z.B. als Kindle Edition; 8,99 Euro
Handlung:
Einem Münchner Auktionshaus wird ein Bild des berühmten impressionistischen Malers Leo Reichenstein angeboten, das 70 Jahre als verschollen galt. Die junge Kunsthistorikerin Anna Falkenberg hat Zweifel an der Echtheit des Gemäldes. Ihre Nachforschungen führen sie zur Galerie Richardson in London. Der attraktive Oliver Richardson, der die Galerie leitet, rät Anna, sich an seinen Großvater Henry zu wenden. Oliver begleitet Anna auf ihrer Reise an die wildromantische Küste Cornwalls. Doch als Anna mit Henry Richardson spricht, ist sie zutiefst irritiert. Denn die Geschichte des Bildes führt in das besetzte Berlin der Nachkriegszeit zurück und scheint eng mit ihrer eigenen Geschichte verbunden zu sein.
Meine Meinung:
Ich mag Kunst. Ich mag Kunstwerke, gehe gern in Museen und hätte um ein Haar eher Kunstgeschichte als Psychologie studiert. Vermutlich liegt es daran, dass mich auch Bücher, in denen es um Kunstwerke und deren Verschwinden geht, wie magisch anziehen. So ging es mir denn auch mit "Das Bild der Erinnerung" von Micaela Jary, auf das ich online durch Zufall stieß, dann aber zugleich halb enttäuscht feststellte, dass es als Taschenbuch gar nicht mehr erhältlich ist. Nach einem kurzentschlossenen Online-Kauf eines gebrauchten Buches hatte ich dann aber sogar extra Glück, weil sich dieses "gebrauchte" Exemplar als Hardcover-Sonderausgabe entpuppte, die sogar noch in Folie eingeschweißt war.
In "Das Bild der Erinnerung" geht es um das Gemälde "Das Liebespaar" von dem fiktiven Künstler Leo Reichenstein. Dieses taucht bei Anna, einer Kunsthistorikerin in München, unversehens auf, die bei der Überprüfung der Provenienz, also der Herkunfts- und Besitzgeschichte des Gemäldes, auf Ungereimtheiten stößt. Genauer gesagt gibt es einige Jahre, bei denen nicht feststeht, wo das Bild in dieser Zeit war und wem es in dieser Zeit "gehörte". Annas Suche führt sie schließlich nach London und zum Galeristen Oliver, dessen Familie offenbar in die Geschichte des Bildes verwickelt ist.
Parallel zur Geschichte im "Hier und Jetzt" liest man in einem zweiten Erzählstrang über die Zeit um 1946 herum, in der das Gemälde "Das Liebespaar" sein Dasein im Nachkriegs-Berlin fristet und durch verschiedene Hände geht. An sich fand ich die Idee, beide Erzählstränge nebenbei laufen zu lassen und zu berichten, gut und sinnvoll; die Umsetzung ist in meinen Augen aber nicht ganz glücklich geworden. Für mein Empfinden spielt einfach viel zu viel der Handlung im Damals, also in der Nachkriegszeit.
Diese Unausgeglichenheit wäre für mich auch noch ok, wenn sie begründet erscheinen würde. Aber tatsächlich habe ich das Gefühl, dass sich Frau Jary ein bisschen sehr in den Handlungssträngen der Nachkriegszeit verliert, zuviele Personen mit zuvielen, für mich teils auch unwichtigen Nebenhandlungen einbringt und verwirbelt. Kapitel werden teilweise lose und mitten in der Handlung abgebrochen und setzen danach an ganz anderer Stelle wieder ein. Auch der Wechsel zwischen den Kapiteln im Damals und im Heute wirkt auf mich nicht immer gelungen, sondern manchmal sehr willkürlich. Alle Handlungsaspekte machen letztlich im Gesamtbild durchaus Sinn, aber sie nehmen in der Vergangenheit für meinen Geschmack zuviel Platz ein. Dann hätte ich mir als Gegengewicht ebensolche Ausführlichkeit der Geschehnisse im Heute gewünscht, bei Anna und Oliver. Stattdessen geizt die Autorin hier irgendwie, schon allein bei Personenbeschreibungen oder Charakterdarstellungen. Von Anna konnte ich mir die ganze Zeit kein wirkliches Bild machen, die kommt im Buch einfach viel zu kurz, finde ich. Dass sich am Ende eine kleine Liebelei andeutet, ok, das passt zum Genre. Aber abgekauft habe ich das den beiden Figuren absolut nicht, weil es auch so plötzlich kam.
Mein Lieblingsaufreger: An einem Abend bietet Oliver Anna das "Du" an, was die brüsk ablehnt - warum auch immer, denn das habe ich echt nicht verstanden. Gleich am nächsten Morgen aber, als wäre nichts gewesen, fragt Anna ihn dann aus heiterem Himmel "Wollen wir das Sie nicht mal weglassen?". Ich meine, hä?! Sowas mag ich in Büchern nicht, wenn´s irgendwie so unrund ist. Dass dann die ein oder andere Nebenfigur auch sehr plakativ böse und durchtrieben dargestellt wird, reiht sich dann letztlich nur gut ins Gesamtbild ein.
An sich mochte ich die Geschichte rund um "Das Bild der Erinnerung", an der Umsetzung hat es in meinen Augen aber hier und da gehapert. Für Zwischendrin und für jene, die gern etwas im Kunstbereich lesen, bietet es aber kurzweilige Unterhaltung.



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