Montag, 10. Februar 2014

Anna Karenina ... ohne Worte

Vor ein paar Tagen war ich im Ballett. Als Zuschauer, versteht sich. (^^) Vorne auf der Bühne tanzten sich diverse Menschen die Füße wund, ließen sich hochheben, hin- und hertragen, warfen wehleidige Blicke in die Runde und sahen auch sonst allgemein eher gestresst und angestrengt aus. 
Wir (meine Schwester und ich) sahen "Anna Karenina".
Vielleicht sollte ich gleich von Beginn an dazu sagen, dass ich Ballett nicht mag. Das ist eine Form der kulturellen Unterhaltung, der ich echt nichts abgewinnen kann. Ich hab für hin- und her hüpfende Menschen in Strumpfhosen und Tutus, die die ganze Zeit auf so unnatürliche Art und Weise auf ihren Zehen laufen und ihren Füßen dabei weiß Gott was für Schäden beifügen, schlicht und einfach nichts über. 
Naja, meine Schwester dagegen umso mehr, und so habe ich mich irgendwie überreden lassen, mitzukommen. Noch dazu, da mir "Anna Karenina" als Story bisher nur so "pro forma" bekannt war, sprich: Anna Karenina ist unglücklich mit einem reichen und wichtigen Kerl verheiratet, verliebt sich aber in den Horst Helden Graf Wronskij und wird zur Ehebrecherin. Nach einigem Hin und Her bleibt sie dann doch lieber bei ihrem Mann und - stirbt. Leider nicht Ende gut, alles gut. 
Ich hab mir, kurz bevor es losging, mal schnell den Inhalt in einer Zusammenfassung durchgelesen und musste feststellen, dass die Geschichte noch um diverse weitere Handlungsstränge reicher ist. Es spielen noch zahlreiche weitere Personen und Verwicklungen eine Rolle. Ich hab mich schon ernsthaft gefragt, wie man das alles nur tanzenderweise darstellen möchte, und habe befürchtet, dass man (= ich) da wohl einige Verständnisprobleme haben dürfte.
Zu Recht.
Es fing an ... und ich fand es schlecht. Oder, naja, nicht durchgängig schlecht. Die Kostüme waren toll. Schöne Kleider, schön alt und traditionell. Bis mir meine Schwester dann erklärte, dass diese Kostüme fürs Ballett eigentlich völlig ungeeignet seien, weil man durch die langen Kleider "ja keinerlei Körperspannung erkennen" könne, und das sei schließlich das A und O beim Ballett. Aha.
Na jedenfalls habe ich gut 15 Minuten gebraucht, um überhaupt erstmal herauszufinden, wer von den diversen hüpfenden und sich herumtragen lassenden Damen denn Anna Karenina sein soll. Da war mir schon klar, dass ich völlig verloren war, denn ich hab eigentlich nur Bahnhof von dem verstanden, was mir da vorne gerade alle so inbrünstig vortanzten. Zig Personen, alle scheinbar ziemlich wichtig fürs Stück, nur durch unterschiedliche Kleiderfarben auseinander zu halten, Graf Wronskij mit freiem Oberkörper (warum auch immer) und Männer, die erst die Damen und dann umschichtig sich selbst hochheben. Die wohl beknackteste Szene des ganzen Abends war der Moment, in dem Annas Ehemann einen Handstand in ihrem Schoß macht. Ich habe wirklich. absolut. keine. Ahnung. warum.  
Hier und da konnte ich Eckpfeiler der mir bekannten Handlung erahnen, aber ein Verständnis und dadurch ein Gefallen an dem Ballettstück hat sich bei mir eigentlich zu keinem Zeitpunkt eingestellt. Dazu Musik von Rachmaninow, die ... puh, einen irgendwie unglaublich nervös macht. Auf so eine fußwippend-ich-würd-gern-mal-aufstehen-und-meine-Ohren-und-Nerven-entlasten- Art und Weise. Ich war nicht böse, als es vorbei war. Fazit: In meinen Augen sind manche Stücke einfach nicht fürs Ballett geeignet.
Ach, aber ich lass euch mal teilhaben... :)

(Habt ihr beim Anschauen nicht auch die ganze Zeit drauf gewartet, dass mal irgendwer was sagt?!? Irgendwas?? Ohne Worte...)


Tja. Und jetzt sitz ich hier und habe durch diesen Abend irgendwie völlig das Interesse an "Anna Karenina" verloren. Momentan reizt es mich überhaupt nicht, das Buch mal irgendwann lesen zu wollen. Als akutes Hilfsmittel gegen diese ungeplant eingetrichterte schlechte Meinung des Stücks haben wir uns die DVD "Anna Karenina" mit Keira Knightley zugelegt - die wird irgendwann demnächst mal geguckt. Kann ja eigentlich nur besser werden, auch wenn viele Filmbewertungen gar nicht so überragend sind.  



3 Kommentare:

  1. Also ich gehe ja in Ballettunterricht und meine Lehrerin schaut mit uns zu Weihnachten immer einen Balletfilm an. (Aufnahmen von Balletfilmen) Sie erklärt uns meistens was gerade abgeht, und ich muss zugeben, ohne die Erklärungen von ihr würde ich auch wenig verstehen. Ich habe aber festgestellt, dass Ballett ein bisschen komplizierter ist, als man meinen könnte. Es gibt Tänze, bei denen die Chorergraphie wichtiger ist und andere, bei den man vor allem einfach tanzen muss. Meistens ist aber die Rahmenhandlung der Aufführung nebensächlich, während jeder einzelne Tanz dafür etwas eigenes darstellen soll. So kenne ich es jedenfalls von unseren zugegebenermaßen nicht gerade hochkarätigen Aufführungen. Allerdings, verzwickte Story sind meiner Meinung nach echt nicht für Ballett geeignet. Ich finde das schöne an Ballett ist eigentlich, wenn simple Storys wie Märchen, durch Tanz etwas mehr Leben bekommen. Ich kann zwar nicht behaupten, Anna Karenina je gelesen zu haben, aber verzwickte und komplizierte Storys kenne ich zur genüge. Ich frage mich auch, wie man so etwas umsetzen kann, ohne dass ein großer Teil der Geschichte unverständlich wird.

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  2. (Aufnahmen von Ballettaufführungen... ;)

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  3. Tja, das ist ja mal doof gelaufen. Sehe das ähnlich wie du - dieses Buch eignet sich nicht unbedingt als Ballettstück... Es bleibt ja so schon einiges ungesagt, aber was passiert, wenn einfach NICHTS gesagt wird?! Reichlich merkwürdig.

    Also ich besitze die Verfilmung mit Vivien Leigh. Nicht, weil ich mich so für die Werke von Tolstoi interessiere geschweige denn, die fetten Wälzer je gelesen habe, sondern weil ich ein großer Fan der Schauspielerin bin. Richtig begeistert war ich von dem Film aber auch nicht.

    Glaube auch nicht, dass ich das Buch jemals lesen werde. Hast du den Film "Krieg und Frieden" mit Audrey Hepburn gesehen? Der war nicht schlecht. Aber ich glaube, dieses Werk ist noch dicker...

    Viele Grüße!

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