Sonntag, 6. Februar 2011

"Scherbenmond" - Bettina Belitz

Script 5 Verlag, 2011
19,95

Handlung:
Längst ist der Sommer vergangen, der Elisabeth Sturm die Augen öffnete für die gefährliche Welt der Mahre, der Sommer, in dem sie sich in einen von ihnen verliebte. Seit Monaten ist Colin nun verschwunden und Ellie quält sich durch einen nicht enden wollenden Winter. Die Tage tröpfeln gleichförmig vor sich hin, in den Nächten dagegen wird Ellie von Albträumen heimgesucht, die sie verstört zurücklassen. Um auf andere Gedanken zu kommen, quartiert Ellie sich bei ihrem Bruder in Hamburg ein. Doch sie erkennt Paul kaum wieder: Er wirkt erschöpft und gehetzt und scheint etwas vor ihr zu verbergen. Je mehr sie in Pauls Welt eintaucht, desto deutlicher überkommt Ellie ein Gefühl der Bedrohung und plötzlich weiß sie nicht mehr, wem sie noch trauen kann. Sie ahnt nicht, dass ihre Sorge um Paul und ihre Liebe zu Colin sie tiefer verletzen könnten als der abgründigste Traum …

Meine Meinung:
Ok, das wird wohl eine recht kurze Rezension, weil ich nur kurz ein paar Gedanken zum Buch zusammenfasse.
„Scherbenmond“ ist in meinen Augen eine wirklich schöne und gelungene Fortsetzung von „Splitterherz“. Der Wechsel des Schauplatzes (vom Westerwald nach Hamburg) sowie die Tatsache, dass jetzt auch andere Personen als Ellie zum wesentlichen Geschehen beitragen, haben mir richtig gut gefallen und haben auch für die Entwicklung der Geschichte um Ellie und Colin ihren entscheidenden Beitrag geleistet. Tillmann ist nicht mehr nur der merkwürdige Junge mit Asthmaanfällen aus der Schule, wir lernen Paul endlich kennen und mögen, und die Figur der Gianna gefällt mir sehr. Anfangs fand ich sie komisch, zum Ende hin richtig spitze. Chaotisch, leicht neurotisch und verplant- irgendwie passend in dieser Geschichte.
Ellie hat mich in diesem Teil an mancher Stelle leider genauso „genervt“ wie in „Splitterherz“. Sie wirkt teilweise so ungestüm und aufbrausend in ihren Handlungen; sagt Sachen, von denen ich mir denke, ´das kann sie doch nicht wirklich so meinen` und ´wenn sie so mit mir reden würde, wäre sie bei mir aber untendurch`. Und ihre Zerstreutheit und Unorganisiertheit... - so konfus, wie sie teilweise rüberkommt, wirkt sie auf mich manchmal regelrecht unsympathisch.
Natürlich spielt das Thema Schlafen und vor allem Träume eine wesentliche Rolle in dieser Buchreihe. In „Scherbenmond“ fand ich es angenehm, dass Ellie nicht permanent vor lauter Müdigkeit noch angezogen ins Bett gefallen ist (wie noch in „Splitterherz“). Trotzdem haben mich die Träume, die hier beschrieben wurden, manchmal leicht verwirrt zurückgelassen, und waren für meinen Geschmack etwas zu häufig vertreten. Ich finde, auch nicht jeder Traum war unbedingt wirklich bedeutungsvoll für die Geschichte.
Meinen Lieblingssatz im Buch („Warum haben Verrückte eigentlich immer wirre Haare?“, S.80) muss ich an dieser Stelle aber auch noch loswerden. J
Kurzum: mir hat „Scherbenmond“ richtig gut gefallen (auch die Buchcover, die für diese Reihe ausgewählt werden, finde ich schön); ich freu mich jetzt schon auf den nächsten Teil, auf den wir wohl aber leider noch eine Weile warten müssen. Ich mach mir jetzt schon unweigerlich Gedanken, wie es weiter- und vor allem ausgehen könnte – mal sehen, ob ich mit irgendeiner meiner Ideen dazu Recht behalte.
Von mir gibt es 5 von 5 Bücherstapeln.

