Montag, 6. April 2015

"15 kopflose Tage" - Dave Cousins

Verlag Freies Geistesleben, 2015
17,90 Euro


Handlung:
Wie weit kann man gehen, um die eigene Familie zusammenzuhalten? Laurence, 15 Jahre alt, geht jedenfalls ziemlich weit und manövriert sich dabei in eine Reihe grotesk-komischer Situationen – nicht zuletzt, weil sein kleiner Bruder fest davon überzeugt ist, ein bissiger Hund zu sein … Laurence Roach wünscht sich eigentlich nur ein normales Leben, doch das ist schwer, wenn die Mutter eine depressive Alkoholikerin ist. Als sie eines Abends nicht mehr nach Hause kommt, erzählt er niemandem davon – aus Angst, er und sein Bruder Jay müssten sonst in Pflegefamilien. Er täuscht vor, seine Mutter sei noch da, zieht sich ihre Kleider an und verstrickt sich immer mehr in ein Netz aus Lügen. Abend für Abend schleicht er zudem in die Telefonzelle und gibt sich in der Live-Sendung des lokalen Radiosenders für seinen verstorbenen Vater aus, um seinen geheimen Traum zu verwirklichen. Nach zwei Wochen, in denen sich die beiden Brüder mit einem Minimum an Geld und Essen durchschlagen, entdeckt Laurence endlich eine Spur von seiner Mutter. Aber jetzt fangen die Schwierigkeiten erst richtig an …


Meine Meinung:
"Wenn man sich vorstellt, man würde irgendwo abhauen und keiner würde merken, dass man weg ist, weil niemandem aufgefallen war, dass man überhaupt da war - das ist hart." (S. 14).

"15 kopflose Tage" ist kein einfaches Buch. So unterhaltsam das Cover auch rüberkommen mag - beim Lesen der Inhaltsangabe sollte jedem klar werden, dass sich hier viel ernsterer Inhalt verbirgt. Und genau das trifft auch zu: "15 kopflose Tage" ist zwar unterhaltsam, die sozialkritischen Momente kommen dadurch aber keinesfalls zu kurz. Im Gegenteil, ich hatte an mehreren Stellen arg mit Mitleid für Laurence und seinen Bruder Jay zu kämpfen und war teilweise richtig erschüttert. Denn die beiden werden von einem Tag auf den anderen sich selbst überlassen von ihrer alkoholkranken Mutter, die einfach nicht wieder nach Hause kommt. Was Laurence anfangs noch gar nicht so sehr in Aufregung versetzt, wird nach einigen Tagen zur Gewissheit: die beiden sind auf sich selbst gestellt, haben kein Essen mehr im Haus und kein Geld. Außerdem werden Nachbarn, Lehrer und andere Personen zunehmend misstrauisch. Laurence versucht trotzdem alles, um den Schein zu wahren, um zu verhindern, dass das Jugendamt verständigt wird. 
Die von Dave Cousins teils recht amüsant dargestellten Episoden, in denen der für sein Alter (in meinen Augen) recht naive Laurence alles versucht, um die anderen von der angeblich heilen Welt zu überzeugen, lassen sich kurzweilig und nachvollziehbar lesen. Gleichzeitig wurde der Kloß in meinem Hals beim Lesen aber immer dicker. Denn es ist schrecklich, wenn man sich vorstellt, diese Geschichte möge hier und da wirklich passieren: und so unwahrscheinlich ist dieses Szenario heutzutage leider nicht. Von Seite zu Seite habe ich Laurence und Jay die Daumen gedrückt und ihnen ein klein bisschen Glück gewünscht, das von unterschiedlichen Anlaufstellen schließlich auch kommt. Ich habe Laurence´ Durchhaltewille und seine Entschlossenheit bewundert, gleichzeitig wurde die Frage in meinem Kopf immer größer und drängender, warum er sich nicht endlich irgendjemandem anvertraut und sich helfen lässt.
Am Buch von Dave Cousins gefällt mir, dass es echt ist. Dass es ganz unverschnörkelt, aber trotzdem auf sehr lesenswerte und unterhaltsame Art Probleme vermittelt, von denen viele nicht das Geringste ahnen. Ein ernstes Thema wird angesprochen und von einer ganz anderen, weil ungewöhnlichen Sichtweise beleuchtet: hier geht´s nicht um die Perspektive der Alkoholkranken, sondern um das, was ihre Kinder erleben. Dadurch, dass das Buch so "locker" verfasst ist, eignet es sich bestens als Lesestoff, der zum Nachdenken anregt.


