Dienstag, 19. Oktober 2021

"Der dunkle Tod und das Meer" - Stuart Turton

Tropen Verlag, 2021

25,00 Euro


HIER geht´s zum Buch (Verlagsseite)



Worum geht´s?

1634: Ein Schiff auf dem Weg von Indonesien nach Amsterdam. Eine dunkle Prophezeiung und ein Detektiv, der selbst Gefangener ist. Samuel Pipps und Arent Hayes stehen vor dem Fall ihres Lebens, denn der Teufel ist mit an Bord. Aberglaube, Hexenjagd, Machtgier – Stuart Turton führt uns ins dunkle Meer der menschlichen Abgründe.

Gerade noch hat Samuel Pipps im Auftrag der mächtigen Männer der Ostindien-Kompanie einen kostbaren Schatz in der Kolonie Batavia wiedergefunden. Nun befindet er sich auf dem Weg zu seiner Hinrichtung. Sein Assistent und Freund Arent Hayes ist mit an Bord der Saardam. Genau wie der Generalgouverneur und seine Frau Sara Wessel. Doch kaum auf See, beginnt der Teufel sie heimzusuchen. Unerklärliche Morde geschehen, und ein Flüstern weht durch das Schiff, das alle an Bord dazu verführt, ihren dunkelsten Wünschen nachzugeben. Pipps muss seinem Freund Arent und Sara dabei helfen, ein Rätsel zu lösen, das alle Passagiere verbindet und weit in die Vergangenheit zurückreicht. Bevor das Schiff sinkt und sie alle in die Tiefe reißt.


Meine Meinung:

Ich kann beim besten Willen nicht sagen, wann ich zuletzt ein Buch gelesen habe, das im 17. Jahrhundert spielt. Und noch dazu eins, das mit Worten wie "Abenteuer, Detektiv, Fluch, Unerklärliches" beworben wird. Als ich die Inhaltsbeschreibung las, war mir jedenfalls sofort klar, dass ich dieses Buch unbedingt lesen möchte - und das, obwohl (Schande auf mein Haupt!) "Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle" vom selben Autoren schon so viele Monate ungelesen bei mir herumliegt. Aber dieses Buch hier, "Der dunkle Tod und das Meer", das habe ich mir direkt geschnappt, als ich es bekam, und ich hab so schnell nicht wieder aufgehört.

Hier ist nämlich so ziemlich alles drin, was ich von einer spannenden und unterhaltsamen Abenteuergeschichte erwarte. Das Setting ist sehr begrenzt, denn obwohl die Handlung fast ausschließlich auf einem Schiff spielt, ist sie vielleicht genau deswegen echt gelungen. Niemand kann sich aus dem Weg gehen, niemand kann die zunehmende Beklemmung abschütteln und dem Misstrauen, das sich von Beginn an auf das Schiff schleicht, ausweichen. Denn auf der "Saardam" auf ihrem Weg nach Amsterdam geschehen schon kurz nach dem Start merkwürdige Dinge, zumal für Personen des 17. Jahrhunderts, die noch tief mit ihrem Glauben verwurzelt sind und ihr Leben danach ausrichten. Der Teufel ist mit an Bord - es dauert nicht lange, bis so manch einer davon felsenfest überzeugt ist. Es geschehen Todesfälle, es tauchen unheimliche Lichter auf dem Meer auf, Vieh wird abgeschlachtet, Personen werden an Fenstern gesehen, die dort eigentlich gar nicht sein können. Gruselig! Ja, durchaus, aber nicht auf so eine fiese-blutig-morbide Art. Nein, eher entwickelt die Story langsam eine düstere Sogwirkung; man möchte weiterlesen, man möchte verstehen, was da vor sich geht. Man möchte die zahlreichen Personen an Bord begleiten, manche davon mehr als andere - was kein Problem ist, weil man als Leser verschiedene Erzählperspektiven vorgesetzt bekommt.

