Samstag, 28. Mai 2011

"Ada liebt" - Nicole Balschun

Dumont Verlag, 2011
16,99 €

Handlung:
Als ihre Tante Rosi stirbt, gerät Adas Welt aus den Fugen. Aber nicht so sehr wegen der Trauer um die schrullige Tante. Vielmehr weckt einer der Sargträger Adas Interesse, als er aus Versehen sein Gebetbuch in Rosis Grab fallen lässt. Bo ist Landwirt und nur im Nebenberuf Sargträger. Er ist ganz anders als die verschlossene Ada. Ada sucht ihr Glück in Büchern und auf Friedhöfen und verkriecht sich so vor dem Leben. Bis Bo mit seinen Kühen und Schweinen auftaucht. Er liest Ada aus den Landwirtschaftsmagazinen vor und stellt ihr schließlich eigene Gummistiefel hin. Doch nicht nur Adas Vater, dem die Leitsau Siegfried und überhaupt die ganzen Schweine suspekt sind, traut der Beziehung nicht richtig über den Weg. Mit Ada und Bo hat Nicole Balschun zwei Figuren geschaffen, die ungleicher nicht sein könnten, denen man aber am liebsten zurufen würde: Ja, ihr seid genau richtig für einander! Ein so komischer wie anrührender Roman darüber, wie schwierig es sein kann, sich jemandem über alle Grenzen und Hindernisse hinweg zu öffnen.

Meine Meinung:
Ada verliebt sich in Bo. Alles könnte ganz schön werden, jedoch prallen mit den beiden recht unterschiedliche Welten aufeinander. Bo ist Landwirt und lebt für seine Schweine und seinen Hof. Ada weiß nicht so recht, was sie vom Leben will und erwartet und macht deshalb zunächst das für sie naheliegendste, als es ihr angeboten wird: eine Doktorarbeit in Literaturwissenschaften. Beide können nicht mit- aber erst recht nicht ohne einander.
Die Geschichte von Ada und Bo zieht sich über mehrere Jahre und wird dabei stets aus der Sicht von Ada erzählt. Ada ist ein Charakter, mit dem ich mich selbst sehr identifizieren konnte, und das hat mich recht schnell und leicht durch das Büchlein (191 Seiten) getragen. Ihre Gedankengänge konnte ich an mancher Stelle so gut nachvollziehen, dass ich einfach kopfnickend da saß. Sie ist ein eher ruhiger Mensch, der sich Gedanken macht, jedoch nicht unbedingt in Gesellschaft anderer sein muss, um glücklich zu sein. Wenn sie darüber spricht, wie ihre Mutter versucht, sie zu mehr gesellschaftlichem Leben zu überreden („denn man muss doch unter Leuten sein“), oder wenn es um allgemeine Erwartungen geht, die die Gesellschaft an einen stellt - wie hat man sich zu verhalten, wann sollte man was sagen und wann lieber nicht - dann kam ich beim Lesen nicht umhin, mir zu denken „Ja, das stimmt, wieso ist das eigentlich so? Wieso wird man schräg angeguckt, wenn man abends nicht gern ausgeht?“ Adas Eltern sind das beste Beispiel dafür, nicht ganz so in die biedere angepasste  Gesellschaft zu passen, wobei ihr Vater dies ganz bewusst lebt und ihre Mutter diesen Umstand gern verheimlichen möchte. Und Bo? Bo lebt das Leben einfach so, wie es kommt. Als Bauer sieht er die Dinge recht simpel; allerdings ist es gerade er, der manche Sachen erst auf den Punkt bringt, schlicht und einfach, und der Ada klar macht, dass sie sich klar machen muss, was sie will.
Mir hat „Ada liebt“ eigentlich ziemlich gut gefallen. Es ist keine Liebesgeschichte im herkömmlichen Sinn, sondern eher die subjektive Beschreibung von zwei Menschen, die sich mögen und überlegen, ob sie denn wirklich zusammen gehören. Nicole Balschun schreibt leicht und fast im Plauderton, der sich locker durch das ganze Buch zieht. Hier und da sind so unverhofft kleine Ironien und sarkastische Bemerkungen versteckt, die mich zum Schmunzeln gebracht haben, weil sie eben wirklich einfach wahr sind. So zum Beispiel die Beschreibung von Adas erstem Date: „Er war nett, aber was soll man denn reden, mir fiel nichts ein, ihm auch nicht, Musik interessierte mich nicht und er las nicht.“ (S.14)
Den wirklich einzig richtigen Kritikpunkt, den ich anbringen muss, weil er auch dazu geführt hat, dass ich das Lesen von „Ada liebt“ als nicht so angenehm empfunden habe: Frau Balschun verzichtet gänzlich auf Anführungszeichen. Und das in einem Buch, das nur so vor wörtlicher Rede strotzt. Jeder Satz wird komplett ineinander geschrieben, wörtliche Rede nur durch Kommas von Beschreibungen oder Gedanken abgetrennt - und das fand ich anfangs furchtbar verwirrend. Nach einigen Seiten gewöhnt man sich zwar nach und nach dran; jedoch blieb es bis zur letzten Seite nicht aus, dass ich über die Sätze gestolpert bin und manchmal nicht auseinander halten konnte, ob ein Satzfragment jetzt von einer Figur tatsächlich „ausgesprochen“ wurde, oder ob es sich dabei nur um einen Gedanken handelte. Das fand ich beim Lesen doch recht störend, und auch wenn es letztlich wiederum den Reiz des Buches ausmacht, hätte ich mir eine andere Lösung gewünscht.

Fazit:
„Ada liebt“ ist ein schönes kurzweiliges Buch über das „sich-verlieben und damit zurecht-kommen“. Es ist keine Geschichte, die einen nach dem Lesen sprachlos und völlig begeistert da sitzen lässt, sondern eher ein ruhiges kleines Büchlein, das man mal gelesen haben sollte, wenn einem danach ist. Das Fehlen der Anführungszeichen für die wörtliche Rede ist leider sehr gewöhnungsbedürftig und nicht ganz mein Fall. Ich gebe 4 von 5 Bücherstapeln.
Ein herzliches Dankeschön an den Dumont Verlag für das Rezensionsexemplar!

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