Aisling, Ende 20, zwar liiert, aber eher unglücklich liiert, weil ihr langjähriger Freund ihr einfach nicht die Frage aller Fragen stellen will. Kurzerhand trennt sie sich und zieht aus der irischen Pampa nach Dublin in eine WG voller Yuppie-Mädels.
Ich hatte eine gute Zeit beim Lesen von Aislings Geschichte, ich fand das Buch ganz unterhaltsam, wenn sie manchmal auch arg ins Schwafeln gerät und vom eigentlichen Inhalt abkommt. Als Leser muss man Geduld mit ihr haben, bevor sie mal auf den Punkt kommt. Man bekommt mit ihr das Bild einer typischen Irin vorgeführt, (oder zumindest das, was man dafür hält): trinkfest, partyfest, schlagfertig und nicht auf den Mund gefallen. Die Autorinnen bedienen damit natürlich einige typische Klischees, die man mitunter tatsächlich über Iren haben kann. Ob sie dies mit Absicht tun oder ob Iren WIRKLICH so sind, sei einfach mal so dahingestellt.
Authentisch und zugleich mühsam fand ich die Namensgebung der Figuren im Buch: ich fand es schön, dass die Autorinnen klassisch-irische Namen ausgewählt haben, auch auf die Gefahr hin, dass diese niemand außer ihren eigenen Landsleuten einwandfrei lesen können. Aisling (gesprochen wie Äschling) selbst ist da noch "verträglich", Namen wie "Sadhbh" oder "Fionnuala" erscheinen da schon zungenbrecherischer und wurden von mir gedanklich bestimmt konsequent das ganze Buch über falsch gelesen...
Was mir letztlich nicht ganz einleuchtete, war dieses Vorhalten und Übertreiben von Aussagen oder Anmerkungen wie "Das ist typisch Aisling", denn das habe ich ehrlich gesagt nicht immer verstanden. Es machte manchmal den Anschein, als würden die Autorinnen Personen, die wie Aisling gestrickt sind, geradezu vorführen wollen, sich lustig machen oder mit dem Zeigefinger drauf halten, nach dem Motto "Schaut mal her, es gibt tatsächlich solche Leute!" Ja, natürlich gibt es tatsächlich solche Leute, es gab Momente, in denen ich mich voll und ganz in Aisling wiedergefunden habe. Nicht immer, zugegeben, mir persönlich war sie ein bisschen zu geizig und knauserig, wenn es um Geldausgaben und Sparen geht; und ein bisschen zu wenig selbstsicher, da sie sich stets sehr auf die Meinungen und Vorschläge von anderen verlässt. Aber sonst fand ich Aisling und ihre Motive glaubwürdig. Den Originaltitel ("#completeaisling") und das ganze Tamtam fand ich daher irgendwie eher unglücklich.
Denn die Story um Aisling ist eigentlich eine ganz nette, mit Höhen und Tiefen, mit glaubwürdigeren und unglaubwürdigeren Parts, die man lesen kann, aber nicht muss.







