OKTAVEN im Verlag Freies Geistesleben, 2021
24,00 Euro
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Worum geht´s?
Es hat gefunkt beim ersten Anblick. Evan ist in Liebe zu Caroline entbrannt. Alles Weitere soll seine gute alte Freundin Nin für ihn festhalten. Am besten in Form eines Romans – den sie bei unzähligen Treffen in diversen Londoner Pubs bereden. Die Geschichte müsste bald Fahrt aufnehmen, meint Nin, als deren Erzählerin. Obwohl sie … andererseits …
Aber es gibt ja berühmte literarische Vorbilder für diese Art von Liebe.
Meine Meinung:
Warum wollte ich dieses Buch lesen? Nun, zugegeben, meine Gründe waren recht einfache: 1. Ich heiße Caroline, dachte also, es wäre doch ganz nett, etwas über eine Namensvetterin zu lesen. 2. Ich habe ein Faible für schwurbelige, komplizierte Liebesgeschichten, die schließlich aber doch - irgendwie - ihr Happy End finden. Und ich bin davon ausgegangen, hier genau so etwas zu finden.
Leider... war das nicht der Fall. Das Buch hinterlässt ziemlich gemischte Gefühle bei mir, weil es einige Punkte gab, die mich gestört oder sogar sehr genervt haben. Allen voran leider (und da liegt wohl schon das Hauptproblem für mich): ich konnte mit den Hauptfiguren nichts anfangen. Gar nichts. Sowohl Emily als auch Evan waren mir so unsympathisch, mir so gleichgültig, dass es mir letztlich total egal war, was mit ihnen passiert. Ob Evan seine Caroline, in die er sich so sehr Hals über Kopf verguckt hat, am Ende tatsächlich erobert, oder vielleicht auch nicht - nach einem Viertel des Buches war mir das einfach egal. Evan ist so oberflächlich; er rühmt sich damit, schon in vielen verschiedenen großen Städten gewohnt und gearbeitet zu haben, "kosmopolitisch" zu sein - bezüglich seiner Persönlichkeit und seines Charakters ist er aber leider so flach und leer geraten wie ein Briefumschlag. Emily nimmt sich letztlich ebenso wichtig; sie rühmt sich damit, ab und zu eine Kurzgeschichte zu veröffentlichen, was sie insgeheim scheinbar zu einer großen, leider verkannten Schriftstellerin macht. Offenbar reicht das aber schon aus, um sich im Leben richtig wichtig zu fühlen. Die beiden saufen sich durch die Buchseiten, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn beide sind während der kompletten Handlung eigentlich nur in Pubs und/oder beim Trinken anzutreffen. Klar, das steht letztlich schon in der Inhaltsangabe drin, aber kann das echt der ganze Inhalt sein?! Alkohol wird hier gefeiert wie nichts anderes, ein Umstand, der der Autorin Kirsty Gunn offenbar so wichtig war, dass sie in ihrem "Zugaben"-Teil am Ende des Buches doch allen Ernstes noch eine Liste der im Buch erwähnten Gin-Sorten abdrucken musste - als müsste sich der geneigte Leser direkt erstmal was zum Picheln zulegen.
Was mich letztlich ebenso sehr gestört hat, war der Schreibstil. Ich fand es unfassbar anstrengend, dieses Buch zu lesen, weil Emily in ihrer Art zu erzählen so ausufernd, leiernd und nervend ist, dass ich nicht nur das Buch, sondern direkt am liebsten Emily schütteln wollte. Teilweise unglaublich lange Schachtelsätze ohne wirklichen Inhalt. Ich hab es nicht ganz verstanden, scheinbar bemüht sich die Autorin Gunn, hier insgeheim ein besonderes Erzählmaß anzuwenden, das von "literaturhistorischer" Bedeutung ist. Was sich dahinter versteckt, kann ich nicht sagen. Mich hat das Lesen genervt. Ständig sind Fußnoten eingebettet, die letztlich aber so nichtssagend sind, dass man sie sich auch gut sparen könnte - nach einigen Seiten habe ich sie auch gar nicht mehr gelesen. Außerdem macht Frau Gunn in echt und Emily als ihr Sprachrohr im Buch ein unheimliches Gewese um den "Zugaben"-Teil am Ende des Buches. Immer wieder wird darauf verwiesen, dass man an dieser und jener Stelle unbedingt den Zusatz-Teil lesen solle für ergänzende Informationen. Aber warum? Ich fand den Zugaben-Teil irgendwie überflüssig, denn er hat doch mit der eigentlichen Story gar nichts mehr zu tun. Wie schon gesagt, da sind so "wichtige" Sachen drin wie die Aufzählung der Gin-Sorten oder Gegenden in London. Hä? Keine Ahnung, der Sinn dahinter hat sich mir hier echt nicht erschlossen und ich hab mich dann irgendwann gefragt, ob das nicht eigentlich alles ironisch gemeint ist.
Wie oben schon angedeutet, die eigentliche Handlung war mir irgendwann total egal. Ich hab Absätze überflogen, quergelesen, ganze Seiten überschlagen - und hatte am Ende das Gefühl, trotzdem absolut nichts verpasst zu haben.
Das klingt jetzt alles ganz schön böse, ich glaube aber tatsächlich, dass dieses Buch wirklich seine Fans finden kann - eben weil es so anders ist und aus der eigentlichen Masse an "herkömmlich geschriebenen Romanen" heraussticht. In der Hinsicht es etwas besonderes. Es war nur eben leider nicht mein Buch.
Trotzdem vielen Dank an den Verlag Freies Geistesleben!!



Auweh, das war anscheinend eher ein Fehlgriff, vor allem, weil du etwas anderes erwartet hattest. Vielleicht findest du noch ein schönes Sommerbuch mit der für dich richtigen Liebesgeschichte!
AntwortenLöschenNaja, manchmal ist das halt so, dass Buch und Leser nicht zusammenpassen. Ich hatte andere Erwartungen.
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