Mittwoch, 11. April 2012

"Nachricht von dir" - Guillaume Musso

Pendo Verlag, 2012
14,99 Euro

Handlung:
Als sich Madeline und Jonathan am Flughafen begegnen, denken sie nicht im Traum an ein Wiedersehen. Doch hat das Schicksal anderes mit ihnen geplant: Ihre Leben sind schon seit Langem miteinander verknüpft - genau wie tiefe Wunden aus der Vergangenheit, die sie nun mit aller Macht einholen ... New York, John-F.-Kennedy-Flughafen. Ein Mann und eine Frau prallen im Schnellrestaurant aufeinander - und fluchen. Ein Sandwich fällt zu Boden, ein Glas Cola wird verschüttet, beide kehren sich den Rücken, um sich nie wiederzusehen. Doch zu Hause angekommen - er in San Francisco, sie in Paris -, stellen sie fest, dass sie ihre Handys vertauscht haben. Handys, in denen intimste Informationen gespeichert sind. Sie beginnen, das Telefon des anderen zu durchstöbern, und was sie dort entdecken, erscheint ihnen wie ein Wink des Schicksals: Denn ihre Leben sind bereits seit langer Zeit miteinander verknüpft - durch ein Geheimnis aus der Vergangenheit, das sie nun einzuholen droht. Es beginnt eine atemlose Jagd, bei der die beiden alles riskieren, an ihre Grenzen gehen und das Unmögliche möglich machen.

Meine Meinung:
Guillaume Musso hat mit "Nachricht von dir" eine rundum hübsche Geschichte geschaffen, die als außergewöhnliche Liebesstory beginnt und sich zum Ende hin sogar noch zum spannenden Thriller entwickelt. Insofern ist in diesem Buch jede Menge enthalten: schöne Schauplätze, die wunderbar in Worten eingefangen wurden; sehr interessante und vielschichtige Charaktere, die eine Vergangenheit aufzuweisen haben, die sie heute noch verfolgt, und eine mitreißende Geschichte ums Kennenlernen zweier Personen, die sich als wahrer Pageturner entpuppt. Tatsächlich hatte ich das Buch in gut 1,5 Tagen durch. 
Musso erzählt in - typisch französischer - charmanter Art, wie 2 völlig Fremde aus Versehen ihre Handys vertauschen und damit ungewollt Steine ins Rollen bringen, die beide - wenn nicht schon längst vergessen -, dann doch wenigstens verdrängt glaubten. Dabei machen Jonathan und Madeline nur das, was vermutlich jeder Neugierige machen würde: einen Blick wagen. Sie gucken in das Handy des Anderen. Sie werfen einen Blick in die SMS- und E-Mail-Konten, schauen sich die Fotos auf dem Speicher an, scrollen sich durch die Apps. Nun stellt sich die Frage: was sagt der Inhalt eines Handys über dessen Benutzer aus? Spiegelt sich dort womöglich gar die Persönlichkeit des Besitzers wieder? Manch einer mag das schulterzuckend abtun und sich die nächste App runterladen; aber tatsächlich verraten SMS-Inhalte, die häufig genutzten Apps und die geschossenen Fotos doch eine Menge über denjenigen, der sie gemacht, installiert und geschrieben hat. Und so bilden sich auch Madeline und Jonathan rasch eine Meinung über die Person, dessen Handy sie da in der Hand halten. Richtig liebevoll und reizend entwickelt Musso dann ein Szenario des Sich-Kennenlernens: über kleine Sticheleien via SMS kommen sich beide näher, versetzen sich in die Lage des Anderen und tauchen immer tiefer in dessen Vergangenheit ein - immer quer über den Atlantik hinweg, er in San Francisco, sie in Paris. Bis... bis beide feststellen, dass es etwas gibt, das sie verbindet. Ein tragischer Vorfall, der ihre beiden Leben - unwissend voneinander - vor einigen Jahren berührt hat. Und der nun plötzlich wieder an Bedeutung gewinnt.
Ich fand "Nachricht von dir" unglaublich gut und unterhaltsam geschrieben. Trotz der merkwürdigen Art des Sich-Kennenlernens kommt die Geschichte durchaus plausibel und nachvollziehbar voran. Den kleinen Schlagabtausch per SMS zwischen beiden Protagonisten fand ich sehr amüsant zu verfolgen und die ständig präsente Frage "Was ist denn jetzt? Lernen sie sich noch richtig kennen?" begleitet einen durchgängig durchs Buch. Etwas irritiert war ich, als die Story plötzlich eine kleine Wende bekam und sich vom "bloßen" Roman mehr und mehr zum Thriller mit entsprechenden kriminalistischen Elementen entwickelte. Das kam etwas unerwartet, hat der Spannung aber keinen Abbruch getan - im Gegenteil. Dennoch, wer anhand der Inhaltsangabe eine rosarote zuckersüße Romanze erwartet, ist hier falsch. Zuneigung, Verliebtsein - spielt zwar alles eine Rolle, wird im letzten Buchdrittel jedoch eher etwas in den Hintergrund geschoben. Das Einzige, das ich hier ein wenig kritisch zu bekritteln habe, ist der Umstand, dass offenbar weder Geld noch Zeit eine wirkliche Rolle spielen - und scheinbar bei beiden Figuren mehr als genug vorhanden sind. So ist es denn auch kein Problem, mal eben von Paris nach San Francisco zu fliegen und nur ein paar Stunden später direkt weiter nach New York. Das kommt leider nicht so ganz überzeugend rüber, zumal zwar immer mal von "Jetlag" die Rede ist; man anhand der Gedankenspiele und Kombinierkünste der Protagonisten aber nicht wirklich glauben kann, dass da jemand einen Durchhänger haben soll. Ansonsten ist "Nachricht von dir" eine wunderbar charmant erzählte Geschichte, die ihren besonderen Reiz dadurch erhält, dass der Autor in seiner Danksagung darauf verweist, dass ihm eben dieser Handytausch selbst passiert ist und ihn zu dieser Geschichte inspiriert hat.

