Mittwoch, 10. Mai 2017

"Flucht aus Mr. Banancellos Bibliothek" - Chris Grabenstein

Verlag Freies Geistesleben, 2017
18,90 Euro


Handlung:
Kyle liebt Spiele, mit Büchern hat er es nicht so. Als er aber erfährt, dass der berühmteste Spiele-Erfinder die neue Stadtbibliothek gestaltet hat, will er unbedingt eine Einladung zur Eröffnungsnacht gewinnen, in der zwölf Zwölfjährige in der Bibliothek eingeschlossen werden. Was er nicht weiß: Um den Weg hinaus zu finden, braucht man mehr als nur ein bisschen Glück und Verstand. Nur gut, dass der originelle Mr. Banancello auf Einfallskraft und Kombinationsgabe setzt. Da hat Kyle gar nicht so schlechte Karten.


Meine Meinung:
Du magst Rätsel? Liest auch gern mal zwischen den Zeilen? Dein Traum wäre es, eine Art Schnitzeljagd quer durch eine verrückte und außergewöhnliche Bibliothek zu unternehmen, bei der du Rätsel und Aufgaben erledigen sollst? Eine Bibliothek, die völlig interaktiv ist, mit Hologrammen und alten Filmaufnahmen sowie einem Café dienen kann? Dann wäre das Buch "Flucht aus Mr. Banancellos Bibliothek" vielleicht etwas für dich. Denn genau das findest du hier: Bücher, Rätsel und beides zusammen in einer Bibliothek. Als Leser darfst du die ganze Zeit miträtseln. 
Ich hab das Buch sehr gern gelesen. Ich gehöre sicher nicht mehr zur unmittelbaren Leser-Zielgruppe, aber für ein Rätsel war ich schon immer zu haben. Und da kommt man hier auf seine Kosten, denn man begleitet das Grüppchen Schüler bei ihrem Versuch, sich den Weg aus der Bibliothek zu "errätseln". Da kommt man selbst unweigerlich ins Überlegen, zieht Schlüsse und stellt Theorien auf, was gemeint sein könnte. Ich habe die Geschichte von Kyle und seinen Mitschülern sehr gern - und vor allem gespannt verfolgt. Der Autor Chris Grabenstein hat es schon drauf, den Leser am Ball zu halten. Die Kapitel sind schön kurz und enden fast immer mit einem kleinen Aha- oder wahlweise Schreck-Moment, sodass man einfach Kapitel für Kapitel weiterlesen möchte. Insgesamt ist "Flucht aus Mr. Banancellos Bibliothek" ein abwechslungsreiches, ungewöhnliches und spannendes Jugendbuch, das viele Möglichkeiten zum Mit-Überlegen und Mit-Rätseln bietet - und vielleicht genau deswegen ein bisschen aus der Masse der Jugendbücher heraus sticht.


Dankeschön an den Verlag Freies Geistesleben!

Dienstag, 25. April 2017

"Überall bist du" - Gerhild Stoltenberg

Atlantik Verlag, 2017
20,00 Euro

Handlung:
Wenn Martha geahnt hätte, dass Tom vom einen auf den anderen Tag aus ihrem Leben verschwinden würde, hätte sie ihn nachts geweckt, statt ihn nur anzuschauen. Sie wäre mit Tom nur U-Bahn statt Fahrrad gefahren, dann gäbe es in der Stadt jetzt weniger Orte, die sie mit ihm verbindet. Und sie hätte versucht, viel weniger mit ihm zu erleben, damit die Liste der Dinge, die sie so sehr an ihn erinnern, jetzt nicht so lang ist. Zum Glück gibt es den fünfjährigen Oskar und seine Brüder, die ihr die unausgesprochenen Gesetze des Spielplatzes erklären und mit denen sie unbeschwerte Sommertage im Freibad verbringt. Doch wenn der Liebeskummer so schlimm wird, dass nicht mal Winnie Puuh-Pflaster helfen, weiß selbst der sehr weise Oskar nicht mehr weiter. Martha muss sich eingestehen, dass sie nicht die besten Ideen hat, um über Tom hinwegzukommen, und entscheidet kurzerhand, alles hinter sich zu lassen.