"Arkadien erwacht" - Kai Meyer

Carlsen Verlag, 2009
19,95 €

Handlung:
Neustart, das Programm des Lebens fährt hoch und alles ist wieder in Ordnung. Etwas in der Art erhofft sich Rosa Alcantara von einer Reise nach Sizilien, wo ihre ältere Schwester sie erwartet. Allerdings heißt das, in den Schoß des Clans zurückzukehren, weil Rosas Familie zur sizilianischen Mafia, der Cosa Nostra, gehört. Dieses Schicksal teilt die Siebzehnjährige mit Alessandro Carnevare, auf dessen Schultern eine ungleich schwerere Last ruht: Bald soll er als neues Oberhaupt das Erbe seines Vaters antreten. Dass die Alcantaras und Carnevares seit Generationen verfeindet sind, hindert die Liebe aber nicht daran, sich unaufhaltsam ihren Weg in Alessandros und Rosas Herz zu bahnen. Alessandro ist kein normaler Mensch – er entstammt dem uralten Geschlecht der Arkadier. Hass, Angst, Liebe lösen in ihm eine Metamorphose aus, die den Helden in einen wilden schwarzen Panther verwandelt. Schock und Faszination übermannen Rosa, als Alessandro ihr jenes Geheimnis offenbart – noch weiß sie nicht, dass auch in ihren Adern arkadisches Blut fließt.

Meine Meinung:
Wow, endlich mal ein Buch abseits des beliebten Vampir- und Werwolf-Hypes, war ich fast geneigt zu sagen. Tatsächlich ist es schön, mal wieder ein Buch inmitten der vor Fantasy-überquellenden Bücherregale zu finden, das so gänzlich frei von Blutsaugern ist. Stattdessen gibt es bei Herrn Meyer Raubkatzen und Schlangen. So plump das vielleicht klingt, so spannend hat er es umgesetzt.
Die Story von Rosa und Alessandro spielt in Sizilien, mitten im Mafia-Geschehen verschiedener (natürlich verfeindeter!) Clans. Dieses Thema war für mich völlig neu – ich habe mich nie wirklich mit der Mafia und deren Machenschaften beschäftigt (ist vielleicht auch besser so). Ich habe auch Filme wie „Der Pate“ oder „Scarface“ nie gesehen und vielleicht liegt es daran, dass ich beim Lesen von „Arkadien erwacht“ manchmal etwas ins Straucheln geriet. Die Brutalität und Skrupellosigkeit der Mafia (sofern sie denn von Kai Meyer realitätsnah wiedergegeben ist – und da verlasse ich mich einfach mal auf seine Recherche-Fähigkeit) sind wirklich gut dargestellt. Auch dass diese im krassen Widerspruch zum geliebten hochgehaltenen „Konkordat“ stehen: ein Friedensabkommen, das besagt, dass Mitglieder verschiedener Clans zwar in offener Feindschaft zueinander stehen, aber dennoch nicht gegeneinander vorgehen dürfen. Mafia-Logik, wie mir scheint.
Kai Meyer hat es jedoch bestens geschafft, mich als Leser auf verständliche Weise durch das Wirrwarr an Namen und inhaltlichen (Mafia-) Verflechtungen zu führen, die gerade zum Ende hin etwas undurchsichtig wurden.

Was mir an „Arkadien erwacht“ wirklich gefallen hat, ist, dass die Charaktere Ecken und Kanten besitzen. Sie sind mir nicht durch und durch sympathisch gewesen, nicht nur schwarz/weiß – gut/böse gezeichnet; gerade Rosa hat es mir anfangs nicht leicht gemacht, sie zu mögen. Alessandro als der atemberaubende Sizilien-Beau, der alles hat, alles kann und auch noch reich ist, entspricht da schon mehr einem Klischee. Die Tier-Verwandlungen haben auf mich bisher ehrlich gesagt noch keinen wirklichen Reiz ausgeübt, zumal mir die „Wichtigkeit“ dieser Fähigkeit für den Handlungsverlauf noch nicht klar ist. Alles, was bisher geschehen ist, hätte auch in Menschenform passieren können. Auch gerade die Verbindung Raubkatze - Schlange leuchtet mir noch nicht wirklich ein. Vielleicht liegt es auch nur an mir. Ich denke aber, dass das im zweiten Teil deutlicher wird.
Alles in allem ein sehr gelungener Auftakt zu einer neuen Reihe von Kai Meyer, der zum Glück genug Fragen offen lässt, um gespannt auf den zweiten Teil („Arkadien brennt“) sein zu können.

