Montag, 19. Februar 2018

"Before you go" - Clare Swatman

Blanvalet Verlag, 2018
9,99 Euro


Handlung:
Zoe und Ed sind ein Traumpaar, doch im Laufe der Jahre ist ihre Beziehung ins Wanken geraten. Nach einer ihrer häufigen Auseinandersetzungen geschieht das Unfassbare: Ed stirbt bei einem Unfall. Zoe glaubt, an ihrem Schmerz zu zerbrechen. Wieso hat sie Ed an diesem Morgen nicht mehr gesagt, wie sehr sie ihn liebt? Nachdem sie wenig später schwer stürzt, erwacht sie in einer Version ihres Lebens, in der Ed noch am Leben ist und sich die beiden gerade erst kennenlernen. Fortan hat Zoe die Chance, ihr gemeinsames Leben zu verändern. Bis der Tag von Eds Unfall unaufhaltsam näher rückt …



Meine Meinung:
Mit "Before you go" hatte ich zwei wesentliche Probleme: 1. bin ich eine Verfechterin von Happy Ends. Und das gab es hier so ... naja, irgendwie, aber irgendwie auch wieder nicht. Mehr kann ich nicht sagen, ohne zu spoilern. Und 2. bin ich kein großer Freund von Geschichten nach dem Muster "Und täglich grüßt das Murmeltier". War ich noch nie. (Warum hab ich das Buch dann gelesen? Es war ein Leseexemplar.) Solche Geschichten mag ich irgendwie nicht, ohne richtig erklären zu können, warum das so ist. Vielleicht, weil ich zwar gern an Magie glauben möchte, aber dass man die Zeit umkehren und zurückdrehen kann - das geht mir dann doch zu weit. Genau diese Laune der Natur erlebt aber Protagonistin Zoe, die plötzlich, nach dem unerwarteten Tod ihres Mannes, eine zweite Chance bekommt: Sie wacht wieder als Jugendliche auf, an dem Tag, an dem sie Ed kennengelernt hat. Und kann fortan all ihre gemeinsamen Momente erneut erleben - und vielleicht auch hier und da ein bisschen was ändern? 
Nun ja, das ist die Idee dahinter, aber die Umsetzung hat bei mir keine Begeisterungsstürme ausgelöst. Zoe bekommt eine zweite Chance, aber wofür eigentlich? Irgendwie hat mir das hier die ganze Zeit gefehlt, eine Erklärung; ein Moment, in dem deutlich wird "Hier ist was schief gelaufen beim ersten Mal, mach ich es beim zweiten Mal also anders." Klar, oftmals lässt sich eine gescheiterte Beziehung nicht nur auf den einen falschen Moment zurückführen. Insofern ist Zoes Unterfangen vielleicht von Anfang an zum Scheitern verurteilt, weil sie nicht weiß, was sie eigentlich tun und ändern soll. Hier hatte aber dadurch auch ich meine Probleme: Ed stirbt bei einem Verkehrsunfall. (Soviel kann ich verraten, ohne zu spoilern.) Auch wenn Zoe ihre Beziehung von Anfang an beim zweiten Versuch liebevoller und verständnisvoller gestalten will, wie soll sie Einfluss auf den Straßenverkehr nehmen?! Das ist so eine Grundsatzdiskussion à la "Gibt es Zufälle oder ist alles Schicksal?" oder "Kann ein Schmetterling einen Wirbelsturm auslösen?", und darauf hat auch die Autorin (natürlich) keine Antwort. Aber vielleicht hätte mir genau so eine Antwort hier gefehlt, eine krasse Positionierung, inwieweit man sein Leben (und das eines anderen) wirklich selbst bestimmen und verändern kann. Denn so hat mir die Würze und auch der Sinn, der Hintergedanke dieser Geschichte gefehlt. Man liest über die (zweite) Beziehung zwischen Ed und Zoe, fiebert unweigerlich auf DEN TAG X, nämlich Eds Todestag hin, und dann ist der plötzlich gekommen und - ja, und? 
Die Geschichte und die Auflösung hat mich nicht zufrieden gestellt. Beides ein bisschen dröge und langatmig, beides nichts, was mir im Kopf bleiben wird. 


