Mittwoch, 28. Oktober 2015

"Das Licht der letzten Tage" - Emily St. John Mandel

Piper Paperback, 2015
14,99 Euro


Handlung:
Niemand konnte ahnen, wie zerbrechlich unsere Welt ist. Ein Wimpernschlag, und sie ging unter. Doch selbst jetzt, während das Licht der letzten Tage langsam schwindet, geben die Überlebenden nicht auf. Sie haben nicht vergessen, wie wunderschön die Welt war. Sie vermissen all das, was einst so wundervoll und selbstverständlich war, und sie weigern sich zu akzeptieren, dass alles für immer verloren sein soll. Auf ihrem Weg werden sie von Hoffnung geleitet – und Zuversicht. Denn selbst das schwächste Licht erhellt die Dunkelheit. Immer.


Meine Meinung:
Eine kleine Warnung vorweg: Wenn ihr gerade so richtig gut drauf seid, euch wohl fühlt, alles ganz wunderbar ist und ihr euch dieses "alles ist rosarot"-Feeling noch eine Weile bewahren wollt - dann lest dieses Buch nicht. Zumindest jetzt nicht.
Denn es macht traurig. Das ist das Erste, was mir dazu einfällt. Nicht so eine "Ich muss gleich weinen"- Traurigkeit und auch keine, die dauerhaft bleibt. Aber es ist so ein dumpfes Gefühl der Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit, das hier auf nahezu jeder Seite durchscheint und von dem man beim Lesen unweigerlich eingefangen wird.
Diese Geschichte, die davon berichtet, wie die Menschheit fast endet, wie innerhalb weniger Tage 99,99% der Weltbevölkerung an einem mutierten Grippevirus ums Leben kommen, die geht einem nicht nur unter die Haut, sondern gleich an die Nieren. Man kann nicht davon lesen, wie einige wenige Überlebende auch noch 20 Jahre nach dem Weltuntergang ums Überleben kämpfen, und dabei nicht unweigerlich ins Grübeln verfallen und sich fragen "Was wäre wenn?". Genau dieser Punkt hat mir - so absurd es auch klingen mag - an diesem Buch gefallen: Das, was erzählt wird, ist tatsächlich möglich, nicht abwegig, ganz im Gegenteil. Wenn wir Menschen richtig Pech haben, dann kann uns dieses Schicksal auch irgendwann mal ereilen.
Vielleicht fällt es deswegen so leicht, mit den Figuren mitzufühlen, mitzuleiden, aber auch mitzulachen und mitzuhoffen. Das Buch besteht aus vielen einzelnen Erzählsträngen, in denen verschiedene Personen zu Wort kommen und ihre Geschichte und Erinnerungen berichten. Im Mittelpunkt all dieser Erzählungen steht ein Mann, Arthur Leander; ein Schauspieler, der am Vorabend der Katastrophe an einem Herzinfarkt stirbt und damit das ganze Drama gar nicht mehr miterlebt. Trotzdem halten er und seine Lebensgeschichte alles folgende zusammen.
Ich hab mich von Seite zu Seite trauriger, missmutiger und hilfloser gefühlt. Dennoch hat mir die Geschichte gut gefallen. Sie ist ehrlich und bemerkenswert gut geschrieben, trifft genau die richtige Mischung aus Dialogen und Beschreibungen und hat nebenbei das Zeug, den Leser mitzureißen. Denn natürlich lässt das Schicksal der paar Überlebenden einen beim Lesen nicht los und man wünscht sich letztlich trotzdem ein gutes (Buch-)Ende für alle. Sehr lesenswert, wenn man vor traurigen Geschichten mit Hoffnungsschimmer nicht zurückschreckt.


Montag, 19. Oktober 2015

[Neue Bücher] In my mailbox...