Ein herzliches Dankeschön an den Verlag Freies Geistesleben!


Sonntag, 5. April 2015

"Nacht ohne Namen" - Jenny-Mai Nuyen

dtv, 2015
16,95 Euro

Handlung:
Manche Menschen sind für einander bestimmt. So wie Nicki und Canon. Sie haben ihre eigene Welt. U-Bahnfahren in der morgengrauen Großstadt. Verstehen fast ohne Worte. Und doch wissen sie nicht viel voneinander. Zum Beispiel ihre wahren Namen. Als Canon verschwindet, kommt Nicki einem noch viel größeren Geheimnis in seinem Leben auf die Spur. Denn sie teilt Canon mit einem Dämon – und der steckt in üblen Schwierigkeiten …


Meine Meinung:
Mit "Nacht ohne Namen" hat die Autorin eine interessante Ideenkiste geöffnet. Als ich anfing, das Buch zu lesen, wusste ich überhaupt nicht so recht, worum es gehen und was mich erwarten würde. Die Anfänge der Geschichte von Nicky und Canon haben mich dann positiv überrascht. Lokalisiert in der Metropole Berlin, mitten zwischen Sozialbauwohnungen und B-Bahnschächten, wird die Bekanntschaft zwischen beiden mit einem ganz besonderen Zauber dargestellt. Man liest nur aus der Perspektive von Nicky, erfährt nicht viel über Canon; nur das, was Nicky eben selbst weiß. Oder zu wissen glaubt. Und trotzdem spürt man auf jeder Seite, dass zwischen beiden eine besondere Verbindung besteht, die über die täglichen Treffen in der U-Bahn hinausgeht.
Dann jedoch wird man als Leser mitten hinein in die Welt der Dämonen geworfen - Dämonen, die in der Romanwelt der Jenny-Mai Nuyen ganz normal in Menschengestalt unter uns weilen. Das fand ich einerseits zwar sehr gut ausgedacht, gleichzeitig wurde es für mich da holprig, der Geschichte zu folgen. Den Dämon Jucitell Tallis, der an Nickys Seite steht, fand ich dank seines vielseitigen und schillernden Auftretens sehr interessant, wenn auch etwas aufdringlich. Das wiederum lag an seinem Naturell bzw. seiner Rolle als Inkubus. Während ich dem Geplänkel zwischen Menschen- und Dämonenwelt anfangs noch gern gefolgt bin, wurden für mich die Zusammenhänge und Verbindungen zunehmend schwierig zu folgen. Gerade im letzten Buchdrittel fand ich alles ein wenig konfus und undurchsichtig, wer mit wem und gegen wen agiert, mit welchen Absichten und unter Anweisung welchen Dämons.
Letztendlich hat mir das Buch durch seine kurzweilige Art, seine Ideen und einnehmenden Sprachstil gut gefallen. Einmal angefangen, will man wissen, was passiert, und bleibt automatisch dran. Berlin als Handlungsort ist in meinen Augen super ausgewählt in seiner Vielschichtigkeit und auch Nicky als Handlungsträgerin konnte bei mir punkten. "Nacht ohne Namen" ist ein gutes, lesenswertes Buch; trotzdem wollte der letzte Funke zum richtigen Begeistertsein einfach nicht recht überspringen bei mir.


Donnerstag, 2. April 2015

Unrealistisch?! Voll mein Ding!

Ich glaube, ... ich lasse heute Bilder sprechen. Unten zu sehen: mein (eigentlich) geplantes Lesevorhaben für die Ostertage. 