Mittwoch, 14. Februar 2018

"Beastly" - Alex Flinn

Bastei Lübbe/ Baumhaus Verlag, 2012
7,99 Euro


Handlung:
Kyle Kingsbury ist eine Bestie, die nachts durch New York streift - als hässliches Monstrum. Doch Kyle war nicht immer so. Er war mal ein Junge, mit dem jeder andere gerne getauscht hätte, ein gutaussehender, reicher und bei vielen Mädchen beliebten Kerl, aber er war auch arrogant, eingebildet und überheblich. Zur Strafe wurde er dazu verflucht, dieses grässliche Biest zu sein - jetzt kann ihn nur noch die Liebe von diesem Fluch erlösen.


Meine Meinung:
"Beastly" habe ich tatsächlich zuerst als Film gesehen und dann erst später das Buch dazu gelesen. Neulich lief der Film mal wieder im TV, weshalb mir das wieder in Erinnerung kam und ich mir daraufhin auch sogleich noch einmal das Buch schnappte. Liest sich ja recht schnell weg. 
Erstaunlicherweise (und das kommt bei mir fast nie vor) muss ich sagen, dass mir der Film fast besser gefällt als das Buch. Das ist mir auch erst klar geworden, nachdem ich es jetzt noch einmal gelesen habe. Und vielleicht auch, weil der Film noch so präsent in meinem Kopf war, als ich die entsprechenden Szenen und Dialoge dazu im Buch verfolgte. 
Das Hauptproblem, das ich mit dem Buch habe: es ist so fürchterlich oberflächlich. Vor allem Kyle, der arme reiche und schöne Junge, der zum Biest mutiert. Versteht mich nicht falsch, der Film ist auch schrecklich oberflächlich. Aber der hatte dabei irgendwie noch ein bisschen Stil - und es hat irgendwie Laune gemacht, zuzuschauen. Obwohl es natürlich auch einiges zu meckern gibt. Alex Pettyfer hat sich als Kyle so halbwegs bemüht, wie ein "Biest" zu wirken und dabei aber kläglich versagt. Das liegt aber auch irgendwie an der Aufmachung, die ist einfach zu simpel! Mal ehrlich: ein paar Narben und Tattoos im Gesicht, keine Haare mehr - das soll das Biest sein?! Okaaaayyy...? 
Nein, nicht okay. Das Biest im Buch ist wenigstens ein "echtes" Biest, wie man es sich vorstellt, mit ner Menge Haaren (= Pelz), Reißzähnen und Klauen. Ich meine, so wie Alex Pettyfer in dem Film aussah, laufen manche ja heutzutage völlig alltäglich draußen rum, und das mit Absicht! Zählt also eigentlich nicht richtig als Biest. Und daher ist es in meinen Augen gar nicht mal so abwegig, dass Ober-Arrogantling Kyle als "Biest" zumindest im Film tatsächlich noch das Mädchen rumkriegt und der Fluch gebrochen werden kann. Im Buch sieht das ganz anders aus, denn da konnte ich Kyle und Lindy die ach-so-große Liebe irgendwie nicht abkaufen. Noch dazu weil Kyle hier für meinen Geschmack eine zu holterdipolter Kehrtwende in seinem Charakter hinlegt. Von einer Seite auf die andere ist er plötzlich total verliebt und nichts ist mehr übrig von seinem ekligen Selbst, das er vorher war. Das war zu leicht. Die Dialoge im Buch sind bisweilen außerdem echt schrecklich oberflächlich, simpel gehalten und kitschig. Gut gelungen dagegen finde ich die Idee, einen Chatroom für unglücklich verwandelte Märchenfiguren ins Leben zu rufen, wo sich dann eben nicht nur Kyle, sondern z.B. auch die Kleine Meerjungfrau oder ein Froschkönig tummeln. Deren Austausch ist ziemlich amüsant.
Insgesamt eine nette Version des alten Klassikers "Die Schöne und das Biest", die ins heutige New York verlagert wurde, allerdings hat mir tatsächlich die Verfilmung besser gefallen als das Buch.

