Fischer Verlag, 2020
20,00 Euro
Handlung:
In Paris steht ein Haus, das allen Frauen dieser Welt Zuflucht bietet. Auch der erfolgreichen Anwältin Solène, die nach einem Zusammenbruch ihr Leben in Frage stellt. Im »Haus der Frauen« schreibt sie nun im Auftrag der Bewohnerinnen Briefe - an die Ausländerbehörde, den zurückgelassenen Sohn in Guinea, den Geliebten - und erfährt das Glück des Zusammenhalts und die Magie dieses Hauses. Weil Solène anderen hilft, hat ihr Leben wieder einen Sinn. Doch wer war die Frau, die vor hundert Jahren allen Widerständen zum Trotz diesen Schutzort schuf? Solène beschließt, die Geschichte der Begründerin Blanche Peyron aufzuschreiben.
Meine Meinung:
"Das Haus der Frauen" behandelt ein inhaltlich und gesellschaftlich wichtiges Thema, dessen Ausführung im Buch mich dennoch nicht wirklich abholen und überzeugen konnte. Mir hat hier einfach einiges gefehlt, an Inhalt, an Dialogen, an Wendungen, an Besonderem. Irgendwie erschien es mir zeitweise so, dass die Autorin diese Geschichte, die auf zwei Zeitebenen erzählt wird, nur so "runtergeschrieben" hat, ohne wirklich mit dem Herzen dabei zu sein.
Dabei ist das Thema des Romans ein ziemlich wichtiges. Nicht nur in Frankreich, wo dieses Buch spielt, sondern überall. Denn leider ist es eine Tatsache, dass gerade Frauen heutzutage immer noch sehr viel Ungerechtigkeiten und Gefahren erleben müssen, dass sie den verschiedensten Arten von Unterdrückung und Gewalt unterworfen werden und dass vielerorts viel zu wenig - oder nichts - für sie getan wird. Dabei geht es gar nicht mal um die Auslebung von Feminismus (ja DAS Schlagwort der heutigen Zeit), sondern schlicht und einfach um die Sicherstellung der Grundbedürfnisse eines jeden Menschen.
Laetitia Colombani setzt sich mit ihrem Roman nun zum Ziel, die Geschichte der Heilsarmee und der daraus resultierenden "Frauenhäuser" aufzuarbeiten, indem sie eine selbst von Depression betroffene Frau als offizielle Schreiberin in eben einem solchen "Haus der Frauen" ehrenamtlich arbeiten lässt. Zugleich erzählt sie in einem zweiten Erzählstrang, wie sich dieses Frauenhaus bilden konnte, welche für die damalige Zeit unglaublich starke, mutige und unbeugsame Frau (Blanche Peyron) die Vorreiterin dieser Institution ist - und warum es dazu kam.
Um dieses "Warum", diese Notwendigkeit für die Frauenhäuser damals und heute zu verdeutlichen, spricht die Autorin manche solcher Probleme und Geschichten von Frauen an, kratzt dabei jedoch meines Erachtens nach stets nur an der Oberfläche. Das finde ich schade, das Potential für viel tiefer gehende und deutlich eindrucksvollere Bilder, die zugleich die Wichtigkeit solcher Institutionen erkennen lassen hätten, wäre da gewesen. So kommt das alles ein wenig zu kurz. Es wirkt auf mich, als hätte die Autorin den Vorsatz gefasst, sich mit dem Thema "Frauenhäuser und ihre Aufgaben" zu beschäftigen, dann aber auf dem halben Weg der Umsetzung in einen Roman keine rechte Lust mehr drauf gehabt und sich deshalb nur noch an der Oberfläche bewegt. Sie gibt den Frauenschicksalen wenig Raum, wenig Tiefe, dabei wäre das nun gerade in diesem Buch irgendwie besonders wichtig gewesen. Zumindest erscheint es mir so. Für mich blieb die ganze Geschichte daher ziemlich fad und nichtssagend, wobei mich die Geschehnisse der Anfänge der Frauenhäuser in den 1920ern da noch deutlich mehr bewegen konnte. Aber gerade die Geschichte von Solène ist blass, nichtssagend und so lieblos runtergeschrieben, ohne wirklich ein bleibendes Bild der Trägerin dieses Romans zu hinterlassen. Das Buch hat mich letztlich mehr enttäuscht als interessiert.
Das finde ich schade, es führt aber zugleich auch dazu, dass mein Interesse am ersten Roman der Autorin, "Der Zopf", der weltweit sehr gefeiert wurde, mittlerweile abgeflaut ist, da ich mir vorstellen kann, dass Erzählstil und - struktur dort ähnlich gelagert sind wie bei diesem Roman hier.



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