* Das oben drauf ist eine DVD, ich weiß schon. Die wartet schon seit einigen Tagen darauf, angesehen zu werden. Ob das in den nächsten 4 Tagen was wird...?

Mittwoch, 1. April 2015

Lese-Rückblick März 2015

Hallo Lesefreunde!
Der März ist schon vorbei! Wie ist das passiert? Das ging schneller als erwartet. Jetzt ist April, ein Monat, den ich an sich ja sehr mag. Ich habe mit Aprilwetter keine Probleme, im April gibt´s dank Ostern ein paar freie Tage und Geburtstag habe ich auch noch. Das bereitet mit - trotz der Aussicht auf Buchgeschenke - in diesem Jahr allerdings leider eher etwas Zahnschmerzen als Freude, denn dieses Jahr steht für mich dieser vermaledeite Geburtstag an, bei dem vorne die 2 verschwindet. Und das finde ich gerade ganz grässlich... :(

Aber mal zurück zum Thema: Rückblick auf März.
Der März war - in Bezug auf die Anzahl der gelesenen Bücher - für mich ein eher unterdurchschnittlicher Monat mit 7 gelesenen Büchern. Oder eher: 7 ausgelesenen Büchern. Ich habe im März nämlich (gefühlt) unzählige Bücher begonnen und sie dann nach unterschiedlich vorangeschrittener Seitenzahl beiseite gelegt. Zu den 7 ausgelesenen Büchern gesellen sich also derzeit einige begonnene Bücher.
Ansonsten war der März ... ok, aber leider kein ganz überragender Lese-Monat. Meine gelesenen Bücher empfand ich fast alle als eher so mittelmäßig. Keins konnte mich völlig begeistern, zumindest nicht auf die Weise, dass ich 2 Monate später noch von dem Buch schwärmen würde. Der April wird da hoffentlich besser.

Gelesen im März

"Die Falle" - Melanie Raabe (5/5)
"Ich sehe was, was niemand sieht" - Tim O´ Rourke (3/5)
"Das Herz von Libertalia" - Anna Kuschnarowa (4/5)
"Das ist der Sommer im Paradies, wie er eben aussieht, wenn man die Sonnenbrille absetzt" - Hilde Kvalvaag (2/5) (Rezension folgt)
"Nacht ohne Namen" - Jenny-Mai Nuyen (3,5/5) (Rezension folgt)
"15 kopflose Tage" - Dave Cousins (3/5) (Rezension folgt)
"Stimmen" - Ursula Poznanski (4/5) (Kurzmeinung folgt)


Mein Highlight im März


... das war "Die Falle" von Melanie Raabe, das ich für einen Krimi/Thriller erfrischend anders fand. 

Meine Enttäuschung im März


... da muss ich wohl das Buch mit dem außergewöhnlichen Titel nennen: "Das ist der Sommer im Paradies, wie er eben aussieht, wenn man die Sonnenbrille absetzt". In den nächsten Tagen stelle ich die Rezension online. Leider hat das Buch inhaltlich überhaupt nicht das gehalten, was ich gehofft hatte. 


Ausblick
Über die Osterfeiertage möchte ich gern einiges lesen, dazu werde ich aber sicher morgen oder am Freitag noch einmal eine kleine extra Oster-Leseliste zeigen. Zumindest ist Lesen eingeplant in den nächsten Tagen; mal sehen, wie sehr ich das letztlich umsetzen kann...
Längerfristig möchte ich im April einige Rezensionsexemplare lesen, damit ich die mal "abgearbeitet" habe - obwohl das gar nicht so negativ ist, wie es vielleicht klingt. Ich freu mich ja über jedes Buch. In den letzten Wochen haben sich aber irgendwie einige Verlagsbücher angesammelt, auch diverse ungefragte, sodass ich diese bevorzugt lesen sollte. Da die aber alle ziemlich interessant klingen, dürfte mir das nicht allzu schwer fallen ;)


Welches war euer Buch-Highlight im März?

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