Sympathieträger sind ohne Zweifel Detektiv Samuel Pipps und sein Kumpel Arent Hayes, aber es macht auch Spaß, Sara Wessels Sicht der Dinge zu verstehen, denn die hat eine für das 17. Jahrhundert erfreulich offene und kluge Weltsicht. Dies ist vielleicht das einzige, was man hier kritisch anmerken könnte (weil es unweigerlich auffällt): Die Art, wie die Frauen an Bord sich verhalten und mit-kombinieren dürfen, wie sie offen reden und auch mal widersprechen - das entspricht sicher nicht den Gepflogenheiten einer Dame im 17. Jahrhundert. Die Dialoge, die Lockerheit zwischen den Personen, gar so mancher Witz und Scherz im Buch - sicher hat sich im 17. Jahrhundert niemand wirklich so gegeben, schon gar nicht "besser gestellte" Personen. Aber das sollte auch gar nicht so sein, stellt Autor Turton in seinem Nachwort unmissverständlich klar. Ihm ging es eher um das historische Setting, das an sich auch völlig korrekt eingebettet ist, und nicht darum, auch noch jeden Dialog 1634-tauglich zu gestalten. Dann wäre das Buch vermutlich auch nicht so unterhaltsam geworden. 

Das Ende ist kurios, ich zumindest hätte nicht mit dieser Auflösung gerechnet, und das machte das Leseerlebnis für mich noch einmal besser. Mir hat "Der dunkle Tod und das Meer" sehr gut gefallen, und nun werde ich mir doch endlich auch mal "Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle" vornehmen.


Dankeschön an den Verlag und Literaturtest!


Mittwoch, 13. Oktober 2021

Blitzlicht: Von Netgalley, neuen Büchern und Basteleien

Hallo liebe Leseleute, Herbstfreunde, Weihnachten-Entgegen-Fieberer, Bastler und heutige Geburtstagskinder.

Am Wochenende hatte ich mal kurz einen "Rezensions-Flash", da hat es mich spontan gepackt und ich habe zwei Rezensionen runtergeschrieben und mir immerhin Gedanken über zwei weitere Bücher gemacht. Muss ja auch mal sein, zumal ich aktuell tatsächlich auch mal wieder ein, zwei Bücher von Verlagen bzw. als Leseexemplar in Form von ebooks liegen habe.

"Neu entdeckt" habe ich nämlich Netgalley - naja, neu entdeckt eigentlich nicht, ich wusste schon länger davon, aber angemeldet hatte ich mich bisher nicht. Vermutlich in erster Linie deshalb, weil ich im Grunde meines Herzens doch kein so richtiger Freund von ebooks bin und Netgalley nun mal darauf basiert, dass man die Bücher als ebooks erhält. Jedes Mal, wenn ich meinen Kindle in der Hand habe, dann denk ich mir, wie viel netter das jetzt mit einem "echten" Buch wäre. Und ich bin bei ebooks auch total knauserig, muss ich gestehen. Ich kauf mir eh selten welche und wenn dann nur mal eins, das es als Angebot gibt für maximal 5 Euro. Mehr würde ich für so ein elektronisches Irgendwas, das ich mir nicht ins Regal stellen kann, nie ausgeben, wenn ich mal ehrlich sein soll. Und wenn ich online sehe, dass ich für ein Hardcover beispielsweise 20 Euro bezahlen müsste, die ebook-Version selber aber auch schon 18 Euro kostet - na da ist doch klar, worauf meine Wahl fällt. Geht es euch auch so oder bin ich da komisch?


Und weil ich halt Verfechterin des "echten" Buches bin, sind eben genau solche auch wieder vermehrt in den letzten Wochen bei mir eingezogen. Neue Bücher - gibt´s was schöneres? (Rhetorische Frage! ;) ) Problem: Ich weiß überhaupt nicht, wann ich die alle noch lesen soll. Momentan habe ich sooo viele Bücher im Kopf, die ich gern lesen möchte, auch im Sinne von jetzt gleich, aber ich komm nicht dazu bzw. brauch einfach ewig, um andere fertig zu lesen, und dann braucht man seine Freizeit ja schon ab und zu auch mal noch für andere Dinge. Aktuell lese ich 5 Bücher parallel, keins davon ist übrigens auf diesem Foto zu sehen, denn abgesehen von "The Bronzed Beasts", das ich sehnsüchtig erwartet und deswegen wirklich auch innerhalb von 3 Tagen weggelesen hatte, hat es noch keins der neuen Bücher in meine Hände geschafft.    

