Freitag, 12. Februar 2021

"Der Zwillingscode" - Margit Ruile

Loewe Verlag, 2021

14,95 Euro


HIER geht´s zum Buch (Verlagsseite)



Worum geht´s?

Was passiert, wenn die Dinge, die wir erschaffen, uns gar nicht mehr brauchen?

Vincent ist siebzehn und eine Doppel-C-Seele. Sein Sozialpunktestand ist so niedrig, dass an ein Studium nicht zu denken ist. Stattdessen repariert er heimlich die mechanischen Haustiere der Firma Copypet.
Eines Tages bringt eine alte Frau eine Katze zur Reparatur. Und die führt Vincent geradewegs in die Simulation – eine virtuelle Welt, in der alle unsere Gegenstände ihr digitales Leben führen. Verborgen in dieser Zwillingswelt aber liegt ein Code. Vincent muss ihn finden, denn davon hängt die Zukunft der Menschheit ab.





Meine Meinung:

Margit Ruile beschäftigt sich in "Der Zwillingscode" mit der Frage, was passiert, wenn unsere schöne digitale Welt zu eigenmächtig, zu selbstständig wird und langsam die Kontrolle über den Menschen übernimmt. Mir hat die Geschichte gut gefallen und mich einige Stunden lang ziemlich an ihre Seiten gefesselt. Geschrieben ist das Buch für Jugendliche und junge Erwachsene, aber auch über diese Altersgruppe hinaus hat man als Leser ein spannendes und unterhaltsames Buch vor der Nase.

Ich mochte Vincent und seine Art, ich mochte, dass er trotz seines schlechten sozialen Standes nicht zum Mitleid oder zum Verdruss neigte. Ich mochte den lockeren und zugleich neugierig machenden Einstieg in die Geschichte, den Frau Ruile gewählt hat. Im Prinzip wirft sie einem am Anfang erstmal nur kleine Bröckchen zu, aber so geschickt und gut gewählt, dass man als Leser weiterlesen will - und muss. Die Geschichte baut sich zunehmend auf, ohne allzu sehr in die Tiefe zu gehen - das kann man vielleicht als kleinen Nachteil empfinden, weil ich persönlich schon glaube, dass hier und da mehr Erklärungen und Verdeutlichungen gut gepasst hätten. Das ganze Setting, die Geschehnisse hätten sicher das Zeug zu "mehr" gehabt. Zugleich braucht es dieses "mehr" aber auch gar nicht immer. Wo andere Autoren ihre Geschichte so auf zwei oder gar drei Bände ausweiten und manchmal unnötig aufbauschen, schafft es Frau Ruile, ihre Story in gut 300 Seiten rund und stimmig sein zu lassen. 

Zumindest größtenteils. Für mich bleiben am Ende nämlich durchaus einige Fragen bzw. Gedankengänge offen. Zum einen hätte ich mir mehr Einsicht in diese ganze Simulations-Sache gewünscht; tatsächlich ist mir nach dem Lesen gar nicht ganz klar, ob es sich hierbei um eine Art digitale Parallelwelt handelt, die "wie selbstverständlich" in der Zukunft neben unserer realen existiert, oder ob es als eine Art digital erstellte Zwillingswelt zu unserer realen Welt (wie ein Computerspiel) zu verstehen ist, die man bewusst und mit Absicht betreten kann. Hier hätte Frau Ruile gut und gern etwas mehr erklären können.

Zum anderen frage ich mich, ob es eine Fortsetzung geben wird, weil in meinen Augen manches nicht abschließend geklärt wird; insbesondere, wofür denn z.B. dieses ominöse Sozialpunktesystem überhaupt jemals eingeführt wurde. Mit welchem Zweck? Und warum wurde es offenbar ohne Weiteres akzeptiert in der Gesellschaft? Ist das realistisch, dass sich Menschen derart in ein Schubladensystem pressen lassen - zu ihrem eigenen Nachteil?


Fazit: "Der Zwillingscode" bietet gute und spannende Unterhaltung für all jene, die sich für digitale Welten erwärmen und begeistern können, aber gern auch mal einen Gedanken an die Möglichkeit verwenden wollen, was passiert, wenn diese plötzlich ein Eigenleben entwickeln.


Dankeschön an den Loewe Verlag und Frau Weber von Literaturtest!


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