Meine Meinung:
Mir hat "Überall bist du" gefallen. Es fiel mir so leicht, mich gleich auf den ersten Seiten in die Geschichte fallen zu lassen - wahrscheinlich, weil es gar nicht mal so sehr eine Geschichte ist. Sondern wohl eher eine Erzählung über ein Gefühl, das jeder von uns wohl mehr oder weniger schon einmal hatte: Liebeskummer. Sehnsucht. Einsamkeit. 
Diese Gefühle hat Gerhild Stoltenberg in meinen Augen wirklich gut eingefangen, auch wenn bei der Protagonistin Martha der Liebeskummer nach der Trennung nicht unmittelbar, sondern eigentlich erst nach einer ganzen Weile einsetzt. Mir haben die Beschreibungen von ihr gefallen, welche kleinen und großen Dinge, Sätze, Orte usw. sie an ihre ehemalige Liebe Tom erinnern. Tom, der eigentlich gar nicht Tom heißt. Und dass sie das Gefühl hat, soviele Dinge, Sätze, Orte usw. jetzt nicht mehr nutzen oder besuchen zu können, weil alles unweigerlich an die Zeit mit ihm verknüpft ist. Schön!
Nichtsdestotrotz kam ich nicht umhin, mich von Seite zu Seite mehr zu fragen, was das eigentlich für eine Beziehung war, die die beiden da hatten. Und warum Martha nicht schon viel früher mal manche Sachen hinterfragt hat. Tom wurde mir immer unsympathischer, sodass ich Martha irgendwann am liebsten geschüttelt hätte, um ihr die Augen zu öffnen. Martha macht stattdessen in der Zwischenzeit Bekanntschaft mit dem kleinen, aber ungeheuer altklugen Oskar und seinen beiden Geschwistern, deren "Nanny" sie wird. Diesen Erzählungsstrang fand ich ganz nett, aber irgendwie ein wenig undurchschaubar. Mir wurde nicht ganz klar, was die Autorin damit eigentlich bezwecken wollte. Denn der Umstand, dass Martha tatsächlich irgendwann "aufwacht" und die Augen öffnet, für sich auch ganz andere Lebenswege in Betracht zieht - dieser Umstand hat eigentlich wenig bis gar nichts mit Oskar zu tun.
Trotzdem hat mich das Buch gut unterhalten, ich habe es an einem Nachmittag weggelesen. Ein schönes ruhiges Buch über Liebeskummer, den man niemandem wünscht, der einen aber leider manchmal erwischt. 

Sonntag, 23. April 2017

Tag des Buches - Gewinnspiel

Hallo ihr Lieben!
Heute ist der Tag des Buches und ich werde diesen Tag entsprechend passend verbringen - nämlich mit einem Buch in der Hand :) Aber vorher werfe ich noch ein kleines Gewinnspiel in die Runde und verschenke ein Buch. 
Als ich "Ready Player One" von Ernest Cline vor ein paar Jahren zum ersten Mal gelesen habe, hat mir das Buch einige sehr spannende und atemlose Stunden beschert, ich konnte das Buch tatsächlich überhaupt nicht aus der Hand legen. Und dieses Erlebnis möchte ich gern auch einem anderen Leser ermöglichen, der das Buch noch gar nicht kennt.

Im Jahr 2044 ist die Welt ein hässlicher Ort: Die Erdölvorräte sind aufgebraucht, ein Großteil der Bevölkerung lebt in Armut. Einziger Lichtblick ist die OASIS, eine virtuelle Ersatzwelt, in der man leben, arbeiten, zur Schule gehen und spielen kann. Die OASIS ist ein ganzes Universum, es gibt Tausende von Welten, von denen jede ebenso einzigartig wie phantasievoll ist. Und sie hat ein Geheimnis.

Der exzentrische Schöpfer der OASIS hat tief im virtuellen Code einen Schatz vergraben, und wer ihn findet, wird seinen gesamten Besitz erben – zweihundertvierzig Milliarden Dollar. Eine Reihe von Rätseln weist den Weg, doch der Haken ist: Niemand weiß, wo die Fährte beginnt. Bis Wade Watts, ein ganz normaler Junge, der am Stadtrand von Oklahoma City in einem Wohnwagen lebt, den ersten wirklich brauchbaren Hinweis findet. Die Jagd ist eröffnet ...



