Mittwoch, 2. Mai 2018

"36 Fragen an dich" - Vicki Grant

heyne fliegt, 2018
14 Euro


Handlung:

Kann aus einem Experiment die große Liebe werden?

Hildy und Paul, beide 18, nehmen an einem psychologischen Experiment teil: die wissensdurstige, aber etwas chaotische Hildy aus Interesse und tausend anderen Gründen. Paul aus einem einzigen: weil er die Teilnahme bezahlt bekommt. Und so sitzen sich die beiden in einem kargen Universitäts-Raum gegenüber und stellen sich Fragen, die zwischen ihnen Liebe erzeugen sollen. Fragen, die zunächst scheinbar banal sind (»Wie sähe ein perfekter Tag für dich aus?«) und dann immer persönlicher werden (»Was ist deine schlimmste Erinnerung?«). Fragen, die Hildy im wahren Leben nie jemandem wie Paul stellen würde, dem gut aussehenden Typ, der sich für nichts und niemanden interessiert, am wenigsten für Hildy. Oder? 



Meine Meinung:
Dieses Buch hat mich schon während des Lesens zum Lächeln gebracht und auch nach dem Zuklappen der letzten Seite mit einem seligen Grinsen im Gesicht zurückgelassen. Ein richtiges Wohlfühlbuch! 
Schon die Inhaltsangabe fand ich interessant, da ich von der Studie, auf die sich die Geschichte bezieht, selbst auch schon einmal gehört hatte. Ein Professor einer US-Universität (wer genau, kann man im Buch nachlesen) hat die gewagte Hypothese aufgestellt, dass 36 Fragen dabei helfen können, die Sympathie zwischen zwei sich bis dahin völlig fremden Menschen zu bahnen und vielleicht sogar so etwas wie Verliebtheit zu fördern. Klingt zunächst recht schräg, aber Vicki Grant schafft es quasi mit links, ihre beiden Protagonisten genau diesen Prozess durchlaufen zu lassen. 
Hildy und Paul sind völlig verschieden, leben in ganz unterschiedlichen Welten, haben verschiedene Interessen, Lebensentwürfe und Umgangsformen. Trotzdem habe ich als Leserin schon nach wenigen Seiten des gegenseitigen Austausches ein Knistern zwischen beiden bemerkt, das nicht nachgelassen hat, auch als die beiden einige Aufs und Abs durchlaufen. Ich fand ihre Unterhaltungen so erfrischend, so ehrlich und authentisch, dass es mir leicht war, ihnen zu folgen, und ich tatsächlich durch die Seiten geflogen bin. So muss Lesen sein! 
Fast das ganze Buch besteht nur aus einzelnen Dialogzeilen, nur ab und zu zwischendurch gibt es Beschreibungen und wirklich fließenden Text - das sollte interessierten Lesern klar sein. Aber genau das hat für mich noch einen zusätzlichen Reiz ausgemacht, da sich "36 Fragen an dich" dadurch klar von anderen Romanen unterscheidet. Auch über den Inhalt der besagten 36 Fragen kann man sich streiten. Von manchen kann ich mir tatsächlich vorstellen, dass sie Sympathie-fördernd sind, wenn man sie seinem Gegenüber ehrlich beantwortet. Andere fand ich eher unpassend oder auch sich wiederholend. 
Ich habe das Lesen dieses schönen, cleveren und außergewöhnlichen Buches jedenfalls sehr genossen und werde "36 Fragen an dich" in sehr guter Erinnerung behalten.


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