Mittwoch, 15. April 2020

"Das Buch der verborgenen Dinge" - Francesco Dimitri

Heyne Verlag, 2020
14,99 Euro



Worum geht´s?
Fabio, Mauro, Tony und Arturo sind schon seit ihrer Schulzeit befreundet, und obwohl das Leben sie inzwischen in alle Himmelsrichtungen verstreut hat, treffen sie sich einmal im Jahr in ihrem apulischen Heimatdorf Casalfranco. Das haben sie sich versprochen, das ist der Pakt. Doch in diesem Jahr ist alles anders, denn Arturo taucht nicht auf. Ausgerechnet er, der sie einst auf den Pakt eingeschworen hat. Beunruhigt fahren die drei Freunde zu Arturos abgelegenem Bauernhof – nur um das Anwesen völlig verlassen vorzufinden. Sofort ist ihnen klar, dass ihrem Freund etwas zugestoßen sein muss, und sie machen sich auf die Suche nach ihm. Eine Suche, die sie nicht nur in ihre eigene Vergangenheit führt, sondern auch zu einem magischen Geheimnis ...



Meine Meinung:
"Das Buch der verborgenen Dinge" ist eins jener Bücher, bei denen die Erwartung überhaupt nicht konform geht mit dem, was man letztlich im Buch bekommt. Was meiner Meinung nach bei diesem speziellen Buch hier aber vor allem auch am Cover liegt. Ich weiß nicht, wie es anderen Lesern geht, aber wenn ich mir die Inhaltsangabe in Kombination mit dem Cover ansehe, dann erwarte ich eine mysteriöse, geheimnisvolle, vielleicht spannende, vielleicht traurige Geschichte, gewürzt mit verrückten Wendungen, Ausflügen in längst vergangene Zeiten und vielleicht noch ein paar übernatürlichen Aspekten.
Nun, nein, das ist "Das Buch der verborgenen Dinge" nicht. Eher handelt es sich dabei um eine Kriminalgeschichte im Mafia-Setting, was ich anhand des Covers nun wirklich nicht erwartet hatte - da hat der Verlag mich doch glatt kalt erwischt.
Trotz meiner nicht erfüllten Erwartungen ist die Geschichte der vier befreundeten jungen Männer aber keinesfalls schlecht oder nicht lesenswert, sie ist eben nur ... anders. Jedes Jahr treffen sich Fabio, Mauro, Tony und Art in einer Pizzeria in ihrem Geburtsort, um übers Leben zu reden und gemeinsam zu trinken, inmitten des heißen, versandeten, öden Nichts von Süditaliens Stiefelspitze. Anhand der Schilderungen kann man leicht das Gefühl bekommen, sich dort nahezu am Ende der Welt zu befinden. Zumindest passiert dort nicht viel, und schon gar nicht passiert dort etwas ohne die Zustimmung und das Wohlwollen der Corona, der in Süditalien recht aktiven Mafia. Das zu lesen, fand ich etwas befremdlich, aber da der Autor selbst dort in dieser Gegend geboren wurde, kann man wohl nicht anders, als ihm einfach zu glauben. 
Wie jedes Jahr findet sich traditionell also einer nach dem anderen der Vier zum gemeinsamen Treffen ein - bis auf einen, Art nämlich, der einfach nicht auftaucht und auch im Verlauf nicht aufzufinden ist, trotz aller Suchen und Bemühungen seiner Freunde. Die stoßen stattdessen auf diverse komische und fast unheimliche Dinge; verrückte Inhalte, mit denen Art sich hobbymäßig beschäftigt hat, die ihn dabei jedoch offenbar so vereinnahmt haben, dass er - so scheint es - die Grenzen zwischen Realität und Einbildung nicht mehr auseinander halten konnte. Seine Versuche, dies in einem Buch (dem "Buch der verborgenen Dinge") nieder zu schreiben, fällt seinen Freunden als Manuskript in die Hände und führt sie in den nächsten Tagen zu verschiedenen Personen, die mit Art Kontakt hatten. Den dreien wird bald klar: Art ist längst nicht mehr die Person, die sie von früher kennen. Eher eröffnet sich vor ihren Augen ein ganz neues, unerwartetes - und erschreckendes - Bild von Art.
"Das Buch der verborgenen Dinge" ist spannend geschrieben, noch dazu aus drei verschiedenen Erzählperspektiven, da jeder der drei Freunde von Art seine Sicht der Dinge wiedergibt. Tatsächlich aber geht´s letztlich kaum um Geheimnisse oder mysteriöse Verwicklungen, viel eher wird es eben "mafiös": es geht blutig zu, fies, ignorant, manchmal wird die Erzählung arg freizügig, für mich wird sie manchmal auch nicht ganz nachvollziehbar. Das Ende ist auch nicht ganz das, was ich erwartet habe (wie gesagt: mit der Erwartung ist das in diesem Buch so eine Sache), lässt bei mir auch Fragen offen, passt aber letztlich als Abschluss ganz gut ins Bild. 

Bei "Das Buch der verborgenen Dinge" habe ich nicht das bekommen, was ich erwartet habe, aber ich habe einige Stunden gute und spannende Unterhaltung bekommen. Bei dem Buch handelt es sich eher um einen Krimi als um eine Abenteuergeschichte, und wer vor Mafia und Pistolen nicht zurückschreckt, kann hier gut zugreifen.

Dankeschön an das Bloggerportal!


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