Dienstag, 30. Januar 2018

"Herrn Haiduks Laden der Wünsche" - Florian Beckerhoff

HarperCollins Verlag, 2017
16,99 Euro

Handlung:
Er kam der Liebe wegen nach Berlin: Herr Haiduk. Er blieb, die Liebe nicht. Seitdem betreibt der in die Jahre gekommene Herr seinen winzigen Kiosk, in dem es fast alles gibt: Zeitungen und Kaffee, Geschichten und Lottoscheine. Er genießt sein ruhiges Leben, bis eines Tages die scheue Kundin Alma das Jackpot-Los über 13 Millionen Euro vor dem Laden findet und den rechtmäßigen Gewinner ermitteln möchte. Gemeinsam mit Herrn Haiduk und seinem Gehilfen Adamo macht sie sich auf die Suche: Wer ist der Glückliche? Und kann er so viel Glück überhaupt vertragen? 


Meine Meinung:
Als ich dieses Buch in aller Eile im Buchladen erspähte, auf der schnellen Suche nach einem Buch für den Zug, schnappte ich es mir nach dem Lesen der Buchrückseite. Weil ich dachte "Ach, das klingt ja nett" und schön kurzweilig. Ein kleiner Lottoladen in Berlin, da sind schöne und vielleicht auch schrille Begegnungen ja quasi vorprogrammiert.
Die ersten Seiten haben mir auch wirklich ausgesprochen gut gefallen. Der Herr Beckerhoff schafft es, auf den ersten Seiten sehr neugierig auf die handelnden Personen zu machen. Durch die Beschreibungen, die der handlungstragende Herr Haiduk seinen täglichen Besuchern und Käufern verpasst ("Der Pudelmann", "Die stumme Studentin", "Der junge Kettenraucher" usw.), habe ich mich direkt wohl und wie eine Beobachterin im Kiosk gefühlt - denn, Hand aufs Herz, so spontane Charakterisierungen von Personen, die man Tag für Tag sieht, habe ich auch im Kopf. (Bin da nicht frei von Vorurteilen, ich geb´s zu.) Aber gerade das hat den Charme der Geschichte am Anfang für mich ausgemacht. Die besagte "Stumme Studentin", die Herrn Haiduks kleinen Laden immer wieder aufsucht, ist dann aber doch gar nicht stumm; sie kann reden, eines Tages. Und sie zieht Herrn Haiduk ungewollt in eine ziemlich große Sache hinein: sie hat nämlich den Lottoschein (DEN !!! Lottoschein) gefunden, der mehrere Millionen Euro verspricht. Ihr gehört er nicht, aber sie will den Besitzer finden. Mit Herrn Haiduks Hilfe. 
Mal ganz abgesehen davon, dass ich mich im Laufe des Buches mehrfach gefragt habe, wie rein das Herz eines Menschen sein muss, wenn er tatsächlich nicht EIN EINZIGES Mal darüber nachdenkt, diesen blöden Zettel einfach selbst einzulösen, auch wenn man nicht derjenige war, der die Kreuze gesetzt hat. Die stumme Studentin namens Alma scheint tatsächlich nicht daran zu denken. Das fand ich schräg, dass das in der gesamten Handlung eigentlich überhaupt nicht zur Debatte stand. Denn seien wir ehrlich: so läuft´s nicht in der Welt. Wer gibt so einen Gewinnerschein im Fundbüro ab (oder überlässt ihn gar jemand anderem???), wenn er ihn selbst einlösen kann - und dann "zur Not" eben beispielsweise wohltätig spenden, wenn´s man nicht in die eigene Tasche stecken will?! Das habe ich nicht glauben können, und das Himmelfahrtskommando von Alma, die innerhalb weniger Tage nur anhand eines kurzen Gesprächs den wahren Lottogewinner ausmachen will, ebenso wenig. Denn Alma glaubt, das Wahre eines Menschen nach nur wenigen Sekunden erkennen zu können. 
Ab da ging die Story für mich leider ein bisschen bergab. Zum einen zogen sich die - wenig spannenden - Gespräche zwischen Alma und den (natürlich!) zahlreichen Bewerbern, die angeblich alle der wahre Lottoschein-Besitzer sein wollen. Zum anderen hat mir die Auflösung einfach nicht so richtig gefallen. Die Story wird aus Sicht eines Schriftstellers berichtet, der sie wiederum von Herrn Haiduk erzählt bekommt. Am Ende spielt er dabei aber plötzlich selbst unfreiwillig eine große Rolle, selbst Monate nach der eigentlichen Lottoziehung - das fand ich komisch. Irgendwas hat da für mich nicht gepasst. Letztendlich ist "Herrn Haiduks Laden der Wünsche" dennoch eine kurzweilige und nett geschriebene Lektüre über den (Irr-)Sinn, den ein Lottogewinn bei den Menschen auslösen kann.