Das wiederum liegt auch daran, dass ich aktuell total Lust auf Basteln habe. Also nicht so Teekränzchen-Beschäftigungstherapie-mäßig. Nee, ich hätte gern eine Mini-Bibliothek in meiner "richtigen" Bibliothek (aka meine Bücherregale). Ich habe das mal online gesehen, finde die Ideen total cool und niedlich und möchte mich da längerfristig gern selbst reinstürzen in dieses Miniatur-Dings. Wenn´s irgendwann mal hübsch und so ist, dann zeig ich mal ein Foto. Momentan besteht das Vorhaben größtenteils nur aus Gedanken und Ideen in meinem Kopf und einigen kleinen realen Teilstücken, die aber erst noch ein größeres Ganzes ergeben müssen. 

Und dann ist ja auch bald wieder Weihnachten (whoopwhoop!!) und da kann man seine bastlerisch-künstlerische Ader ja ruhig auch mal wieder spielen lassen. Auch da habe ich schon eine Idee im Kopf für ein beleuchtetes Weihnachtsdorf im Bilderrahmen und sogar schon alles parat liegen - ich müsste mich nur mal dransetzen, und im besten Fall auch noch vorm 1. Advent.

So oder so: Ich hab viel vor und viel zu wenig Zeit. Darauf erstmal die nächsten Seiten in meinem aktuellen Buch... :)


Sonntag, 10. Oktober 2021

"Der letzte Rabe des Empire" - Patrick Hertweck

Thienemann-Esslinger Verlag, 2021
17,00 Euro





Worum geht´s?
London 1888. Eine Mordserie versetzt die Stadt in Angst und Schrecken. Voller Entsetzen verfolgt Melvin die Ereignisse, denn er kannte jedes einzelne Opfer. Als auch noch das Mädchen getötet wird, das er heimlich liebt, setzt er alles daran, den Mörder aufzuspüren. Noch ahnt er nicht, dass in den dunklen Gassen des East End unheimliche Wesen auf ihn lauern. Und dass ihm ein einbeiniger Rabe auf Schritt und Tritt folgt …



Meine Meinung:
"Der letzte Rabe des Empire" ist das dritte Buch, das ich von Patrick Hertweck gelesen habe. Mein Favorit bleibt weiterhin die Geschichte von "Maggie", aber diese hier kann ähnlich gut unterhalten. Und das liegt vor allem an der Atmosphäre und der Stimmung, die im Buch verbreitet wird. Genau das gefiel mir auch in den anderen Büchern des Autoren. Man fühlt sich beim Lesen wie "dabei sein". 
Und so verschlägt es den Leser in diesem Buch hier ans Ende des 19. Jahrhunderts nach London. Jack the Ripper ist seit einiger Zeit in aller Munde und in jeder Tageszeitung zu finden, denn seine Morde an jungen Frauen verbreitet Angst und Schrecken. Mittendrin Melvin, ein jugendlicher Straßenjunge, der sich so durch den Tag schlägt und sich vom "Ripper" nicht allzu betroffen fühlt - bis er feststellt, dass er jedes einzelne der getöteten Mädchen persönlich von früher kannte. Plötzlich geschehen weitere merkwürdige Dinge in der Stadt, kuriose Personen und Gestalten tauchen auf, Melvin hat das Gefühl, verfolgt zu werden. Nach und nach dämmert ihm, dass er scheinbar mehr mit dem "Ripper" zu tun hat, als er je gedacht hätte... 
Wie schon gesagt, ich mochte das Setting des Buches sehr. Die düsteren, nebelverhangenen Straßen und Gässchen des früheren Londons kann man sich wunderbar in dieser Geschichte vorstellen. Außerdem wird es schnell mysteriös und undurchsichtig. Viele Einzelpersonen werden vorgestellt, jeder trägt Geheimnisse mit sich herum und scheint irgendwie involviert. Ein bisschen ungewohnt bzw. eigen erschien mir, dass der Autor sehr kurze Kapitel verwendet, oftmals nur ein paar Sätze, teilweise nicht mehr als eine Seite lang, und jedes aus einer anderen Perspektive geschrieben. Dadurch wirkt die Geschichte unglaublich schnell und dynamisch, spielt wohl auch deshalb insgesamt an nur wenigen Tagen. Man switcht beim Lesen schnell von einer Sicht zur nächsten - das hat den Vorteil, dass man sich eigentlich immerzu sagt "Ach, das nächste Kapitel auch noch, und das nächste..." - man also im Prinzip durch die Geschichte fliegt. Zugleich hatte das aber den Nachteil für mich, dass ich manchmal ein wenig brauchte, um wieder in die Story hineinzukommen, wenn ich dann doch mal für ein paar Tage Pause im Buch gemacht habe. Denn es werden soviele Fäden gesponnen, soviele Perspektiven eingenommen, die am Ende zwar alle zusammenlaufen, aber zuvor eben auch einiges an Konzentration erfordern. Hier und da hätte ich mir etwas mehr Details und Einblicke in die Gedanken und das Innenleben der Figuren gewünscht, muss ich sagen. Durch die sehr schnelle Schreibweise und das schnelle Hüpfen von einer Person zur nächsten blieben für mich Beschreibungen von Äußerlichkeiten oder Charaktereigenschaften ein wenig auf der Strecke, wenngleich Herr Hertweck mit seinen Figuren wieder sehr sympathische und kuriose Gestalten ins Leben geschrieben hat. Das hatte mir auch schon bei "Maggie" sehr gefallen. 
Letztlich ist "Der letzte Rabe des Empire" eine Geschichte voller Mysterien, Geheimnissen und Abenteuern. Es geht um Geheimbünde, einen Serienkiller, historische Alchemie-Versuche, um Freundschaft, das Verliebtsein, das Dazugehören-Wollen und der Suche danach. Dabei wird man immer wieder überrascht von so mancher Wendung, v.a. dann, wenn historisch belegte reale Personen oder Situationen hier in einen völlig neuen und ungeahnten Kontext gebracht werden, der dennoch stimmig wirkt. Ein "historischer Abenteuerroman", wie es im Titel schon beworben wird, das trifft es eigentlich sehr genau.


