Mittwoch, 31. Juli 2013

"Nashville Oder Das Wolfsspiel" - Antonia Michaelis

Oetinger Verlag, 2013
17,95 Euro


Handlung:

Die achtzehnjährige Svenja findet in einer Abseite ihrer neuen Tübinger Studentenwohnung einen verwahrlosten, stummen 11-jährigen Jungen und nimmt ihn bei sich auf. Nach seinem T-Shirt-Aufdruck nennt sie ihn Nashville. Als eine Serie von Morden an Obdachlosen die Stadt in Aufruhr versetzt, wird Svenja unruhig. Hat Nashville, der immer wieder heimlich verschwindet, etwas damit zu tun? Bald schon merkt sie, dass nicht nur Nashvilles, sondern auch ihr Leben bedroht ist.

(Quelle: hier)


Meine Meinung:
"Nashville" war das erste Buch, das ich von Antonia Michaelis gelesen habe. Die Geschichte, die sie hier bietet, hat durchaus ihre Stärken, lebt von einem gut ausgedachten Handlungsrahmen und schillernden Figuren, die einem im Kopf bleiben, weil sie so außergewöhnlich sind. Die Ideen, die die Autorin miteinander verwoben hat, haben mir an sich gut gefallen, und auch die Auflösung zum Ende hin kam für mich einigermaßen überraschend.
Dennoch muss ich ehrlich sagen, dass mir beim Lesen auch wesentliche Schwachpunkte aufgefallen sind, die mich "Nashville" mit einem eher weinenden als lachenden Auge betrachten lassen.

Zum einen ist mir die gesamte Handlung des Buches viel zu lang. Das Buch umfasst fast 500 Seiten, und leider enthält es wohl nicht zuletzt dadurch diverse Stellen, die die Handlung in die Länge ziehen, und die einfach nicht nötig gewesen wären, auch weil sie zum Problem nichts beitragen. Über Seiten hinweg zu lesen, wie Svenjas Tage mit Uni und Freunde besuchen und umziehen aussehen, immer wieder zu lesen, wie Nashville sie mit großen Augen vom Küchenschrank aus ansieht - das wurde mir irgendwann zuviel. Das Buch könnte gute 200 Seiten kürzer sein und würde dabei an tatsächlicher Handlung trotzdem nichts verlieren. Dadurch aber vielleicht einen Tick spannender werden, weil die wesentlichen Punkte in kürzerer Spanne dargeboten werden würden.
Vor allem aber habe ich mich mit den Personen schwer getan. Hauptfigur Svenja kam mir fast unerträglich verklärt, gutgläubig und naiv vor. Man bekommt den Eindruck, sie lebt so vor sich hin in den Tag hinein, ohne sich Gedanken über irgendetwas - oder zumindest irgendetwas relevantes zu machen. Sie gibt sich im einen Moment unglaublich erwachsen, möchte gern sehr unabhängig sein, spricht in philosophisch-zweideutigen Sätzen und wechselt ihre Bettpartner im Laufe der Handlung ... nun, diverse Male. Im nächsten Moment ist sie wie ein bockiges Kind; verhält sich unüberlegt und impulsiv, antwortet auf Fragen, die sie nicht beantworten möchte, einfach nur dadurch, den Telefonhörer aufzulegen, oder geht einfach weg und lässt den anderen stehen. Dass sie im gesamten Handlungsverlauf nicht ein einziges Mal in Erwägung zieht, Nashville auf "offiziellem" Weg zu helfen, durch Meldung bei der Polizei, beim Sozialamt, sich irgendwo (!) Hilfe zu holen, wollte einfach nicht in meinen Kopf gehen. Stattdessen spielt sie als 18-Jährige die Mutter für ein verwahrlostes und offensichtlich verstörtes Kind, das nicht reden will und keine Identität zu haben scheint, füttert ihn mit durch, bietet ihm ein Dach über dem Kopf, das sie sich selbst nur mit Hängen und Würgen leisten kann. Und das als Medizinstudentin, von der man ein gewisses Verantwortungsgefühl doch eigentlich erwarten könnte, oder sollte. 
Das ging für mein Empfinden nicht Hand in Hand und nicht selten wollte ich am liebsten in das Buch greifen und Svenja durchschütteln, um sie mal zur Besinnung zu bringen. Und die Tatsache, dass hier niemand auch nur im geringsten irgendwie "normal" wirkt, sondern jeder irgendwie aus dem Rahmen fällt, sei es durch seine Art, seine Worte, sein Aussehen; egal ob Svenjas Freundin von gegenüber, ihr Kommilitone Friedel, der Arzt Gunnar oder ihr Vater - hier ist jeder ein recht spezieller Charakter. Und auch das war für mich einen Tick zuviel.