Hallo ihr Bücherfreunde!
Momentan gibt´s gefühlt auf fast jedem Blog Berichte und Fotos von den Ausflügen zur Frankfurter Buchmesse. Bei mir nicht, denn ich war in diesem Jahr nicht da. Ich hatte ein Wochenend-Seminar und deswegen fiel Frankfurt dieses Mal für mich aus. (Für meinen Geldbeutel definitiv eine richtige Entscheidung!) Ich werde auf anderen Blogs dennoch mal stöbern, was die anderen so erlebt und gesehen haben. 
Bei mir ist derweil wieder mal nicht so wirklich viel los auf dem Blog. Ich komme momentan kaum zum Lesen und zum Rezensieren oder Vorbereiten und Schreiben anderer Beiträge schon gleich gar nicht. Nach nur wenigen Tagen bin ich vollends "angekommen" in meinem neuen Job, zumindest was Aufgaben erledigen, Ausarbeiten und Vorbereiten anbelangt. Hier und da fühle ich mich fast ein wenig überfordert; ich hoffe, das legt sich nach und nach. Ist alles noch sehr neu für mich und jeder Tag steckt momentan noch voller Überraschungen. Nicht nur positiven, aber das gehört wahrscheinlich auch dazu.
Auf mein Lesepensum wirkt sich das nicht gerade gut aus und so habe ich im Oktober bisher auch noch nicht wirklich "viel" gelesen. Mit Ausnahme von dem vergangenen Wochenende: da ich schon am Samstag den dritten Teil von "Lockwood & Co." in der Hand halten konnte (Erscheinungsdatum ist nämlich erst heute), habe ich dieses Buch gleich in den 2 Wochenend-Tagen verschlungen. (Ziemlich fieser Cliffhanger am Ende! Gott sei Dank geht die Reihe noch weiter...)
Dass ich wenig zum Lesen komme, ist vor allem deshalb ärgerlich, weil ich ganz tolle Bücher in der letzten Zeit bekommen habe. 
(Inhaltsangaben sind verlinkt, Titel anklicken)

Mit dabei sind 2 Bücher, die ich mir in London gekauft habe: "Arcadia" von Iain Pears und "Armada" von Ernest Cline. Letzteres musste ich einfach haben, weil ich "Ready Player One" von Ernest Cline so unglaublich gut fand und dieses Buch hier scheinbar ähnlich gemacht sein soll. Die Verkäuferin hinter der Theke fragte mich auch gleich, ob ich das erste Buch des Autors kennen würde, was ich bejahte, woraufhin sie mir dann in einem Schwall schwer verständlichen Englisch´s mit starkem Dialekt zu verstehen gab, dass dieses hier, "Armada", noch besser sei. Da bin ich mal gespannt!


Mit dabei ist auch "Die erstaunliche Wirkung von Glück" von Susann Rehlein, das ich schon gelesen habe - ich müsste nur mal ein paar Sätze dazu schreiben. Da ich das hoffentlich in den nächsten Tagen schaffe, verzichte ich jetzt hier mal auf weitere Äußerungen dazu.
"Das Licht der letzten Tage" von Emily St. John Mandel soll laut vorherrschenden Kritiken ja ziemlich gut sein, ich bin bisher jedoch nicht über die ersten 20 Seiten hinaus gekommen. Wahrscheinlich war mir bisher einfach noch nicht nach einer Weltuntergangs-Geschichte...
"Die Sehnsucht des Vorlesers" von Jean-Paul Didierlaurent habe ich euch schon vorgestellt.


Von "Stadt der Diebe" von David Benioff hatte ich vor einigen Tagen zum ersten Mal gehört, das Buch war mir vorher völlig unbekannt. Als ich dann bei Sarah von Pinkfisch ein Taschenbuch nach Wahl gewonnen habe, wünschte ich mir kurzerhand dieses und habe mich riesig gefreut. Ich bin gespannt, was mich erwartet.
Dann habe ich mir gleich zwei dritte Teile bestellt: Den dritten Teil von "Silber" von Kerstin Gier lese ich - zugegeben - eigentlich nur noch der Vollständigkeit halber und weil ich wissen will, der diesen blöden Blog im Buch schreibt. Mich hat die "Silber"-Reihe leider nicht annähernd so begeistert wie ihre "Edelstein"-Trilogie. Aber nun habe ich die ersten beiden Bände gelesen, da muss der dritte jetzt auch noch her. 
Sehr viel größer und ausschweifender war dagegen meine Vorfreude auf "Lockwood & Co.: Die raunende Maske", das ich wirklich sehnsüchtig erwartet habe. Und ich wurde mit der Geschichte auch echt nicht enttäuscht, es ist wie gewohnt aufregend, spannend, gruselig und zugleich höchst sympathisch. Es ist in diesem dritten Teil dennoch einiges anders, sodass ich die ersten beiden Bände irgendwie lieber mochte.
Schließlich gab es auch noch "Die unentdeckten Talente der Miss Merrywell", das ich am Wochenende ganz zufällig entdeckt habe und mir direkt bestellen musste. Warum? Weil ich von Eva Rice schon einmal ein ganz wundervolles bezauberndes Buch gelesen habe, nämlich "Die verlorene Kunst, Liebschaften zu pflegen". Ich mag dieses Buch sehr, hab´s bestimmt auch schon 4x gelesen. Und dieses Buch hier? Ich hoffe, es gefällt mir genauso gut.