Ein herzliches Dankeschön an Netgalley und den Verlag!

Donnerstag, 30. September 2021

Vortex - Anna Benning; oder auch: Warum ich die Reihe wohl nicht weiterlesen werde

Fischer KJB Verlag, 2020

18,00 Euro



Worum geht´s?

Für Elaine ist es der wichtigste Tag ihres Lebens: In Neu London findet das spektakuläre Vortexrennen statt, und sie ist eine der Auserwählten. Hunderte Jugendliche jagen bei dem Wettkampf um den Globus – doch nicht zu Fuß. Sie springen in die Energiewirbel, die die Welt vor Jahrzehnten beinahe zerstört haben. Der Sprung in einen Vortex ist lebensgefährlich, doch gelingt er, bringt er einen wie ein geheimes Portal in Sekunden von einem Ort zum anderen. Elaine will das Rennen um jeden Preis gewinnen. Doch mitten im Vortex erwacht eine Macht in ihr, die die Welt erneut erschüttern könnte. Und der Einzige, der Elaine nun zur Seite stehen kann, ist ein Junge, der nichts mit ihr zu tun haben will...


Alle Bände der »Vortex«-Trilogie:
Band 1: Der Tag, an dem die Welt zerriss
Band 2: Das Mädchen, das die Zeit durchbrach
Band 3: Die Liebe, die den Anfang brachte



Meine Meinung:

ACHTUNG - Wird vermutlich Spoiler enthalten!

Ich gehöre nicht mehr zur Zielgruppe dieser Buchreihe, das ist mir schon klar. Die liegt sicher irgendwo so bei 15/16/17 und ich bin ... nun ja, doch schon etwas älter. Aber ich mag Bücher, gerade auch Jugendbücher, wenn man sie noch lesen kann und GUT finden kann, selbst wenn man schon älter ist. "Vortex" ist eine Buchreihe, die mir schon zig mal in den Sozialen Medien begegnet ist und die irgendwie alle toll finden. Nicht nur die Rezensionen sprechen für sich, auch die 5-Sterne-Bewertungen - aber alles geschenkt, auf sowas geb ich gar nicht mal soo viel. Wenn ich allerdings sehe und lese, dass andere BloggerInnen, von denen ich weiß, dass sie in meinem Alter sind, diese Buchreihe feiern und GANZ TOLL finden - naja, dann werde ich halt hellhörig und denk mir, ok, vielleicht auch was für mich.

