Atlantik Verlag, 2017
20,00 Euro
Handlung:
Ein Brief, der mit 33 Jahren Verspätung sein Ziel erreicht, stellt Alains ruhiges Leben auf den Kopf. Er ist Arzt und hat die fünfzig überschritten, seine Frau betrügt ihn, die Kinder sind längst aus dem Haus – trotzdem ist er eigentlich ganz zufrieden. Doch eines Morgens liegt in der Post ein Plattenvertrag für Alains Band The Hologrammes – von 1983. Alain wird zurückgeworfen in eine Zeit, als er und seine Band um ein Haar berühmt geworden wären, als noch alles möglich schien. Er macht sich auf die Suche nach den anderen Bandmitgliedern – und findet einen erfolgreichen, aber verbitterten Künstler, dessen Freundin Alain ein vieldeutiges Lächeln schenkt, einen Präsidentschaftskandidaten und einen populistischen Politiker. Nur die Sängerin, die schöne Bérangère, in die Alain heimlich verliebt war, scheint zunächst verschwunden …
Meine Meinung:
"Die Melodie meines Lebens" ist das erste Buch, das ich von Antoine Laurain lese, und wenn dieses exemplarisch steht für den Schreibstil, den Aufbau seiner Geschichten und der Art, wie Figuren dargestellt werden, dann - befürchte ich - wird es auch zugleich das letzte sein, das ich von ihm gelesen habe. Denn irgendwie ist der Funke, den so viele Leser beim Lesen seiner Bücher anpreisen, bei mir nicht übergesprungen.
Ich fand die Geschichte zu großen Teilen langweilig, kaum spannend, kaum überzeugend. Es fängt schon damit an, dass sich Herr Laurain scheinbar nicht entscheiden konnte, wen er denn zu seiner Hauptfigur der Geschichte kürt. Eigentlich soll es wohl Alain sein, der eines Tages einen Brief mit großer Verspätung erhält, einen Brief, der damals sein Leben hätte verändern können. Zugleich läuft jedoch sein ehemaliger Bandkollege "JBM" - neuer bescheidener Präsidentschaftskandidat Frankreichs - Alain den Rang als Plotträger ab, denn er ist nicht nur weitaus interessanter als Alain, sondern auch viel präsenter. Vielleicht hat Herr Laurain selbst während des Schreibprozesses bemerkt, dass JBM mehr hergibt als Alain, denn in meinen Augen spricht er JBM den weitaus größeren Rahmen in seinem Buch zu. Sympathisch ist - mal so nebenbei - jedoch keine von den dargestellten Figuren.
Dazu kommt ein Hin und Her der Erzählebenen. So viele (Neben-)Figuren bekommen ein eigenes Kapitel und dürfen etwas über ihre Vergangenheit erzählen. Das an sich hat mich nicht gestört, das war eigentlich ein interessanter Einfall. Aber die Wortmeldungen sind mitunter so banal, so wenig zielführend für die Geschichte, dass ich mich mehrfach gefragt habe, was mir als Leser diese 5 Seiten jetzt bringen sollten. Keine der Figuren wird einem dadurch nahe gebracht. Und mir haben die Emotionen, die Beschreibungen, das "Persönliche" im Buch gefehlt. Es ist ein Abriss von Geschehnissen, die passiert wären oder auch nicht, völlig egal, ob es jenen besagten Brief gegeben hätte, den Alain mit so viel Verspätung erhält. Der Brief und die Geschichte der Band "Hologrammes", die Alain und Co. in den 80ern gegründet haben, ist völlig nebensächlich für alles, was im Buch geschieht. Und da fühlte ich mich als Leser ein bisschen veralbert...



Die Idee klingt eigentlich nett - schade, dass die Umsetzung nicht passt und vor allem schade, dass der Brief letztendlich keine wirklichen Auswirkungen auf den Plot hat.
AntwortenLöschenJa, so hab ich es empfunden, dass der Brief nur ein Alibi ist, um über ein paar Personen erzählen zu können. War leider nicht mein Fall...
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