Fazit:
Von mir gibt es 4 von 5 möglichen Bücherstapeln.

"Percy Jackson - The Titan´s curse" - Rick Riordan

Handlung:
Percy und seine Freunde machen sich auf die Suche nach gleich 2 Personen: sowohl die Göttin Artemis als auch Percys Freundin Annabeth werden von finsteren Gestalten entführt und am anderen Ende des Landes festgehalten. Mit auf der Suche ist u.a. Zoë, eine Jägerin aus dem Kreis von Artemis, sowie Bianca, ein „neu aufgetauchtes“ Halbblut- Mädchen. Während der abenteuerreichen Reise entwickeln sich neue Freundschaften, andere gehen leider zu Ende.

Meine Meinung:
Als ich anfing, Teil 3 der Geschichte um Percy zu lesen, musste ich gleich das Buch wieder zuklappen und auf dem Cover nachsehen, ob ich tatsächlich Band 3 zum Lesen gegriffen hatte, und nicht schon Teil 4. Denn gleich im ersten Kapitel hatte ich das Gefühl, irgendetwas verpasst oder zumindest das Ende des zweiten Teils völlig vergessen haben zu müssen. Die Handlung beginnt völlig aus dem Zusammenhang gegriffen, ohne noch einmal auf die Geschehnisse vom Ende des 2. Teils einzugehen (und diese waren ja nicht gerade bedeutungslos). Man ist gleich mitten drin, und das kam mir zunächst etwas merkwürdig vor. Beim Weiterlesen machte das aber nichts, denn Band 3 entwickelt sich genauso fulminant wie die beiden Vorgängerbände. Spannung, viele Abenteuer, jede Menge Action (eigentlich gibt es kaum ein Kapitel, in dem nicht irgendwer gegen irgendwen oder irgendwas kämpft).
Etwas schade fand ich, dass Annabeth in diesem Band etwas zu kurz kommt, eigentlich gar nicht wirklich Teil der Geschichte ist.
Ansonsten kann ich zu Band 3 nichts sagen, was nicht auch für die anderen Percy Jackson- Bände gelten würde. Ich mag die Art, die Rick Riordan schreibt – schönes verständliches Englisch in lockerem Schreibstil - und in meinen Augen hat er mit Percy und seinen Freunden wunderbare Charaktere geschaffen. Auch seinen Humor finde ich brilliant, dieser ist nicht aufdringlich und gewollt, sondern kommt so unverhofft nebenbei in irgendwelchen Bemerkungen, Kommentaren oder ironisch gemeinten Andeutungen heraus, die irgendjemand fallen lässt (Bsp: das Gespräch am Hoover Damm, ohne hier mehr verraten zu wollen). Allen voran Grover, der sich mittlerweile zu meiner Lieblingsfigur entwickelt hat.

Fazit:
Bei jedem Percy Jackson Buch fühle ich mich gut unterhalten und bin jetzt schon gespannt, auf welchen Showdown Buch 5 hinauslaufen wird. Vor allem aber bekomme ich jedes Mal, wenn ich ein Percy Jackson- Buch beendet habe, Lust, meine alten eingestaubten Kenntnisse zur griechischen Mythologie etwas aufzufrischen. Und das rechne ich Rick Riordan hoch an...
4 von 5 Bücherstapeln, weil mir Band 2 im Vergleich einen Tick besser gefallen hat.