Fazit:
Wäre "Nashville" kürzer und auf mehr Action ausgerichtet gewesen, hätte es mir wohl wesentlich besser gefallen. Aber so habe ich mich einige Zeit lang durch den etwas zähen Mittelteil gekämpft, um schlussendlich feststellen zu müssen, dass mir Svenja durch ihre Art nicht sonderlich sympathisch wurde, und es in den Handlungen der verschiedenen Personen zuviele Motive gab, die ich nicht nachvollziehen konnte. 3 Bücherstapel.


Montag, 29. Juli 2013

"Symbole des Bösen" - J. T. Ellison

mira Taschenbuch, 2013
8,99 Euro


Handlung:

Es ist die Nacht der Bluternte, von Nichtgläubigen auch Halloween genannt. Die Nacht, in der acht Jugendliche in Nashville den Tod finden. Allen ist ein Pentagramm in die Haut geritzt worden. Stieg wirklich der Todesengel Azrael auf die Erde herab, um sein grausames Werk zu verrichten? 

Lieutenant Taylor Jackson hat gerade erst wieder die Leitung der Mordkommission übernommen und steht schon vor dem größten Rätsel ihrer Karriere. Gemeinsam mit der selbst ernannten Hexe Ariadne taucht sie in die mystische Welt der Menschen ein, die an Todesengel und Hexenzauber glauben. Was sie bei ihren Ermittlungen entdeckt, geht weit über das hinaus, was mit normalem Menschenverstand zu begreifen ist.


Meine Meinung:
"Symbole des Bösen" ist bereits der fünfte Band in der Buchreihe um die Ermittlerin Taylor Jackson. Das wusste ich zunächst nicht, als ich anfing zu lesen. Und letztlich ist es für die eigentliche Handlung um die satanischen Vorkommnisse zu Halloween auch egal, denn dabei handelt es sich um einen eigenständigen Plot, der keine Vorkenntnisse erfordert. Zusätzlich zu diesem Handlungsrahmen gibt es jedoch auch diverse Rückblicke in alte Fälle, an denen sowohl Taylor als auch ihr Verlobter Baldwin gearbeitet haben, Erinnerungen und unliebsame Hinweise auf Mörder und Täter aus anderen Fällen tauchen auf, die hier ihre Schatten ins Jetzt werfen. Um das alles verstehen zu können, bietet es sich sicherlich an, auch die 4 Vorgängerbände der Reihe zu lesen. Und die Autorin macht es einem auch leicht, diesen Wunsch tatsächlich zu entwickeln: mehr von Taylor und ihren Kollegen, ihrem Verlobten, und ihrer Arbeit erfahren zu wollen, und herauszufinden, was vorher alles geschehen ist.
"Symbole des Bösen" ist ein runder, unterhaltender und gleichsam informativer Thriller, gut geschrieben und gut in Szene gesetzt. Informativ deswegen, weil man hier jede Menge über die Hintergründe zum Thema Hexenzauber, Satanismus und okkulter Glauben geliefert bekommt. Das aber nicht mit belehrendem Zeigefinger, sondern spontan als Infos eingestreut, sodass man stets genauso schlau ist wie die Ermittler. Der Fall ist interessant, und durch den währenden Wechsel zwischen aktueller Ermittlung und Rückblicken zu einem alten Fall, mit dem sich Baldwin nunmehr auseinander setzen muss, wird es eigentlich nie langweilig. Eine Buchreihe, bei der man dranbleiben kann, wenn man kurzweilige Thriller mag. 