Fazit:
Nach dem Lesen dieses Buches überlegt sich der ein oder andere vielleicht zweimal, was er/sie alles auf dem Handy hat und was das über ihn oder sie aussagt. An alle, die es interessiert, wie ein solch versehentliches Vertauschen zweier Handys mehrere Leben verändern kann, sei hiermit eine ausdrückliche Leseempfehlung ausgesprochen. 
 

Samstag, 7. April 2012

In my mailbox...

In meiner "mailbox" gab´s diese Woche 1 Buch. Nur. Eigentlich nicht schlecht, könnte man meinen, wüsste ich nicht, dass mich dafür in der nächsten Woche gleich mehrere neue Bücher erwarten - ich hatte am Donnerstag nämlich einen Anfall von Frust-Bücher-Shopping. Und das wird sich nächste Woche rächen :(
Diese Woche gab es aber zunächst mal diesen kleinen Schatz:

Guillaume Musso: "Nachricht von dir"
New York, John-F.-Kennedy-Flughafen. Ein Mann und eine Frau prallen im Schnellrestaurant aufeinander - und fluchen. Ein Sandwich fällt zu Boden, ein Glas Cola wird verschüttet, beide kehren sich den Rücken, um sich nie wiederzusehen. Doch zu Hause angekommen - er in San Francisco, sie in Paris -, stellen sie fest, dass sie ihre Handys vertauscht haben. Handys, in denen intimste Informationen gespeichert sind. Sie beginnen, das Telefon des anderen zu durchstöbern, und was sie dort entdecken, erscheint ihnen wie ein Wink des Schicksals: Denn ihre Leben sind bereits seit langer Zeit miteinander verknüpft - durch ein Geheimnis aus der Vergangenheit, das sie nun einzuholen droht. Es beginnt eine atemlose Jagd, bei der die beiden alles riskieren, an ihre Grenzen gehen und das Unmögliche möglich machen.

Freitag, 6. April 2012

"Als die schwarzen Feen kamen" - Anika Beer

cbj Verlag, 2012
12,99 Euro

Handlung:
Völlig unerwartet wird die fünfzehnjährige Marie von Gabriel, dem Schwarm ihrer Mitschülerinnen, angesprochen. Gabriel vermag die Wesen zu sehen, die sich im Schatten der Menschen verbergen, und in Maries Schatten bemerkt er etwas Beunruhigendes: einen Schwarm gefährlich anmutender schwarzer Feen. Gabriels Angebot, ihr zu helfen, lehnt Marie zunächst ab, doch als es den Feen gelingt, in die Realität einzubrechen, geht sie erneut auf ihn zu. Gemeinsam versuchen sie, das Wesen der schwarzen Feen zu ergründen. Dabei stoßen sie auf eine düstere Stadt aus Obsidian, die Marie einst in ihrer Phantasie erschuf, die jetzt aber von den schwarzen Feen beherrscht wird. Mit Gabriels Hilfe will Marie es wagen, die Obsidianstadt zu betreten, um sich den Feen zu stellen …
(Quelle: amazon)