Rubrik: Lieblingsbücher

Neben den neuen und aktuellen Büchern möchte ich auch gern meine All-time-Favourites vorstellen. Lieblingsbücher, die ich schon mehrere Male immer wieder mit Begeisterung gelesen und in ihnen immer wieder etwas Neues entdeckt habe.
Den Anfang macht...

William Goldman „Die Brautprinzessin“

Handlung:
„Kommt auch Sport drin vor?“
„Fechten. Ringkämpfe. Folter. Gift. Wahre Liebe. Hass. Rache. Riesen. Jäger. Böse Menschen. Gute Menschen. Bildschöne Damen. Schlangen. Spinnen. Wilde Tiere jeder Art und in mannigfaltigster Beschreibung. Schmerzen. Tod. Tapfere Männer. Feige Männer. Bärenstarke Männer. Verfolgungsjagden. Entkommen. Lügen. Wahrheiten. Leidenschaften. Wunder.“
„Klingt gut.“

Ganz kurz gesagt geht es um Westley und Butterblume, die sich in einem Land namens Florin ineinander verlieben, aber noch diverse Hürden und Abenteuer vor dem Happy End bestehen müssen. Ich glaube, das kann ich so schreiben, ohne etwas Wesentliches zu verraten (von wegen Spoiler...)... Auf dem Weg begegnen ihnen eine Menge merkwürdiger, teilweise aber auch liebenswerter Gestalten, die alle ihren Beitrag zu einer rundum schönen Geschichte leisten.

Meine Meinung:
Das besondere an diesem Buch ist die Geschichte in der Geschichte. Eigentlich ist die Story um Westley und Butterblume der Kern des Buches, jedoch erklärt uns der Autor William Goldman am Anfang und immer mal wieder in Form von Kommentaren mittendrin, warum das eigentlich so ist. Nicht umsonst lautet der komplette Titel des Buches „Die Brautprinzessin. S. Morgensterns klassische Erzählung von wahrer Liebe und edlen Abenteuern. Die Ausgabe der „spannenden Teile“.“ Er gibt Zusatzinformationen über Florin und die Menschen, die dort leben, tut seine persönliche Meinung kund, gibt autobiographische Kommentare und erklärt, warum manche Teile der „ursprünglichen“ Geschichte spannend sind und manche nicht. Das gibt dem Buch einen ganz besonderen Reiz, wie ich ihn in noch keinem anderen Buch erlebt habe.
Aber natürlich ist es auch vor allem die Geschichte und die handelnden Personen, die mir ans Herz gewachsen sind. Allen voran der Degenkämpfer Inigo Montoya oder Fezzik, der Riese, der zwar alle mit seinem Aussehen verschreckt, aber eigentlich eine innige Leidenschaft fürs Reimen besitzt, die manchmal durchschlägt. Auch die NiuFs - Nagetiere in ungewöhnlichem Format - muss ich an dieser Stelle mal erwähnen.
Dieses Buch ist voller liebevoller Details, voller Wortwitz, Ideen und Einfälle, voller Fantasie und Zauber. Ich bin nicht der „typische“ Fantasy- Leser; Elfen, Feen, Druiden und Heiler- das ist alles nicht so wirklich meins. Aber dieses Buch ist fantastisch- in allen übertragenen Sinnen...

Fazit:
In meinen Augen ist dieses Buch ein echtes Meisterwerk. Ich kann eine uneingeschränkte Leseempfehlung geben- egal, ob jung oder alt, ob Männlein oder Weiblein, ob Fantasy- vernarrt oder lieber nur ein wenig verträumt. Dieses Buch hat einfach für jeden etwas. 5 von 5 wohlverdienten Buchstapeln.



Übrigens wurde diese großartige Erzählung auch schon vor einigen Jahren verfilmt (1987). Die filmische Umsetzung ist in meinen Augen wirklich gelungen, die Personen sind spitze besetzt- gerade Cary Elwes spielt Westley grandios, und auch Inigo und Fezzik sind gut getroffen. Butterblume hätte ich mir etwas jünger und unbedarfter gewünscht, Robin Wright trifft daher nicht so ganz meinen Fall. Aber auch hier kann ich eine Empfehlung geben: der Film ist echt gut. 
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