Ein herzliches Dankeschön an den mira Taschenbuch Verlag und Blogg dein Buch für das Rezensionsexemplar!

Sonntag, 28. Juli 2013

In my mailbox... und heiß :(

Sinnlos, diesen Beitrag mit einem Fakt zu eröffnen, der eh schon allen bekannt ist, aber ich tu´s trotzdem: 
Ist. Das. Heiß. 
Himmel, was für ein Wetter. Ich mag es nicht. Es dürfte allgemein bekannt sein, dass ich ein Wintermensch bin, und dieser ... - nennen wir es - komatöse wetterartige Zustand in den letzten Tagen zeigt mir wieder, warum. Ernte ich jetzt Buh-Rufe, wenn ich sage, dass ich mir einen baldigen Herbstbeginn wünsche?! Oder wenigstens Temperaturen, die vorne mit einer 2 beginnen?

Da hat man doch zu gar nichts mehr Antrieb oder Lust, oder? Auch nicht zum Reden. Und Tippen. Also heute in aller Kürze folgende Informationen:

Neu eingezogen sind

Jodi Picoult "Mein Herz zwischen den Zeilen"
»Hilf mir« - Deliah kann es kaum fassen, als sie diese Nachricht in ihrem Lieblingsbuch findet. Offensichtlich hat Oliver, der umwerfend gut aussehende Prinz der Geschichte, die Bitte speziell für sie hinterlassen. Und tatsächlich: Schnell stellen die beiden fest, dass sie über die Grenzen der Buchseiten hinweg miteinander sprechen können. Doch das reicht ihnen schon bald nicht mehr aus. Oliver ist schon lange genervt von seinem Märchen, das er immer wieder durchspielen muss, sobald ein Leser das Buch aufschlägt. Und er findet Gefallen an Deliah, die so anders ist als die langweilige Prinzessin Seraphima, die er sonst immer küssen muss. Da ist es doch klar, dass er endlich zu ihr will! Und Deliah: Die hat sich längst Hals über Kopf in ihren Märchenprinzen verliebt. Und ist begeistert von der Idee, Oliver aus dem Buch herauszuholen. Doch wie können die beiden es schaffen, die Grenzen zwischen ihren so unterschiedlichen Welten zu überwinden?

Ich hab noch nie etwas von Jodi Picoult gelesen, also bin ich mal gespannt; auch wenn diese Story hier wohl nicht wirklich der Maßstab für ihren Stil ist, das Buch hat sie mit ihrer Tochter zusammen geschrieben. Klingt sehr nach Teenie-Story. Bin ich zu alt dafür? Vermutlich. Interessiert mich das? Gerade nicht die Bohne.

Siobhan Curham "Lieber Dylan"
Das Leben der 14-jährigen Georgie ist ein einziges Chaos. Sie ist überzeugt, dass nur der Soapstar Dylan Curtland ihre Probleme verstehen kann. Also schreibt sie ihm eine E-Mail - und bekommt tatsächlich eine Antwort! Es entwickelt sich eine virtuelle Freundschaft, doch bald muss Georgie feststellen, dass nicht alles so ist, wie es scheint.

Ich wiederhole mich: Klingt sehr nach Teenie-Story. Bin ich zu alt dafür? Vermutlich. Interessiert mich das? Gerade nicht die Bohne.

Außerdem erreichten mich in den letzten Tagen sehr außergewöhnliche Lesezeichen von lovelybooks, die man sich irgendwann (vor einiger Zeit) mal anfordern konnte. Ich benutze ja immer Lesezeichen (Eselsohren oder Knicke in Büchern bringen mich zum Heulen), aber eigentlich ist es mir auch immer ziemlich ... egal ..., was da als Lesezeichen herhalten muss. Manche geben ja extra Geld aus, um sich Lesezeichen zu kaufen, oder stellen aufwendig selbst welche her. Auch schön. Mach und brauch ich aber nicht. Bei mir reicht auch jeder zerknorkelte Kassenzettel. (Btw: Mein Schreibprogramm unterstreicht mir hier gerade rot das Wort "zerknorkelt". Ich frag mich, wieso. Ist das kein offizielles Wort? Kennt das niemand außer mir? Zerknorkeln. Das ist doch ... klar. Oder nicht?!)
Äh, ja, jedenfalls gab es eben auch diese Lesezeichen, die ich ab sofort nach Herzenslaune in meine Bücher packen kann.