Aus dem Grund verschenke ich "Ready Player One" als Taschenbuch, das sogar erst in den nächsten Tagen erscheinen wird. Schreibt mir, wenn ihr es gern gewinnen möchtet, eine Email an 
i-am-bookish@web.de
- und zwar bis zum 27.4.17, 18 Uhr. Verratet mir in der Email, welches Buch eurer Lese-Highlight im Jahr 2016 war, und ihr seid im Lostopf. Das übliche Kleingedruckte: Versand nur innerhalb von Deutschland (oder ihr übernehmt das Porto), der Gewinn kann nicht ausgezahlt werden, teilnehmen könnt ihr ab 18 (oder mit Zustimmung eurer Eltern).

Macht euch einen schönen Tag des Buches!


Montag, 10. April 2017

"Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands" - Salvatore Basile

Blanvalet Verlag, 2017
19,99 Euro



Handlung:
Seit seine Mutter ihn als Kind verlassen hat, lebt der dreißigjährige Michele von der Außenwelt abgeschottet im Bahnhofshäuschen eines verschlafenen, idyllischen Dorfs in Italien. Seine einzige Gesellschaft sind die liegengebliebenen Gegenstände, die er im täglich ein- und ausfahrenden Zug einsammelt und in seinem Zuhause um sich schart. Doch dann begegnet ihm Elena, die sein Leben wie ein Wirbelwind auf den Kopf stellt und ihn aus seiner Einsamkeit reißt. Als er kurz darauf sein altes Tagebuch wiederfindet, das seine Mutter damals mitnahm, als sie aus seinem Leben verschwand, gibt dies den Anstoß für eine wundersame Reise quer durch Italien, die Micheles ganzes Leben verändern wird …


Meine Meinung:
Auf "Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands" bin ich wegen der Inhaltsangabe neugierig geworden. Denn von Außenseitern, die etwas schrullig schon in der Inhaltsbeschreibung wirken, lese ich irgendwie gern. Und in der Hinsicht bin ich hier auch nicht zu kurz gekommen mit Michele. Der lebt seit seiner Geburt im Bahnhofshäuschen eines kleinen italienischen Ortes und hat etwa seit seiner Jugendzeit kaum Kontakt zu Menschen mehr. Sein Leben bestimmen die Abfahr- und Ankunftszeiten des einzigen Zuges, der in seinem Bahnhof hält. Das sind die einzigen Highlights seines Tages, wenn man es mal so ausdrücken möchte. Ein anderes Leben kennt er nicht und will er scheinbar auch nicht haben, auch wenn er sich schon hin und wieder fragt, warum seine Mutter ihn damals bei seinem Vater zurück gelassen hat und einfach verschwunden ist. 
Jeden Tag dasselbe Einerlei bei Michele also, bis - ja, bis plötzlich gleich zwei wesentliche Dinge in seinem Leben passieren. Zum einen taucht Elena auf, die Gefallen an ihm findet und ihn irgendwie gar nicht mehr wirklich allein lassen mag. Und Micheles Tagebuch, in das er als Kind schrieb und das zusammen mit seiner Mutter verschwand, findet auf einmal den Weg zu ihm zurück. Das kann dann selbst Michele nicht ignorieren und so macht er sich auf die Suche nach seiner Mutter, unterstützt von Elena.
Micheles Geschichte fand ich sehr schön, an mancher Stelle unerwartet, an mancher leider sehr ehrlich und - wie Michele am eigenen Leib erfahren muss - auch brutal. Klar, am Ende spielt selbst für meinen Geschmack ein bisschen zu sehr der Zufall in die Geschichte rein. Manche Sachen, die passieren, könnte man hinterfragen - wenn man will. Hab ich aber nicht, immerhin ist es nun mal eine Geschichte, da können sich dank der Fantasie des Autors ja auch einige Dinge einfach so fügen, wie sie es hier tun. Schön ist vor allem zu sehen, wie Michele auftaut und sich nach und nach den Menschen und dem Leben öffnet. Aus dem eigenbrötlerischen Außenseiter wird ein aufgeschlossener junger Mann, der verstanden hat, dass das Leben auch mehr sein kann als ein einsames Bahnhofshäuschen, in dem man sich nur mit Fundsachen unterhalten kann. Die letzte Seite habe ich sehr zufrieden zugeklappt. 

Ein herzliches Dankeschön an den Blanvalet Verlag!


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