Also hab ich mir "Vortex", den ersten Teil zugelegt. Und ja, ich finde, die Grundidee, die die Autorin Anna Benning hier verarbeitet, ist auch gar nicht mal so uninteressant und bietet durchaus Möglichkeiten für eine Story, auch eine mehrteilige. Warum es wieder mal eine dreiteilige sein muss - keine Ahnung. Zugleich bin ich da schon direkt bei meinem ersten Kritikpunkt: Ich weiß nicht, inwiefern und wie sehr die Autorin in den beiden Nachfolgebänden noch auf weitere Erklärungen eingeht, aber zumindest für den ersten Teil sind mir einfach schon mal zu wenige enthalten. Diese ganzen Vortexe, die plötzlich vor 70 Jahren auf der Erde auftraten und dann einfach ... DA waren und seitdem wie verschwurbelte Riesen-Wirbelspiral-Stürme über die Erde wandern und dabei die Möglichkeit bieten, durch sie hindurch zu wandern und an ganz anderen Ecken der Erde wieder rauszukommen. Äh... ja. Aber warum? Irgendwie hat mir das als Erklärung bzw. als "Welten-Entwurf", wie man so schön sagt, gefehlt. Ich finde, da hätte die Autorin einfach mal mehr erklärend liefern können, auch wenn es noch so schräg gewesen wäre. Mir persönlich war da zu wenig als Hintergrundinfo. Auch die Frage, warum denn alle Städte noch so heißen wie immer, trotz aller Verwüstungen und Schäden, die damals aufgetreten sind, aber einzig London heißt nun offenbar Neu-London. Aber noch viel wichtiger: Wo kamen die Vortexe denn her? Wieso halten die sich seit 70 Jahren? Haben da nicht mal irgendwelche Wissenschaftler kluge Theorien abgeliefert (Klimawandel, Sonneneruptionen, Marsschwingungen whatever)?! Kann ich mir gar nicht vorstellen, aber das wird so gar nicht angesprochen im Buch. Wie gesagt, vielleicht ja in den Folgebänden, aber hier war mir das zunächst zu wenig. 


Und dann verbaut sich Frau Benning in meinen Augen auch irgendwie selber den "Catcher", also diesen Effekt, dass man unweigerlich Lust auf die Fortsetzung kriegt und am liebsten direkt weiterlesen will. Denn Band 1 endet zwar nicht komplett abgeschlossen, nein, das nicht. Es ist schon klar, dass es noch irgendwie weitergehen muss in der Story von Elaine und Bale und Co. Aber an sich endet die Handlung aus Band 1 erstmal relativ in sich abgeschlossen, am Ende steht ein fast "happy" End und einen Cliffhanger oder irgendwie sowas gibt es schon gleich gar nicht. Konsequenz: Ich hab nach dem Zuklappen NICHT direkt Lust, Teil 2 weiterzulesen. Tatsächlich habe ich in der Mitte des Buches noch überlegt, ob ich mir vorausschauend nicht vielleicht gleich die Fortsetzung bestellen sollte, habe es dann aber doch gelassen, weil mir eine leise Stimme zuraunte, ich solle doch lieber erst mal das Ende abwarten. Zum Glück habe ich das getan, denn meine Motivation, diese Buchreihe weiterzulesen, ist nach dem Beenden des ersten Teils erstmal wieder fast auf Null zurückgegangen.