Kennt ihr eins der Bücher? Gab es bei euch tolle Neuzugänge?

Montag, 12. Oktober 2015

"Die Sehnsucht des Vorlesers" - Jean-Paul Didierlaurent

dtv, 2015
14,90 Euro

Lese-Bingo: Einen Bestseller (aktuell oder ehemals) -> Spiegel-Bestseller Oktober 2015


Handlung:
Guylain Vignolles liebt Bücher und hasst seinen Job in einer Papierverwertungsfabrik. Darum liest er jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit im Regionalzug um 6 Uhr 27 laut ein paar Seiten vor, die er am Tag zuvor der Schreddermaschine entrissen hat: sein ganz persönlicher Akt der Rebellion gegen die Vernichtung von Literatur.
Eines Tages entdeckt er im Zug einen USB-Stick, auf dem das Tagebuch einer jungen Frau gespeichert ist. Tief bewegt liest er nun ihre Geschichten vor – und der Zauber springt auch auf die Mitreisenden über. Viel wichtiger aber noch: Die Geschichten verändern Guylains Leben von Grund auf. Er muss diese Frau finden!


Meine Meinung:
"Nur mal kurz reinlesen" war mein eigentlicher Gedanke, als ich mir das Buch zur Hand nahm, neulich auf einer Zugfahrt. Eigentlich wollte ich nämlich ein ganz anderes Buch lesen und hatte dieses hier nur zusätzlich dabei (mit nur einem Buch verreisen - undenkbar!). 
Und dann? Dann konnte ich hiermit nicht wieder aufhören. Ich war - und das ist nicht übertrieben - schon nach 2 oder 3 Kapiteln in diese Geschichte verliebt. Vielleicht lag das ein bisschen am französischen Charme, der auf so vielen Seiten durchblitzt. Vielleicht auch an Guylain, der mir ein wenig Leid tat und zugleich durch seine kauzige Art sehr sympathisch war.Vielleicht durch die Art und Weise, wie Guylain ein Liebhaber des geschriebenen Wortes par excellence ist - und dennoch einen der für ihn schrecklichsten Jobs überhaupt ausführen muss. Er arbeitet in einer Papier-Verwertungsfabrik und muss tagtäglich dabei zusehen (schlimmer noch: er muss die Maschine bedienen!), wie tausende Bücher zerrissen, zerstört, ausgelöscht werden. Eine schlimme tägliche Aufgabe und er macht sie trotzdem. Seine Form des Widerstands: Jeden Tag in der Bahn liest er übrig gebliebene und von ihm heimlich gerettete Buchseiten laut im Zug vor. Schon nach kurzer Zeit hat er jede Menge zuhörende Fans, die ihn auch außerhalb der Zugfahrten für Lesungen engagieren möchten. Zudem hat er wunderbar schrullige Freunde, die so schräg gezeichnet sind, dass man sie schon als abwegig abtun könnte. Aber zugleich passen sie einfach wie die Faust aufs Auge in diese Geschichte und in Guylains Leben.
Dieses Leben wird nun für ihn auf einmal spannend, als er eines Tages einen USB-Stick mit selbstgeschriebenen Texten einer jungen Dame findet, die er kurzerhand auch im Zug vorliest. Mit jeder Seite wächst sein Interesse an dieser Frau, die irgendwie genauso kauzig zu sein scheint wie er. Guylain nimmt sein Leben und seinen Mut in die Hand und versucht, sie zu finden.
Und es war einfach so allerliebst, ihm dabei "zuzulesen", wie diese Frau mehr und mehr Raum in seinem Kopf einnimmt, wie er versucht, sie zu finden. Man wünscht Guylain so sehr ein wenig Glück und Aufheiterung in seinem kleinen grauen unbedeutenden Leben, das er mit einem Goldfisch teilt.

Ich habe diese Geschichte sehr gemocht beim Lesen und konnte das Buch letztlich auch nicht aus der Hand legen, bis ich wusste, wie es endet. Und dann klappte ich es mit einem Lächeln im Gesicht zu. Ein - in meinen Augen - richtiges "Wohlfühlbuch", das bei mir zur genau richtigen Zeit kam. Es wundert mich überhaupt nicht, dass die Geschichte verfilmt werden soll, wie ich im inneren Klappentext gelesen habe. Denn schon beim Lesen glaubt man, dem Vorleser Guylain richtiggehend dabei zuschauen zu können, wie er sein Glück findet.


