Samstag, 2. Juli 2011

"Herz auf Sendung" - Anja Goerz

Rowohlt Verlag, 2011
8,99 Euro

Handlung:
Niemand ist eine Insel. Außer Sylt. Im Leben von Ina galt bisher: Du verliebst dich, fühlst dich wie im siebten Himmel, dabei liegt der nächste Herzensbrecher direkt neben dir. Damit soll jetzt Schluss sein: Auf Sylt, der schönsten Insel der Welt, fängt Ina nochmal von vorn an. Prompt verliebt sie sich in den Moderator des Inselradios. Und sie will nicht nur eine Tasse Kaffee, sie will ein weißes Kleid und einen Bausparvertrag. Nach einer durchzechten Nacht wacht sie mit einem Knutschfleck auf: Hat sich ihr Herzenswunsch endlich erfüllt?

Meine Meinung:
Ina, der typische chaotische, leicht desorganisierte Single, lebt auf Sylt und arbeitet bei einem Radiosender. Eigentlich will sie nicht viel mehr als die große Liebe in ihrem Leben, und die glaubt sie in Jan, einem Radiomoderator, gefunden zu haben. Fortan will sie die Dinge selbst in die Hand nehmen und Jan in sich verliebt machen. Nach einer recht wilden Partynacht mehren sich die Hinweise, dass dieser Wunsch tatsächlich in Erfüllung gegangen sein könnte...
Leider konnte mich die Geschichte von Ina nicht wirklich überzeugen. Zu vorhersehbar war die ganze Handlung und obendrein recht übertrieben. Zudem hat mich der Sprachstil der Autorin manchmal die Stirn runzeln lassen. Anja Goerz nutzt teils merkwürdige Bezeichnungen und Beschreibungen, so bezeichnet sie z.B. mehrfach einen Mann, der - sagen wir mal - optisch nicht so toll aussieht als "einen Buckligen". Das fand ich wirklich merkwürdig. Vor allem aber hat mich gestört, dass die Äußerungen und Gedanken von Ina manchmal so gewollt lustig sein sollten, dass sie leider alles andere als lustig waren, sondern eher gezwungen. Ina hat irgendwie immer einen Spruch auf den Lippen, Hauptsache schlagfertig, und dann kommen eben auch mal solche Sätze bei raus: "Du bist ja so blöd, du isst dein Knoppers schon um neun, oder?" (S.239) Das trifft leider überhaupt nicht meinen Humor, und so hab ich beim Lesen von "Herz auf Sendung" leider eher selten lächeln, geschweige denn lachen müssen. Auch die Dialoge zwischen Ina und ihrer Freundin Maike wirkten auf mich bemüht und holprig, irgendwie unecht; ich hab mir die ganze Zeit gedacht, "so würde ich mit meiner Freundin, die ich seit Jahren kenne, aber nicht reden." Ich denke, dass das auch dem Umstand geschuldet ist, dass es sich hier um einen Debütroman der Autorin handelt, und ich glaube, nachfolgende Bücher von ihr werden sprachlich ausgefeilter sein, denn schreiben und den Spannungsbogen einer Story aufrecht halten kann Frau Goerz prinzipiell schon. Es gab nur leider hier und da einige Stellen, die auf mich recht holprig und - nun ja - eben so vorhersehbar waren. Das fand ich schade. Denn "Herz auf Sendung" sticht damit leider überhaupt nicht aus der Masse der "Frauenromane" heraus, im Gegenteil.
Dazu kommt, dass mir Ina als Hauptprotagnostin kaum sympathisch erschien. Sie hat ein paar kleine Macken und Vorlieben, die ich durchaus auch von mir kenne, aber sie ist so unglaublich naiv, dass ich wirklich fast den Kopf geschüttelt habe beim Lesen. Sie denkt kaum nach, macht einen furchtbar unorganisierten und fast schlampigen Eindruck, wenn sie mit ihrer Pyjamahose zur Arbeit geht, und ist irgendwie ständig am Essen. Entweder sie bestellt sich etwas zu Essen, oder kauft sich gerade was, oder denkt an Essen. Das fand ich anfangs noch nett, aber irgendwann wurde das zuviel. Ich weiß nicht, ob die Autorin hier das Bild einer zweiten Bridget Jones heraufbeschwören wollte; das ist ihr jedenfalls nicht so recht gelungen.

Fazit:"Herz auf Sendung" hat mich aufgrund der vorhersehbaren Handlung und des bemühten Sprachstils der Autorin leider nicht so recht überzeugen können. Da es sich um einen Debütroman handelt, der viel Potential für folgende Bücher der Autorin verspricht, drücke ich alle Augen zu und gebe 3 Bücherstapel von 5. 
Ein herzliches Dankeschön an den Rowohlt Verlag und "Blogg dein Buch" für das Rezensionsexemplar!

1 Kommentare:

  1. Schade! Klingt nach keinem großen Lesevergnügen, obwohl die Inhaltsangabe sehr gut und eben nach Spaß klingt. Bei dem Spruch mit dem Knoppers hätte sich in meinem Gesicht wohl auch nichts bewegt. ;)

    LG Reni

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