Weil Frau Benning mir aber auch keinen Grund zum weiter-Mitfiebern liefert. Wie schon gesagt, Cliffhanger oder lose, atemraubende Aspekte, die ein "Ich will weiterlesen!" fördern, gibt es am Ende von Teil 1 schon mal nicht. Dann macht sie aber auch noch den Fehler, dass sie die Liebesstory des Buches nicht nur schon einführt, sondern sogar gleich gewissermaßen in vollem Ausmaß darlegt (ja, ich spoilere jetzt hier mal ganz fies, NATÜRLICH geht´s um Elaine und Bale)! Die beiden kriegen sich, wow, das war ja jetzt ... hm, irgendwie gar nicht überraschend. Und dann gibt´s ja auch gar keine Plottwists, gar keine Hürden oder schlimme Geheimnisse mehr, die den beiden noch im Weg stehen würden... Heißt also, die beiden haben sich am Ende von Band 1 schon gesucht und gefunden. Ok, wo ist dann jetzt der Reiz, weiterzulesen? Irgendwie macht doch gerade so eine Jugendstory aus, dass es da ein bisschen Hin und Her gibt, erstmal unsägliche Qualen und Flirtereien und Missverständnisse und am besten verschwindet auch noch irgendwer, der dann gerettet werden muss. Oder seh ich das falsch? Klar, vielleicht kommt das in den Bänden 2 und 3 noch, kann ja sein. Dann hätte ich doch aber trotzdem nicht schon in Band 1 das ganze Pulver verschossen und die Beteiligten (17- und 18-Jährige btw) da schon das große L-Wort sagen lassen - denn mal ehrlich, wie öde ist das, wenn ich schon zum Ende von Band 1 lese, wie die beiden sich gekriegt haben? Da liegt doch letztlich auch der Reiz einer BuchREIHE drin, dass es eben nicht so leicht geht, sondern man als LeserIn erstmal ordentlich mitfiebern und mitleiden muss. So Liebeskummer-mäßig. (Selbst mit über 30 geht das noch sehr gut!)

Das verstehe ich also echt nicht, warum Frau Benning hier schon alle Fäden zusammenlaufen lässt, was die Lovestory ihrer Helden betrifft. Dazu kommt, dass ich Hauptfigur Elaine nicht besonders mochte, was ja auch schon immer schlecht ist für den Leser. Elaine ist mir einfach viel zu wenig blickig, zu impulsiv, sie handelt vorschnell ohne nachzudenken, und noch dazu handelt sie oftmals so dumm und unnötig, dass ich echt nicht anders konnte, als die Augen zu verdrehen. Echt mal, so eine Heldin muss man auch erstmal hinkriegen, die irgendwie völlig unbedacht handelt und dadurch immer nur Chaos und Durcheinander stiftet. Es wirkt halt irgendwie nicht so clever, wenn Elaine 10 Minuten lang gesagt bekommt, sie soll untertauchen und sich verstecken und sich BLOß nicht zeigen - und Elaine dann keine 5 Minuten später auf einen überfüllten Platz rennt und rumschreit und damit - oh, Überraschung! - alle Blicke auf sich zieht. Naja, das soll wohl beherzt und sympathisch wirken, ich fand es nervig. Überhaupt wirft sie ihre Maximen und Überzeugungen recht schnell über den Haufen und hinterfragt nicht viel. Was sie 17 Jahre lang eingebläut bekommen und gelernt hat, ist ohne jegliche Erklärung nach 2 Tagen unter der Grunder-Gemeinschaft inmitten von Wald und Bäumen vergessen. Sie wechselt sehr schnell die Seiten, und auch da hat es sich die Autorin in meinen Augen zu leicht gemacht, ist zu schnell in ein typisches Schwarz-Weiß-/Gut-Böse-Denken geswitcht. Das zeigt sich irgendwie auch daran, dass die Charaktere der (Neben-)Figuren so stereotyp vorhersehbar geraten sind: die dumme und zickige Mia, die nur stänkert; oder der anbetungswürdige und vom Ehrgeiz zerfressene Holden, der doch nur von seinem Vater gesehen werden will und dafür über Leichen geht. Für mich war manches hier leider zu plakativ und manches hat einfach nicht gepasst.


Wie gesagt, es kann sein, dass sich das alles in den beiden Nachfolgebänden noch ändert und vertieft wird und völlig unerwartete Wendungen und Charakteränderungen aller Beteiligten auftreten. Dass es auch viel mehr Erklärungen zu den Vortexen und der Story-Welt an sich gibt. Aber am Ende von Band 1 habe ich aktuell nicht genügend Lust und Interesse an der Story, um direkt weiterlesen zu wollen. Vielleicht läuft mir Band 2 irgendwann mal im Preis reduziert über den Weg. Vielleicht greife ich dann spontan zu. Aber momentan...nicht.


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