Donnerstag, 8. Oktober 2015

"Kaffeesucht, Sex und ein Ticket ins All: Fluggemeinschaft" - Kiki Blu/ Daniela Rohr

Kindle Edition, 2015
1,00 Euro



Handlung:

Sensationeller Sex mit einem attraktiven Alien – und dann mopst ihr der Kerl den Vibrator? Kiki, die kaffeesüchtige Kosmetikfachangestellte im technischen Support ist verwirrt. Gehört das zum Paarungsritual? Ist das gar die extraterrestrische Form eines Heiratsantrags? Oder handelt es sich doch nur um einen dreisten Diebstahl? 
Kiki Blu erzählt eine humorvolle und rasante Space-Opera, in der sie mit ihrem pessimistischem Handgepäck und einem telePhone voller (un)praktischer Apps durch die halbe Galaxis stolpert. Ein abenteuerlicher Selbstfindungstrip, bei dem die Protagonistin mal eindeutig ihre Prioritäten überdenken sollte.



Meine Meinung:
Vor einiger Zeit habe ich "Im Turm des Panopticons" (HIER) von der Autorin gelesen und war schwer beeindruckt davon. Diese Geschichte hat mich einige Tage gedanklich gar nicht wieder losgelassen. Als mich die Autorin nun fragte, ob ich Lust hätte, in ihre neue Buchreihe hineinzuschnuppern und den ersten Teil zu lesen, habe ich daher sofort begeistert zugesagt, auch wenn es inhaltlich hier leicht anders zugeht als beim "Panopticon".
Ich muss gestehen, als ich zum ersten Mal hörte bzw. las, dass es sich bei "Kaffeesucht, Sex und ein Ticket ins All" um eine elf-teilige Reihe handeln würde, war ich zunächst ein wenig skeptisch (erscheint mir schon recht viel). Aber als ich einmal im Lesen drin war und Kiki bei ihrer Reise begleitete, verflog dieser Gedanke recht schnell. Es ist immerhin eine Space-Opera... Außerdem sind die Einzelteile schön portioniert, Folge 1 entspricht offenbar 91 Buchseiten. Da liest man zwar nicht allzu lange dran, dafür aber umso begeisterter.
Kikis Welt spielt in der Zukunft. In dieser Zukunft wird Berlin mal schnell zu Börlin und wenn man nicht völlig den Überblick verlieren will, sollte man sich schon in den gängigen 17 Social Media Channels blicken lassen; Wählen kann man gleich per Computer von zuhause aus. Reisen ins und durchs All sind zwar nicht gerade billig, wie wir an Kikis Seite erfahren dürfen, dafür aber geradezu alltäglich und normal geworden. Wie sonst sollte Kiki schließlich auch sonst eines Tages neben einem ziemlich attraktiven Außerirdischen im Bett landen?!
Durch unglückliches Zusammenwirken von Zufall und Schicksal (der Außerirdische ist am nächsten Tag einfach verschwunden) landet Kiki mit ihrem Mitbewohner Max am nächsten Tag in einem Raumschiff und macht sich auf die Suche nach ihrem Mr. Sexy namens Aggron. In Folge 1, "Fluggemeinschaft", begleiten wir Kiki und Max bei den ersten zurückgelegten Kilometern dieser Reise. 
Ich hab mich an vielen Stellen köstlich amüsiert. Voller Ideen und Witz wird die Geschichte von Kiki aus ihrer eigenen Sicht geschildert, ich hab mir bildlich alles wunderbar vorstellen können. Leicht tollpatschig und gutgläubig, außerdem Kaffee-süchtig, aber durch und durch "echt" hat die blauhaarige Kiki das Zeug, jede Menge Sympathien und Herzen zu erobern. Die Einzelfolge "Fluggemeinschaft" eignet sich bestens zum Wegschmökern an einem Nachmittag und hat mich sehr unterhalten - bei den nachfolgenden wird es sicher genauso sein. Ich muss unbedingt wissen, wie es mit Kiki und Aggron weitergeht, insofern bleibe ich auf jeden Fall schon mal dran...



Übrigens: Bei Gelegenheit solltet ihr auch mal auf der Homepage der Autorin vorbeischauen, dort gibt es nicht nur einen Trailer zu "Fluggemeinschaft" zu finden, sondern außerdem eine Playlist als inoffizieller Soundtrack, sowie einige interessante Fakten über Daniela und ihre anderen Bücher.

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