In den nächsten Tagen erwarten euch noch Rezensionen zu "Nashville" von Antonia Michaelis, "Symbole des Bösen" von J.T. Elliott und "Verlieb dich nie in einen Vargas" von Sarah Ockler.

Und last but not least darf ich schon mal verkünden, dass es hier auf dem Blog im August ein Gewinnspiel zum "City of Bones" - Kinofilm geben wird, gesponsert vom Arena Verlag. Mehr Infos gibt´s dann bald, aber ich kann euch jetzt schon sagen, dass sich das Mitmachen definitiv lohnt!

Samstag, 27. Juli 2013

"Der stille Sammler" - Becky Masterman

Bastei Lübbe, 2013
18,00 Euro
Handlung:
Als Brigid Quinn an den Leichenfundort in der Wüste Arizonas gerufen wird, erkennt die ehemalige FBI-Agentin sofort die Handschrift des Route-66-Killers: Floyd Lynch, der die Polizei zu den beiden Toten geführt hat, scheint jener Serienkiller zu sein, den Brigid viele Jahre vergeblich gejagt hat. Doch irgendetwas stimmt nicht, das spürt auch Laura Coleman, die nun die Ermittlungen im Fall Lynch leitet. Verzweifelt, weil niemand ihre Bedenken teilt, vertraut sie sich Brigid an - und ist kurz darauf spurlos verschwunden ...
(Quelle: hier)

Meine Meinung:
"Der stille Sammler" ist ein wirklich außerordentlich gut geschriebener, spannender und lesenswerter Thriller, der vor allem durch seine Hauptfigur punkten kann. Ich fand es so erfrischend, hier zur Abwechslung mal keine junge, attraktive, aufstrebende, alleinlebende und höchst ehrgeizige Topermittlerin vorgesetzt zu bekommen, die alles will und alles kann - die am Ende dann aber doch vom männlichen Helden gerettet werden muss.
Stattdessen ermittelt hier Brigid Quinn, eine - eigentlich - arbeitslose Endfünfzigerin, die ihre besten Tage beim FBI schon hinter sich hat, und mit allen Wassern gewaschen ist. Brigid ist gleichermaßen schnodderig, eigenwillig, distanziert und kühl, und hat dennoch Schuldgefühle und zuviele Erinnerungen an vergangene Fälle im Kopf. Ich fand sie sehr authentisch - auch wenn ich manche Dinge, die sie hier im Laufe der Handlung tut und sagt, nicht ganz nachvollziehen konnte.
Der Fall, in den man als Leser zusammen mit Brigid geworfen wird, ist gar nicht so ungewöhnlich (zumindest für eingefleischte Thrillerfans dürfte ein Frauenmörder nicht mehr allzu spektakulär daherkommen). Interessant wird es jedoch, als sich herausstellt, dass der geständige vermeintliche Route-66-Mörder gar nicht der Täter zu sein scheint. Warum gesteht er also Morde, die er gar nicht begangen hat? Gekonnt verbindet die Autorin dann Fakten, Erinnerungen und Schatten aus alten, längst vergangenen Fällen mit aktuellen Geschehnissen. Heraus kommt ein wirklich spannender und kurzweiliger Thriller, der Überraschungen parat hält, und genügend an Verwirrung stiftet, um stets weiterlesen zu wollen - ich hatte das Buch innerhalb weniger Stunden durch. Lesenswert für alle Thriller-Fans, die auch mal ohne ein allzu bildhaftes Blutvergießen auf ihre Kosten kommen wollen.


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