C. Bertelsmann Verlag, 2018
20,00 Euro
Handlung:
Von einem Tag auf den anderen verschwinden die Farben von der Erde. In dieser neuen Welt in Schwarz-Weiß setzt sich ein kurioses Duo in den Kopf, die Menschheit aus der Depression zu retten - eine abenteuerliche Suche nach den Farben beginnt. Arthur ist eine gestrandete Existenz mit unwiderstehlichem Charme, der in einer Buntstiftfabrik arbeitet, bis diese Konkurs anmelden muss. Charlotte ist seine Nachbarin. Sie ist von Geburt an blind und hat sich als Wissenschaftlerin auf ein Gebiet spezialisiert, das sie niemals sehen konnte: Farben. Sie werden unterstützt von einem kleinen Mädchen mit einer geheimnisvollen Gabe, einem New Yorker Taxifahrer und den Bewohnern eines Altenheims, das an eine Ferienkolonie erinnert. Auf ihren Fersen ist eine Horde von Nichtsnutzen im Auftrag der chinesischen Mafia …
Meine Meinung:
Achromatopsie ist der Fachbegriff für eine Farbenblindheit. Damit ist aber nicht die bekannte Rot-Grün-Blindheit gemeint (die strenggenommen auch nur eine Sehschwäche ist), sondern die Unfähigkeit, alle Farben generell wahrzunehmen.
Soweit der kurze Ausflug in die Medizin. Was ich eigentlich fragen will: Habt ihr euch schon mal gefragt, wie es wäre, keine Farben mehr erkennen zu können? Die Welt in schwarz-weiß oder bestenfalls grauen Kontrasten zu sehen? Eine schräge und unschöne (und aus medizinischer Sicht zum Glück unmögliche) Vorstellung, aber genau das passiert allen Menschen auf der Welt in "Arthur und die Farben des Lebens" - von einem Moment auf den anderen und scheinbar unwiederbringlich ist niemand mehr in der Lage, Farben wahrzunehmen. Eine Rolle spielt Arthur, der aus Frust über seinen verlorenen Job in einer Buntstiftfabrik Farbpigmente so intensiv zusammenmischt, dass alle Farben auf der Erde verschwinden. Gruselig!
Ich fand die Geschichte wunderbar geschrieben und klebte an den Seiten. Insbesondere die Vorstellung, wie eine Welt in Grautönen aussehen könnte - und vor allem: was das für Konsequenzen haben wird, hat einen ziemlichen Sog beim Lesen ausgelöst. Dazu hat sich Autor Jean-Gabriel Causse sympathische Figuren ausgedacht, allen voran eine Heldin, die das Problem zwar überhaupt nicht betrifft (denn sie ist blind), die aber berufliches Interesse an den Farben hat und Interessierte mit außergewöhnlichen Fakten zum Thema Farben versorgt. Ihre Tochter ist es dann auch, die scheinbar die Fähigkeit besitzt, die Farben wieder in die Welt zurückzuholen. Aber wie, das kann ich natürlich nicht verraten. Der Weg dorthin ist mal spannend, mal amüsant, durchaus auch mal ein bisschen langatmiger, und, ich gebe es zu, das Ende war für mich etwas zu spontan.
Trotzdem. Ein bisschen Magie, ein bisschen Märchen; herausgekommen ist ein lesenswerter Roman, der nachhallt. Vor allem bewirkt er aber eins: man wird sich erstmal bewusst, wie bunt die Welt da draußen eigentlich ist - und wie schön es ist, das mit eigenen Augen sehen zu können.



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