Tropen Verlag, 2021
25,00 Euro
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Worum geht´s?
Meine Meinung:
Ich kann beim besten Willen nicht sagen, wann ich zuletzt ein Buch gelesen habe, das im 17. Jahrhundert spielt. Und noch dazu eins, das mit Worten wie "Abenteuer, Detektiv, Fluch, Unerklärliches" beworben wird. Als ich die Inhaltsbeschreibung las, war mir jedenfalls sofort klar, dass ich dieses Buch unbedingt lesen möchte - und das, obwohl (Schande auf mein Haupt!) "Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle" vom selben Autoren schon so viele Monate ungelesen bei mir herumliegt. Aber dieses Buch hier, "Der dunkle Tod und das Meer", das habe ich mir direkt geschnappt, als ich es bekam, und ich hab so schnell nicht wieder aufgehört.
Hier ist nämlich so ziemlich alles drin, was ich von einer spannenden und unterhaltsamen Abenteuergeschichte erwarte. Das Setting ist sehr begrenzt, denn obwohl die Handlung fast ausschließlich auf einem Schiff spielt, ist sie vielleicht genau deswegen echt gelungen. Niemand kann sich aus dem Weg gehen, niemand kann die zunehmende Beklemmung abschütteln und dem Misstrauen, das sich von Beginn an auf das Schiff schleicht, ausweichen. Denn auf der "Saardam" auf ihrem Weg nach Amsterdam geschehen schon kurz nach dem Start merkwürdige Dinge, zumal für Personen des 17. Jahrhunderts, die noch tief mit ihrem Glauben verwurzelt sind und ihr Leben danach ausrichten. Der Teufel ist mit an Bord - es dauert nicht lange, bis so manch einer davon felsenfest überzeugt ist. Es geschehen Todesfälle, es tauchen unheimliche Lichter auf dem Meer auf, Vieh wird abgeschlachtet, Personen werden an Fenstern gesehen, die dort eigentlich gar nicht sein können. Gruselig! Ja, durchaus, aber nicht auf so eine fiese-blutig-morbide Art. Nein, eher entwickelt die Story langsam eine düstere Sogwirkung; man möchte weiterlesen, man möchte verstehen, was da vor sich geht. Man möchte die zahlreichen Personen an Bord begleiten, manche davon mehr als andere - was kein Problem ist, weil man als Leser verschiedene Erzählperspektiven vorgesetzt bekommt.
Sympathieträger sind ohne Zweifel Detektiv Samuel Pipps und sein Kumpel Arent Hayes, aber es macht auch Spaß, Sara Wessels Sicht der Dinge zu verstehen, denn die hat eine für das 17. Jahrhundert erfreulich offene und kluge Weltsicht. Dies ist vielleicht das einzige, was man hier kritisch anmerken könnte (weil es unweigerlich auffällt): Die Art, wie die Frauen an Bord sich verhalten und mit-kombinieren dürfen, wie sie offen reden und auch mal widersprechen - das entspricht sicher nicht den Gepflogenheiten einer Dame im 17. Jahrhundert. Die Dialoge, die Lockerheit zwischen den Personen, gar so mancher Witz und Scherz im Buch - sicher hat sich im 17. Jahrhundert niemand wirklich so gegeben, schon gar nicht "besser gestellte" Personen. Aber das sollte auch gar nicht so sein, stellt Autor Turton in seinem Nachwort unmissverständlich klar. Ihm ging es eher um das historische Setting, das an sich auch völlig korrekt eingebettet ist, und nicht darum, auch noch jeden Dialog 1634-tauglich zu gestalten. Dann wäre das Buch vermutlich auch nicht so unterhaltsam geworden.
Das Ende ist kurios, ich zumindest hätte nicht mit dieser Auflösung gerechnet, und das machte das Leseerlebnis für mich noch einmal besser. Mir hat "Der dunkle Tod und das Meer" sehr gut gefallen, und nun werde ich mir doch endlich auch mal "Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle" vornehmen.
Dankeschön an den Verlag und Literaturtest!



Ich muss gestehen, dass ich um den Autor noch etwas herumschleiche, weil ich zwar viel Gutes über "Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle" gehört habe, aber mich ein bestimmter Teil der Inhaltsangabe nicht anspricht ... ich glaube, ich warte mal ab, was du über den anderen Roman zu sagen hast, wenn du ihn gelesen hast, und schaue dann, ob ich den Autor dann doch mal endlich lese. *g*
AntwortenLöschenOh, das macht mich natürlich neugierig: welcher Teil in der Inhaltsangabe schreckt dich denn eher ab? Ich fand die Inhaltsangabe eigentlich ziemlich interessant, weil es aus einer kuriosen Perspektive geschrieben zu sein scheint...
LöschenLustigerweise ist es gerade die kuriose Perspektive, die mich abschreckt. Wenn das gut gemacht hast, kann es großartig sein, aber es kann halt auch nach hinten losgehen. Und ich gebe zu, dass es sehr viele positive Stimmen zu dem Roman gibt, aber mich schreckt es doch eben etwas ab ... *g*
LöschenJa, sowas "experimentelles" kann manchmal auch nach hinten losgehen. Aber ich bin da mal ganz aufgeschlossen und neugierig und werde definitiv reinlesen. Frage ist nur, wann. Denn momentan komm ich irgendwie kaum zum Lesen... :/
LöschenDas ist immer doof - ich drücke die Daumen, dass sich das bald wieder ändert und du Ruhe zum Lesen hast! :) Bei mir klappt es im Moment am Besten, wenn ich eigentlich ins Bett gehen sollte, also sind meine Nächte etwas kürzer als vernünftig wäre. *g*
LöschenJa, geht mir auch so: die einzige Zeit, zu der ich momentan zum Lesen komme, ist tatsächlich die kurz vorm Schlafengehen! :D Allerdings schaffe ich da manchmal auch nicht viele Seiten, und ich achte letztlich schon darauf, dass ich nicht zu lange lese, wenn ich weiß, dass meine Nacht sonst so kurz wird... Aus dem Grund lese ich jeden Tag gefühlt nur 10 Seiten, komme im Buch kaum voran, weiß abends manchmal auch gar nicht mehr, was ich am Tag davor gelesen habe und muss das erst nochmal auffrischen. Jedenfalls kein wirklich gutes und schönes Lesen bei mir momentan :D
LöschenOh, wie toll, dass dir der Roman so gut gefallen hat. Ich habe den auch schon auf meiner Liste, bin mir nur noch nicht sicher, ob er mir nicht eventuell zu gruselig sein könnte.
AntwortenLöschenAlso zuu gruselig fand ich ihn nicht. Nicht so, dass man beim Lesen am liebsten das Buch zuklappen will und dann nur bei Licht schlafen kann. Nee nee, so nicht. Da geschehen halt ein paar komische unerklärliche Dinge, aber es hält sich alles im Rahmen und die Beschreibungen sind auch nicht zu schlimm, keine Sorge. Ich würd´s dir empfehlen.
LöschenDann werde ich mich wohl drübertrauen, auch wenn ich es vielleicht besser nur aus der Bücherei ausleihe.
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