Sonntag, 2. Juni 2019

Lesung: Joël Dicker in Hamburg

Es ist schon ein paar Tage her, dass ich Joël Dicker live in Hamburg sehen und erleben durfte, aber kurz davon erzählen wollte ich dennoch.

Am 22. Mai kam also Herr (oder eher Monsieur) Dicker nach Hamburg, in die Heymann Buchhandlung in Eimsbüttel, um seinen neuesten Roman "Das Verschwinden der Stephanie Mailer" vorzustellen. An den beiden Abenden zuvor war er bereits in Zürich und in München zu Gast. Hamburg allerdings sollte auch schon wieder sein letzter Halt in Deutschland sein, also war ich natürlich glücklich, dass ich mir rechtzeitig Tickets gesichert hatte - denn, wie erwartet, war die Veranstaltung ausverkauft. Als Schweizer aus der französischen Ecke der Schweiz fand die Veranstaltung selbstverständlich in erster Linie auf Französisch statt. Mit dabei war auch deswegen Peter Twiehaus, den man vielleicht aus dem ZDF Morgenmagazin kennt. Er übernahm die Übersetzung der Fragen sowie der Antworten und führte auch sonst sehr locker und unterhaltsam durch den Abend. Da Joël Dicker nach eigenen Angaben auch mal Deutsch gelernt hat, Deutsch mittlerweile aber wesentlich besser versteht als spricht, entstand mitunter ein lustiges Kauderwelsch, weil Herr Twiehaus seine Fragen zunächst immer erst auf Deutsch fürs Publikum stellte, um sich dann an die französische Übersetzung zu machen. Die war dann aber oftmals gar nicht mehr nötig, weil Herr Dicker schon auf Deutsch alles verstanden hatte - und seine französische Antwort folgte dann prompt. 
Joël Dicker selbst las die erste Seite seines Romans auf Französisch vor, was er wohl an den Abenden zuvor nicht gemacht haben soll. Sein Französisch ist natürlich wesentlich schneller und routinierter (als das von Herrn Twiehaus beispielsweise), auch in den Antworten auf die Fragen selbst. Dennoch habe ich (mit meinen nun mehr nur noch kläglichen Französisch-Kenntnissen aus der Schule) zumindest manches gut verstehen können. (Vieles aber auch nicht...) Durch diese Fragen konnte man beispielsweise erfahren, dass Herr Dicker wohl über ein fotografisches Gedächtnis verfügt und sich deswegen gar keine großen Notizen zur Handlung und zu den Figuren seiner Romane machen müsse, weil er alle Fäden im Kopf zusammenführen könne. Aber auch so würde er sich vor dem Schreiben keine groß ausgefeilten Pläne und Plots überlegen und aufschreiben, sondern stattdessen einfach drauf los tippen und dann sehen, wie sich die Handlung entwickele. Denn er meinte, und dieser Punkt hat mir sehr gut gefallen, wenn man sich erst einen großen Plan mit lauter Notizzetteln etc. entwerfen müsse, den man dann beim Schreiben selbst ständig vor Augen haben müsse, um selbst noch durchzublicken - dann sei klar, dass auch der Leser seine Probleme mit dem Verständnis haben würde, und dann sei es keine gute Geschichte mehr. Und dass "Das Verschwinden der Stephanie Mailer" ein guter Roman mit toll ausgedachten Plottwists und verschiedenen Zeitebenen ist, kann ich bestätigen.
Die Lesung von Passagen aus der deutschen Übersetzung seines Romans übernahm Laura de Weck, von der ich - zugegeben - vorher noch nie gehört hatte, die das aber sehr gut gemacht hat. Sehr angenehme Lesestimme, ruhig und eindringlich. Hat mir sehr gut gefallen und den beiden Herren vorne auf der Bühne scheinbar ebenso. 
Am Ende signierte Joël Dicker seine Bücher noch - ebenfalls sehr sympathisch. Ich bin jedenfalls sehr zufrieden und mit klopfendem Fangirl-Herzen ins Hotel und am nächsten Tag nach Hause gefahren... :D
Mein einziges - und leider recht schlechtes, weil verwackeltes und unscharfes, Bild der Veranstaltung gibt´s auch bei Instagram zu sehen:


1 Kommentare:

  1. Toll! Und ich kann es gar nicht glauben, dass er für seine komplexen Geschichthen keine Notizen benötigt!
    Danke für den interessanten Lesungsbericht!
    Martina
    https://martinasbuchwelten.blogspot.com/

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