Meine Meinung:
Mein erster Gedanke war: "Feen?! Hm, ist jetzt nicht so meins." Aber zum Glück bin ich diesem ersten Gedanken nicht gefolgt, sondern habe "Als die schwarzen Feen kamen" angefangen zu lesen und mich schon nach einigen Seiten völlig in der Geschichte von Marie und Gabriel verloren.
Marie war mir vom ersten Moment an sympathisch; nicht nur, weil sie sich in der Schule Problemen und  freundschaftlichen Sticheleien gegenüber sehen muss, die auch mir noch aus meiner Schulzeit bekannt vorkommen. Sie wird hier zwar als recht hilfloses Mädchen dargestellt, das vieles nur über sich ergehen lässt, ohne den Mund aufzumachen - aber letztlich passt das zu ihr und zu dem, was mit ihr passiert. Gabriel ist ein ebenso ruhiger Geselle, mit seinen 2 Jahren Ältersein (und seiner Vergangenheit) strahlt er aber eine Abgeklärtheit und Zuversichtlichkeit aus, die genau das ist, was Marie fehlt. "Da haben sich 2 gefunden", könnte man jetzt sagen. Und ja, zwischen beiden entwickelt sich auch eine sehr angenehme und glaubwürdige Zuneigung. Was ich hier aber sehr schön fand, war der natürliche Rahmen, in dem sich diese ergibt. Hier wird nichts übertrieben oder schnell von der Autorin vorangetrieben; stattdessen begleitet der Leser Marie und Gabriel bei ihren kleinen Schritten aufeinander zu und kann nachvollziehen, wieso nach nur 1 Woche Bekanntschaft zwischen den beiden alles anders ist.
Ich fand das Konzept, das hinter der Herkunft der Feen steckte, eine sehr schöne Idee: für jeden schlechten Gedanken oder böse Idee, die man irgendwann hatte, entsteht eine solche böse "dunkle" Fee, die einen dann umgibt. Auch die Erklärung der Schattenkreaturen, die nur von Gabriel gesehen werden können, und die auf eine interessante Art und Weise das Wesen ihrer jeweiligen Besitzers wiederspiegeln, hat mir gefallen.
Trotzdem blieben bei mir am Ende einige Aspekte ungeklärt. So leuchtete mir beispielsweise nicht ein, wieso Gabriels Schattenwesen eine so durch und durch böse Gestalt sein soll, ein "Biest", wie er es selbst nennt - wenn diese Persönlichkeitseigenschaften bei Gabriel selbst doch so offensichtlich nicht vorhanden sind.
Das Interessante in diesem Buch ist der Umstand, dass das Geschehen, der Kernpunkt des Ganzen, irgendwie unwirklich erscheint: Schattengestalten, Feen, eine Obsidianstadt in Maries Träumen - das scheint alles nicht wirklich "real" zu sein. Das mag man manchmal glatt vergessen beim Lesen, bis dann plötzlich wieder offensichtlich wird, dass alles in die Realität eingebettet ist, wenn man von einem Café im Schanzenviertel in Hamburg liest, oder vom Schulalltag Maries beispielsweise.
Die Geschichte bedient sich durchgängig ruhiger Töne, die noch dazu von einer sehr schönen Sprache der Autorin leben. Diese leichte und trotzdem stets auf den Punkt treffende Schreibweise trägt einen durch die Sätze; und die schönen und lebendigen Beschreibungen (sowohl rein äußerliche als auch vor allem der Gedanken und Gefühle) haben das Bild von Marie, die durch das verschneite Hamburg läuft, vor meinen Augen entstehen lassen.
Der ein oder andere mag "Als die schwarzen Feen kamen" als Jugendbuch deklarieren; in meinen Augen ist es aber soviel mehr, und auch bei Erwachsenen dürften sich hier Erinnerungen an die eigene Kindheit und damit verbundene Träume und Ängste zurückmelden.

Fazit:
Sehr schöne und lesenswerte Geschichte um verdrängte Erinnerungen, böse Gedanken, die einen verfolgen, um Freundschaft und das Kribbeln der ersten Liebe - alles verpackt in wunderbare Worte und genaueste Beobachtungsgabe. 5 Bücherstapel.

Freitagsgedanken: Lesemarathon

Kalt und grau draußen - was könnte man da besser tun, als sich hinter einem Buch zu verkrümeln? Das dachten sich vermutlich auch einige andere Blogger und haben diesen Karfreitag spontan zum Lesemarathon-Freitag ausgerufen. Nun bin ich ja nicht so ein "Marathonisierer" und ich weiß auch jetzt schon, dass ich heute nur bedingt zum Lesen kommen werde - wahrscheinlich immer nur mal hier und da so eine Viertelstunde Buch dazwischen geschoben. Aber ich versuch mal mein Bestes und gestalte diesen Feiertag ganz im Sinne des Lesens. Ob ich hier regelmäßig Fortschritte posten werde... hm, weiß ich noch nicht. Aber ich bleibe mal bei Tine dran, die bei facebook ihre Erfolge kundtut, vielleicht kommentiere ich dann dort auch ein wenig.
Starten werde ich mit "Sie und Er" von Andrea de Carlo, ein Buch, das ich gewonnen habe und bei dem ich zugesagt habe, es zeitnah zu rezensieren - wird also mal Zeit. Gestern hab ich angefangen; leider muss ich sagen, dass mich die Art, wie der Autor schreibt, bis jetzt nicht so vom Hocker haut. Na mal sehen, wie es weitergeht. Ansonsten hab ich mir noch "Die falsche Tochter" von Nora Roberts und "Wenn ich bleibe" von Gayle Forman bereitgelegt; und wenn mir das alles zu seicht wird, dann schnapp ich mir "Haunting Violet" von Alyxandra Harvey - da geht´s sicher eher etwas schaurig zu :)
Im Laufe des Tages setze ich mich auch noch an die Rezension von "Als die schwarzen Feen kamen" von Anika Beer - ein wirklich schönes Buch.
So, na dann auf in einen Lesefreitag. :D
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