Donnerstag, 25. Januar 2018

"Atlas obscura" - Foer, Thuras, Morton

Mosaik Verlag, 2017
34,00 Euro


Inhalt:
Der Atlas Obscura sieht nur auf den ersten Blick aus wie ein Reiseführer. Es ist vor allem ein Buch zum Lesen und Träumen – eine Wunderkammer voller unerwarteter, bizarrer und mysteriöser Orte, die gleichermaßen Wunderlust und Wanderlust hervorrufen. Jede einzelne Seite dieses außergewöhnlichen Buchs erweitert unseren Horizont und zeigt uns, wie wunderbar und schräg die Welt in Wirklichkeit ist. Fesselnde Texte, hunderte von fantastischen Fotos, überraschende Fakten und Karten für jede Region des Globus machen es nahezu unmöglich, nicht gleich die nächste Seite aufzuschlagen und weiterzuschmökern! Eine erstaunliche Liebeserklärung an die Welt, in der wir leben.


Meine Meinung:
Kennt ihr das? Ihr lest etwas, das bringt euch zum Lächeln, ganz leicht. Und beim Umschlagen auf die nächste Seite schüttelt ihr automatisch verwundert und amüsiert zugleich den Kopf, so ein bisschen zumindest. Kennt ihr das? 
Ich kenne das von mir sehr gut, wenn ich etwas Außergewöhnliches oder Kurioses lese, das mich überrascht und zugleich erstaunt dasitzen lässt. Das kommt in "normalen" Büchern jedoch nur dann und wann vor, eher selten. Im "Atlas obscura" gehört das nahezu zum Umschlagen einer jeden Seite dazu. Ich bin so beeindruckt und begeistert von diesem tollen Atlas der außergewöhnlichen Orte auf unserer Erde!! Vieles, vieles, ach - sehr vieles davon habe ich noch nie gehört, gesehen oder gar selbst besucht. Machen wir uns nichts vor: dazu wird es auch nie kommen, also zu dem Besuchen, meine ich. Sofern ich nicht dank Lottogewinn plötzlich Unmengen von Zeit und Geld übrig haben sollte, wird es mich wohl nie in die hier vorgestellten entlegenen Ecken und Orte auf unserem Planeten führen. Obwohl - manches davon ist gar nicht so abgelegen. Ein Eintrag davon beschäftigt sich beispielsweise mit einer Orgel in einer Stadt keine Stunde von mir entfernt, die seit Jahren eine Melodie spielt und das noch weitere Jahrzehnte tun soll, ohne Unterbrechung, ohne jemals aufzuhören! Davon hab ich noch gehört, aber ich finds echt toll. Im "Atlas obscura" findet man tausende solche ungewöhnlichen und bizarren Orte und Ecken der Welt. Häuser, Straßen, Wälder, Parks, Seen, Dinge und Objekte, Skulpturen, einfache Steinplatten, ganz kleine Details ins Bildern, sogar Schrott. Alles dabei. Ein Reiseführer, der einen abseits der altbekannten Touristenwege führt, möchte man fast sagen. Dabei ist jeder einzelne Kontinent dabei und auch so manche abgelegene Insel. 
Ich habe längst nicht alle der 480 Seiten und tausende Einträge gelesen, aber das muss ich in dem Tempo auch gar nicht. "Atlas obscura" ist ein echtes Buch zum Schmökern und Staunen, das man jederzeit zur Hand und darin blättern kann. Immer wieder. Alles bunt bebildert und aus festen stabilen Seiten (und mit Lesebändchen!) ist es seinen Preis absolut wert, wie ich finde. Eignet sich auch super als Geschenkidee. 

Ein herzliches Dankeschön an Randomhouse/ Mosaik!

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